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$et"n2^fm durch ^Höhere & Tageblatt für Rhön und Vogelsberg KMTSZiDV ^ulöa- und Haunetal. §ulöaer Kreisbla«

^chriftlèlter: Friedr. Ehrenklau, Fulda, Äonichtr. 42. ReSaktion unS Hesihästsstelle: Kvnisstraße 42 4 Zernfprech^nftbluß Nr. S9S9

Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Ps. Bei Wiederholung wird Rabatt nach Tarif gewährt, bei zwangsweise Beitreibung oder Konkurs erlL/cht jeder Anspruch auf Nachlaß.DA." X. 34. 910. Verantwort!, f. b. Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 283 1934

Fulda, Dienstag, 4. Dezember

11. Jahrgang

Einigung in Rom.

Letzte Sitzung des Saarausschusses des Völkerbundes.

Bei den Verhandlungen des Dreicraus- s ch il s s e s d c s V ö l k c r b u n d s r a t e s i n N o in über Die Fragen, die bei der Rückgliederung der Saar an Deutschland nach der Volksabstimmung vom 13. Januar 1935 zu regeln sind, ist eine prinzipielle Einigung zwischen Deutschland und Frankreich über den größten Teil der zur Verhandlung stehenden Probleme int Laufe der Be­sprechungen der letzten Tage erreicht worden.

Die Verhandlungen in Rom haben sich sowohl aus ver­waltungstechnische wie aus sozialpolitische Probleme und auf alle wirtschaftlichen Fragen er­streckt/ die mit der Rückgliederung der Saar in Zusammen­hang stehen.

Im Laufe der Verhandlungen zeigte es sich, daß von französischer Seite Geneigtheit bestand, ziemlich weit aus die wirtschaftlichen Fragen einzugehen, obwohl dabei der Gesichtspunkt der selbstverständlichen Rück­gliederung der Saar an Deutschland wesentlich stärker in Erscheinung trat, als das bisher auf franzö­sischer Seite für richtig gehalten wurde.

Amtlich wird in Rom mitgeteilt: Der Dreieraus­schuß hat seine letzte Sitzung in Rom abgehaltcn, der der französische und der deutsche Botschafter beiwohnten. Der Präsident stellte im Namen des Ausschusses fest, daß zwischen der französischen und der deutschen Regierung eine Einigung in allen Fragen erzielt werden lonnte, die dem Ausschuß zur Prüfung Vorlagen. Das Abkommen wurde für die französische und deutsche Regie­rung von den beiden Botschaftern und den beiderseitigen Vertretern unterzeichnet.

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Die römischen Vereinbarungen über die Saar.

Im Zusammenhang mit den Erörterungen des Dreierèomitees des Völkerbundes in Rom sind die, wich-, ligsien finanziellen Fragen, die mit der Rückgliederung her Saar Zusammenhängen, geregelt worden.

Für die Abfindung aller Ansprüche des französischen Tiaates (Saargruben, Eisenbahnen, Grenzbahnhöfe usw.) zahlt Deutschland eine Pauschalsumme von 150 Mil­lionen Mark in französischen Franc (900 Millionen Stand.

MdmsWriW gegen die Smjelföhrer.

Zehn ©feiere der Men Armee ermessen. uMfa N g reiche Verschwörung a u f g e d e ck t.

Die Londoner ZeitungDaily Expreß" meldet, daß die Sowjctregieruna im Zusammenhang mit der Er- chordung Kirows eine umfangreiche Mordvcrschwörung » sämtliche Somjetführer ausgedeckt habe. Tue Soivjetführer sollten samt und sonders ermordet werden.

Z e h n Offiziere Der Roten Armee seien unter dem Verdacht der Beteiligung an den Verschwörungen in Aoskau verhaftet und eine Stunde nach dem Verbot er­gossen worden Weitere 60 Personen wurden ver­gastet und erwarten ihre Aburteilung. General ^udow, der Chef der Leningrader Abteilung des Volkskommlssa- Uats des Innern, fei sofort entlassen worden. Gut anderer General wurde verhaftet, viele hohe Beamte aus ihren basten entfernt.

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Die SmUhllW des teW* PattMMMs.

®r06e Aufregung in der Bevölkerung. . Stalin greift persönlich ein. m Die Ermordung des Sekretärs der Leiiingrai. er Parteiorganisation, Kirow, hat in der russisch«» ^"lk ">g erhebliche Aufregung hervorgerufen, zumal man n vo eines sehr drohenden Aufrufes des Zentralkomitees neues Anziehen der Schrauben und einen verstärkte Druck befürchtet. fistln

® Dtalin, zu dessen Vertranten Kirow gehörte, m i Rettung des Krieg sko m m i s i ar s W o r o s Ä r - Ut Leningrad eingetroffen und Hal sich zu - ^""sschuß für den Leningrader Bezirk begebet . .le S er sich mit dem Fall Kirow beschäftigen. Du R N f'alms nach Leningrad hat allgemein pollt,- 91 ufsehe ii erregt. f » [ B. Sw Vernehmung des Mörders Kirows, R ' k o Mehr "' 1Purbc weiter fortgesetzt. Nikolajew ha

^. gestanden, Kirow getötet zu haben. 6^®.^nbe 3 feiner Tat wollte er jedoch nicht angeven. . sn>>>!^ ârte nur, daß er nach seiner Entlassung auw Lj '^russischen Staatsdienst ungerecht behandelt nc.

Cr werde sich jeder Strafe beugen.

Außerdem wird Frankreich die zinsfreie A u s - beutung der W a r n d t g r u b e n , die aus Schächten erfolgt, die aus französischem Gebiet liegen, zugestanden. Die Ausbeutung wird auf fünf Jahre beschränkt und darf eine bestimmte Förderungsmenge nicht überschreiten.

Was den politischen Teil der Abmachungen betrifft, so handelt es sich in erster Linie um die Garantie­frage, und zwar sollen die Garantien, wie sie im Rats­beschluß vom 4. Juni für die Stimmberechtigten vor­gesehen sind, zu im wesentlichen gleichen Bedingungen auch auf die Richtstimmberechtiglen ausgedehnt werden, soweit sie am Tage der Abstimmung drei Jahre im Saar- gebiet ansässig sind. Außerdem ist vorgesehen worden, daß Bewohner des SaargebietS während der Dauer eines Jahres aus Dem Saargebiet ab wandern können. Diese Bestimmung greift aber in keiner Weise der densschen Gesetzgebung aus dem Gebiete der Staats­angehörigkeit vor.

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MWer Köster bei Laval

Paris, 4. Dezember.

Außenminister Labal empfing am Montag nachmit­tag den deutschen Botschafter Köster sowie den engli­schen und den sowjetrüsfischen Geschäftsträger. Er wird gemeinsam mit dem südslawischen Außenminister stet* titsch nach Genf reisen.

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Aisist nach Eens abgereist

Rom, 4. Dezember.

Der Vorsitzende des Dreierausschusses für Saarfragen, Baron Aloisi, ist am Montag nach Genf abgereift. Der Vertreter Spaniens im Ausschuß empfing am Rachmittag an der spanischen Botschaft Vertreter der ausländischen Presse, denen er in knapper Form den wesentlichen In­halt der letzten Abmachungen mitteilte. Der Dreieraus- schuß wird am Dienstag seine Arbeit in Genf wie­der aufnehmen und den Bericht an den Völkerbunds­rat fertigstellen. Die deutschen Sachverständigen sind am Montag abend von Rom nach Berlin abgereist.

Die Leiche Kirows wurde in Moskau im ehemaligen Taurischen Palast auf­gebahrt Die Ehrenwache stellen Vertreter der Armee und Marine sowie hohe Beamte der Sowjetregierung. Auf Veranlassung der Behörden wird das Palais Tag und Nacht offen gehalten.

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Stalins Krise unter starken Sicherheits­maßnahmen.

Die Reise Stalins und Woroschilows ging nutet außerordentlichen Vorsichtsmaßnahmen vor sich.

Als der Moslau-Leningrad-Schnellzug bereits ab. fahrtbereit im Bahnhof stand, fuhren in raschem Temp- -ehu starke Automobile vor dem Bahnhofsgebäude vor, denen Stalin und Woroschilow in Begleitung eines großen Stabes von Sicherheitsbcamten entstiegen.

Eilig nahmen sie den Weg durch die dichten Ab­sperrungskelten aus dem Bahnsteig, der ebenfalls von einem starken Polizeiaufgebot völlig abgesperrt war, und bestiegen zusammen mit den Sich-rheitsbeamten den fid unmittelbar darauf in Bewegung setzenden Zug. Bei bet Aukunft in Leningrad waren nicht minder umfang­reiche und sorgfältige Maßnahmen getroffen worden.

Zum Tag der nationalen Solidarität.

Wie der Reichs- und preußische Minister des Innern, Dr. Frick, dem Reichsminister für Polksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, mitteilt, hat er den höheren Beamten seines Dienstbereichs gegenüber die Er­wartung ausgesprochen, daß sie sich an der Sammel- aktiv n des Reichsministeriums für Volksausklärung und Propaganda amTag der nationalen Solidarität" beteiligen. Ebenso hat Reichsminister Dr. Frick die übrigen obersten Reichsbehörden und Länderregierungen gebeten, ähnliche Erlasse an ihre höheren Beamten er- aeheu zu lassen.

Die Staatssekretäre der Präsidialkanzlei und der Reichskanzlei haben dem Reichsminister für Polksauf­klärung unb Propaganda bereits mitgeteilt, daß die bei diesen Behörden tätigen höheren Beamten sowie die per­sönlichen Begleiter des Führers sich für die Sammel- a f t i o n zu r Verfügung stellen.

Knox out"

Ein Gruselbericht desNeuen Wiener Journal" auS Saarbrücken.

NSK. Vor einigen Wochen ging das Gerücht, daß zum persönlichen Schutz des Herrn Präsidenten Knox einige Detektive von Scotland Darb nach Saarbrücken kämen. Dem Korrespondenten des Neuen Wiener Journal" blieb es Vorbehalten, das erste Interview" mit Mister Reginald Geofsrey, dem Ehefdetektiv von Scotland Aard und Leibkriminalisten des Herrn Knox zu führen. Wir haben gelesen, was der Korrespondent desNeuen Wiener Journal" mit einem solchen Herrn besprochen haben soll. Und das ist derart urfidel, daß es eine unverzeihliche Sünde wäre, wenn wir das nicht weitererzählen würden.

Überschrift:Der Mann, der über Europas Frieden wacht. Beim Leibdetektiven der Saar­regierung. Präsident Knox in st ä n d i g e r Lebens­gefahr." Wörtlich zitiert nach demNeuen Wiener Journal". Wir zitieren wörtlich weiter:Wenn der Gentleman einen Augenblick wegschaut, sann Europa in Brand geschossen sein. Was wörtlich zu verstehen ist. Denn es genügt tatsächlich eine einzige Kugel aus dem Revolver eines Fanatikers, um unsere friedlose Welt in ein Blutbad ohnegleichen zu stürzen: wenn diese Kugel nämlich Mister Knoi trifft, den Präsidenten der Regie- rungskommission an der Saar. Akister Knox ist heute der w e i 1 g e f ä h r d e l st e Mann in Europa (!). Hinter jeder etraBeneac, Die |ein nnengamo rreuzi, auj jenem emp­fang, zu dem er sich begibt, bei jeder Audienz, die er ge­währt, kann es geschehen, baß der Tod lauert.

Die Hetze gegen ihn wird mit beispielloser Roheit betrieben. Da der GrußHeil Hitler!" zumindest im amtlichen Verkehr im Saargebict verboten ist, begrüßen die Agitatoren der Deutschen Front einander mit dem gemütvollen ScherzwortK nor o u t. Es ist ein mörde­rischer Humor. Man muß an die grauenhaften politischen Attentate des abgelausenen Jahres erinnern, die jedes­mal mit einer ähnlichenwitzigen" Hetze begannen. Nun, Präsident Knor ist ein unerschrockener Mann. Er verläßt sich auf die Gnade des Himmels und auf die Wachsamkeit des Mister Reginald Geoffrey, dein der Schutz seiner Person antiertraut ist Geossrey, Chefinspektor von Scotland Aard, dexzcii zur besonderen Verwendung nach Saarbrücken kommandiert, ist jener Gentleman, der auch nicht einen einzigen Augenblick weg­schauen darf.

Ein liebenswürdiger, gutaussehender Herr, nicht mehr ganz jung, eher korpulent als allzu sportlich durch­trainiert, ewig lächelnd das rundliche, rötliche Antlitz, etwas salopp in der Kleidung das ist Reginald Geoffren, der Mann, der über den Frieden Europas wacht. Ihm zur Seite steht ein halbes Dutzend jüngerer, glattrasierter und braungebrannter Herren: Kollegen aus dem Aard, mit denen gemeinsam er vor ungefähr drei Wochen die Reise an die Saar angetreten hat. Der Empfang, den die Londoner Detektive in Saarbrücken fanden, war nicht allzu ermutigend. Schon a ni zweiten Abend war die Brieftasche des Chcsinspekiors ge­stohlen und die Koffer seiner Mitarbeiter durchwühlt. Offenbar hat man politische Dokumente bei ihnen gesucht.

Daß es übrigens nicht ratsam ist, sich zu sehr aus seine Bonhomie zu verlassen, Hai die Brieftaschenaffärc rasch und deutlich bewiesen. 91 m Abend war der Diebstahl entdeckt am nächsten Morgen ist der Täter gefaßt gewesen. Zwischendurch gab es ein peinliches Nachtvcrbör, zu dem alle Bediensteten des Schlosses von Saarbrücken woselbst der Regierungspräsident mit seiner Begleit­mannschaft wohnt antreten mußten.Der Dieb Hai offenbar in seinem Leben zu wenig Kriminalromane gelesen", schmunzelt Geoffrey, wenn er sich an sein saar­ländisches Debüt erinnert.Er hätte sonst wissen müssen, daß mit Scotland Fard nicht zu spaße« ist . . . Er ist übrigens so heillos dilettantisch ans Werk gegangen, saß seine Entlarvung gar kein guter Sport mehr war. Aller­dings waren wir einigermaßen verwundert, festznstellcn, daß niemand anders als Der Kammerdiener des Präsidenten Knox sich mit Dokumentendiebstahl und ähnlicher Schnüffelarbeit beschäftigte. Bei der Durch­suchung seines Zimmers fanden wir die Abschriften von Gedächtnisprotokollen über Die Tisch­gespräche des Präsidenten. Die Der Biedermann an gefertigt und den Agenten Der Deutschen Front verkauft hatte."

Der Präsident kann nicht mehr im offenen Auto durch die Straßen der Stadt fahren. Eine von Chefinspektoi Geoffreys ersten Anordnungen war der Austausch des bisher von Knox verwendeten Kabrioletts gegen eine hermetisch abgeschlossene Limousine, die überdies Fenster aus kugelsicherem Glas batte. Solche Limousinen werden übrigens nur in Amerika erzeugt. Unb zwar zu besonderen Zwecken: Die B a n d e n ch c f s in Chikago benutzen sie, um sich vor Attentaten von feiten der Kon­kurrenz einigermaßen zu sichern.

Eine andere Sicherheitsmaßnahme, die Präsident Knox nach Wunsch seines Leibdetektivs beobachten muß, ist die Gepflogenheit, wenn er sich einmal auf der Straße zeigt was^ übrigens nur selten geschieht, eilenden Schrittes und, beinahe noch wichtiger, grundsätzlich nur mit hochgeschlagenem Mantelkragen zu geben. Cbesinspektor Geoffrey legt nicht den geringsten Wert darauf, daß sein Schutzbefohlener auf ben Straßen erkannt und akklamiert wird. Auch bat er dem Präsidenten Den Besuch des Theaters streng verboten; will Mister Knox einmal ins Kino, so inuß er sich in die loth­ringische Grenzstadt Forbach bemühen.

Mit seinem Chef ist Mr. Geoffren übrigens hoch­gradig unzufrieden. Seine englische Muttersprache bietet