Zulöaer Mzeiger
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schriftleiter: Friedr. Ehrenklau, Fulda. Königstr. 42. Neüaktton und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ♦ Zernsvreck-?lâl«ß Nr. 2^84
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Nr. 296 — 11. Jahrgang
Fulda, Mittwoch, 19. Dezember 1934
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
polizeitruppen müssen Disziplin halten.
Erfreuliche Haltung Englands.
Zu dem Saarbrücker Zwischenfall.
Die neuen Londoner Meldungen über den Saarbrücker Zwischenfall stimmen ausnahmslos darin überein, daß man dort sowohl in Regierungskreifen wie in der öffentlichen Meinung den Fall mit Gerechtigkeit behandelt und für den deutschen Standpunkt Verständnis hat.
Im einzelnen wird dazu folgendes bekannt: Schi bald nach den ersten Meldungen über den Vorfall wurde eine Kabinettssitzung einberufen. Nach Mitteilungen der Londoner Blätter waren die M i n i st e r „aufs h ö ch st e betroffen*. Es bestand volle Übereinstimmung darüber, daß eine
strenge disziplinarische Maßregelung
erfolgen müßte, wenn die Untersuchung diese Notwendigkeit ergebe. Die Mitglieder bei englischen Regierung beklagen den Vorfall besonders im Hinblick aus die bevorstehende Ankunft der englischen Polizeitruppen im Saar- gebiet, und sie haben daher auch die Saarregierung von ihrer Ansicht über die ganze Angelegenheit nachdrücklich informieren lassen.
Es entspricht dieser begrüßenswerten Haltung der englischen Regierung, wenn inzwischen auch der Kommandeur der englischen Saarabteilung, General B r i n d, einen Tagesbefehl an seine Truppen erlassen hat, in dem er unter Bezugnahme auf den Saarbrücker Zwischenfall u. a. verlangt:
„Wir müssen uns gegenüber den Einwohnern peinlich korrekt und höflich benehmen, ohne dabei unsere Pflicht zu vergessen. Wir muffen für den äußeren Eindruck unserer Truppen unser Bestes tun und unsere alte Tradition in Ehren halten."
An weiteren Instruktionen wurden die Truppen darüber belehn, daß es der ausdrückliche Wille der englischen Regierung sei. daß keinerlei weitere Zwischenfälle durch Engländer hervorgerufen würden.
Man bezeichnet es in Londoner Kreisen als „geradezu tragisch«, daß es sich bei dem Polizeioffizier I u st i c e um einen an sich deutschfreundlichen Mann handeln soll; er stehe dem nationalsozialistischen Deutschland durchaus freundlich gegenüber. Wenn das wirklich der Fall ist, dann hat er allerdings in Saarbrücken wenig davon merken lassen.
In der Londoner Presse ist das Bedauern über den Vorfall allgemein. Beispielsweise gibt die „Daily Mail" wohl die öffentliche Meinung Englands richtig wieder, wenn sie schreibt:
„Mit ihrer Forderung nach gründlicher Untersuchung des Zwischenfalls und Bestrafung der Schuldigen — falls die Untersuchung ungehöriges Auftreten feststem — sind die Deutschen vollkommen in ihrem Recht und haben die Unterstützung der englischen öffentlichen Meinung ohne Unterschied der Partei. Obwohl die Angelegenheit keine politische Bedeutung hat, enthüllt sie eine der bedenklichen «chwächcn einer internationalen Kontrolle durch internationale Streitkräfte. Europa wird erleichtert aufatmen, wenn die Saar zu Deutschland zurückkehrt, was durch die Abstimmung vom Januar bestimmt zustande gebracht werden wird." *
Die Verteilung der Polizeitruppen auf die Saar.
Wie der Sonderberichterstatter der „Daily Mail" aus Saarbrücken meldet, werden sich Die internationalen
Geheimes Militärabkommen
zwischen Moskau und Paris?
Enthüllungen des Londoner Blattes „Star".
Das liberale Lvudoner Blatt „Star" veröffentlicht in großer Aufmachung den angeblichen Inhalt eines am November zwischen Laval und Litwinow in Gens ab- Ütschloffcucn geheimen sranzösisch-sowjetrMsischen .Rilltar- "bkommens. Die auch vom offiziellen Reuterbüro ver- vrciietc Veröffentlichung des „Star" wird tn französischen ""d sowjetrussischcn Kreisen Londons kategorisch dementiert
. Bekanntlich tauchten die Gerüchte über das Bestehen Ades derartigen Abkommens erstmalig nach der kürzlichen Rede des französischen Abgeordneten A r ch i m b a u b tn d" Pariser Kammer auf. Die französische Regierung sah Nch damals zu einer Art Dementi veranlaßt, W Die fruchte hartnäckig behaupteten. Nunmehr veröffentlicht
„Star" den angeblichen Inhalt des Abkommens unter öenauer Wiedergabe der einzelnen Artikel. „
. Der Militärpakt hat nach den Angaben des „Star
Laufdauer von fünf Jahren und kann um wenere sddf Jahre verlängert iverifen. Artikel 3 und 4 sehen ' M sie Zusammenarbeit zwischen Sowjetrußland M Frankreich i n L u f t f a h r t f r a $ e n vor Artikel
Vertrages soll Andeutungen darüber enthalten, das Japan und Deutschland die mutmaßlichen Wider
Truppen folgendermaßen über die Saar verteilen: 'itie Engländer werden nach Brebach und in die Umgebung von Saarbrücken kommen sowie nach Homburg, St. Wendel und Neunkirchen, die Italiener zum Teil nach Saarbrücken sowie nach Saarlouis und Dillingen, die Schweden in das Warndt-Gebiet und die Holländer nach St. Ingbert und Saarbrücken.
*
Ein Augenzeuge erzählt.
Das „Saarbrücker Abendblatt" veröffentlicht den Bericht eines Augenzeugen des bekannten Zwischenfalls. Es handelt sich um den Mann, dessen Frau in schwangerem Zustande von dem Engländer überfahren wurde und nun im Krankenhause liegt. Er schildert das Unglück und fährt fort:
„Wir forderten den Offizier auf, so lange an der Unfallstelle zu bleiben, bis Polizei eingetroffen war. Darauf ließ er sich nicht ein und zog seine Pistole, aus der er
zwei Schüffe abgab. Durch den ersten Schuß wurde der städtische Installateur Neumeister leicht verletzt. Mein Kollege entwand sodann dem wie wahnsinnig sich Gebärdenden die Waffe und rief ihm zu: „Sie bleiben so lange hier, bis die Polizei hier ist!" Inzwischen war die Menge, die Zeuge des weiteren Geschehens wurde, immer stärker angewachsen. Der stark angetrunkene englische Offizier machte nunmehr von seiner Boxkunst Gebrauch und
schlug noch mehrere Personen zu Boden.
Aber schließlich gelang es doch der aufgeregten Menge, den Tobenden zu bändigen und ihn der Polizei, die inzwischen mit dem Überfallkommando eingetroffen war, zu übergeben. Der Wagen wurde aus dem Hofe der Städtischen Werke sichergestellt. Man fand in ihm noch eine weitere große Mehrladepistole sowie mehrere Gummiknüppel."
*
Die Prüfung der SaarMimMNngsliften
Saarbrücken, 19. Dezember.
Die beim Obersten Abstimmungsgerichtshof eingelegten Einsprüche gegen die Entscheidungen der Kreisbüros über die Eintragungen in die vorläufigen Listen haben eine Gesamtzahl von 9248 ergeben. Davon sind 2387 (25,8 v. A.) gut geheißen, die übrigen entweder verworfen oder für unzulässig erklärt worden. Von den 7400 Einsprüchen auf Eintragung wurden 1565 gut geheißen und von 1844 Einsprüchen auf Streichung 1018; die vier Einsprüche auf Berichtigung wurden sämtlich gutgeheißen.
*
Semsky zurüllgetteten
Saarbrücken, 19. Dezember.
Der Leiter der saarländischen Polizei, Ministerialrat Hemsley, hat dem Präsidenten der Regierungskommission, Knox, sein Rücktrkttsgesuch eingereicht.
Zum Nachfolger ist der englische Major Hennessy ernannt worden.
sacher der beiden Unterzeichnermächte
jein würden. Gleichzeitig wird in Artikel I der Pakt als ein „reinen Veneidigungszwecken" dienendes Instrument bezeichnet. Wie der „Star" weiter meldet, ist ein Zusammenwirken zwischen beiden G e n e r a l st ä b e n vor- gesehen. Das Material über die militärtechnischen Fortschritte soll ausgetauscht werden. Die Luftfahriatlachès der beiden Länder in Paris und Moskau sollen weitgehend unterrichtet werden. Außerdem werden besondere Militärmissionen die miliiärtechnischen Fortschritte studieren. Die sowjetrussische Regierung übernimmt ferner untei Leitung französischer Ingenieure die Herstellung französischer Flugzeugmoloren. Von be-n neuen französischen Zwergtanks werden 400 Stück nach Sowjetrußland befördert.
Artikel 5 behandelt die Verpflichtungen im Falle des Kriegsausbruchs. Sollte Sowjetrußland von Japan angegriffen werden, bann wird Frankreich Kriegsmaterial im Werte von vier Milliarden Franc an Sowjetrußland liefern. Im Falle eines französisch-deutschen Krieges werden die Sowjetruffen Frankreich mit einer entsprechenden Menge Getreide versorgen.
Frankreich und Sowjetrußland verpflichten sich ferner, keine zweiseitigen Verträge mit Deutschland abzuschließen. Der „Star" bemerkt hierzu, daß danach also der Rapallo-Vertrag nicht er« neuert werden sönne. In diesem Geheimabkommen
sei, so betont das Blatt weiter, keine Bestimmung über die Entsendung von Truppen von einem Land zum anderen enthalten. Es sei wahrscheinlich, daß daher die beiden Länder die Lage hinsichtlich Polens später überprüfen würden.
Das am 10. Dezember unterzeichnete Handelsabkommen
ist nicht näher gekennzeichnet, aber der „Star" meint, daß auch dieses Abkommen eine deutschfeindliche Tendenz habe, da es offensichtlich den Zweck verfolge, enge Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Sowjetrußland — etwa auf dem Wege der Gewährung großer deutscher Kredite — zu verhindern.
*
Französische Phantasien über die deutsche Heeresstârke.
Jm Verlauf der Haushaltsberatung des französischen Senats kam es bei der Erörterung des Postens des Kriegsministeriums zu einer grundsätzlichen Aussprache, bei der Senator Lemery für die Notwendigkeit der Einführung der zweijährigen Dienstzeit eintrat, während Ministerpräsident Flandin aus außenpolitischen Rücksichten die Aufrollung dieser Frage vermieden wissen wollte. Als Berichterstatter gab Senator Sari die kürzlich in der französischen Presse genannten
Ziffern der Streitkräfte Deutschlands und Frankreichs
— angeblich 600 000 für Deutschland (!) und 460 000 für Frankreich — an; zu den genannten 600 000 Mann, die Deutschland ausstellen könnte, zählte der Berichlerstatler außerdem noch 700 000 Mann, die ausgebilde, sein sollen und aufgeboten werden könnten (!), ferner 1 400 000 Reservisten gesetzteren Alters (!) und eine Million Mann als Mitglieder der halbmilitärischen Verbände. Der Berichterstatter schloß seine Rede mit der bezeichnenden Äußerung, daß die Ausbildung der französischen Truppen schärfer betrieben und vor allem auch die Drückeberger erfaßt werden müßten.
Vor einer katholischen Wählerversammlung in Hasselt machte der belgische Staatsminister Poullet aufsehenerregende Mitteilungen über den belgisch-französischen Militärakkord. Poullet erklärte, daß das belgisch-französische Militärabkommen lediglich die
Möglichkeit eines deutschen Angriffs auf Belgien berücksichtigt, da hierdurch ohne weiteres Frankreichs Sicherheit bedroht würde. Im Falle eines deutschen Angriffs auf Frankreich, von dem Belgien nicht berührt werde, werde Belgien neutral bleiben. Der Militärvcrlrag enthalte ausschließlich technische Vereinbarungen defensiver Art für den Fall eines deutschen Angriffs auf Belgien.
Treuhänder der Arbeit gegen haltlose Verdächtigungen.
Der Treuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Brandenburg, Dr. D a e s ch n e r , wendet sich mit einem Aufruf an alle Betriebsführer, Vertrauens- und Zellenobmänner, in dem er darauf hinweist, daß bei ihm täglich Beschwerden über unkorrektes Benehmen der „anderen Seite" eingehen, die sich bei der Sachprüfung als stark übertrieben, oft unrichtig und nicht selten mindestens grob fahrlässig, von Grund auf als unwahr dargestellt erwiesen. In den meisten Fällen wäre ein offenes Wort,
eine fachliche Aussprache von Mann zu Mann
zur Bereinigung der Dinge ohne weiteres erfolgreich gewesen. Der Treuhänder erklärt es deshalb für möglich und notwendig, daß zukünftig die gedankenlose Weitergabe von Verdächtigungen des Betriebsführers ohne gründliche Vorprüfung unterbleibt. Zweckmäßig und empfehlenswert sei es, den Tatbestand einer Beschwerde
sogleich eidesstattlich zu erhärten
und Zeugen zu benennen. Der Treuhänder verweist auf die Möglichkeit der Verfolgung wiederholt leichtfertigen Vorbringens unbegründeter Beschwerden oder Anträge durch das soziale Ehrengericht; künftig werde er nur noch Beschwerden bearbeiten, die die glaubhafte Angabe enthalten, daß und in welcher Weise vorher innerbetrieblich eine Bereinigung der Sache vergeblich versucht wurde.
Postwertzeichen für das Winterhilfswerk im Los.
Vom 29. Dezember an veranstaltet die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei im Rahmen deS Wintcrhilfswerks 1934/35 eine Straßen-Losbrief-Loiterie, bet der jedem LoS zwei zusammenhängende Ansichtspostkarten bei* gefügt sein werden. Bei einem Teil der Lose ist eine Karte mit einem 6-R e i ch s p f e n n i g - P o st w e r t z e i ch c n versehen. das eine Hand mit Schale zeigt. Aus ihr lodert eine Flamme empor, hinter der ein von einem Strahlenkranz umgebenes Herz sichtbar ist. Dieser Wertstempel ist aus 40 verschiedene Ansichtskarten aufaedruckl. Die Karten müssen vor der Versendung mit der Post auseinandergelrennl werden. Bei den Postanttalten oder den Verkaufsstellen für Sammlermarken ist die Karte nicht erhältlich. Sie kann auch nach dem Ausland benutzt werden, wenn die erforderlichen Zu'an> marken aufgeklebt werden.