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M-aer /lnzeiger

jeden Werktag. Wochenbeilage:Der rJmttaa. Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Lieferungsbehinderung durchHöhere Ee- bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich ^renflau, Fulda, Königstraße 42. Rotntions- Friedrich Ehrenklau, Lauterbach/H. Haupt- schriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Königstr. 42.

^r. 274 1934

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Saida* und Haunetal Zulöaer Kreisblatt

Reüaktton und Geftbästsstelle: Königstraße 42 <- Zernfprech-flnschluß Nr. 2484

Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Ps. Bei Wiederholung wird Rabatt nach Tarif gew^rt, bei zwangsweise Beitreibung oder Konkurs erlkMt jeder Anspruch auf Nachlaß. -DA." X. 34. 910. Verantwort!, f. d. Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Fulda, Freitag, 23. November

11. Jahrgang

Die Toten der Ealapagosinsel.

Licht in das Dunkel des Güdfeedramas.

^ag furchtbare Ende eines Flucht Versuchs.

Die Hintergründe des Dramas auf den Galapagos- Mn, dem ztvei Europäer zum Opfer fielen, sind noch «rr nicht völlig aufgeklärt. Jedoch ist es gelungen, die Mn Toten, die von der Mannschaft eines Fisch- »psers auf der einsamen Insel Marchena gefunden «den, endgültig zu identifizieren.

Es handelt sich bei den Verdursteten um den Deut­en Alfred Rudolf Lorenz aus Dresden und um den Witän einer norwegischen Jacht namens R u g g e r u d. Ne Eheleute Wittmer aus Köln, die man zunächst in dm Toten vermutete, sind noch am Leben. Licht in das Dunkel dieses Südseedramas wirft jetzt der Bericht eines Berliners namens Böckmann, der vor einigen Kochen die Galapagos-Jnseln ausgesucht hat und nun wieder in Deutschland lebt.

Nach seinen Schilderungen scheint der geheimnisvolle Tod des Deutschen Lorenz das furchtbare Ende eines mißglückten Fluchtversuchs zu fein. Veranlaßt wurde Lorenz zu diesem Schritt durch eine Frau, die den paradie­sischen Frieden auf den Inseln störte und allen Siedlern dos Leben zur Hölle machte.

©ie Kaiserin von Kloreana "

Aus der Galapagos-Jnsel Sania Maria (Charles os Florcana), aus der sich vor Jahren der Deutsche Dr. Ritter und seine Begleiterin niedergelassen batten, waren eines Tages neue Abenteurer erschienen. Zunächst tam der Deutsche Frank Wittmer mit seiner Familie As die Insel und siedelte sich zwei Wegstunden von Ritters Behausung entfernt an. Dann trafen - etwa im Oktober 1932 die österreichische Baronin Wagner- No n s q u e t mit dem Dresdener Lorenz, dem Ber- incr Philippson sowie einem Ecuadorianer auf roma Maria ein. Nach dem Einzuge dieser letzteren vier war es aber mit dem Frieden und der Ruhe aus der Fasel vorbei.

Die Lsterrcicherin wollte auf dem Eiland ein Hotel errichten.

da ihr bekannt war, daß viele reiche Amerikaner mit ihren Jachten nach Galavagos kamen Aus dem Hotclplan lviirde natürlich nichts, und so bauten sich die Frau und

Wer Bild von den

Bewohnern der ßalapagos - Inseln

M (von links): Alfred Rudolf Lorenz, der jetzt auf geheimnisvolle Weise den ^od durch Verdursten gefun­den hat die österreichische Bronin Wagner-Bousquet der Berliner Ernst Phi- lippson der Däne Arends.

Srefe uni unieeWte WimW

die Haarbeamten unser Ausnahmerecht gestellt.

^'"Uebung wichtiger politischer Rechte, rx.j^'^e» Wochen vor der Abstimmung hat die Saar- eine Verordnung hcrausgcgeben, durch dw !!i^?'dtschen Beamten ihrer wichtigsten P»UiJ Ä beraubt und als öffentliche Mitkämpfer für du fo n«t wie mundtot gemacht werden. B befremdend ist die Tatsache, daß diese «er-rd "?gte"" Veranlassung der AbstimmungSkoinnilsst luiA^, Anordnung, die der Saarpressc als Auslage- u t 1 äuchng, besagt, daß den S t a a 1 s b e a in ".sag,

auf hVm °?" für Vereinigungen, die eine A'M» , MP iuiiktin,, olksabstinimung bezwecken, irgendwelche "H'

2. dm.®« oder irgendeine Agitationsarbeil auSzuubrn. »bet ilt !^® Versammlungen zu veranstalten, zu -"U

1 ötcten als Redner ankrulreten; 3. in periodischen

ihre drei Begleiter eine kümmerliche Wellblech- b a r a cf e in unmittelbarer Nähe der Siedlung Wittmers, da die drei auf der Insel vorhandenen Wasser st eilen eng beieinander liegen. Durch schwere Arbeit und unge­wohnte Lebeirsbediugungen wurde die Baronin im Lauft der Monate äußerst nervös und streitsüchtig ~ Sie bedrohte die anderen Ansiedler schließlich mit bei Schußwaffe, so daß zeitweise niemand unbewaffnet bk Hutten verließ.

Scherzhaft nannte man die Baronin wegen ihres herrschsüchtigen WesensDie Kaiserin vor Floreana" Als später noch ein Däne auf die Insel kam vertrug sie sich offenbar auch mit diesem neuen An­kömmling nicht, und so ereignete sich bei der Jagd einmal ein11 n f a 1 l" Der Däne mürbe durch einen Fehlschuf der Baronin schwer verletzt. Nur mit Mühe konnt« fein Leben gerettet werden, nachdem er die Insel verlassen hatte.

Von der Baronin bewacht.

Lorenz, der lungenleidend war und Heimweh hatte wollte die Insel nach all diesen Vorfällen verlassen. Di« Baronin bewachte ihn jedoch derart streng, daß es ihm unmöglich war, zunächst zu entkommen.

Jetzt batte es nun Lorenz scheinbar doch fertig- gebracht, das ungastlich und unfriedlich gewordene Eilant Santa Maria in einem Boot zu verlassen. Er wollte zu der Hauptinsel San Christ ob al, um von dort nach dem Festlande, nach Ecuador, zu gelangen. Auf der Fahri zu der Hauptinsel dürfte er dann der norwegischen Nacht begegnet und von deren Kapitän ausgenommen worden sein. Die Nacht ist vermutlich durch

die ungeheuer starken Strömungen.

die zwischen den Inseln herrschen, nach Norden zu ab« gedrängt worden und hatte an der Küste des wüsten und wasserlosen Felseneilands Marchena Schiffbruch erlitten. Lorenz und Kapitän Nuggerud konnten sich an Land retten und v e r d u r st e i e n dort. .

Inzwischen ist rätselhafterweise auch die Baronin mit einem ihrer anderen Begleiter spurlos verschwunden.

Zwei Forscher, die in der vergangenen Woche von den Galapagos-Jnseln nach Guayaquil (Ecuador) kamen, teilten mit, daß man auf Santa Maria seit dem 24. Oktober von der Baronin Wagner-Bousquet und dem Berliner Philippson nichts mehr gesehen und gehört habe Es besteht die Möglichkeit, daß die beiden sich zur Verfolgung von Lorenz aufgemacht batten und dabei ebenfalls ums Leben gekommen sind.

ober nichtperiodischen Druckschriften Angelegenheiten der Volksabstimmung zum Gegenstände der Erörterung zu

Regierung und Abstimmungskommission glauben in ihrer Verordnung ferner daraus Hinweisen zu müssen, daß Beamten bei ihrer Betätigung rin offentlich-polt- tischen Leben bereits durch ihr Amt Rücksichten auferlegt sind die für andere, nicht unter dem Zwang der im öffentlichen Interesse unerläßlichen Disziplin stehende Staatsbürger nicht in Betracht kommen.

wird der Saarbevölkerung nicht verübelt werden rönnen wenn sie diese Maßnahme ebensowenig begreift wie die vorangegangenen Welt- und volksfremden Methoden der Regierungskommission. Die Beamtenschaft des Saargebiets bildet einen Te11 d er faar« den t i ck e ii Bevölkerung und ist nicht zu ver- wâln mil der dortigen unmittelbaren Beamtenschaft ^ Völkerbundes. Es bleibt nun interessant, abzuwarten, m M die vorliegende Verordnung auch auf jene Be- erstrecken wird, die gerade in ben ihnen lugemicfe» ne i poli üien Stellen stärkstes Ärgernis im Saaraebiet

Hervorrufen: die von dem Präsidenten Knor eingestellten E m i g r a n t e n b e a m 1 e n.

Die Nachfolger bereits ernannt.

Die vorstehende Verordnung der Saarregierung hat mit einem Schlage eine ganze Anzahl von Ortsgruppen und Zellen führerlos gemacht. Die Landesleitung der Deutschen Front bat infolgedessen die von der neuen Schikane betroffenen Persönlichkeiten veranlaßt, sofort i hre A achfol ger zu ernennen, damit die Arbeit für die Abstimmung keine Unterbrechung erfährt.

*

Ein neues Verbot des Saar- abstimmungsausschusses.

Der Abstimmungsausschuß hat eine Bekanntmachung erlassen, in der verboten wird, Anschriften, die ein politisches Bekenntnis zur Abstimmung darstellen, an Häusern im Saargebiet anzu bringen. Der Ab- stimmungsausschuß erinnert an einen Artikel seiner Straf­bestimmungen, wonach derjenige, welcher durch unerlaubte Mittel eine Person zu bestimmen versucht, zu offenbaren, in welchem Sinne sie abzustimmen gedenkt, mit Gefängnis von drei Monaten bis zu drei Jahren bestraft wird. Die Abstimmungskommission warnt daher vor der­artigen Versuchen; sie behält sich vor, die ihr zur Kenntnis kommenden Fälle der Staatsanwaltschaft des zuständigen Abstimmungsgerichts anzuzeigen.

Die HZ.-Führer bei Goebbels und Hiller.

Der Reichsjugendführer Baldur von S ch i r a ch stellte dem Reichsminister Dr. Goebbels die 38 Gebietsführer der HI. vor. Dr. Goebbels betonte unter Hinweis aus seine an die HI. im Rundfunk gehaltene Rede, daß es immer sein Bestreben gewesen sei, zwischen der HI. und seinem Ministerium ein Verhältnis der besten Zusammen­arbeit zn schaffen uns zu erbalter..

Baldur von Schirach stellte seinerseits fest, daß es der Jugendorganisation der Panei und dem jüngsten Ministerium Vorbehalten geblieben sei, den Nachweis zu führen, daß Parteiorganisation und Staat auf das engste zrisammcnarbcitcn können.

Anschließend an den Empfang im Propaganda- minifterium begaben sich die Gebietsführer in die R e i ch è k a n z l e i, wo sie Gäste des Führers waren.

Kurze politische Nachrichten.

KreuzerK a r l s r u h e" hat Trinidad verlassen. Er befindet sich auf der Fahrt nach Rio de Janeiro, wo das Schiff am 1. Dezember zu erwarten ist.

*

Die französischen Maßnahmen gegen a u 8 . ändische Arbeiter erregen in Polen starke Be­unruhigung. Im ganzen werden die polnischen Staatsangehörigen in Frankreich aus etwas über eine halbe Million geschätzt. Im Laufe des letzten Jahres wurden von den polnifchen Arbeitern in Frankreich 5000 entlassen und zur Heimkehr nach Polen gezwungen.

19 Todesurteile in Sowjetrußland.

Wegen angeblicher Wirtschaftssabotage.

Der Oberste Gerichtshof von Usbekistan hat zwölf Angestellte von Kollektivfarmen wegen Sabotage bei A b= liefe r u n g der Baumwollernte an den Staat zum Tode verurteilt. Zur Urteilsbegründung wurde gesagt, die Angeklagten seien Kulaken, die leitende Stellungen in den Kollektivbetrieben, eigens um Sabotage zu treiben, erstrebt hätten. Nach einer weiteren Meldung verurteilte das Gericht in Samarkanl sieben Personen wegen nicht rechtzeitiger Einbringung der Baumwoll­ernte, wegen Sabotage und gegenrevolutionärer Bestrebungen zum Tode. Acht Angeklagte wurden zu Gefängnisstrafen von einem bis zu fünf Jahren ver- nrttilL

Schwerer Auwunsall im Nebel.

Vier SA -Männer schwer verletzt.

Bei Schwerte (Rheinland) begegnete eine SA.- Kolonne, die sich aus einem Gepäckmarsch befand, im dichten Nebel einem Lieferwagen mit Anhänger. Als der Wagenführer versuchte, sein Fahrzeug zuin Halten zu bringen, kam der Anhänger aus der glatten Straße ms Schleudern, streifte einen Baum und brach einen weiteren Baum glatt ab. Die in dieser Höhe marschierenden SA.» Männer wurden von dem Anhänger eine steile B ö s ch u n g h i n a b g e s ch l e u d e r t. Der Lieferwagen blieb schließlich an einem Baum hangen. Eine Anzahl SA -Männer wurde leicht verletzt. Vier SA.-Männer müßten mit schweren Verletzungen dem Kranken­haus zugeführt werden.

Es gibt wenig Wohltäter, welche nicht wie Satan sagen, knie nieder und bete mich an.

Seb. Tham fort 1796-