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Zul-aer /lnzeiger

ye^ßfeferungsbehinbe^ durch ^Höhere G Tageblatt für Rhön und Vogelsberg $5X0^ 5ulSa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt jgtietter: Fnedr. Ehrenklau. Fulda, Komgstr. 42. Reöaktion UN- Geschäftsstelle: Königstraße 42 * Zernfprech-Ansthluß Nr, 2989

Nr. 277 1934

Fulda, Dienstag, 27. November

Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Ps. Bei Wiederholuna wird Rabatt nach Taris gewährt, bei zwangsweises Beitreibung oder Konkurs crls-cht jeder Anspruch auf Nachlaß.DA." X. 34. 910. Verantwort!, f. d. Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

11. Jahrgang

Die Wunde von Prag.

Bei den schweren Ausschreitungen der Tschechen gegen die Deutsche Universität in Prag sind nicht weniger als 22 zum Teil schwer verwundete deutsche Studenten zu verzeichnen gewesen. Es kann nach dem Ablauf der Er­eignisse keinen Zweifel geben, daß diese blutigen Opfer hätten vermieden werden können wenn sich der Prager Polizeichef nicht volle 24 Stunden zu spät zu energischerem Einsatz seiner Beamten ent­schlossen hatte. Die Tschechen haben trotz ihrer Kenntnis der entgegenstehenden geschichtlichen Tatsachen auf der Auslieferung der uralten Kleinodien der Deutschen Universität bestanden. Dieser ist wie bei dem Raub der Uündungsurkunde durch die Tschechen nichts andere- Uiggeblieben, als der brutalen Gewalt zu weichen

Die Geschichte der Prager Universität ist zugleich eine ; Wichte des verlustreichen Kampfes dieses deutschen Alwerkes gegen die immer schärfer andrängende k slawische Flut, ein Kampf, bei dem sich bekanntlich be- -smders in den letzten Jahrzehnten der österreichischen Monarchie der Wiener Hof nicht immer auf die deutsche Seite stellte. Die bocbberübmie alte Pfleaestätte deutscher

Aeue wüste Aaßlundgebungen.

Die deutschfeindlichen Ausschreitungen hielten auch während des ganzen Sonntags weiter an. Sie nahmen am Nachmittag einen größeren Umfang an, als sich an mehreren Plätzen der inneren Stadt erst Hunderte, bald aber Tausende von tschechischen Faschisten zusammensanden. um gegen alles Deutsche zu demon­strieren.

In starken Trupps zogen die Manifestanten gleich­zeitig gegen das Deutsche Haus, das Deutsche Theater, gegen deutsche Kaffeehäuser, gegen die Uni- versität und die Urania, wo sie ungehindert längere Zeit hindurch haßerfüllte Kundgebungen veranstalteten.

Erst nach Einbruch der Dunkelheit, gls die Lage gefahr­drohend zu werden begann, schritt die Polizei ein. Die Beamten wurden jedoch immer wieder durch Spott­lieder verhöhnt, auch wiederholt durch Steinwürfe tätlich angegriffen. Den Höhepunkt erreichten die Ausschreitungen gegen acht Uhr abends auf dem Graben, wo

zahlreiche Schaufensterscheiben großer Warenhäuser zertrümmert

wurden, deren Besitzer als Deutsche oder Juden bekannt sind. Aus der Menschenmenge wurden immer von neuem Schm äh rufe laut wieNieder mit den Deutschen!", .Schlagt sie tot!",Heraus mit den Insignien!",Hinweg mit den Emigranten!"

Bon deutscher Seite wurde ein am Sonntagabend berausgegebener Erlaß des Prager Polizeipräsidiums mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, da durch ihn die Wachleute endlich zu einem rücksichtslosen Vor - hehen gegen die R u h e st ö r e r ausgeforden wer- den Die Wirkung dieser Anordnung zeigte sich noch in »er Nacht dadurch, daß sehr viele Verhaftungen «genommen wurden Die bürgerliche Prager Presse Verurteilt zum größten Teil die ungeheuerlichen Ausschreitungen der tschechischen Studenten.

Geisteskultur und Wissenschaft ist 1348 von Karl IV. ge­rundet worden. Schon 1402 begann mit dem damaligen Jieftor, dem Reformator Johann Hus, der Kampf Men das Dentschttim an der Universität. Er setzte e« °« König Wenzel durch, daß die Tschechen im Unwerp- lalsgericht drei Stimmen, die Deutschen aber nur eine »hielten. So. kam es im Jahre 1409 zu dem berühmten Mszug von 400 Professoren und Stu- ^Men ans Prag nach Leipzig und der Gründung der dortigen Universität; gerade jetzt im Obember vor 525 Jahren traf die päpstliche Genehmi- ilungsurkunde in Leivtia ein

Im Jahre 1882 brachte' das Österreichische Unw^ Teilung in eine deutsche und eine tschechisch M^^ule. Diese Teilung enthielt schon den Keim der Ktc« tschechischen Raubgelüste gegenüber der Deutsche'

"at, der man wenige Jahre nach dem Krieg ri,i'"dungsurkunde und Namen entriß; seit der .luv-

des tschechoslowakischen Staates vom 28. Oktobe u, °das Leben der Deutschen dort ein ständiger Kams! Iw &lc priinitivsten nationalen Re ch " ge m,. und ist cs geblieben, ungeachtet der klaren Besttnr

^ds Genfer Minderheitenabkommens, ungeadj Ä?^olteu mäßigenden Eingriffe des greisenStaats- Bevin-Uten M a s a r y k zugunsten des starken deutsche Und ^'."^santcils, wenn die tschechischen Verfolgungc wa^âükanen sich zu einem europäischen Skandal au^u- drohten.

dem Tschechei ist heute nächst Polen Der Staat mit Dtn Mindcrhcitenantcil der Bevölkerung > Hon«. ®/ Aminen auf 6,3 Millionen Tschechen 2,1 Mil- Slowaken, insgesamt 3,7 Millionen Deutsche Ruthen 0,6 Millionen Ungarn, eine halbe Million tfäieftit* "ud etwa 300 000 Juden. Im ganzen Hat ver âat nicht weniger als 34,o/» 6^?'1 c n - "'sd mehr als ein Drittel der 8cmeinn Das sollte zur Duldsamkeit tM all- abkowm" st"d zur loyalen Beachtung der Winderbeittm en lm besonderen veranlassen. Wer die Tschechen

Was wir uns bieten lassen müssen...

.. von der Tschechoslowakei.

Die Prager Insignien

den Tschechen übergeben.

An Vertreter des Unterrichts- m i n i st e r i u m s.

Auf Grund der Vereinbarung des Rektors de» Prager Deutschen Universität, Prof. Dr. Großer, mit dem Üntcrrichtsminister erschien eine viergliedrige Abordnung des Unterrichtsministeriums, bestehend aus einem Präsi­dialchef, zwei Sektionschefs und einem Ministerialrat, im Rektorat der Prager Deutschen Universität. Hier wurden ihnen vom deutschen Rektor die Insignien der alten Karls­universität übergeben. Es sind dies die 15 goldenen Ketten der akademischen Würdenträger, das alte goldenc Zepter des Rektors, die vier Zepter der einzelnen Fakul­täten und das alte Siegel aus dem Jahre 1348. Die alten Gewänder und Bilder blieben in den Händen der Deutschen Universität.

Die Übergabe erfolgte in feierlicher und würdige, Weise. Wie verlautet, sollen die Insignien der tschechischen Universität übergeben werden. Für die Auffassung der tschechischen Studentenschaft erscheint bezeichnend, daß sie auf die Nachricht von der erfolgten Übergabe der Insignien eine Art Siegesversammluna auf dem Wenzelplatz abhielt.

*

Die Deutsche AivrlWi geschloffen. Wiedereröffnung wahrscheinlich erst nach Weihnachten.

Infolge der schweren Ausschreitungen der tschechischen Studenten gegen die Deutsche Universität in Prag und der äußerst gespannten Lage nach der erzwungenen Übergabe der Kleinodien wurden die Vorlesungen an der Deutschen Universität vorzeitig geschlossen. Da nach dem Verhalten der tschechischen Demonstranten noch weitere Unruhen zu befürchten sind, dürften die Vorlesungen erst nach Weih­nachten wiederaufgenommen werden.

Inzwischen hat sich herausgcstellt, daß Die Erstürmung der deutschen Hochschule durch Die Tschechen von langer Hand Dorbereitet worden ist. Besonders peinlich ist die Tatsache, daß auch der P r o r e k t o r der t s ch e ch i - scheu Universität an den Ausschreitungen teil­genommen und dabei wiederholt Ansprachen an die Menge gehalten hat. Die Tschechen haben die Deutsche Universität innen teilweise stark beschädigt. Zahlreiche deutsche Studenten wurden im Verlauf der Kundgebungen und Unruhen brutal mißhandelt, darunter auch eine Studentin.

Wegen Verweigerung des Beamteneides suspendiert.

Reichsminister R u st hat den beamteten ordentlichen Professor der Evangelischen Theologie in Bonn, Dr. Karl Barth, der sich geweigert hat, den auf Grund des Gesetzes über die Vereidigung der Beamten vom 20. August 1934 volgeschriebenen E i d auf den Führer und Reichskanzler zu leisten, vom Amt suspen­diert und ein Disziplinarverfahren gegen ihn ein» geleitet.

Haben sich um derlei Dinge schon herzlich wenig ge­kümmert, noch ehe sie sich Der Kündigung des Minder­heitenabkommens durch Polen im September zusammen mit Rumänien anschlosscn. Bei der Friedfertigkeit der Deutschen wäre es Den Tschechen ein leichtes gewesen, diese als fleißige, woblstandfördernde Bürger von hoher Kulturstufe für den jungen Staat zu gewinnen. Aber gleich die ersten Jahre brachten für Die Deutschen eine Verfolgung nach der anderen, beginnend von der Zer­störung Der Mariensäule auf dem Allstädter Ring vom 2. Dezember 1918 über Die f daueren Gewalttaten vom 3. März 1919 bis zur Beschlagnahme des Deutschen Theaters im November 1920, ganz zu schweigen von un­zähligen blutigen Ansschreitnngen, ganz zu schweigen auch von der ständigen Vergewaltigung des Sudeten- deulschknms. Dieses Deutschtum aber ist ein ebenso hochwertiger wie uralter Kulturbestandteil der böhmischen Lande; dasFreiheitsprivileg" der Deutschen stammt aus der Zeit Wraiislaws II., also schon aus der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts.

Schon sehr bald nach der inneren Konsolidierung des jungen Staates begann Die Tschechoslowakei auch die ehrwürdigen Rechte Der Deutschen Universität in Prag scharf cinzucugen, wobl aus der Erkenntnis heraus, daß diese in Der ganzen Welt lwchangeschcnc Hochschule das geistige Zentrum des Deutschtums dort ist. Am 19 Februar 1920 hat Die tschechische Nationalversammlung dHGesetz über das Verhältnis der Prager Univer- sltatel' " obne Aussprache angenommen, das einen

... von Frankreich.

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Unser dem Schutz Frankreichs" verschuldet.

Die Auslandsverschuldung des Saargebietcs.

DieReue Saarpost" läßt sich von ihrem Genfer Berichterstatter angebliche Einzelheiten über den Inhalt der römischen Saarverhandlungen drahten, die äußerst aufschlußreiche Zahlen wiedergeben. Die von den aus­ländischen Gläubigern bei der Rückgabe des Saargebieles geforderten Gelder betragen demnach rund 1 2 5 0 Mil­lionen Franc, 2,5 Millionen Dollar, 890 000 Pfund Sterling und etwas über eine Million holländische Gulden. Das ist die Auslandsverschuldung des kleinen Saargebieles.

Diese ungeheure Schuldenlast, die das Saargebiet allein niemals aufbringen kann, wirft ein bezeichnendes Licht auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Saar­gebietes und die ungeheure Verschuldung in den 15 Jahren der zwangsweisen Trennung vom Reich.

Eine vernichtende Kritik, gleichzeitig aber die beste Propaganda gegen die Beibehaltung dieses Zustandes, denStatus quo".

*

Sous la paternité de la France"Unter dem Schutz Frankreichs" steht im Paß jedes Saarländers. Unter diesemSchutz" plünderte der Beschützer 15 Jahre lang die Bodenschätze der Saar und ließ das vom Mutlerlande abgeschnittene Gebiet gleichzeitig in größte Schuldennot sinken. Und die Beibehaltung dieser Zu­stände sollen die Saardeutschen auch noch bei der Ab­stimmung befürworten!

... von Litauen.

Litauens schwere Rechtsbrüche festsesiellt.

Das Gutachten der Signatarjuri st en über die Men, elfrage.

Wie schweizerische Blätter melden, hat der Juristen- ausschuß, der von den Signatarmächten der Memel- konvcntion zur Prüfung des litauischen Vorgehens im Mcmelgebict eingesetzt worden ist, in einem Gutachten schwere Verletzungen grundlegender Bestimmungen des Autonomiestatitts durch Litauen fcstgcstcllt.

Die Übergabe dieses Gutachtens und damit die Auf­forderung an die litauische Regierung, die fcstgcstclltcn Mißbräuche abzustcllen, ist jedoch neuerdings ver­schoben worden. Wie es heißt, soll die litauische Regie­rung versuchen, durch unverbindliche Erklärungen in einigen nichtssagenden Punkten die Überreichung des für Litauen unangenehmen Berichtes zu verhindern.

Keine Auslieferung der kroatischen

Emigrantenführer durch Italien.

Wie aus Rom amtlich bckannrgcgeben rouD, hat die Untersuchungsabteilung des Appellationsgerichtshofes in Turin entschieden, daß die Ausliescr u n g der im Zusammenhang mit dem Marseiller Königs- m o r d verhafteten Führer Der kroatischen Emigranten, Pawelitsch und K w a t e r n ik die man als geistige Urheber des Attentats bezeichnet bat, Frankreich nicht z u g c st a n d e n werden könne.

schweren Schlag gegen das Deutschtum darstcllte. Die Annahme erfolgte durch eine gesetzgebende Körperschaft, in Der der große deutsche Bevölkernngsantcil überhaupt nicht vertreten war. Da das Gesetz auch dem von der Tschechoslowakei selbst am 10. - September 1919 unter­zeichneten Minderheitenschutzvertrag in zwei Artikeln schroff widersprach, legte der Akademische Senat Rechtsverwahrung ein. Er konnte dabei u. a. darauf verweisen, daß das Gesetz auf zwei geschichtlichen Fälschungen beruhte, nämlich als wenn die Tschechische Universität allein die Nachfolgerin der Hochschule Karls IV. sei und als wenn dieser sie nicht in seiner Eigenschaft als Deutscher Kaiser, sondern nur als König von Böhmen gegründet habe.

Die neue schikanöse Maßnamc, durch die die Kluft zwischen den Deutschen und Tschechen erneut aufgerissen und vertieft wird, bedeutet einen weiteren Schritt aus Dem Wege, die Prager Deutsche Universitätihrer bei­nahe sechs Jahrhunderte zählenden Geschichte zu ent­eignen". wie cs schon in einer Eingabe der Hochschul- lcituvg an die Regierung im Februar 1930 heißt. Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Tschechoslo­wakei sind im großen ganzen normal. Es ist nicht ein- zuschen, daß dieses Verhältnis durch die schwere Heraus­forderung des Deutschtums wieder getrübt werden mußto, um so weniger, als die Deutschen'in der Tscheche: ihren staatsbürgerlichen Pflichten stets aufs strengste .nachgckommcn sind. P. A. R.