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Zul-aer /lnzeiger

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ZulSa- und Haunetal »Zlüöser Kreisbla«

bind: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach/H. Haupt- v Nachlaß.DA." X. 34. 910. Verantwort!, f. d.

schnstleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Beüaktion unö Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernfprech-Husthkiß Fr. D89 Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 263 1934

Fulda, Freitag, 9. November

11. Jahrgang

Totenehrung in Dankbarkeit

Am vierhundert Gräbern.

Wieder setzten wir die Zahnen halbmast, im herzen Trauer, die gleichwohl tiefer Dank ist für das blutige Opfer, das die mehr als vierhundert Toten der Bewegung für ein neues Deutschland brachten. Überall im Reich, wo auf den stillen Friedhöfen die Toten der Bewegung in der heimatlichen Erde liegen, senken heute die Mnentrâger die Zeichen über den Gräbern. 3m Wind des trüben Herbsttages weht leise das Tuch mit dem Haken- kreuz, Grutz und Ehrung zum bleibenden Gedüchims derer, die aus glühendem Glauben die Überzeugung zum bedingungslosen Einsatz für eine bessere Zukunft Deutschlands gewannen. Ihr Blut Netz die Saat mächtig auf­gehen, die der Führer über die deutsche Erde ansgeworfen hatte. Ihm aber hat die Geschichte schon recht gegeben, als er den sechzehn Toten des 9. November 1923 und mit ihnen allen Gefallenen der Bewegung den stolzen Grabsxruch setzen liest:And ihr habt doch gesiegt!"

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In rasend schnellem Tempo, viel rascher als früher, dreht sich die Welt. Was beinahe für alle Ewigkeit ge­zündet zu sein schien, stürzt über Nacht, und fast mühsam muß man aus dem Gedächtnis die Erinnerung heran- holen. Aber unverwischbar, nnvertilgbar und unvergeßlich ist in alle Sinne und tief in das Herz des deutschen Volkes der 9. November hineingegraben.

Wie war es denn, als vor l6^Jahre»l alles zu- Munenbrach, als Delttschiand in seinem Kamps um§ Dasein plötzlich mit einer sozialistischen Republik be­glückt würde, die alsbald dem Abgrund des Komn-nnis- inus zuzutaumeln begann! Als diese Revolution das Werk der tiefsten Erniedrigung an Deutschland voll­zog: den Zusammenbruch vor dem Feind, der vor unseren Toren stand! Weit stieß die Revolution diese Tore aus, und man hat in Deutschland offiziell den 9. November gefeiert, weil er uns ja die Republii beschert hatte! An diesem Tage marschierten zu ihren Demonstrationen einhellig auf alle, die die Nutznießer dieser Revolution itnö dieser Republik geworden waren. Und neben den Reichsfarben, die uns der Haß gegen die alten glorreichen Fahnen des Deutschen Reiches attn gezwungen hatte durch eine blöde Mehrheit von ein Paar Stimmen, flatterte einträchtig die rote Seeräuberflagge. Man feierte, feierte diesen Tag als den Geburtstag der Republik, was ja viel wichtiger Ivar, als daß uus dieser Tag in den Znsamineiibrnch hineingeführt hatte also ein Tag tiefster Trau e r hätte sein sollen?

Ja, man feierte den Tag, den 9. November, bei dein immer mit aller Kraft ringenden Frontsoldat e « den Halt der Heimat genommen hat. Er verstand diesen 9. November "nicht, imb als er zum zweitenmal nach diesem Tage Blut und Leben für die ihm fast fremd ge- wordene Heimat entsetzte, war es ihm höchst gleichgültig wenn man ihn beschwor, doch ja für dieErrungen

Am 9. November in München auf dem Rathausplatz.

Men der Revolution" zu kämpfen, die jener 9. Novem- Pi» angeblich beschert hatte. E r kämpfte nur für .Deutschland, das ihm im Herzen saß und so gar nichte Einsam hatte mit dem Deutschland, wie es bamah 'lab. An dieses Deutschland stellte er nur die bitten

Sind denn die zwei 'Millionen Kameraden vor »Men vergeblich gefallen und haben wir ^.°enuu.den scheußlichsten aller Kriege, den Bürger unter neuen schweren Opfern durchkämpfen minien Sen. 11'r eure angeblichenErrungenschaften ocu ,e °""wu" behaltet unb den Tag dieser Nevolutror bete,.!" könnt? Und damit ihr uns sagt:Laßt iu

... wenn sie hungrig sind?"

Sieih'» Nutzte damals wohl niemand, daß in den Ul dieser Feinde des 9. November ein Mann stand.

der die Schmach jenes Tages tilgen, der die Fahnen des 9. November 1918 herunterreiben würde. Die Not mutzte erst noch viel größer, der nationale Gegendruck gegen die uns von außen und innen her angetane Schmach unb Schande noch viel stärker werden, bis an einem zwei- t c u 9. N ovc m b c r dieser nationale Gegendruck zu einer Explosion führte. Sie schien vergeblich gewesen zu sein. Als die von deutschen Kugeln gefällten Opfer des 9. November 1923 unter der Erde lagen, als die Partei des deutschen Nationalsozialismus verboten rind zerschlagen war, da hat wieder so mancher der Kämpfer, der in dieser Front gestanden hatte, sich wohl in bitterer Einsamkeit die Frage vorgelegt: Sind nun auch d i c s c Kameraden umsonst gefallen wie jene anderen jenseits der deutschen Grenzen, und wie jene, die hernach bei der Verteidigung der Heimat selbst gegen neue und alte, äußere und innere Feinde ihr Leben hingegeben haben, damit Deutschland wenigstens tcbé?

Zum z w e i t e n tu al war der 9 November zu einem T r a u e r t a g für das nationale Deutschland geworden, aber die anderen glaubten nun doppelt feiern zu können an diesem Tage der Schmach und Schande. Sieglos, so schien es, mußte sich nun auch der Soldat der inneren F r o n l in Deutschland in die Einsamkeit zurückziehen: wieder hatte ihn der Verrat hinterrücks am gefallen, nur weil er, hinter und neben seinem Führer Adolf Hitler, in einer für Deutschland entsetzlichen Zeit dessen Wort zur Erfüllung bringen wollte:Die Ein­heit des Reiches ist das letzte Bollwerk, das uns geblieben ist; das m u ß unter allen U m st ände n erhalten bleiben!" Dafür sind er und seine Getreuen losmarschiert am 9. November 1923. Nicht rupen und rasten wollte Adolf Hitler, wie er kurz darauf geschrieben hat, bisdie Verbrecher vom November 1918 niedergeworfen sind und bis auf den Trümmern des heutigen jammervollen Deutschland ein neues wieder­erstanden sein wird, ein Deutschland der Macht und Größe, der Freiheit und der Herrlichkeit!". Unter den Schüssen vor der Feldherrnhalle und vor dem Rathaus zerbrach der erste Angriff. And den sechzehn deut­schen Männernversagten sogenannte nationale Behörden ein gemeinsames Grab", wie Adolf Hitler mit tiefster Bitterkeit inMein Kampf" sagen mutzte.

Über diese toten Helden des 9. November 1923 glaubten dieroten Helden" jenes ersten 9. November ge­siegt zu haben, und zwar cndaültia. Dock aus dem Blut

Regierungswechsel in Frankreich

Das Kabinett Doumergue zurückgetreten.

Das Kabinett Doumergue ist, wie zu erwarte« war, zurüügctreten. Der Präsident der Republik, Lebrun, hat Doumergue für seine Dienste gedankt und tue Re­gierung zunächst mit der Fortführung der lauwudcn Uc= ^" Ntn^ dem bisherigen Außenminister Laval die Bildung des neuen Kabinetts an, der aber abikhntc. Dcr Präsident beauftragte baun Flandin mit Per Kabinettsbildung, der den Auftrag annahm

An unterrichteter Stelle wird bestätigt, daß Präsident Lebrun bevor er den Kammerpräsidenten Bouisson, den Außenminister Laval und den Minister für öffentliche Arbeiten Flandin, ersuchte, die Regierungsbildung zu übernehmen, auch den Ministerpräsidenten Doumergue zur Zusammenstellung eines neuen Kabinetts zu bewegen versuchte Doumergue habe jedoch abgelehnt und fei bet seinem Entschluß, sich zurückzuziehen, geblieben. Es ist also damit z n rechne n, daß er auf 1 c t n c n Land s i tz Tourucseuillc bei Toulouse z u r u cf -

r e h r l.

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Ein Aufruf an das französische Volk.

Ministerpräsident D o u in eia » e hat vor seinem «bgans an das französische Volk folgenden Aufruf aericktet:

der 16 für die Idee eiues neuen Deutschland Gefallenen hob sich die Blmfahne zu neuen Kämpfen und zu endlichem Siege. Dennjetzt gab es kein Zurück mehr, nur ein Vorwärts". Auch für die Männer des 9. November 1923 galt Schillers Wort:

Und setzet ihr nicht das Leben ein,

Nie wird euch das Leben gewonnen sein."

Für alle galt dies, ob sie nun von den Geschossen vor der Feldherrnhalle oder vor dem Rathaus getroffen wurden oder ob ein gütiger Zufall sie davor bewahrte. Die scheinbare Niederlage aber war doch die erste Etappe zum Sieg. Denn nur dann wird eine Bewegung groß und stark und siegreich werden, wenn sie es erleben darf, daß ihre Anhänger das Höchste und Letzte für sie einsetzen: das Leben. Für ein künftiges Deutschlandder Macht und der Größe, der Freiheit und der Herrlichkeit" haben sie alle das Leben eingesetzt und darum haben sie dieses Leben, dieses Deutschland gewonnen.

Und dieses Deutschland setzt zum Zeichen der Trauer am 9. November die Fahnen des neuen Reiches auf Halbmast. Zum Gedenken aller derer, die für Deutsch­land starben, damit wir in einem neuen Deutsch­land leben können! Dr. Br.

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Eine Toientafel.

Vor uns liegt eine Ehrenliste der gefallenen Kämpfer der NSDAP., wie sie die RSK. soeben veröffentlicht. Sie beginnt mit dem 9. November 1923, enthält also nur die seit diesem Saturn für die Bewegung Gefallenen. Es ist so lehrreich wie ergreifend, einmal die Entwicklung der Zahlenreihe an Hand dieser Liste zu verfolgen, einmal zu sehen, wie sich an den Zotentrupp vom Münchener Odeonsplatz die Kompagnien der Gefallenen anreihen, die heute im Geist in unseren Reihen mitmarschieren, wie es Horst Weffels Lied singt.

Vom 9. November bis zum Jahresende 1923 sind cs insgesamt 22 Tote, einschließlich der 16 Gefallenen von München. Dann folgen die Jahre 1924 mit vier, 1925 mit drei, 1926 mit vier, 1927 mit fünf, 1928 mit fünf Toten. Und nun beginnt die schaurige Reihe zu wachsen, in immer steiler steigender Kurve: 1929 sind cs neun Tote, 1930 schon siebzehn, 1931 schnellt sie in grausigem Sprung auf z m c i u n d v i c r z i g hinauf. Das Jahr 1932 aber hält die bitterste Ernte, vierundachtzig Gefallene zählt die Todestisie auf, doppelt soviel wie im Jahre vorher. Und selbst 1933 finden wir noch die furcht­bare Zahl von neunund vierzig eingetragen in diesem Blutbuch der Bewegung, das zugleich ein Buch der Ehre ist. Das Jahr 1934 verzeichnet noch drei Gefallene, als leisten den vom Führer auf dem Sterbebett zum Ehrenstandartcnsührcr ernannten Walter Hellvoigt aus Berlin, Dessen Grabhügel noch ganz frisch ist.

Fast dreihundert sind es, die seit jenem Feucrüberfall vor der Münchener Feldherrnhalle ihr Leben hingaben. Einer unter ihnen, H o r st Wessel, wußte, als er in Berlin nach schwerstem Leiden die Augen schloß, noch nicht, daß er die Hymne des neuen Deutschland geschrieben hatte:Die Fahne hoch! Die Reihen fest geschlossen!"

Ich bin gezwungen, mein Amt niederzulegcn. Ich bitte alle meine Mitbürger, die Ruhe zu b e wahre». Sic ist notwendig, um die augenblicklichen Schwierigkeiten im Interesse der Sicherheit und des Vaterlandes zu lösen."

Flandin bei der Kabinettsbildung

Tardieu und Pètain lehnen ab.

Paris, 9. November.

Aus unterrichteter Quelle verlautet, daß der bisherige Kriegsminister Pëtain es abgelehnt hat, im neuen Kabinett Flandin zu verbleiben. Als Nachfolger Pëtains wird der Chef des Generalstabes, General D a m e l i n, genannt. Man nimmt mit Sicherheit an, daß Herriot dem Kabinett angehören wird. Fest steht, daß Laval Außenminister bleibt. Andre Tardieu hat das Anoebot des neuen Ministerpräsidenten, in das Kabinett einzutreten, abgelehnt. Tardieu erklärte, er wünsche unter den gegebenen Umständen sich dem Rücktritt Doumergues anzuschließen.

Im Lause des Donnerstag hat Fmndrn die Abgeordne- ten Laurent-Eynac, Bordeaux und Aubert von der Radi­kalen Linken empfangen, die im Namen ihrer Gruppe Flandin die Versicherung ihrer Unterstützung überbrachten. Desgleichen empfing er die Abgeordneten Barety und Beauguitte. die Flandin eine Vertrauenskundgebung der zur Demokratischen Allianz gehörenden Abgeordneten überbrachten. Außerdem verhandelte der neue Minister­präsident mit den Abgeordneten Marquet (ehem. Neu­sozialist). MaUarmè, Germain Martin, Herriot, Louis Marin, Picrry und dem Vorstand des Nationalen Front- kâinpferbundcs UNC.

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