Zul-aer Anzeiger
IF&'ä^™ WM. 4 Tageblatt für Rhön und Vogelsberg SÖ8ÄS® râ- M» haunewl. zulèaer «relsbla« schriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda. Konigstr. ^L. Reèaktion und Geschäftsstelle: Königftraße 42 « §eensprech-^nschluß Nö. 2989
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Nr. 281 — 1934
Fulda, Samstag, 1. Dezember
11. Jahrgang
„Wir kapitulieren nicht!"
Der „dunkle" Erdteil Deutschland — Lloyd George plaudert aus der Schule — Notstand.
Moderne Flugzeuge mit 400 Kilometer Stundengeschwindigkeit können von Berlin nach London in einem Zeitraum hinüberfliegen, den man vor hundert Jahren zu einer Fahrt von Berlin bis Potsdam benötigte. über eine Fahrt rings um die Erde in 80 Tagen i la' Jules Verne hat man heutzutage nur ein mitleidiges Lächeln. Die Technik hat es verstanden, den Raum zu einem „relativen Begriff" zu machen. Aber sie hat es nicht erreicht, auch die Völker einander näherzubringen. Noch immer wird — heute wenigstens! — das Schicksal dieses runden Wcltkörpers, auf dem die Menschen herumstolpern, bestimmt durch die Entschlüsse der Länder der weißen Rasse. Und diese Länder stehen in schwer gewaffneter Rüstung gegeneinander. „K r i e g" raunt es in den Massen derer, die noch nicht vergessen haben, was vor sechzehn Jahren ein moderner Weltkrieg bedeutete. Hat es überhaupt, wie der englische Vizekanzler Baldwin es tat, heute irgendwelchen Zweck, den Frieden Europas, der überall, in den englischen, französischen, deutschen, italienischen, jiidosteuropüischen usw. Massen zum mindesten bedroht erscheint, dadurch erhalten zu wollen, daß nun eine Macht in Europa viel mehr rüstet als zum militärischen Schutz, als die selbstverständliche Forderung nach eigener Sicherheit es erfordert! Wenn wirklich die zur Zeit in England parlamentarisch allmächtige Konservative Partei es für notwendig hält, die englische Heeresrüstung besonders zur Luft zu verstärken, dann mag sie das tun. Aber es erfüllt jeden Deutschen mit unsagbarer Bitterkeit, wenn der englische Vizekanzler sein Wort von der „Grenze Englands am Rhein" wieder auf« nimmt und nun die wilde Aufrüstung überall in der Welt durch die deutsche Erklärung veranlaßt sehen will, daß Deutschland die siebenjährige Abrüstungskomödie nicht mehr mitmachte, sondern einfach die Frage stellte: Wollt ihr abrüsten, wie ihr es 1919 versprochen habt, oder wollt ihr das nicht tun? Man frage doch nur einer nnzigen Deutschen zwischen Tilsit und Saarbrücken, ob a auch nur am Stammtisch die geringsten kriegerischen Absichten gegen England produziert. Baldwin wurde er- 'übten, daß dies vom Führer herab bis zum jüngsten Mitglied der Hitler-Jugend nicht, aber auch gar nicht der Fall ist. Und vor allem — nun wollen wir einmal den „rauben, aber herzlichen Kriegerton" anschlagen — hat doch wohl ein jeder kampffähiger Deutsche, der an der Front gestanden hat, „die Sch n nun a o l l"! Das hat der Führer, seitdem er die Geschicke des deutschen Volkes lenkt, mit unzweideutigen Worten jedem gesagt, der drüben auf der anderen Seite gestanden bat. Daß ein Franzose. der seinen Landsleuten diese Einstellung des deutschen Führers initteilte, von einem Mann der alten Generation zum Duell gefordert wurde, dal bloß den Nachteil, daß vor bem französischen Frontsoldaten, der für die Verständigung mit Deutschland kämpft, der Gegner ausgerissen ist. Der bat kapituliert. Aber die deutsche Front hat nicht kapituliert und wird nicht kapitulieren, wenn es darum gebt, für Deutschlands Sicherheit die Kräfte der Nation einzusetzen.
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Dieser französische Frontsoldat hat bezüglich seiner "andsleute gesagt, daß „sie den Frieden lieben, weil sie stark sind". Ähnliches hat für Deutschland ausgerechnet Mister David Lloyd George gesagt, als er gegenüber den wilden Nachrichten über die phantastischen deutschen Auf- Estungsmaßnahmen sehr nüchtern äußerte, die deutsche Armee sei wohl fähig, einer „Invasion" doch wohl einen whr kräftigen Widerstand entgegenzusetzen, aber daß man •e nicht verdächtigen könne, zu einem Angriff zu schreiten. - l o y d George hat dann das Kind beim richtigen -'-amen genannh während die Konservativen Winston Churchill und Baldwin um den heißen Brei - um mit ^wvchen zu sprechen — hernmgingcn wie die Köche, die von Brei verderben würden. Lloyd'George sagte nämlich, M es wie eine Provokation aussehen würde, wenn Deutschland Mitteilungen über seine Aufrüstung machen wollte, aber „es gebe in Frankreich gewisse Kreise, die d e n Fr 1 e 9 (gegen Deutschland) für unvermeidlich galten und der Ansicht seien, es sei notwendig, dreien vorwegzunehmen („accepter"), ehe Deutschland ge« ritstet sei". Wenn ein Deutscher das behaupten wurde, oyst hätte die ganze Welt zwischen dem Nordkap und «apstadt den Münd aufgerissen über diese Verleumdung, c> diese Verdächtigung des unbedingten französischen »uedenswillens. Aber das sagt immerhin Llovd George, Met tatkräftigster Gegner im Weltkrieg und einer >>,' "großen Pier", die das Versailler Diktat schufen.
der englische Vizekanzler Sir Baldwin xcutschlands „Aufrüstung" als das fricbcnftorenbe bezeichnet, dann mag - im Zusammenhang ^» Andeutungen Lloyd Georges, also eines Manne-, früh ”nn Bilde" ist — daran erinnert werden. daß der ruyere belgische Ministerpräsident Graf de Broequeville, einsam aufsehenerregenden Rede sich gegen den Gedanken bei. ^â'entivkrieges wandte, der dem für seine ©tcber« bi Deutschland gelten sollte. Und wer wollte
c Praventivsieg gegen das ungerüstete Deutschland.
RräfS» Beschuldigungen, Deutschland rüste aus allen den Ä 11,11 über Frankreich her zu fallen, sind zwar durch äcsuÄ.'"" des deutschen Volkes in Wort und Tat Lugen wir >!'w^de.i. Aber sie haben ein zähes Leben und Stabs. n "us der Kriegszeit, wie gefährlich sie und. bterh.^ darf man, um wieder mit Lloyd George zu blvè ,„ ' 5F$ ben französischen Ministerpräsidenten nickt
1 1 Be Situation beneiden, in die er versetzt wurde,
Tag der nationalen Solidarität.
Am 8. Dezember Sammelabtim
für bar Wiaterhiissserb.
Am Sonnabend, dem 8. Dezember 1934, findet im ganzen Reich eine Sammlung für das W i n t erst ilfs werk statt, die unter Leitung des Reichs- propagandaleitcrs der NSDAP., Dr. Goebbels, steht Die verantwortliche Leitung der Sammlung in den Gauen liegt bei den Gaupropagandaleitern bzw. bei den Landes- stellcnleitern, in den Kreisen bei den Kreispropaganda- Icitcrii und in den Ortsgruppen bei den Ortsgruppen- propngaudaleitcrii.
An der Sammelaktion beteiligen sich sämtliche höhere Beamte und Angestellte des Reichsministeriums für Bolksaufklärung und Propaganda und der Landesstcllen, sowie der dem Reichsministermm und den Landesstcllen unterstehenden Behörden und öffentlichen Einrichtungen der Reichskulturkammer, Reichsrundsunkgesellschaft, Wcrberat der Deutschen Wirtschaft. Hochschule für Politik, Philharmonisches Orchester, Theater, Filmprüfstclle, Reichsausschuß für Fremdenverkehr. Ebenso beteiligen sich alle Gaupropagandaleiter mit ihren Mitarbeitern, sowie in den Kreisen und Ortsgruppen der NSDAP, die Propagandaleitcr und sämtliche in den Gauen befindlichen Redner. Außerdem werden sich d i e führenden Persönlichkeiten der Partei und ihrer Nuter- gliederungen für die Sammelaktion einfeben. Der Chef des Stabes der SA., der Rcichsftthrer SS. und der Reichsjugcndsührer haben einen entsprechenden Befehl an die ihnen unterstellten Gliederungen erlassen.
Gesammelt wird von 16 bis 19.30 Uhr auf den Straßen und anschließend in den Gaststätten, Theatern, Kinos usw. Jeder Sammler erhält eine Sammelbüchse der NSV. mit der Aufschrift: „Tag d c r it a t i o n a l c n S > i i d a r i t ä t".
Minister sammeln für das Volk.
Ehrt euch selbst, indem ihr gebt!
Das muß selbst der verbohrteste Miesmacher dem Nationalsozialismus lassen: trivial und langweilig ist er nicht. Er ist vielmehr die Kunst des Unerwarteten, erstaunlichster Leistung: Was ehedem als unmöglich galt, macht er möglich. Was als unschicklich und im englischen Sinne als „shocking" angesehen wurde, das tut er einfach. Alteingewurzelte gesellschaftliche Vorurteile rennt er über den Haufen, um gerade das zu tun, was die „Korrekten", die Neunmalklugen für ausgeschlossen, für staats- und autoritätsgefährlich erklärten. Das gilt auch besonders' für die vom Reichspropagandaministerium unter der Parole „Tag der nationalen Solidarität" geplante Sammelaktion für das Winterhilfswerk.
Ja, ist denn das möglich? Ein M i n i ft e r mit der Sammelbüchse auf der Straße? Geht dabei nicht die ganze Staatsntttarität zum Teufel? Ach, ihr ewig Gestrigen,
wenn Deutschland ihm Mitteilungen machen wollte über seine Sicherheitsmaßnahmen, sondern auch dann, wenn Frankreich zu der gleichen Offenheit aufgefordert werden würde. Denn dann würde sich Herausstellen, daß Deutschland seine Kräfte nur dafür einfe^t und anspannt, um „Nicht kapitulieren" zu müssen Dr. Pr.
laßt vas nicht eure Sorge fern! Wir rönnen uns wohl vorstellen, wenn ein Herr Marx, Scheidemann, Wirth und wie alle diese „besseren älteren Herren" hießen, auf deren Namen man sich aus grauer Vorzeit nur noch mühsam entsinnt — wenn sie mit einer Büchse auf den schon etwas gichtischen Armen sammelten, das hätte das gegeben, was der Münchener mit einem unübersetzbaren Ausdruck „a Gaudi" nennt, und die lächerlichen Reste ihrer etwa vorhandenen Autorität wären dabei rettungslos vor die Hunde gegangen.
Im nationalsozialistischen Reiche ist das aber eine andere Sache. Wenn am 8. Dezember alle Beamten der Ministerien und der Behörden ihre Sammelbüchsen jedem Volksgenossen hinhalten, damit er in seine Tasche greife und nach seinen Kräften für die Ärmsten der Armen opfere — dann tun Minister und Beamte im Grunde nichts anderes als das, was sie im Staate Adolf Hitlers ohnehin tun: sie arbeiten für den deutschen Menschen, sie ringen um sein Leben, sein Dasein, und sie rufen dabei die Hilfe, die selbstverständliche Opfer- bereitschaft jedes Deutschen, jedes Volksgenossen auf, der wert ist, diesen Namen zu tragen.
Nein, ihr Herren, die ihr'die Würde gepachtet und die Weisheit als Erbgut in Besitz genommen habt: unsere Minister sind sich nicht zu schade, um mit der Büchse in der Hand für unsere hungernden und frierenden Brüder zu sammeln. Wir sind ein Volk in Not, aber wir sind ein stolzes Volk! Wir wollen vom Ausland nur eins: Respekt! Für alles andere sorgen wir selbst. Wir spenden nicht nur, wir machen nicht in jener öden Wohltätigkeit früherer Tage, die sich bei dem Knallen der Sektpfropfen auch ein wenig der Armen entsann. Wir halten zusammen und teilen miteinander wie Kameraden im Schützengraben das letzte Stück Kommißbrot, den letzten Schluck aus der Feldflasche.
So wird denn dieser Tag, der in Berlin unter der Parole „Vom Alexanderplatz bis zum Kursürstendamm" gestartet wird,.im Zeichen einer wahren uno.tiesen Verbundenheit der deutschdenkenden und deutschfühlenden Menschen stehen, die alle ein einigendes Band umschlingt, sei es Mann oder Weib, Greis oder Kind, Minister, Künstler oder Kohlentrimmer.
Mehr als 3 0 0 0 Sammler, angefangen vom Minister bis zum jüngsten Regierungsrat, die Vertreter der Partei und ihrer Untergliederungen vom Gauleiter bis zum Ortsgruppen-Propagandalciter, die Führer der SA. und SS. vom Obergruppenführer bis zum Standartenführer, die Führer der HJ., die Prominenz von Bühne, Film, Konzertsaal, Presse und Rundfunk . . . sie alle werden gemeinsam einem Ziel dienen unter der Devise: Einer für alle — alle für einen. Am „Tag der nationalen Soli- barität" werden sie inden Hauptverkehrszeiten von 1 6 Uhr b i s 19,30 Uhr auf den Straßen und Plätzen stehen, um von jedem ein Scherflein entgegen- zunehmen. Später setzt sich dann die Sammelaktion in den Gaststätten, Kinos nnd Theatern fort. Prominente Vertreter von Film und Bühne werden vor Beginn des Hauptfilms bzw. in den Theaterpausen kurze Ansprachen an die Besucher halten.
Künstler, Journalisten, Beamte, Minister sammeln! Sie bitten nicht für sich, nein für alle anderen Brüder, deren Leben noch Sorge überschattet und Not verdunkelt. E b r t e u ch s c l v u , i i. . . „ , gebt!
Die Trauung in der Westminster Abtei.
Rechts die Angehörigen des Bräutigams, in der ersten Reihe das englische und das norwegische Königspaar, links vorn auf den ersten beiden Plätzen der frühere König von Griechenland mit der Königin von Griechenland, aus den Altarstufen rechts der Prinz von Wales und der Herzog von Nork.
Die ägyptische Verfassung außer Kraft gesetz».
Kairo. König Fuad von Signeten erließ ein Dekret, das die Verfassung außer Kraft setzt und das Parlament auflöst
Wirbelsturm über Louisiana und Mississippi.
New York. Wie aus Newton (Mississippi) ger- !det wird, sind weite Teile der Staaten Louisiana und Misuffippi von einem Wirbelsturni heimgesucht worden. Außer zahlreichen zer- störten Häusern sind über 30 Verletzte zu verzeichnen.