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Nr. 291 — 1934
Fulda, Donnerstag, 13. Dezember
11. Jahrgang
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Seltsame Pläne der Saarabstimmungskommission.
Die Landesleitung und Fraktion der Deutschen Front haben an die Abstimmungskommission eine Eingabe gerichtet, die sich gegen die Verlautbarungen wendet, nach denen die Zählung der Abstimmungsergebnisse erst am 14. Januar in einem großen Saal in der Stadt Saarbrücken stattfinden soll. Durch diese beabsichtigte Maßnahme der Negierungskommission sieht die Deutsche Front die Sicherung des Abstimmungsergebnisses gefährdet. In der Eingabe wird das Ersuchen vorgebracht, die Stimmergebnisse
unmittelbar nach Abschluß der Abstimmungshandlung an Ort und Stelle
,cstzustellen, damit diese tatsächlich unverändert fest- gehalten werden und die Volksabstimmung als vertragliche Grundlage für das weitere Schicksal des Saaraebiets
Ein Bildtelegramm des Oberbefehlshabers der Saartruppen.
Der Befehlshaber der internationalen ■ Streitkräfte im Saargebiet Generalmajor I. E. S. Brind.
»ich in letzter Stunde noch gefährdet wird. Die Bedenken, dic die Eingabe der Deutschen Front gegen eine spätere Aamizählüng in Saarbrücken vorbringt, sind, daß eine derartige Zählung frühestens am Tage nach der Abstimmung erfolgen könnte und daß zur Zählung insgesamt ungefähr
850 Urnen nach Saarbrücken gebracht werden müßten. Es gebe aber weder theoretisch noch praktisch einen sicheren Schutz dagegen, daß während der Beförderung oder während der Aufbewahrung der Urnen bis zur Zahlung die eine oder die anders entwendet oder ansgetamcyi werden kann , .
Die Erfahrung, die die Deutsche Front hat machen Hülfen, seitdem im Saargebiet Emigranten das «fylrecht gciließen und sogar polizeiliche FuiÄttonen überragen er= halten, erfülle sie jedenfalls mit höchstem Mißtraue».
Die Eingabe weist ferner darauf hin, daß ein^WaYU dargang, bei dem die Feststellung des Ergebmsses elnxr späteren Zählung vorbehalten bleibe, nirgends in der bekannt sei”
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Die Eingabe der Deutschen Front hat eine durchaus «nlte und schwerwiegende Deutung, ba „c*
er Abstimmungshandlung folgenden Zahlvcrfahrcn n er Tat für die Saarbevölkerung um ttn 84 saisfraae bandelt bei der sie im Sinne ihres Selvjl- lwstimmungsrechts wohl befugt ist, zu Worte zu kommen and gehört zu werden. . . . , Wuhnen
.Die Anwesenheit der zahlreichen fremden ^"lpp M nunmehr jeden Einwand zerstreuen, vatz die . wunung selbst irgendwie in ihrer Einheit un ‘" i r i cl> tigkc > i gefährde! werden konnte. Das gilt für die G eh e i m ha liung
gehende Absicht dürchgeführi wird, die Urne,> " ) in zählen, sondern sie inhaltlich fur iedcn der . Abstlmmungsbezirke zusammenzufassen »m om ä Huten, daß kleinere Einzelergebnisse lokale Ruckich »sie 'noglichen. Nachdem also auf diese Weise alles geschl .H der Äbstimmungsvevörde un Sinne der I ä fd,tl,ch der Abstimmung verlangi werden kan , 'uinmehr auch die Bevölkerung - als S u b l c . chi Objekt dieser Abstimmung — auch die ih Z Rücksichten erwarten können. Dw Wer u g Ergebnisse erfolgt nach B ü r g c r m e t st e re ie n. Zur logisch, daß an dem bctrefsendcn $o“ « hr” Vermeidung jedes Umweges und jedes ö Äs' dte. Zählung unverzüglich erfolgt, wie dies bei alle zivilisierter Völker der Fall ist. $
Niit<^"â>e der Abstimmungskommission wird cs sc , nj» ^ 5u veranlassen, damit diesen berechtigten ^ S' der abstimmenden Bevölkerung - einer ^e“ u»d unverzügliche Klarheit - im Äch?"^"" und verdienten Entspannung Genüge
Völlig unbegründete Entrüstung der GaarabsiLmmungskommiffion.
Einseitige Stellungnahme zugunsten der Separatisten.
Die Saarbevölkerung erfuhr am Mittwoch durch eine Meldung der Agence Havas sowie durch Mitteilungen der Separatistenpresse, daß die Abstimmungskommis- s i o n gegen die Verwertung des die Separatisten und den Grubeningenieur R o s s e n b e ck schwer belastenden Materials durch Rundfunk und Presse Stellung genommen hat. In einer Erklärung gibt die Abstimmungskommission ihrer Entrüstung hierüber Ausdruck, namentlich auch über die „verbrecherische Art", in der der Privatsekretär Hilt sich das Material aus dem Geldschrank Rossenbccks beschafft hat. Die Abstimmungskommission erklärt, kein Verständnis dafür zu haben, daß ein so empörendes Vorkommnis und daß Mitteilungen aus solch trüber Quelle über einen Reichssender zu Agitationszwecken verbreitet werden konnten. Sie stellte infolgedessen inAussicht, öffentliche Verlautbarungen der Reichssender künftig im Saar gebiet z u verbieten.
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Die Einstellung der Abstimmungskommission geht am Kern der ganzen Angelegenheit vorbei. Die Abstimmungskommission vergißt, daß das Saargebiet noch den Kamps gegen den — wie die Verhandlungen in Genf zeigten — immer noch von mächtigen Protektoren gestützten Separatismus bis zum Ende durchzukämpfen hat; sie übersieht, daß verleumderische Veröffentlichungen gegen Deutschland — angefangen bei den Dokumenten des „Petit Parisien" bis zum „Testament" des ehemaligen Gruppenführers Ernst — ungestraft und ungerügt zu ausgesprochenen Agitationsmittelu gegen Deutschland mit allen Mitteln der Publizität geflissentlich gerade im Saargebiet verbreitet wurden und werden; sie berücksichtigt vor allem nicht, daß, angeblich zur Aufdeckung drohender Straftaten,
sogar durch Emigranten selbst eine Polizeiaktion und
Haussuchung bei der Deutschen Front durchgeführt wurde, wobei entgegen gerichtlicher Entscheidung das Material zur Auswertung zurückbehalten wurde und schließlich sogar in Auflageform von der deutschgesinnten Presie verbreitet werden mußte.
Es ist nicht recht verständlich, wenn die Abstimmungs- kommission sich angesichts des Endkampfes an der Saar darüber erstaunt zeigt, daß schließlich auch von deutsch- gesinnter Seite, die an der Saar nicht über die der Gegenseite zur Verfügung stehenden bekannten Hilfsmittel verfügt, entscheidendes Material, das sich ein deutscher Mann in Wahrung berechtigter Interessen von einem Feinde seines Vaterlandes zu verschaffen gewußt hat, in geeignet erscheinender Weise zur wahrheitsgemäßen Aufklärung der Bevölkerung verwertet toirb. Das Material aber, und das. was dadurch erkennbar
Die Todesnacht im Hotel.
Über die Brandkatastrophe in dem Hotel in Lansing Michigan, USA.) laufen immer neue Schreckcnsmeldungen ein, die erkennen lassen, daß die Ausmaße des Unglücks weit größere sind, als man nach den ersten Nachrichten annehmen mußte. Die Zahl der toten Gäste läßt sich noch nicht genau fcststcllcn. Die Nachforschungen werden dadurch erschwert, daß das Hotelbuch mitverbrannt ist. Bisher sollen etwa 70 Tote geborgen worden sein, unzählige Opfer des Unglück» liegen noch unter den rauchenden Trümmern.
Das abgebrannte Hotel in Lansing.
aber den Hergang der Katastrophe erfahren wir noch folgendes.^ ^^ fonuten nur die Gäste des ersten Stockwerks, während die Bewohner des zweiten Stockwerkes f a st a l l e u m g e k o m m e n sind.
den oberen Räumen brach ber Boden durch, und ètwa 15 Menschen fielen laut schreiend in die unteren Stockwerke hinab. Sie liegen jetzt verkohlt unter den Trünlmern.
Zuschauer sahen zu ihrem Entsetzen, daß dleiemgen, bte mis den Fenstern in den vorbeifließenden rzluß sprangen, wieder austauÄtcn. F a st a l l e e r 1 r a n k e n. In
wird, ist das Wesentliche, nichtdieArt und Weise, tote dieses Material beschafft wurde, so hieß es jedenfalls bisher — nicht nur hinsichtlich der Saarfrage — immer bei den Gegnern Deutschlands, wenn angebliche deutsche Verfehlungen durch wenn auch noch so fragwürdige Dokumente belegt werden sollten. Insofern sollte es heute eher naheliegen, daß Abstimmungskommission und Abstimmungsgerichte cs als Pflicht ihrer -Neutralität ansehen, die eigentliche Schuldfrage zu klären, 'oas heißt: sich über Inhalt und Bedeutung der ®ofu^- mente, deren Echtheit nicht mehr best rittenwerden kann, zu vergewissern und der Frage nachzugehen, ob damit nicht Fälle aufgedeckt worden sind, die eine Befassung des Strafrichters mit gewissen darin bloßgelegten Machenschaften, für die es bisher nie eine Untersuchung gab, durchaus angezeigt erscheinen lassen.
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Das britische Truppenkontingent für die Saar.
90 Kraftwagen für das Gepäck.
Großbritannien wird mit 1500 Mann gegenüber 1300 Italienern und je 250 Holländern und Schweden das stärkste Kontingent für die Saarpolizci stellen. Es besteht aus dem Stab der 13. Jnfanicriebrigade, den beiden ersten Bataillonen des East-Lancashire- und des Esser-Rcgi- ments, außerdem aus kleineren Abteilungen technischer Waffen und Hilfsformationen. — Den Blättern zufolge werden die beiden Bataillone England etappenweise verlassen, nämlich am Sonntag, Dienstag und Freitag nächster Woche. Sie werden über Dover—Calais befördert werden. Ihr Gepäck wird aus 90 Lastkraftwagen befördert werden, die auf einem neuen Fährboot der englischen Südbahn über den Ärmelkanal befördert werden sollen.
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Der Präsident der Saarregierung, K n o x, hat das Völkerbuudssekretariat gebeten, vekauntzugeben, daß er infolge der Ratsentscheidung über die Bildung einer internationalen Truppe darauf Verzichte, weitere Einstellungen in die A b st i m m u n g s p o l i z c i vorzunehmen.
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Auch Kavallerie und Panzerwagen kommen in das Saargebiet.
In Beantwortung einer Anfrage wurde im englischen Unterhaus mitgeteilt, daß dem britischen Kontingent der Saarstreitkräfte auch eine Eskadron der 12. Lancer mit acht Panzerwagen angehören werde, die nach Weihnachten in das Saargebiet abrüden würde.
allerhöchster Not sprangen auch viele Gäste hinunter auf die Straße, wo sie schwer verletzt oder tot liegenblicbc"
Bericht eines Geretteten.
Ein Senator des Parlaments von Michigan, der in der Schreckensnacht im Hotel wohnte und gerettet wurde, gibt eine Schilderung seiner Erlebnisse:
„Im Halbschlaf hörte ich plötzlich ein Geräusch, das sich wie rauschendes Wasser anhörte. Ich dachte zuerst, daß cs ein Traum sei, bis ich den Geruch von Rauch verspürte. Die Flammen züngelten bereits in meine Zimmertür als ich völlig erwachte. Ich stürzte sofort zum Fenster, an das glücklicherweise eine Feuerwehrleiter gelehnt war, auf der ich ins Freie hinuniersteigen konnte.
Furchtbare Bilder stehen immer «och vor meinen Augen. Ich sah Frauen in den Gängen, die laut schreiend mit brennendem Haar in wahnsinniger Angst und irre vor Schmerzen durch die Korridore eilten. Ei» Hotcljungc, der leicht hätte ins Freie gelangen können, half solange beim Bergen der verletzten Eastc, bis er von einer einstürzendcn Mauer erschlagen wurde."
Von der Kriminalpolizei ist eine st r e n ge U n l ersuch ü n g eingeleitet worden, da man noch nicht genau weiß, ob wirklich eine Fahrlässigkeit vorliegt. Bestimmte Anzeichen deuten nänilich darauf hin, daß vielleicht ein Verbrechen vorliegt.
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Saaleinfturz mit 400 Molchen
Liverpool, 13. Dezember. In dem im ersten Stockwerk gelegenen Festsaal der St. Clewens-Schule in Liverpool brach während eines von etwa 400 Personen, zum größten Teil Kinder, besuchten Konzerts der Fußboden des Saales ein. Sämtliche Anwesenden stürzten etwa zwölf Meter i n die Tiefe. 300 Personen etwa mußten ins Krankenhaus geschafft werden. Zahlreiche Mütter versuchten verzweifelt in die trümmerübersäte Unglücksstätte cinzu- dringen, um ihre Kinder zu suchen. Hundert Menschen liegen noch unter den Trümmern. Die Ursache des Einsturzes ist noch nicht besannt.