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§ul-aer /lnzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehindeiung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda Königstraße 42. Rotations­druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach/H. Haupt- schriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda. Königstr. 42.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Iulüaer Kreisblatt - ^èaktion und Geschäftsstelle: königft-aße 42.5ernfvreck-Knkbluß Nr. i^

Anzeigenpreis 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Rabatt nach Tarif gewährt, bei zwangsweiser Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß.DA." XL 34. 910. Verantwort!, f. d. Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.

Nr. 295 1934

Fulda, Dienstag, 18. Dezember

11. Jahrgang

Erregung im Saargebiet.

Go benimmt man sich nicht auf deutschem Gebiet!

Wüste Trunlenheitsszenen der Engländer in Saarbrücken.

Der Zwischenfall in Saarbrücken, bei dem ein eng­lischer Offizier der Internationalen Polizei zwei Fuß­gänger mit seinem Kraftwagen überfuhr und dann in die Menge schoß, Hai in der englischen Öffentlichkeit größtes Aufsehen hervorgerufen.

Nach den Londoner Darstellungen ist Captain 3 u sti c e mit seinem Bekannten Lord Äylsford und einer Saarbrücker Freundin, Kate Braun, zu sehr später Stunde aus einem Nachtcasè herausgekommen, das hauptsächlich von deutschfeindlichen Elementen besucht wird, und in dem cs sehr hoch hergegangen sein muß. Nach dem Bericht des Daily Expreß" waren die englischen Polizeioffiziere, die dort versammelt waren, st a rk betrunken. Einige van ihnen führten auf den Tischen Steptänze auf.

Schließlich lwach ein Tisch zusammen, nachdem eine Kellnerin wiederholt vergeblich versucht hatte, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Die Einrichtung des Lokals würd-- teilweise beschädigt, und der eine Offizier, der vom Tisch gefallen war, mußte von seinen Freunden auf« gehoben und nach Hanse gebracht werden. Das Treiben nahm schließlich solche Formen an, daß sogar der berüch­tigte Emigrantenprinz Hubertus zu Löwenstein sich ver­anlaßt fühlte, den Regierungspräsidenten Knox trotz der späten Nachtstunde davon zu benachrichtigen, da das Ver­halten der Engländer dem Ansehen der Saarpolizei schäd­lich sein müsse.

Aus der Heimfahrt der Angetrunkenen ist es dann zu dem blutigen Zwischenfall gekommen. Wie die Londoner Daily Mail" berichtet, hat ein deutscher Saarpolizist in Zivil dem Captain zugeredet, sich still zu verhalten, bis die Polizei käme. Er habe den Arm des Engländers heruntergedrückt, als dieser die Pistole zog und schoß

2er T r a n s p o r t des britischen Truppenkontingents nach der Saar ist im Gange. Das schwedische Truppen­kontingent, das sich auf 260 Mann beläuft, wird über Berlin und Frankfurt am Sonnabend im Saargebiet cintreffcn.

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peinlicher Nachgeschmack bei den Engländern.

Sie rücken von dem Übeltäter ab.

Der blutige Zwischenfall, den einer der Polizei- offiziere des Präsidenten Knox nachts in Saarbrücken ver­ursachte, bildet dort immer noch das Tagesgespräch. Be­merkenswert ist das Abrücken der dort anwesenden Eng­länder von dem Urheber der nächtlichen Auseinander- setzung; sie legen Gewicht auf die Feststellung, daß der Polizeioffiziernicht Engländer, 'ondern Schotte" und niemals englischer Offizier gewesen sei. Der Vertreter der LondonerTimes", der den Übeltäter im Krankenhaus über den Vorfall befragen wollte, wurde Uon ihm aufs schroffste abgewiesen.

Das Befinden der Verletzten gibt zri Besorgnissen keinen Anlaß. Die angefahrene Frau ist durchrontgt worden; ihre Verletzungen sind, wie verlautet, n i t gefährlich. Bei dem Angeschossenen scheint es sich unr um einen, leichten Streifschuß zu handeln. Der schütze leibst trug bei der Auseinandersetzuna etliche Beulen am Kopf davon.

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Die fremde Saarpolizei darf requirieren.

Die Regierung Knox trägt die Verantwortung.

Im Amtsblatt der saarländischen Regierungskom- Mtssion wurde eine Verordnung über das Req itt- > lionsrecht zum Zwecke der Unterbringung, Unterhalts und der Beförderung der i n te i natro nalen Truppe veröffentlicht. Im Wege der Reqm nUon können eingefordert werden: ,-n,tiae

1. Gebäude, Anlagen, Hauser w.w c lonsiM Räume und Plätze jeder Art, oljne Unterschieb, ob fu Eigentum von Privatpersonen, juristischen B^'oiu'n i Körperschaften des öffentlichen Rechts stnd, soweit sie M die Bedürfnisse der internationalen Truppe un Y Stabe erforderlich sind; 2. bei den einzelnen Bewohnen, ^ohn räume gegebenenfalls mit der

'"»g zur Benutzung durch die Offiziere und UMeroffMere der internationalen Trnppc; 3. L e b e n s m 111 l, G brau ch s gegenstände und Dlenstletstun gen, deren Leistung zum Unterhalt der Truppe erforderltch ist 4. alle Verkehrsmittel, die zur Beförderung de "tternationalen Truppe notwendig sind. miabn- .. Die Requisition möblierter und unmobiertexWoh! raume hat nur in dem Maße zu erfolgen, daß die auf le^en >>Ä ru gewährleistende Bequemlichkeit der - acht beeinträchtigt wird. . hen

-. Die Rcgicrungskommission übernimmt gegenüber den ^Rentümern und Mietern der Räumlichkeiten di

" n t w o r t u n g für alle Verschlechterungen und Bejchao. guilgcii seitens der internationalen Truppe.

Unter der Bezeichnung Rcqutsttlonskommâ s"ue Dienststelle bestimmt werden, der es obliegt,die E n t chadigungen festzustellen, die den Betroffenen für Leistungen zulommen.

festzustellen, die den Betroffenen

Es muß erwartet werden, daß die Regierrmgs- kommission mit der erforderlichen Zurückhaltung und Milde vorgehen wird, um bei der Bevölkerung nicht den unliebsamen Eindruck zu erwecken, daß es sich bei den kommenden Polizeitruppen etwa um eine Besatzung handelt.

'Letzte Vorbereitungen zur Saarabstimmung.

Nur noch wenige Wochen trennen das deutsche Saarland vön dem 13. Januar, an dem die Bevölkerung ihren Willen zur Rückkehr zum Nkutterland kundgeben ivirb. Unser Bild aus dem Rathaus von Saarbrücken berichtet von den Arbeiten an den Wahlkarteien, die am Abstimmungstage aus die einzelnen Bürgermeistereien verteilt werden.

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Gaar-Prozeßauf unbestimmte Zeit" verschoben.

In dem mit großer Spannung erwarteten Prozeß vor dem Oberste» Abstimmungsgcrichtshos gegen die Führer des S a a r v e u i s ch i u m s , Landesleiter Pirro, und die Mitglieder des Landesrates, Gewerk­schaftsführer Peier Kiefer, Rechtsanwalt Levacher, Kom­merzienrat Röchling und den Präsidenten der Handwerks­kammer, Schmelzer, ist der bisher aus den 21. Dezember festgesetzte Eröffnungszeitpunkt ohne Angabe näherer Gründe auf unbestimmte Zeil verschoben worden.

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Der englische Außenminister über den Saarbrücker Zwischenfall.

Im Englischen Unterhaus erklärte Außenminister Sir John Simon auf eine Anfrage, daß die inter­nationale Saarpolizei allein der Autorität der Regierungskommission des Saargebiets unterstehe, und daß die englische Regierung für die Zusammensetzung der Saarpolizei keine Verantwortung habe. Der Zwischen­fall in Saarbrücken, der juristisch noch nicht geklärt sei, sei gerade in diesem Moment außerordentlich b e d a n e r l i ch , ganz gleich, wer die Schuld an ihm trage. Irgendeine Erklärung darüber abzugehen, sei ver­früht. Er sehe aber k e i n e n G r u n d , politische Verwick­lungen auf Grund dieses Vorfalls zu befürchten. Weder die internationale Saarpolizei noch das englische Truppenkontingent hätten mit den in diesen Vorfall ver­wickelten Personen irgendeine Beziehung. Dies möge alle Welt wissen, damit von vornherein Mißverständnisse unterbleiben.

Das nationalliberale Parlamentsmitglied Mabane lenkte die Aufmerksamkeit des Außenministers auf die Tat­sache, daß ein englisches Blatt die Berichte über den Saar­vorfall unter der Überschrift veröffentlicht hatEng­länder im Saargebiet angegriffen". Der Abgeordnete fragte Simon, ob er bei der Presse dahin wirken könne, daß sie bei der B e r i ch t e r st a t t u n g über diese Ange­legenheit die größtmögliche Sorgfalt anwende. Simon antwortete: Ich bedauere es sehr, denn es war keine zutreffende Schilderung. Soweit ich sehen kann, stand sie in unmittelbarem Gegensatz zur vor­handenen Information.

Das Arbeitsbeschaffungs-Los hilft Deinen erwerbslosen Kameraden und bringt Dir Glück.

Ziehung am 22. und 2& Dezember.

Der Fall Knox.

Die Personalpolitik des englischen Präsidenten der Saarregierung, Knox, hat neuerdings zu einem blutigen Zwischenfall in Saarbrücken geführt. Ein britischer Polizeioffizier ob er Engländer oder Schotte ist, bedeutet keinen entscheidenden Unterschied hat mit seinen Kameraden in einem Saarbrücker Lokal eine wilde Nacht veranstaltet, beiläufig in einem Emigrantenlokal. Es ging dabei sovergnügt" zu, daß man nicht nur auf den Tischen herumlobte, sondern daß auch die Einrich­tung des Lokals beschädigt, ja, daß es sogar dem Emi­grantenprinzen zu Löwenstein zu viel wurde und er in später Nacht Herrn Knox persönlich aus dem Schlaf klingelte. Wie Herr Knox darauf reagierte, ist nicht be­kannt.

In der gleichen radaulustigen Stimmung ist man dann im Auto losgefahren, und gleich bald daranf war das Unglück da. Daß man den Herrn Polizeioffizier, der nach all seiner empörenden Rücksichtslosigkeit auch noch das Schießeisen zog, nicht gerade mit Glacehandschuhen aus dem Wagen holte, kann man keinem Menschen verdenken.

Gegenüber diesem Tatbestand muß man als Deutscher schon sagen: Wir haben dergleichen Vorfälle wie diesen da im Saargebiet noch in sehr fataler Erinnerung! Diese nächtlichen Radaumacher haben ein Benehmen zur Schau getragen, das sich in keiner Weise von dem der Besatzungs­truppen aus der Leidenszeit der Rheinlande und des Saargebiets unterscheidet. Vielleicht ist diese Art des Auf­tretens in einem eroberten Lande bei anderen Völkern Mode. Hier aber handelt es sich um d e u t s ch c s Land, das nicht erobert ist, sondern ganz im Gegenteil in sehr absehbarer Zeit wieder zu seinem Mutlerlande zurück­kehren wird.

Die Angelegenheiten des Saargebietes gehen diese Ausländer, die von einem ebenso verständnislosen wie nnwissenden Mann herbeigerufen wurden, nicht das ge­ringste an; sie hätten sich schon als Privatpersonen größter Zurückhaltung zu befleißigen, erst recht aber, wenn sie die verantwortlichen Funktionen von Polizeioffi­zieren ausüben wollen. Wir Deutschen haben von Polizeioffizieren und ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit eine erheblich andere Vorstellung. Wir können verlangen, daß sich ein solcher Ausländer in unserem Saargebiet völlig korrekt benimmt; wenn er sich aber derart schwere Übergriffe zuschulden kommen läßt wie dieser angebliche Schotte Justice, dann drängt sich den von sölcherPolizei" betroffenen Saarländern der Eindruck auf, daß sie es nicht mit den zu strengster Neutralität verpflichteten Beamten, sondern mit den Schrecken der B e s e tz u n g zu tun haben. Die haben die Saardeutschen noch in bitterster Erinne­rung. Vom November 1918 an halten sie die fremden Truppen im Lande. Erst am 30. September 1929 zogen die Engländer ab, und am 12. Dezember 1930 fta iben die Franzosen zum letztenmal (ber sogenannteBahnschutz") vor der Trikolore in Parade. Di e Leidensge­schichte des Saargebiets verzeichnet ins­gesamt elfTote während jener Besetzungszeit. Die Saardcutschen haben übergenug vonZwischenfällen".

Mister Justice hätte wirklich allen Grund gehabt, den Saardeutschen zu zeigen, daß und wieweit der Brite sich in einem fremden Lande anders gibt als französisches Militär, znmal als französische Marokkaner. Er hätte um so mehr Grund gehabt, als er in Bonn studiert und die Deutschen also genügend kennengelernt hat, um ihr Laud und seine Bewohner zu respektieren.

Der Hauptschuldige aber ist in diesem über« aus bedauerlichen Fall noch nicht einmal dieser 29jährige Schotte. Der Hallptschnldige residiert als Präsident der landfremden Saarregierung in dem ehemaligen neuen Landgerichtsgebäude, das über seinem Portal die In­schrift trägt:R e ch t f ü r a l l c." Es ist der Engländer Knox, dessen ganze Amtszeit für die Saardeutschen eine einzige ständige Brüskierung und Herausforderung war. Knox war es, der vom ersten Tage seiner Tätigkeit an keinen Zweifel darüber ließ, daß er sich dort nicht als zur Neutralität verpflichteter Treuhänder des Völker­bundes, sondern als Sachwalter Frankreichs fühlte. Knox war es, der Frankreich stets in dessen unberechtigtem Anspruch auf ein Einmarschrccht bestärkt hat. Knox war cs, der in einem völlig friedlichen Lande oas berüchtigte Einigrantengesindel auf die Bevölkerung losließ, ja sogar Emigranten in leitende Polizeistellen einsetzte. Knox war es, der es Tag um Tag duldete, daß Emigranten und Separatisten Zwischenfälle provozierten. Knox war es, der die völlig überflüssige Verstärkung der Saarpolizei durch Ausländer durchsetzte, und Knox war cs schließlich, der fremdePolizeitruppen" ins Saargebiet holte, Truppen, deren Polizeicharakter sich ii. a. darin ansdrückt, daß sie mit schweren Kriegswaffcn wie Tanks usw. aus England heranziehen. Seit wann brauchen Polizeitruppen Kriegswaffcn?

Wahrlich, das Schuldkonto des Herrn Knox ist allzu groß geworden, und es ist für uns Deutsche keinerlei Trost, daß seine Amtsführung auch in seiner eigenen Heimat vielfach sehr umstritten ist und er sogar schon wiederholt von namhaften Engländern zum R ü ck t r i t t a u f g e f o r d e r t wurde. Wenn schon das Auftreten fremder Polizisten zu derartigen Szenen führt wie in Saarbrücken, dann muß man der ?knwescn- heit fremder Truppen mit Besorgnis entgegenschen. Es wird an dem Präsidenten Knox liegen, ob er sich jetzt endlich auf seine Amtspflichten besinnen und eine wirklich neutrale Haltung einnehmen will. Die Formulierung des amtlichen Berichtes über den Saarbrücker Zwischen­fall läßt freilich noch immer nicht darauf schließen. Zu­nächst bleibt noch die Hoffnung, daß das Oberste Ab­stimm u n g sg e r i ch t den ganzen Vorfall mit dem Ernst und der Gerechtigkeit prüfen wird, die die Lage im Saargebiet und die Rücksicht auf seine Bewohner er­fordert. P. A. R.