Iulöaer /lnzeiger
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BOB. NN U Tageblatt für Rhön und Vogelsberg . „, .
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?üLL" ""'°° M"«11““. -'«»>». »-»>»». 4». Redaction un» «-E-IIâ. «inI-NM- « ♦ SernfwtMtnMM Nr . 2984 An^igenteil Ferdinand Ehrenklau, Lautcrbach°H.
Nr. 293 — 1934
Fulda, Samstag, 15. Dezember
11- Jahrgang
Grotzer Tag für die Seeschiffahrt.
Irr Führer beim Siapckaus der „Scharnhorst".
Taufe des neuen Ostasiendampfers.
In Bremen fand der Stapellaus des neuen Ostasiendampfers „Scharnhorst" in Anwesenheit des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler, des Reichswehrministcrs von Blomberg, des Rcichswirt- schaftsministers Dr. Schacht und des Admirals Dr. Raeder statt. Die Tausrede hielt Reichsverkehrsminister von Gtz-Rübenach. Der Ablauf des Schiffes ging unter dem brausenden Jubel der Tausende von Menschen glatt venstatten.
Der Führer jubelnd empfangen.
Als in Bremen bekannt wurde, daß der Führer zum Stapellaus des Ostasienschuelldampfers „Scharnhorst" kommen werde, herrschte in den Straßen trotz der frühen Morgenstunde ungewöhnlich bewegtes Leben. In den Straßen vom Bahnhof bis zum Werftgelände bildeten SA., SS., FAD., HJ. und BDM. Spalier. Dahinter stauten sich die Menschenmassen.
Eine Ehrenkompagnie des 1. hanseatischen Bataillons Juf.-Rcg IG rückte an. Zur Begrüßung hatten sich auf dem Bahnsteig die Spitzen der Partei, der Wehrmacht, der SA. und SS., der bremischen Regierung und der Behörden eingefunden.
Kurz vor 8 Uhr fährt der Sonderzug des Führers langsam in die Halle ein. Jubel steigt aus. Der F ü h r e r verläßt mit seiner Begleitung, dem Reichswehrminister von Blomberg, dem Reichsverkehrsminister Freiherr von Eltz-Rübenach, dem Reichsbankpräsidenten Schacht, dem Chef der Marineleilung Admiral Raeder, dem persönlichen Adjutanien Obergruppenführer Brückner, dem Chef der Kanzlei des Führers, Reichs- lciter Bouhler, dem Adjutanten der Wehrmacht beim Führer, Major Hoßbach, dem Reichspressechef der NSDAP., SS. -Gruppenführer Dr. Dietrich, Reichs- statthalter und Gauleiter Roever, Flugkapitän SS. Oberführer Bauer, u. a. den Wagen. Der Führer nimmt Die Meldung von SS.«Obergruppenführer Dietrich entgegen und begrüßt dann herzlich lächelnd mit Handschlag alle zu seinem Empfang erschienenen Herren, sowie die kleinen Mädel, die ihm mit leuchtenden Augen die ersten Grüße Bremens überbringen. _
Als der Führer den Bahnhof verläßt, braust unge« heutet Jubel über den Platz. Der Führer schreitet die Front der Ehrenkompagnie ab und begibt sich dann sofort im Kraftwagen zum Werftgelände der Deschimag-Wersl, unterwegs überall aufs herzlichste begrüßt. Beim Em- t reffen des Führers steigt auf dem Verwaltungsgebäude die Standarte des Führers hoch. Unter nicht enden- «vollcnden HeUruscn betritt er mit seinem Gefolge das Balkengerüst der Tau'kanzcl.
. Unser Bild: Von links: Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, Reichswehr- Wi|ter non Blomberg und Reichsverkehrsminister Eltz HM Rübenoch grüßen das vom Stapel laufende waptt „Scharnhorst". ...... .........
Der Tausait.
Daun hielt Reichsverkehrsminister Freiherr Eltz v o n R ü b e n a ch die Taufrede. Er führte folgendes aus:
„Trotz aller Nöte der Zeit regt sich in der Welt die Hoffnung aus eine bessere Zukunft. Es herrscht nicht mehr, wie noch vor wenigen Jahren, der Pessimismus, der tateitlos der Schrumpfung wirtschaftlichen Lebens und weiterem Elend entgegensah. Es regen sich die Kräfte, die dem niedrigen Geschick die Spitze bieten und den Kampf aufnehmen wollen gegen die letzten Gründe der Weltkrise. Gewaltig ist dieser Kampf, den in Deutschlands Drittem Reich die Regierung unter zielbewußter und starker Leitung des Führers und Reichskanzlers ausfichl, um für die Massen Arbeit und Brot zu schaffen. Unbeirrt und des endgültigen Sieges sicher, versolgt sie das Ziel,
die Massen emporzuführen zu besserer Lebenslage.
Den Ausbau der Handelsflotte nach Kräften zu fördern, ist der Wille der Reichsregierung. Deutschland darf den Anschluß an d-eu Welthandel nicht verlieren.
Es ist ein großer Tag für Die Seeschiffahrt und damit auch für das ganze Volk, wenn als erstes von drei Einheiten ein Schiff vom Stapel gelassen wird, das in seiner Zweckmäßigkeit und Schönheit Zcug- nis geben soll von deutscher Qualitätsarbeit des Geistes und der Hand, von der Meisterschaft seiner Schöpfer, der Geschicklichkeit und Arbeitssreude aller, die an seiner Vollendung tätig waren. Hoffnungen und Wünsche gebe ich dir, du stolzes Schiff, auf deine Fahrt, wenn ich dich auf einen Namen taufe, der Vermächtnis und Zielsetzung zugleich bedeutet.
„Scharnhorst" sollst du heißen,
zum ehrenden Gedächtnis jenes Sohnes deiner nieder- sächsischen Heimat, der in der Zeit des tiefsten Niederganges unbeirrbar für eine bessere Zukunst seines Vatcr- laudes strebte und kämpfte. Träger sollst du sein eines Namens, mit dem das Gedenken an heorische Liebe zum Vaterland, an letzte Qpferbcrciischaft für Deutschland unlöslich verknüpft ist. Jahre hindurch vor dem Kriege hat ein Schiff deines Namens als '
Flaggschiff des letzten deutschen Krcuzergcschwaders die deutsche Flagge in den ostasiatischen Gewässern in Ehren geführt, hat für Deutschlands Seegeltung gewacht und geworben. Höherer Ruhm war ihm bcschieden. In offener Seeschlacht hat cs an ferner Küste mit dem ebenbürtigen Gegner die Klinge gekreuzt und einen Sieg errungen, dessen Bedeutung der am besten erkennt, der die alsbald beginnenden Anstrengungen ermißt, den Sieger von Coronel niederzuzwingen.
Der Minister schloß: Möge deine Besatzung allzeit eingedenk sein der Verpflichtung, die sie mit deinem Ramen übernimmt. Möge sie allzeit streben, an ihrer Stelle in friedlichem Wettstreit für Deutschlands Zukunft, für seine Seegeltung und seine Flagge ihre ganze Kraft einzusetzen, das Vorbild vor Augen, das ihr die Männer vom Schlachtkreuzer „Scharnhorst" im Leben und Sterben gegeben. - Und so taufe ich dich auf den Namen „S ch a r n h o r ft".
Der Ablauf des Schiffes.
Schäumend zerschellte die mit einem großen Blumenstrauß geschmückte Flasche deutschen Schaumwemcs an dem schnittigen Bug des jüngsten «chisscs der deutschen Handelsflotte. Signale der Ingenieure - kräftige Hammerschlage lösen die letzten Stutzen - atemlose Stille der vieltausendköpfigen Menge, und schon gleitet der ge- waltige Schiffsrumpf seinem Element entgegen.
Als der Bug in das Wasser enttancht und der starke darüberliegende Dunst das Schiff aufnimmt, stimmt die Menge in den begeisterten Gesang des Deutschlandliedes ein. Während die „Scharnhorst" bereits von den bereitgeftettten Schleppern geschickt aufgefangen wird, schließt sich das H o r st - W e s s e l - L t e b an. Die deutsche Handelsflotte ist um ein stolzes einzigartiges modernes Schiff reicher! *
Der F ührcr, immer wieder erneut von den.Heilrusen der Menge umbrandet, verweilt noch einige Zeit auf der ^aufkanzel, um das Manöver des Festmachens des Schiffes zu beobachten. Mit sichtbarem Interesse vertieft sich der Führer in alle Einzelheiten. Dann schreitet er nut einer Begleitung langsam Die Treppe hinunter und be« steigt kurz darauf unter dem erneuten Jubel der Menge den Wagen, um zum Hanptbahubof zurückzukehren, wo ihm die Führer der Gau- und Kreisleitung vorgestellt wurden. ~ „
Daraus setzte sich der Sonderzug nach Bremerhaven in Bewegung, wo der Führer im engsten Kreise eine Besichtigung des Schnelldampfers „E ur o Pa" vornahm der als sogenanntes „W e l h n a ch l s s ch t f f" seine letzte diesjährige Ausreise nach Amerika antritt.
Aus dem Kolumbusbahnhos in Bremerhaven hatten sich die Ehrenabordnungen gruppiert Dichter Nebel verhüllte das ganze Hafengèbiet, so daß man die gewaltigen Umrisse der „Europa" nur ahnen kann Aist Fallreep wird Adolf Hitler vom Kapitän der Europa", Scharf, begrüßt und auf das Schiff geleitet Der Führer besichtigte-dann mit seiner Begleitung eingehend die verschiedenen Decks der „Europa" mit ihrer geschmackvollen Einrichtung.
Ostasiendampfer „Scharnhorst" vom Stapel gelaufen.
Hitler an Bord der „Europa".
Der Führer äußerte sich in höchst anerkennenden Worten über die Einrichtung der Decks. Auch in den Maschinenräumen hielt sich der Führer kurze Zeit auf. Bei diesem Rundgang durch das Schiff unterhielt er sich häufig mit Mitgliedern der Besatzung, hie er nach ihren Verhältnissen befragte.
Während der Reichskanzler sich in das Buch des Kapitäns eintrug, gelang es einigen glücklichen Mitgliedern der Besatzung, eine
persönliche Unterschrift des Führers
auf Postkarten des. Dampfers „Europa" zu bekommen. Auf der Columbus-Kaje erschollen immer wieder Sprechchöre der Jugend und der Erwachsenen.
Während dèr Kapitän des Dampfers „Europa", Schars, sich vom Führer verabschiedete, spielte die Kapelle des Dampfers das Deutschland- und das Horst-Wessel- Lièd.
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Die Mahnung zum Eintopssonntag.
„Die primitivste Tat zur Verwirklichung einer brüderlichen Einigkeit besteht darin, daß man den Brüdern und Volksgenossen hilft, die selbst nicht mehr iu der Lage sind, ihrer Not Herr zu werden."
(Adolf Hitler.)
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Besuch des Führers auf „Admiral Scheer".
Nach der Besichtigung der „Europa" stattete der Führer in Begleitung seines Stabes und mit Reichswehrminister von Blomberg sowie dem Chef der Marineleitung, Admiral Raeder, dem Panzerschiff „A d m i r a l Scheer" einen Besuch ab. Um 15 Uhr verließ der Führer unter den Klängen des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes und unter dem Donner der 21 Salutschüsse das immer noch in dichtem Nebel weit draußen auf Reede liegende Panzerschiff. Unbeschreiblicher Jubel erhob sich bei der auf der Columbus-Kaje harrenden Bevölkerung, als der Führer erschien. Die Bordkapelle des Dampfers „Europa" spielte den Badenweiler Marsch, während der Führer über den Schlepper „Vulkan" und den Dampfer „Europa" das Land wieder betrat. Das Heilrufen der Bevölkerung und die Klänge der Musikkapelle wurden übertönt durch den tiefen Baß der Dampfsirenen des Schnelldampfers, der dem Führer damit den Abschiedsgruß entbot.
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Die „Scharnhorst".
Die „Scharnhorst" ist ein als Doppclschraubcndampfer erbautes Tropenschiss von 186 Meter Länge, 22,5 Meter Breite und fast 9 Meter Tiefgang. Die 26 000 PS der Maschinen werden der „Scharnhorst", die snr 300 Fahrgäste und Fracht- beförderung eingerichtet ist, die hohe Stundengeschtvin- digkeit von 21 Seemeilen verleihen, was sie in die Lage versetzt, die Strecke zwischen Genua und Schanghai in nicht mehr als 23 Tagen zurückzulegen. Als Hauplmaschinen- anlage wurde — zum erstenmal im deutschen Schiffbau — t u r b o - e l e k t r i s ch c r Antrieb vorgesehen, dessen .Hauptvorteil in der G e r ä u s ch l o s i g k c i > liegt. Die Indienststellung des Schiffes erfolgt am 11. Mai 1935, nachdem der Bau rund 1500 Arbeitern 14 Monate hindurch in über 500 000 Tagwerken Arbeit gegeben hat.