§ul-aer MZeiger
Bei Lieferungsbehinderung durch ^Höhere G Tageblatt für Rhön und Vogelsberg" bret^ei/ânäeigenlp^ deren Raum 4 Pf., im ^S®%5S bulöa- unö Haunetal . Zulöaer Kreisblatt ZUWWWW schrifticiter. Friedr. Ehrenklau, ^ulda, Königstr. 42. Redaktion und Geschäftsstelle: KLnkgftraße 42 * Zervfvrech-Rnschluft Nr. 2484 Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
Nr. 294 — 1934
Fulda, Montag, 17. Dezember
11. Jahrgang
Zwischenfall in Saarbrücken.
Angetrunkener englischerGaar-Osfizier fährt in Menschengruppe.
Empörung der deutschen Bevölkerung.
In der Nacht fuhr in Saarbrücken ein mit drei Personen besetzter Personenkraftwagen an der Ecke hohen;ollern- und Goebenstraße in starker Fahrt in eine Mcnschengruppe auf dem Bürgersteig. Der Auto- lenker, ein vor mehreren Wochen in der saarländischen Polizei eingestellter Polizeioffizier englischer Nationalität, hatte die Herrschaft über das Steuer verloren, da er sich in stark angetrunkenem Zustand befand. P i c r P e r s o n e n wurden bei dem Unglück zu Boden geschleudert und sind teilweise erheblichzuSchaden a c komme n. Besonders bedauernswert ist es, daß dabei eine junge Frau verletzt wurde, die guter Hoffnung ist. Als der englische Offizier weiterfahren wollte, stellten sich ihm mehrere Personen in den Weg und machten ihn darauf aufmerksam, daß das Eintreffen der Polizeibeamten abgewartet werden müßte.
Darauf zog der Engländer, ohne irgendwie bedroht zu sein, die Pistole und schoß, als ihm der Weg nicht freigegcbcn wurde, in die Mcnfchengruppc.
Er gab zwei Schüsse ab, durch die eine Person verletzt wurde. Als er zum dritten Schuß anlegte, wurde ihm von einem der über das unmenschliche Verhalten aufgebrachten Passanten der Revolver entwunden Der Polizeioffizier, der sich in Zivilkleidung befand, setzte sich heftig zur Wehr, so daß die Umstehenden gezwungen waren, den Rasenden zu überwältigen.
Das Bekanntwerden dieses unentschuldbaren Vorfalls hat in der Bevölkerung der Stadt Saarbrücken berechtigte Entrüstung und Empörung ausgelöst. Die verantwortlichen Stellen haben nunmehr die Pflicht, ebenso schnell zur Sühne dieser Untat zu schreiten, wie die Bevölkerung diese Sühne erwartet.
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Einspruch bei der Absiimmungskommission.
Der stellvertretende Landesleiter der Deutschen Front, Nietmann, begab sich nach Prüfung des Zwischenfalls in Saarbrücken zu dem anwesenden holländischen Mitglied der Abstimmungskommission Herrn de Jongh, um gegen das undisziplinierte Verhalten des englischen Polizeiöffiziers — bei dem es sich wohlgemerkt nicht um einen Angehörigen der im Anmarsch befindlichen Abstimmnugspolizeitruppen handelt — schärfste Verwahrung einzulegen. Gleichzeitig verlangte Nietmann neben schnellster Ahndung vorbeugende Maßnahmen dafür, daß die Bevölkerung in Zukunft vor derartigen Vorfällen bewahrt bleibe.
Furchtbarer Tod dreier Autofahrer.
3m Mel in den Kanal gestürzt. Entsetzliches Unglück bei Berlin. — Drei
Personen ertrunken.
Auf der Chaussee Mittenwalde—Zoffen hat sich nachts ein entsetzlicher Unglücksfall ereignet. Ein Per- saneiikraftwaqen, in dem ein Berliner Fabrikbesitzer, ein Berliner Gastwirt und ein Polizeioffizier saßen, fuhr infolge dichten Nebels in den Galluner Kanal unweit von Mittenwalde. Das Auto überschlug sich beim Sturz m das Wasser, so daß es aus dem Kopf stand. Die drei Insassen konnten sich trotz verzweifelter Bemühungen nicht befreien und fanden den Tod. Erst am nächsten Morgen wurde das verunglückte Auto entdeckt, und man konnte die Leichen der drei Jnsaffen bergen. ,
, . über den Unglücksfall erfährt man folgende Einzelheiten: Als morgens gegen 7 Uhr ein Lan dw l * t nu dem Dorf Kallinchen (Kr. Teltow) mit seinem Milchwagen nach Mittenwalde fuhr und dabei die Brücke über den Galluner Kanal passierte, sah er unterhalb der Brm «us dem Wasser die Räder eines Personen- autos herausragen. Er benachrichtigte wso« den Landjäger in Gallun, und dieser alarmierte Die ycncr^ Wehr der Umgebung. Die Wehrleute konnten in dem Reinlich flachen Kanal leicht bis zu dem Wagen Vordringen. Es war eine kleine viersitzigc Limou- h n c mit dem Kennzeichen IZ 10 238. Noch ehe d Wagen aus dem Waffer gezogen wurde, wurden au- de.'n Führersitz zwei Insassen als Leichen ge-
Einer der beiden Verunglückten hatte offensichtlich den Versuch gemacht, sich in letrter Sekunde noch zu reiten. Es war ihm gelungen, eine Tür der Limousine auszm reißen. In diesem Augenblick war aber das Waffer M den Wagen hineingeströmt, so daß er das Bewußtsein verloren hatte.
Nachdem diese beiden Toten geborgen waren, gmumc waii anfänglich, daß sich keine weiteren Personen im Wagen befunden hätten. Die Ermittlungen der Polizei ergaben aber, daß die Autofabrer am Abend zuvor n einem Lokal in Kallinchen gewesen waren. Die Wnnn des Lokals teilte mit, daß es sich um' drei P e r s o n e n Qebanbch habe. Nun gingen die Wehrleute daran, cc»
o einer Massenkundgebung nahm der stellvertretende ^andesleiter der Deutschen Front, Nietmann, zu dem durch ein englisches Mitglied der Saarpolizei verursachten traurigen Vorfall Stellung. In seiner mit stürmischer Zustimmung von 50 000 saardeutschen Volksgenossen auf- genommenen Erklärung betonte er, daß, entgegen der von den Deutschen geübten Disziplin, das Verhalten des ausländischen Offiziers disziplinwidrig gewesen sei. „Es kann', so erklärte Nietmann wörtlich, „ein Unglück panieren, wenn man nicht mehr ganz nüchtern ist. Wenn dann aber der Betreffende hingeht und die deutschen Volksgenossen wie wilde Tiere glaubt über den Haufen knallen zu können, so ist das eine Methode, die wir niemals hinnehmen. Wir sagen nicht, daß dieser Mann die Methode Miner Ration befolgt hat, sondern wir wissen, daß diese Nation ein solches V o rgehen nicht billigt. Wir hoffen, daß durch Auswahl geeigneter Leute solche Zwischenfälle in Zukunft unmöglich gemacht werden.
Derm-liche Bericht der He^erwtommiffien
über den Zwischenfall mit dem englischen P o l i z e i o f f i z i e r gibt der Präsident der Regierungskommission folgende amtliche Mitteilung heraus: „In der Nacht zum IG. Dezember 1934 versuchte ein Polizeioffizier mit seinem Kraftwagen in der Goebenstraße zu drehen und verletzte, als er bei dieser Gelegenheit mit dem Wagen auf den Bürgersteig kam, eine dort stehende Person. Dies war der Anlaß zu einer Menschenansammlung. Die Menge nahm gegen die Insassen des Wagens — es waren außer dem Polizeioffizier noch zwei weitere Personen in dem Wagen — aus einem bis jetzt noch nicht endgültig geklärten Grunde (!) eine drohende Haltung ein, insbesondere gegen den Polizeioffizier. ^Es kam zu einem Handgemenge, wobei mehrere Schüsse fielen (wer hat ge= schossen? Die Schristleitung.), durch die eine Person durch einen Bauchstreifschuß verletzt wurde. Der Polizeiosfizier wurde durch Hiebe und Schläge ebenfalls verletzt und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Die bisher getätigten Ermittlungen werden von der Polizei nach Abschluß dem zuständigen Gericht übergeben werden.
Die Polizei hat für die Behandlung dieses Falles die besondere Weisung erhalten, bei den Ermittlungen m i t aller Strenge vorzugehen und Verfehlungen ohne Ansehen der Person unnachsichtlich zu verfolgen. Bis zur endgültigen Klärung der Angelegenheit ist der Polizeioffizier seines Amtes enthoben worden." *
So sehr die Schlußfolgerung der Regierungs- kommission begrüßt werden kann, so sehr muß es befremden, daß der bereits jetzt eindeutig festgestellte Tatbestand in der Darstellung der Regierungskommission geradezu eine bewußte Verdunkelung erfährt.
Wagen mit Stricken aus dem Kanalbeit heranszuzichen. und schließlich konnte der dritte Tote, der auf dem Rücksitz gesessen hatte, geborgen werden.
Die F e st st e l l u n g der Personalien der Verunglückten bereitete zunächst Schwierigkeiten, da die Papiere durch das Wasser stark gelitten haben. Schließlich aber konnte man in den Toten folgende Personen feststellen: Den Berliner Polizeihauptmann Heinrich A n f e n b e r g , den Nährmittelfabrikanten Willi Lebus und den Gastwirt Albert Pfeifer, beide
Am Schauplatz des Unglücks von Langwedel.
Unser Bild zeigt die von dem Autobus durchbrochene Bahnschranke zwischen Langwedel und Kirchlinteln: hinten der Anhänger, der bei der Katastrophe von dem Autobus losaerissèu wurde und unbeschädigt stehenblieb. In dein Schnellzug befand sich der Führer mit seiner Begleitung aus der Rückreise von Bremerhaven nach Berlin.
aus Berlin-Charlottenburg. Der verunglückte Wagen ist vom Landraisamt Adenau in der Rheinprovinz zugelaffen worden. Der Fabrikbesitzer Lebus hatte eine Geschäftsfahrt nach dem Dorf Kallinchen unternommen. Der Polizeihauptmann und der Gastwirt, hatten ihn auf dieser Fahrt begleitet.
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Stade trauert um seine Toten.
Halbmast für die Opfer des Autobus- Unglücks. — Die „Camper S p e e l d e e l".
Das furchtbare Autobusunglück von Langwedel har in Stade große Trauer ausgelüst. Der Stadtteil Campe, in dem die meisten Getöteten wohnten, hat Haus bei Haus halbstock geflaggt. Die Glocken aller Kirchen stimmten ein Trauergeläut an. Die Toten sollen in einem gemcin- Jamen Grab bcigesctzl werden.
Zu dem Unglück schreibt das „Hamburger Fremden- blatt": Der Verlust, den die Stadt Stade durch den Unfall der „Camper Speeldeel" erlitten hat, ist unermeßlich. Darüber hinaus wird auch der ganze Gau Ost-Hannover um die Toten dieser Spiel truppe trauern, denn das Wirkungsgebiet der „Camper Speeldeel" erstreckt sich etwa von Cuxhaven bis Celle und von Stade bis Verden.
Es war die einzige plattdeutsche Spielgruppc des Gaues, die in der letzte» Zeit in der Hauptsache für die NS.-Kulturgemeinde spielte. Die Spieler haben unter teilweise schweren persönlichen Opfern gearbeitet.
Sie haben ihre Requisiten selbst hergestcllt und führten diese aus allen Fahrten mit sich. Die Spielev- grnppe setzte sich aus den einfachsten Menschen bis zu den höchsten Gesellschaftskreisen zusammen. Alle Spieler Waren durch tatsächliche Volksgemeinschaft aufs engste verbunden. Besonders bekannt ist die „Camper Speeldeel" durch das Hinrichssche Stück „S w i n s k o m ö d i e" geworden, das jetzt seine Vecviel- sältigung durch das Stück „Krach um Jolanthe" erlebte. Die „Camper Speeldeel" bat gerade dieses Stück aus der Taufe gehoben.
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Zu dem schweren Kraftwagenunglück wird ans Verden a. d. Aller noch gemeldet, daß der verunglückte Musiker Fritz Scheel im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen ist. Scheel starb, ob;ie das Bewußtsein wiedererlangt zu haben.
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Massenbrandstistungen in Pommern aufgeklärt.
Die Massenbrand st iftungen in Pommern, unter denen neben den Kreisen Pyritz und Greifenhagen besonders der Kreis Randow zn leiden hatte, haben durch das Sondcrdczernat der Landes- krüninalpolizei in Stettin nunmehr ihre volle Aufklärung gesunden. Von 14 Bränden, die in den letzten Jahren in dem Dorf Boock, Kreis Randow, ausgebrochcn waren, konnten zwölf einwandfreials B r a n d st i f t u n g e n sestgcstcllt werden. Acht Hofbesitzer des Dorfes wurden verhaftet und haben bereits ein Geständnis abgelegt. Wegen der bekannten Brand- stisteraffâre Fechtner, in der ein großer Teil der Beteilig- ton schon abgcurtcilt ist, wurden ebenfalls weitere acht Besitzer aus den Kreisen Kyritz und Greifenhagen fcst- genommen.
Bei den Verhafteten in Boock handelt es sich sowohl um Anstifter als auch um eigentliche Täter. Unter ihnen befindet sich ein Unternehmer, der bei allen Bränden seine Hand im Spiele hatte.
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Vombenexplosion im Warenhaus.
Furchtbares Unglück in Havanna.
Wie aus Havanna gemeldet wird, explodierte dort in einem Warenhaus eine Bombe, die unter dem Publikum, das gerade beim Einkauf von Weihnachtsgeschenken begriffen war, eine entsetzliche Panik hervorrief. Mehrere Frauen und Kinder, die das Hauptkontingcnt der Warenbausbcsuchcr darstclltcn, wälzten sich in ihrem Blute.
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Tragödie im Atlantik.
12 Seeleute kurz vor der Rettung ertrunken.
Mitten im Atlantik, aus halber Entfernung zwischen New Park und Irland, hat sich eine Tragödie der See abgespielt. Der englische Dampfer „Usworth" war in Seenot geraten und hatte 808-Rufe aus- gesandl, auf die der belgische Dampfer „Jean Jabot" und der englische Dampfer „Ascania" herbcigecilt waren. Trotz des hohen Seegangs wagte es eine kleine Schar mutiger Seemänner, in einem Boot des „Jean Jabot" den Kampf mit den wütenden Elementen aufzunehmen.
Es gelang ihr, zwölf Mann von der Besatzung der „Usivorth" zu retten, jedoch schlug das Boot auf der Rückfahrt um und alle Jnsaffen stürzten in das eisige Waffer.
Nur zwei der Bootsinsassen konnten von der „Jean Jabot" aus aufgefischl werden, während die übrigen zwölf, darunter auch die beiden heroischen Retter, den Tod in den Wellen fanden. Später wurde der Rest der „Usworth"- Besatzuttg, 18 Mann, von der „Ascania" geborgen.