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Nr. 279 1934

Fulda, Donnerstag, 29. November

11. Jahrgang

Rüstungsdebatte im Unterhaus.

Wrchill steht Gespenster. Baldwin:Churchills Beurteilung der Lage trifft nicht zu".Kein Grund für Besorgnisse".

London, 29. November.

Im Unterhaus führte am Mittwoch Churchill bei Begründung seines Antrages auf Erhöhung der bri- Wen Rüstungen aus, daß er einen Krieg nicht für unmittelbar bevorstehend oder unvermeidlich er- chte. Aber es scheine ihm sehr schwierig, die Schlußsolge- W 3» umgehen, daß Groß-Britannien unverzüglich für «è Sicherheit sorgen müsse, weil dies andernfalls bald gjer seiner Macht liegen würde.

' Die große neue Tatsache, die die Aufmerksamkeit jedes sândes in Europa und der Welt in Anspruch nehme, sei, ich Deutschland wieder aufrüste. Diese Tatsache dränge sch alles andere in den Hintergrund. Die Fabriken Deutschlands arbeiten eigentlich unter Kriegsumständen. Deutschland rüste auf zu Land, in gewissem Maße zur Lee, und, was Groß-Britannien am meisten berühre, in in Luft. Die furchtbarste Art des Luftangriffes sei die Brandbombe.

Churchill wandte sich dann der Frage der Abhilfe zu. Er bemerkte, jeder Teil des Landes befinde sich fast inner­halb der Reichweite eines Luftangriffes. Man müsse dieser Gefahr dort, wo man stehe, gegenübertreten und könne sich nicht von ihr wegbewegen. Die einzige praktische und sichere Verteidigung sei, dem Feind ebenso viel Schaden zuzufügen, wie er England zufügen könne. Wenn dies erreicht werden könne, was bedeuten demgegenüber 50 oder 100 Millionen Pfund Sterling, die durch Ablösung oder eine Anleihe aufgebracht werden? Groß-Britannien müßte jetzt beschließen, koste es was es wolle, in den näch­sten zehn Jahren eine Luftstreitmacht zu unterhalten, die wesentlich stärker ist, als die Deutschlands. Churchill fuhr fort,

das deutsche Volk habe sehr freundschaftliche Gefühle gegenüber England, und es bestehe kein Grund zu der Annahme, daß Deutschland England angreifen wurde.

Aber es könnte bald in der Macht der deutschen Re­gierung liegen, dies zu tun, wenn Groß-Britannien nicht handele. Die Gefahr würde Groß-Britannien in sehr kurzer Zeit heimsuchen, wenn es nicht sofort handele.

Das Geheimnis der deutschen Rüstungen müsse geklärt Verden. Heute habe Deutschland seine militärischen Streit­kräfte mit den notwendigen Ergänzungsdiensten auf dem Erdboden, mit Reserven und ausgebildetem Material. Dies alles warte nur auf einen Befehl, um zusammenge- saßt zu werden. Die Luststreitkräfte erreichten rasch den­selben Stand wie die britischen. Nächstes Jahr um dieselbe Zeit würden, wenn Deutschland und Groß-Britannien sich an ihre Programme halten, die deutschen militärischen Streitkräfte mindestens so stark sein wie die brittschen. Deutschlands Zivilflugzeuge könnten leicht umgewandett Verden, während die Groß-Britanniens für Kriegszwecke wertlos seien. Die verschleppende Politik der britischen Re­gierung auch nur einige Monate fortzusetzen, würde be­deuten, Groß-Britannien der Macht zu berauben, je die deutschen Anstrengungen zu überflügeln.

Churchill erntete lauten Beifall von Seiten der Re- gierungsbänke. Nach ihm erhob sich

1 Baldwin

für die Regierung. Er erklärte, die ganze Frage berühre sucht nur Groß-Britannien und seine Verteidigungsmittel, Ändern ganz Europa. Aber sogar jetzt, wo die Dinge l" schwarz erschienen, habe er nicht die Hoffnung auf i r n e Rüstungsbeschränkung irgendeiner Art aus- gogeben. Er wolle nichts sagen, um nicht die Annäherung -n erschweren, die aus dieser Aussprache folgen könnte, und er hoffe, daß Deutschland, wenn es die Rede le, e, >edes Wort von dem, was er gesagt habe, le,e und dre t>ede nach ihrem Geist beurteile, ohne einzelne Worte gercmszusuchen.

Eine der Grundlagen des heute bestehenden Mißtrauens die Unkenntnis außerhalb Deuischlands und die Ge­heimtuerei innerhalb Deutschlands. Hierauf ' beâ Baldwin mit denseit dem Umschwung in Dcut.ch- ®"b eingetretenen Ereignissen", der Stärkung der Klemen Entente, dergroßen Beunruhigung" in Oesterreich, den Klärungen in Italien, Polen und so weiter. Er de­ckte dabei u. a.: Im Januar 1933 kam in Deutschland en^ue.Regime zur Macht, unb schon der nächste Mo at bt<! die Stärkung der Kleinen Entente, die als erster ^Europas auf die neue Fügung antwortete. Nicht viel ^r ^^ wir die großen Erschütterungen mOester- 9 Zum großen Teil infolge der Nazipropaganda. Im Überzog sich Deutschland vom Völkerbund und der Ob° S Zurück, in einem Augenblick, wo wu err^^te Hoffnungen hatten, etwas Wesentlicheres Zi » als seit vielen Jahren. Die Zusammenarbeit den europäischen Nationen wurde damit vorläufig , Siefeg Jahr haben wir sogar Zeichen vn

"Et in den Ländern gesehen, die nicht direkt von und n^E"ssen berührt werden, nämlich in der L-chw^is Skandinavien. Man hat gesehen, wie in Frankreich Few ^behandelt und vorgeschlagen, werden, um orc sach""llswerke im Norden zu vermehren und um in me!- tüwin^eise die Luftstreitkräfte aufzurüsten und Aus- and^ -"d Munition zu beschaffen. Man hat am de der ^ Seite der Alpen Italien durch die Rückwirkungen

'^Propaganda in Oesterreich beunruhigt gesehen,

uno man norte eine meoe vom Duce selbst, die, wenn sie wörtlich ausgefaßt würde, sehr beunruhigend gewesen wäre. Polen schloß einen Nichtangriffspakt mit Deutschland ab, der bald auf die Einführung des neuen Regimes folgte, und Deutschland verwarf den russischen Vorschlag für eine deutsch-polnische Garantie der baltischen Staaten. Es hat eine gewisse Annäherung Rußlands an Frankreich stattgefunden. Es sind Besprechungen mit Frankreich er­folgt, von denen dafür leiste ich Gewähr keine statt­gefunden hätte, wenn nicht Deutschland den Völkerbund verlassen hätte und wenn nicht die Handlungen Deutsch­lands mit, Bezug auf seine Rüstungen von diesem Zeit­punkt an in ein Geheimnis gehüllt gewesen wären. Dies führte zum Vorschlag für den. Pakt gegenseitiger Unter­stützung in Osteuropa, den wir warm befürworten und dabei anregten, ihn mehr in Uebereinstimmung mit Lo­carno zu bringen und ihn allgemein für die Teilnehmer annehmbarer zu gestalten. Dies, so fuhr Baldwin fort, ist fehlgeschlagen. Als natürliches Ergebnis einer fast zweijährigen Herrschaft dieses Regimes in Mitteleuropa hat sich ein Zu ft aud nervöser Besorgnis er­geben, der sich von einem Land nach dem anderen aus­breitet und ein böses Vorzeichen für den Frieden Europas darstellt.

Nach einer Bezugnahme auf das deutsche Heer erklärte Baldwin, die Deutschen schafften sich eine Luftstreitmacht; er glaube jedoch, daß die meisten der Berichte in der englischen Presse stark übertrieben seien. Es gebe im gegenwärtigen Augenblick (einen Grund für unan­gebrachte Besorgnisse und noch weniger für Pa­nik. Weder England noch irgend jemand in Europa stehe augenblicklich vor irgendeiner unmittelbaren Bedrohung. Es herrsche kein tatsächlicher Notzustand, aber Groß-Bri- tannien müsse Vorausschauen und es bestehe Grund zu sehr ernster Besorgnis,

Aus diesem Grunde habe die Regierung die Lage seit vielen Monaten beobachtet. beobachte sie noch und werve

Hochzeitstrubel in London.

prinzenhochzeii als Volksfest.

In London wird der F estzu ggeprobt".

Ungeheure Massen unterwegs.

Ganz England steht seit Tagen im Zeichen der Prinzenhochzeit. Im feuchten Novembernebel hängen die Fahne n aus den Häusern, über die Straßen ziehen sich Girlanden von Haus zu Haus, von Lichtmast zu Lichtmast. Der Weg vom Buckingham-Palast zu der Wcstminstcrabtei gleicht einem riesigen Baldachin.

Ein seltsames Schauspiel konnten die Londoner in den frühen Morgenstunden beobachten: Eine Anzahl leerer Wagen wurde, geleitet von einer Schwadron lkavallerie, durch die Straßen geführt. Das waren die Staatskarossen, in denen die große Anzahl der Ebrenaäste fahren wird. Diese Probe wurde veranstaltet,

Die Ausstellung der Hochzeltsgeicyenkc.

Wie unser Bild zeig:, sind die zahllosen Hochzeitsgeschenke im St James-Palast öffentlich ausgestellt, so daß sich jeder Londoner dort an der Pracht der wertvollen Geschenke ' erfreuen kann.

sie weiter beobachten. Sollte sich' eine gefährliche Lage entwickeln, von der man im gegenwärtigen Augenblick keine Anzeichen erblicke, so werde die Regierung nicht un­vorbereitet überrascht werden. Baldwin stellte nachdrücklich in Abrede, daß Groß-Britannien allgemein in der Luft nachhinke. Deutschland befasse sich tatsächlich aktiv mit der_ Herstellung von Militärflugzeugen, aber seine wirkliche Stärke betrage nicht 50 v. H. der heutigen Stärke Groß- Britanniens.

Churchills Beurteilung bet Lage treffe nicht zu. Die britische Regierung", so hob Baldwin hervor,ist entschlossen, unter keinen Bedingungen irgendeine Unter­legenheit in bezug auf irgendeine Streitkraft binzuneh- men."

Nachdem Baldwin die Frage der zivilen Luftfahrt be­handelt hatte, fuhr er fort, es sei seine Ueberzeugung, daß auch Deutschland diese Besorgnis nicht unbekannt sei. Deutschland hänge bei seiner geographischen Lage sehr von der Freundschaft und den Handelsbeziehungen zu seinen Nachbarn ab. So lange Deutschland sich zurück­halte und keine unmittelbare Verbindung mit anderen Staatsmännern in Europa habe, werde mehr und mehr der Argwohn wachsen.Ich hoffe", schloß Baldwin,daß diese Aussprache, die mit einem aufrichtigen und berech­tigten Wunsch eingeleitet worden ist, die Wahrheit in Europa kennen zu lernen, größere und bessere Folgen haben wird, als irgend jemand von uns für m öglich gehalten hat. Vielleicht ist dadurch Gelegenheit für einen ersten Schritt geschaffen worden, von neuem die Nationen Euro­pas zusammenzubringen, und vielleicht wird, nachdem man aus der Verschlechterung der Lage Europas in den letzten zwei Jahren etwas gelernt hat, die Stimme der Weisheit und des Friedens sich doch noch geltend machen."

um die Zeit, die der Festzug benötigen wird, genau f e st z u st e l l e n. Vertreter der Behörden und Detektive von Scotland-Vard beobachteten den Verkehr, um genau festzusetzen, wo die Polizisten znr Absperrung postiert werden sollen.

Das Brautpaar wird nicht nur nach dem angli­kanischen, sondern auch nach dem griechisch-katho­lischen Rituell getraut werden. Das ist ein völlig neu­artiger Vorgang âm britischen Königshofe. Die griechisch- katholische Einsegnung findet nach dem Trauakt in der Westminsterabtei im Buckingham-Palast statt. Am Nach­mittag des Hochzeitstages begeben sich der Herzog und seine Gattin auf die Hochzeitsreise. Den ersten Teil der Flitterwochen werden sie in H i m l e y Hall bei Dudley verbringen, das in den Cotswolds, einem der roman­tischsten Landstriche Englands, liegt.

Als unverheirateter Königssohn hatte Prinz Georg ein Aufwandsgeld von 10 000 Pfund im Jahre bezogen. Nach seiner Verheiratung wird die staatliche Dotation unter einem Gesetze des Jahres 1910 auf 25 000 Pfund erhöht werden.

Hochzeitsgeschenke werden ausgestellt.

Die Ausstellung der .Hochzeitsgeschenke wurde im St.-Jamcs-Palast für das Publikum frei­gegeben. Besonderes Interesse fanden dabei

die Gaben des Königspaares

ein Satz silberner Leuchter, Tafelaufsätze und Schalen, eine Halskette, bestehend ans 36 großen Brillan­ten, eine Juwelengarnitur aus Saphiren und Brillanten usw., ferner die Gaben der indischen Fürsten. Im Buckingham-Palast fand eine Gesellschaft statt, an der 800 Gäste teilnahmen. Prinzessin Marina wurde hier zum ersten Male den sührenden Persönlichkeiten der Polittk und Diplomatie vorgestellt.

Lebensgefährlicher Straßenverkehr.

Englands Hochzeitsfcst ist auch ein Volksfest. Eine halbe Million von Besuchern werden zwei Feiertage in London verbringen, mit Tanz, Musik und Vergnügen und damit, die Hochzeitsprozesston vom Buckingham- Palast nach der Westminsterabtei zu bewundern.

Alle Fenster und alle Plätze auf den Tribünen, von Denen aus der Zug zu sehen ist, wurden zu Preisen zwischen 1 und 10 Pfund verlauft.

Das Nationalfest, das die Engländer seit Wochen vor­bereiten, ist nicht nur eine Königshochzeit, sondern auch ein wirtschaftliches Wiedcrbelebungsfest.

Der Zustrom von außen macht sich geradezu lebensgefährlich int Stratzenleben bemerkbar. Bis in die Mitternacht hinein strömten ungeheure Menschen­massen durch die Feststadt, um sich die Straßendekorationen anzusehen.

Während des Nachmittags kam cs zu Verkehrs­stockungen, wie sie London seit Jahrzehnten nicht mehr er lebt haben soll.

Die viele Kilometer lange Straße .von» Hvdepark-