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Zul-aer /lnzeiger

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Ichriftlerter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42. Re-aktion UN- Geschäftsstelle: Königftraße 42 » Zernsprech.-Fnschluß Nr. 2424

Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Ps. Bei Wiederholung wird Rabatt nach Tarif gewährt, bei zwangsweisl^- Beitreibung oder Konkurs erlf/cht jeder Anspruch auf Nachlag.DA." X. 34. 910. Verantwort!, f. d. Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 268 1934

Fulda, Donnerstag, 15. November

11. Jahrgang

Eegenstoh

Knox in Genf erneut angeklagt.

Enthüllungen in einer Denkschrift des Saarlandes.

LandeSleitung und Fraktion der Deutschen Front des Saargebiets haben sich in einer großen Denkschrift an den Völkerbund gewandt, in der zunächst die kürzliche regie- rungsamtliche Denunziation der saardeutschen Bevölke­rung scharf zurückgewiesen und aufsehenerregende Ent­hüllungen über den Terror der Einheitsfront und ihre planmäßigen Vorbereitungen zum Aufruhr gemacht «rden.

An Hand eingehenden Dokumentenmaterials und jèigefügter eidesstattlicher Erklärungen weist die Denk­schrift u. a. nach, daß die Polizeiorgane der Regierungs- jommission Spitzel in den Reihen der Deutschen Front Mierhalten. Es ist erwiesen, daß der an leitender Stelle stehende Oberregierungsrat Ritzel mit den Gegnern des heutigen Deutschlands, ja, sogar mit Personen, die

im Solde der deutschfeindlichen Spionage stehen, den Inhalt des bei der Deutschen Front beschlag­nahmten Materials besprochen und sich über dessen Aus- wertung unterhalten hat. Von diesem Treiben seiner Beamten, das sich als ein Hohn auf die den saar­ländischen Beamten gebotene Neutralitätspflicht darstellt, hai der Kabinettschef und Leiter des saarländischen Polizeiwesens, Herr H e i m b u r g , laut eidlicher Aussage gewußt.

Die Denkschrift befaßt sich sodann grundsätzlich mit der Emigrantenpolitik des Präsidenten Knox und brand­markt scharf die parteiische Stellungnahme des Saarpräsi- dentcn, wie er die Emigranten im Saargebict gewähren läßt und wie diese selbst in die Abstimmungsvor­bereitungen der Saarbevölkerung eingreifen.

Die Deutsche Front erhebt in ihrer Denkschrift daher erneut die Forderung auf Ausweisung aller mchtabstimmungsberechtigten Personen, die aus politi­schen Gründen Deutschland verlassen haben.

Interessant ist in diesen? Zusammenhang eine eides­stattliche Erklärung eines früheren Emigranten vor dem Amtsgericht in Ulm, der sich während einiger Zeit in dem saarländischen Emiarantenlaaer von der

Wildwest in der Schweiz.

MlèmillionÄ von Mubern überfallen.

Die Verbrecher nach Handgemenge entkommen.

Ein sensationeller Raubüberfall, der nurmüden sattsam bekannten Methoden amerikanischer Gangster zu vergleichen ist, wurde in Zürich auf einen bekannten schweizerischen Millionär namens D u e r l e r - T< b- ler verübt. Die ganze Schweiz ist in großer Aufregung über diese Tat, zumal in der letzten Zeit mehrere ge­heimnisvolle Morde verübt wurden, die man blsher nicht aufklären konnte. . ,

über den Hergang des Überfalls erfahren wir kolgende Einzelheiten: r , _,

Der Ingenieur Dr. Duerler-Tobler begab sich am Morgen von seiner am Züricher See gelegenen Villa zu süß nach seinem im Innern der Stadt liegenden Büro, 1Bic er dies jeden Tag zu tun pflegte.

Nachdem er ungefähr zehn Minuten gegangen war, warf man ihm plötzlich einen Sack von hinten über den Kopf. Zur gleichen Zeit fuhr ein Auto heran, und ein Mann versuchte, den Millionär in dieses h>n- einzuftotzen.

Dieser setzte sich aber sehr energisch zur Wehr und stemmte du Beine gegen das Trittbrett. Es entwickelte sich ein Dustes Handgemenge, und der Ingenieur konnte den Angreifern einige harte Schläge versetzen, -»bei stürzte er vom Rand des Autos zu Boden, und es gelang ihm, den Sack von seinem Kopf a b zu strei fen. Als die Täter sahen, daß ihr Anschlag mißglückt war, ergriffen sie die Flucht.

Der Überfallene konnte noch bemerken, daß der Wagen °" einer jüngeren Frau gelenkt wurde, die auf Jahre geschätzt wird. . . . ... über den Überfall erfährt man noch einige seltsame ^atmchen.

Tat wurde von einigen Männern, die in der W arbeiteten, beobachtet. Obwohl diese Die Hilse- hörten, kamen sie nicht herbei, um Hilfe zu men. Auch ein Wagculcnler, der nach dem ubcr- "u vvrbeikam und dem der Vorfall berichtet wurde, hult es nicht für nötig, die Täter zu verfolgen. Ansicht der Polizei war cs ein Überfall nach "lllschem Muster. Anscheinend haben die ^cr» ver Lösegeld erpresse n wollen.

Der Täter ein Emigrant?

bei Zürich bestand zuerst die Annahme, daß cs sich überfall um die versuchte Entführung eines Emigrant c n handele. Ingemeuc vicl'i ^düber ist jedoch politisch in der Öffentlichkeit hervorgEtreten ebensowenig batte er irgendwelche

der Saar.

Heydt aufhielt. Durch diese Aussage wird bekundet, daß in dem Emigrantenlager regelmäßige übungsstunden unter Leitung eines ehemaligen Sergeanten aus Metz stattfanden. Ein Maschinengewehrmodell stand ebenfalls zu Übungszwecken bereit.

Es wurde eingehender Unterricht über die Bedienung des Maschinengewehrs erteilt. Bei den Jnstruktions- stunden wurde immer wieder zum Ausdruck gebracht, daß Ende November oder Anfang Dezember 1934 eine revolutionäre Aktion im Saargebiet unternommen werden müßte, um der Rcgicrungs, kommission die Mittel zu liefern, den Abstimmungs­zeitpunkt zu verschieben. Die Aktionen seien so durch­zuführen, daß auch die Deutsche Front gezwungen werde, sich zu regelrechten Straßenkämpfen zu stellen. Durch solche Verwirrungen könnte erreicht werden, daß die Regierungskommission ausländische Truppen zur Aufrechterhaltung der Ordnung für das Saargebict anfordere.

Ferner geht aus einem der Denkschrift beigefügten Schreiben eines Forbacher Waffenlieferanten an den Separatistenführer Waltz eindeutig hervor, daß den Separatisten größere Mengen Waffen geliefert worden sind.

Gegenüber der Knoxschen Behauptung vonEin­mischungen des Reiches" betont die Deutsche Front u. a. darauf, daß ohne diese sozialpolitischen Lei­stungen die Sozialrentner und Kriegsopfer im Saar­gebiet zugrunde gegangen wären und heute noch im Saargebiet ungeheure Wohnungsnot herrschen würde. Aus einer Reihe von Dokumenten sei demgegenüber er­wiesen, daß den rückgliederungsfeindlichen Organi­sationen in hohem Maße

französische Propagandageider

zur Verfügung gestellt wurden. Abschließend bittet die Deutsche Front den Völkerbundsrat, die Regierungs­kommission zu veranlassen, daß sie den vertrags­widrigen Beziehungen zwischen Organen des französischen Staates und den Rückgliederungsgegnern deutschen Volkstums künftig eine stärkere Aufmerksamkeit widme.

Vcrvlndungcu zu Emigrantenlrcisen. Allem Anschein nach handelt es sich in diesem Falle um eine der ge­wöhnlichen Entführungsgeschichten, bei der es dem Täler darauf ankam, von der Frau des Ingenieurs eine größere Geldsumme zu erpressen.

*

Chinesisch« Zeitungömagnat ermordet.

$ on Räubern im Auto überfallen.

Ungeheures Aufsehen erregt in Schanghai die Ermordung des chinesischen Zcikuugsina- gnatcn Szeliangtsai. Der Kraftwagen Szcliangtsais wurde zwischen Haugtfchan und Haiuing an der Küste südlich von Schanghai von einem mit sieben Räu­bern besetzten Kraftwagen angehalten. Die Verbrecher erschossen den Kraftwagenführcr des Zeituugsbcsitzers so­wie einen Schulfreund seines Sohnes und

verfolgten Szeliangtsai in eine Hütte, in die er geflüchtet war. Szeliangtsai wurde durch sieben Schüsse nieder gestreckt. Der Sohn und die Frau des Zcitungsbcsitzcrs konnten unverletzt entkommen, eine Nichte trug Verletzungen davon. Die Räuber flüchteten.

Entführtes Kind tot ausgesunden.

Wieder ein grauenvolles Verbrechen in USA.

Ein neuer entsetzlicher Fall von Kindesemfuyrung und Mord erregte in N ajhvi II e (Tennesiy) große -.up

8 der Nähe der Besitzung des reichen Kaufmanns Alfred D i st c l h u r st wurde in einer kleinen Mulde der Leichnam eines kleinen Mädchens gefunden; cs handelte sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Die sechsjährige, seit dem 19. September spurlos verschwundene Dorothy Distclhurst. .

^er Vater befand sich zur Zeit Dieter grantigen Eut- deckung gerade in einem New-Yorker Hotel, in dem er mit Den Entführern seiner kleinen Tochter in Verbindung treten wollte Die Verbrecher halten 5 0 0 0 Dollar W ö f c g e I D verlang' und versprochen, das Kind UN- veriehrl ansznliefern, falls Die Polizei nicht benachrichtigt uuD das Lösègcld pünktlich ausgezahlt würde.

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Dreifach« Raubmord durch Zigeuner.

Späte Aufklärung einer Bluttal.

Am 1. September war auf Dem Waldweg zwischen Ewiklicz und Pleß (Ostoberschlcsien) ein Geld tran s- po rl des Postamts in Pleß von mehreren Banditen überfallen worden. Bei dem Überfall wurde der begleitend" Polizeibeamt? von den Räubern erschtzssen

nnd der Geldbriefträger so schwer verletzt, daß er später im Krankenhaus starb. Auf der Flucht stellte sich ihnen ein Pförtner entgegen, den sie gleichfalls erschossen. Trotz eifriger Nachforschungen konnten die Täter zunächst nickt gefaßt werden. Vor einigest Tagen

griff nun die Polizei mehrere Zigeuner auf, die im Kreise Pletz verschiedene Einbrüche verübt hatten. Zwei Zigeuner gestanden schlietzlich die Tat ein. Die Mörder nahmen von dem Gelde nur einen kleinen Be­trag an sich und vergruben den Rest im Walde. Das Geld wurde von der Polizei gefunden. Man nimmt an, daß eine große Anzahl von Mitgliedern der Bande an den Mordtaten beteiligt war.

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Mit dem Schlächiermesser medergestochen.

Furchtbare Bluttat im Amtsgericht.

Das Amtsgerichtsgebäude in Lichtenfels (Ober­sranken) war der Schauplatz einer furchtbaren Bluttat. Die 24jährige Franziska Dollinger, die bei dem Voll- streckungsobersekretär Hack beschäftigt gewesen war, trat in dessen Amtszimmer und legte ihm eine Abmelde­bescheinigung für die Ortskrankenkasse vor. Während Hack das Formular ausfüllle, nahm die Dollinger ein Schlächter Messer aus ihrer Einkaufstasche und ver­setzte dem Nichtsahnenden einen Stich in den Hals, »er die Schlagader traf. Ein zweiter Stich ging in den Unterleib

Der Obersekretär unternahm noch den Versuch, einen aahewodnenden Arzt aufzusuchen, brach aber unterwegs blutüberströmt zusammen. Die Dollinger dürfte aus Verärgerung über ihre Entlassung aus dem Dienst die Tat begangen haben. Sie wurde in das ilmtsgerichtsgefängnis Lichtenfels einaeliefert.

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Slulrache eines polnischen Infanteristen.

Vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt.

Eine eigenartige Vorgeschichte hatte ein Kriegs- gerichtsurteil, das jetzt in Przemysl gefällt worden ist. Der Infanterist Sroka war vor einiger Zeit von zwei Bauern beleidigt worden. Sroka hat sich das derart zu Herzen genommen, daß er unter Mitnahme seiner Dienstwaffe desertierte und die beiden Bauern aus dem Hinterhalt niederschoß. Danach hielt er sich etwa zwei Monate in den Wäldern verborgen. Am 7. No­vember hat er sich dann den Behörden gestellt. Er wurde jetzt zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde sofort vollstreckt.

Ein französischer Maiufchka am Werk

Eisenbahnanschlag auf der Strecke ParisLens aufgedeckt.

Auf der Strecke Pari sL e n s ist ein Anschlag entdeckt worden. Kurz vor einer Brücke war eine Schwelle des Eisenbahngleises, über das die Schnell­züge ParisLondon gehen, gelockert und zwei Tage darauf an der gleichen Stelle eine S d) i e n e zersägt worden. Die Behörden und die Polizei haben alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen und fahnden nach dem Täter, in dem man einen Terroristen vermutet.

Söhne für ein furchtbares Verbrechen.

Wegen Mordes an einer Siebzehnjährigen zum Tode verurteilt.

Das Schwurgericht Leipzig verurteilte den 29 Jahre alten, mehrfach vorbestraften Angeklagten Albert Standfuß wegen Mordes zum Tode und wegen Notzucht zu zehn Jahren Zuchthaus. Standfuß hatte am 15. Mai d. I. in einem Walde bei Leipzig ein 17 Jahre altes Mädchen nach unbeschreiblichen Mißhan^ langen mißbraucht und die ohnmächtig Gewordene noch lebend in ein Schleusenloch gepreßt, in dem sie erstickte. Standfuß hat sich nach der Tat schlafen gelegt und vor Gericht behauptet, er habe sich am anderen Tagan die ganze Sache" überhaupt nicht mehr erinnert.

Kurze poliiische Nachrichien.

Der Reichsschatzmeistcr hat die Ausführungsbestim- mungen zu Der Verordnung des Führers über den Ehrensold für die Hinterbliebenen der Gefallenen der Bewegung bekanntgegeben. Der Ehrensold ist danach unpfändbar und steuerfrei: er darf auch nicht auf irgendwelche Versorgungsanspruche ungerechnet werden.

Der K ö n i g v o n I t a l i e n hat dem Oberbürger­meister von Berlin, Dr. Sahm das Groß-Offiziers- Kreuz des Ordens der Krone von Italien verliehen. Bot­schafter Cerruti hat persönlich im Rathause dem Ober­bürgermeister Die Insignien des hohen Ordens überreicht.

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In Len i n grad wurden besondere Ausbildnngs- kurse für Offiziere und Mannschaften zur Er- lernüng der d e ir t s ch e n , e n g l i s ch e n und f r a » z ö - fischen Sprache eingerichtet. Das Oberkommando hat Prämien für diejenigen Offiziere und Mannschaften zur Verfügung gestellt, die die drei fremden Sprachen in der kürzesten Zeit erlernen.