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Zulöaer Mzeiger

KSS. Ä 4 «W M W« UH» V°s°l»b°v SSTSLr-S M»M» ^unctal. Sulla« KnMM ßriftleiter: Fnedr^Ehrenklau, Fulda, Königstr. 4L. Re-aktton unü Gefthästsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-^nfthluf- Ke. 2984

Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalle oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholuns wird Rabatt nach Tarif gewährt, bei zwangsweise Beitreibung oder Konkurs erlicht jeder Anspruch auf Nachlaß.DA." X. 34. 910. Verantwort!, f. d. Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

^ 273 1934

Fulda, Donnerstag, 22. November

11. Jahrgang

Nervosität im Völkerbund

Saarfragen in Genf.

Die Son vertag ring des Völkerbunds- lates ist verlegt worden, wahrscheinlich aus Ansang der Mtcn Woche, weil die Verhandlungen des Saar- dné) d) u f f e é , der unter Leitung Aloisis in Rom tagt, M zu keinem Abschluß gelangt sind, der dem Rai vor- gtlegt werden könnte. Es muß von deutscher Seite be- W werden, daß weder der römische Ausschuß noch der Min Genf sich mit der rein politischen Frage der judthörigfeit des Saargebieles zu befassen hat, sondern t Miese Frage lediglich der Entscheidung der Saar- r Merung, die keinem Zweifel mehr unterliegen kann, Mt. Lediglich für formale Angelegenheiten, die Mdie bevorstehende Rückgliederung ins Reich vorsorglich Frage kommen können, sind Ausschuß und Rat zu- libig. Jede andere Entscheidung müßte als unzulässig

Deutschland zurückgewiesen werden, weil sie die Frei­re der Saarabstimmung beeinträchtigen würde.

Ferner wird sich der Rat zu befassen haben mit den Hintergründen der Marseiller B ! u l l a .. Hier che es gut, wenn zunächst nicht die große Politik allzu- |tir in den Vordergrund geschoben, sondern zunächst ein- mi sestgestelU würde, ob alle in Betracht kommenden Polizeistellen in gegenseitigem Zusammenarbeiten ihre tolle Pflicht getan haben, nnd wie die internationale Organisation zur Bekämpfung solcher politischen Ver­lachen weiter ansgebani werden kann, um ihre Wicder- doliing zu verhindern. Die Verknüpfung der Schuldfrage mi außenpolitischen Machtfragen etwa des einen oder anderen Staateè könnte bei der heutigen ge- ipannten Weltlage nur neuen Zündstoff anhäusen. Von illen Seiten bemüht man sich daher, mäßigend aus S ü d - ilawien, das den Schritt in ®enf eingeleitet hat, zu Hirsen. Man fürchtet in Genf eine breite Ausrottung der südslawischen Beschwerdepunkte, da auch Ungarn etwas Hegen Südslawien vorzubringen hat nnd im Verlauf der Aussprache vielleicht auch das s ü d s l a w i s ch - i i a l i e - irische Verhältnis in die Debatte gezogen werden könnte, «s wiederum Frankreich auf den Plan rufen müßte. Benn der Rai rein sachlich die Vorgänge und Ursachen der trauenvollen Mordtat prüft und Vorschläge zur Ver- taerung ähnlicher Vorkommnisse macht, so kann er nütz­lich wirken. Er wird aber in einer gespannten Atmosphäre Weiten und hoffentlich die Kräfte und den guten Willen toben, die Diskussion nicht in gefährliche politische Nionen abirren zu lassen.

Auch das Präsidium der A b r ü st u n g s - in> s e r c n z unter Vorsitz Hendersons hat in Gens tote Arbeiten wiederansgenommen. Henderson versucht Nm hundertsten Male, diesen Leichnam zu galvanisieren. Iber die Zuckungen, die, durch künstliche Belebungsver- iiiche angestellt, dieser Konserenzkadaver immer noch zeigt, 'Mcn, nachdem sie zunächst nur lächerlich gewirkt haben, ^chgerade einen grauenerregenden Eindruck.

heute gilt es allgemein als feststehend, daß die "gung des Präsidiums der Abrüstungskonserenz im ^entliehen doch wieder den Charakter einer Ver­schiebung der Konferenz tragen wird. So gilt (7 als sicher, daß die Kommission, die sich von neuem mit einem Teil der Abrüstungssragen besassen soll, nicht vor Muar oder Februar nächsten Jahres zusammeutreten ®ir\ man offenbar die Volksabstimmung im S a a r- 9ebiet erst abwarten will.

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Genfer Traverkundgebung

für die Opfer von Marseitie.

Aussprache über die südslawische Denkschrift erst im Januar.

Die Vollversammlung des'ker- 11 nb e s, der zu einer anßerocdentlichcn Tagung in m. I Zusammengetreten ist, begann ihre Perhandlnngen einer T r a u e r s - i e r f ü r König Alexa n der Jto Südslawien und Bart h o u. Für die .Jung des Völkerbundes waren Sicherheilâmaßnahmen )pje ße bisher nicht üblich waren. Überall waren verteilt. Die schweizerischen Behörden hatten , Drohbriefen Kenntnis erhalten, in denen von Ktten- " èabsjchie die Rede ist Die Sorge war besonders groß r?cn- nachdem man angeblich in Nizza iNiU'N gewissen ein -genommen hatte, dem man angeblich die Absicht «J* Attentats auf den tschechoslowakischen Außenminister Reifen konnte

Zeichen dieser allgemeinen Sorgen beschränkte mb bei der Tranerkiindgebung des Völkerbnndc--- Ansprache des tschechoslowakischen Außen» ukrs unb Rcnspräsideuten Benesch, der den König dx^ ander und Barthou als Freunde des Friedens und M'kerbundes verherrlichte. Es antwortete der iud- Ä Außenminister Jeftitsch. Er sprach von einem C^erten Verbrechen, dem König Alexander und zum Opfer gefallen seien.

^olc Besprechungen, die über die südslawische Hit V 11 V gen Ungar n stattgefunden haben, endeten toJto' Übereinkommen, daß Südslatvien zwar noch Üis^,Vder jetzigen Ratstagung seine Denkschrift gegen Oberdaß die Behandlung der Denkschrift

1,1 Nu Januar erfolgen soll.

Verhandlungen über einen Ost- und Güdostpakt.

Beratungen zwischen Laval, Litwinow und Eden in Genf.

Die Tagung des Völkerbundes in Genf hat Ver­handlungen ergeben, die im ursprünglichen Programm nicht vorgesehen waren und bic mit der ursprünglichen Tagesordnung der Vorbereitung der Saarabstimmung und dem Konflikt im Gran Chaco nichts mehr zu tun haben. Der französische Außenminister Laval, der sich hauptsächlich mit dem Versuch beschäftigt hat, Süd­slawien, die Kleine Entente und den Balkanbund von einem scharfen Vorstoß gegen Ungarn und vielleicht sogar gegen Italien zurückzuhalten, hat den Mittwoch mit Ver­handlungen zugebracht, in deren Mittelpunkt der russische Volkskommissar Litwinow stand.

Laval hat schon vor einigen Tagen in Paris den dortigen sowjetrnssischcn Botschafter Rosenberg emp­fangen und mit ihm über die Genfer Verhandlungen ge- fprochen. Am Mittwoch hat Laval nach einer Unter­redung mit dem türkischen Außenminister mit Litwi­now eine lange Unterredung gehabt, der ein gemeinsames Frühstück von Laval, Litwinow und dem englischen Sonderbeauftragten Eden folgte. Zu den Verhandlungen war ein Teil der Mit­glieder der großen sowjetrussischen Abordnung hinzu­gezogen. Am Nachmittag suchte, was bisher in Genf sich noch niemals ereignet hat, der englische Sonderbanstragte Eden Litwinow in seinem Hotel auf. Darauf ging Litwinow wieder zur Fortsetzung der Verhandlungen zn Laval. Man behauptet in diplomatischen Kreisen, die über die Absichten Lavals gut unterrichtet sind, daß

der französische Außenminister die Fortsetzung der Verhandlungen Barthous mit Litwinow betreibe und den Plan eines Südoftvaktes und eines Ostpaktes in den Mittelpunkt seiner Außenpolitik stellen wolle.

Man habe die Klei n e E n i e n t c g c z w u u g c n, in ihrer Aktion wegen des Attentats von Marseille mög­lichst vorsichtig zu fein und die Behandlung der süd­slawischen Denkschrift, die dieser Tage veröffentlicht werden wird, auf Januar zu vertagen. Dafür müsse man der Kleinen Entente eine Gegenleistung bieten, die in der

SWM Mm erde« 18 Mimi Mur

Unbekannte woKten die Auszah­lung verhindern.

Aus Mannheim kommt die Meldung, daß nach Württemberg und Südbaden eine Riesen- crbschaft aus Amerika gefallen ist. Eine deutfch- blütige Multimillionärin, namens Edwardine Heuriett« Garret, die in Philadelphia starb, hinterließ 18 Millionen Dollar, die an 37 Bauern im schwäbischen Oberland fallen wird.

Zu dieser sensationellen Erbschaftsangelegenheit er­fahren wir noch folgende interessante Einzelheiten:

Seit drei Jahren wurden in halb Europa die Nachforschungen fieberhaft betrieben. Fest stand, daß die Erblasserin deutscher Abstammung war. Ihr Großvater war ein ans Deutschland eingewanderter Handwerkei namens Christian Schäfer. Endlich machte man die Entdeckung, daß eine größere Familie dieses Namens in Württemberg ansässig war. In einem alten Kirchen­buch des Dorfes Bolstern im Oberamt Saulgau fani man den langgesnchlen Eintrag.

Während der Nachforschungen wurde in Westfale« eine besonders raffinierte Fälschung unternommen, bte einen verbrecherischen Anschlag auf die Erbschaft bar- stellt. Man fand in dem Kirchenbuch eines westfälischen Pfarramtes eine von unbekannter Hand vorgenommene Eintragung. Die ebenfalls den väterlichen Vorfahren bet Erblasserinfcftftellte" .

Man hatte bald heraus, baß es sich hier um einen Trick bandelte. An Hand dieser Fälschung sollte nach­gewiesen werden, daß es gar keine N a ch k o in m e n- schasi der Frau Garrel in Deutschland gebe. Die Millionenerbschaft wäre also in Amerika geblieben. Glück­licherweise wurde dieses Manöver rechtzeitig entdeckt und die Schwindler erreichten ihren Zweck nicht.

^ie in Deutschland ermittelten Verwandten haben sich nun 's it s a m in e n g e s ch > ossen und entsandten einen Bevollmächtigten nach USA., der ihre Rechte vertreten soll.

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te&BerM aus einen Düsseldorfer Zuwelier.

Der Überfallene getötet.

Der Inhaber des Uhren- und Goldwarengeschäfts M a r Sch l i n g e r m a n n in D ü sseldorf wurde von zwei Verbrechern in seinem Laden überfallen und niederaeschoslen. Die Täter hatten vorher das Geschäft wiederholt ausgesucht und sich Uhren vorlegen lassen Nach- bem andere Käufer das Geschäft versaßen hatten. zpgen

Förd e r N N g des Südost Paktes unter fran­zösischem Protektorat und demgemäß auch in der Fortsetzung der Verhandlungen über den Ostpakt besteht. Man könne

vom Standpunkt der Kleinen Entente aus sagen, daß diese Verhandlungen eine gewisse Sicherheit gegen

Ungarn bieten.

Außerdem werde Italien von solchen Verhandlungen Frankreichs im Osten und Südosten viel weniger berührt, als von dem südslawischen Vorstoß in Genf. Laval will angeblich nach dem Abschluß der Besprechungen mit Litwinow wieder nach Paris fahren.

Man hört nicht nur in französischen, sondern auch in anderen diplomatischen Kreisen, daß

in Paris eine französische Note vielleicht zugleich mit

einer russischen Note an Polen vorbereitet

werden soll. In dieser Note soll Polen um eine end­gültige Entscheidung über den Beitritt zum sogenannten Ostpakt befragt werden. Es haben bereits Verhand­lungen Frankreichs mit Litauen nnd mit der Tschechoslowakei über die Bedenken statt­gefunden, die Polen gegenüber diesen Ländern wegen der Streitfragen bei den bisherigen Erörterungen über den Ostpakt erhoben hat. Der polnische Außenminister Beck ist zu den Genfer Verhandlungen nicht erschienen und konnte infolgedessen auch in die Besprechungen zwischen Laval und Litwinow nicht einbezogen werden, so daß Polen noch freie Hand zur Entscheidung hat.

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Bezeichnendes Eingeständnis

der Saar-Abstimmungslommission.

Der jetzt erschienene Vierteljahresbericht der Ab­stimmungskommission im S a a r g e b i e t für den Völker­bundsrat gibt offen zu, daß eine große Reihe von Ein­sprüchen gegen die Abstimmungslisten ohne jeden sachlichen Grund vorgebracht ist. Von 46 033 Ein­sprüchen der Emigrantenkreise sind nur 7217 zu­gelassen worden. 32 854 Personen verlangten nach­trägliche Eintragung in die Stimmlisten, was bei 18 540 Personen bewilligt wurde. Daraus ergibt sich, wie ungenau die Listen gerade im Interesse 6er Ab­stimmungsberechtigten, die aus deuts ausgestellt waren, p

scher Seite stehen, In dem Bericht wird u. a. auch mit- rsamtza.hl der in die Wählerlisten eingetragenen Personen am Stichtag des 26. September 5 3 2 7 4 0 betrug, von denen 55 794 außerhalb des Ge­bietes wohnen.

geteilt, daß die G e

die beiden Räuber mit dem Ruf:H ä n d e h o ch !' ihre Revolver. Einer versuchte, die im Nebenzimmer be­findliche Schwester des Überfallenen mit der Pistole in Schach zu halten. Inzwischen fielen im Laden die töd­lichen Schüsse. Trotz Bedrohung drängte die Schwester des Ermordeten den Banditen zur Seite, lief zür Tür und rief um Hilfe. Hierauf ergriffen die Ver­brecher die Flucht. Sie wurden zwar verfolgt, eS gelana ihnen aber, unerkannt au entkommen.

Immer spendabel!

Wie der System-Rundfunk für seine großen Leute sorgte.

Im Berliner Rundsunkprozeß wurde der Nachfolger Dr. Fleschs aus den Frankfurter Intendantenposten, Rechtsanwalt Schüller, als Zeuge vernommen über die Weiter­zahlung von drei Monatsgehältern an Flesch sagte er, dieses Geld habe eineAbschlußvergütung' für Fleschs Tätigkeit in Frankfurt sein sollen Es kam zu einer auSgedebmen Erörterung der Frage, ob Flesch für die drei Monatsgehälter eine Gegenleistung auSgeübt habe. Der An­geklagte Bredow betonte, er habe keine Bedenken gegen die Weiterzahlung des Gebälks gehabt, damit Flesch it a

Gelegenheit zur Abdeckung seiner Schulden bekam. So war für mich in erster Linie doch die Sorge um den Frankfurter Sender maßgebend. Der Vorsitzende ent­gegnete, daß Flesch doch seine Schulden ohne weiteres von seinem Gehalt von 48 000 Mark hätte bezahlen können.

Interessante Enthüllungen in einem Bankierprozeß.

Schwere Beschuldigungen gegen Dr. Adenauer und Dr. Fuchs.

Bei der Verhandlung in dem Kölner Prozeß gegen den früheren Bankdirektor Dr. Brüning vor der Be- rufungsinstanz, dem Betrug, Unterschlagung und Untreue vorgeworfen wird, kam es jetzt zu Überraschungen. Brüning wird bekanntlich vorgeworfen, Kundengelder in seine hohen Spekulationen hineingesteckt zu haben. Als nun die verschiedenen Konten behandelt worden waren, stellte es sich heraus, daß der Angeklagte dem früheren Kölner Oberbürgermeister Dr. A d e u a u e r 55 000 Mark überwiesen hatte sowie dem ehemaligen Oberpräsidenten der Rheinprovinz Dr. Fuchs und dessen Frau 95 000 Mark.

Dr. Brüning bemerkte, daß sowohl Dr. Adenauer wie Dr. Fuchs an seinen Geschäften mit einer Bank in Münster beteiligt waren. Die Überweisungen seien die Gewinnanteile der beiden Herren. Der Vorsitzende stellte dagegen fest, daß cs ein Verlustgeschäft gewesen sei; bei . den Überweisungen hätte es sich also um Geschenke gehandelt!