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Zul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Sei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried­rich E h r e n k l a u , Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- klau, Fulda, Königstrage 42, Telefon 2989.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 298 11. Jahrgang

Fulda, Freitag, 21. Dezember 1934

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Militärgeleit für die Stimmurnen

Abstimmungsergebnis erst am 15. Januar.

Die Abstimmungskommission ist gegenwärtig starr Damit beschäftigt, die Einzelheiten für die Durchführung her Volksabstimmung vorzubereiten. Die 83 Abstim- mungsbezirke werden sich aus 8 6 0 Eiuzelwahl- lok a l e n zusammensetzen. Aus jedes Wahllokal sollen ungefähr 650 Abstimmungsberechtigte entfallen. Den Vorsitz jedes Wahllokals führt ein Ausländer. Es wer­den hierzu etwa 960 Vertreter neutraler Länder, meist Holländer und Schweizer, erwartet.

Nach Abschluß der Wahlhandluugen werden die Urnen versiegelt und im Beisein und unter Überwachung der an der Abstimmung interessierten Parteien znr Bürgermeisterei, also zu jeder der 83 Abstimmungs- bczirke gebracht, wo sie einer besonderen Empfangs- kommission, zusammengesetzt aus Neutralen und Saar­ländern, übergeben werden, die für den Weitertransport nach Saarbrücken zu sorge« hat. Vorattssichtlich wird der Urneutransport von Militär flankiert und von Panzer­wagen eskortiert sein. Die Straßen sollen außerdem hell erleuchtet sein. Für die vorher bestimmten Vertreter der Deutschen Front und der Rückgliederungsgegner ist Ge­legenheit geboten, die Urnen bis Saarbrücken nicht aus den Augen zu lassen.

Hier werden sie in den großen Saal der Wartburg geschafft und die ganze Nacht über von einem starken Militärausgebot überwacht. Am n ä ch st e n Marge n um 8 Uhr soll die Z ä h l u n g der 50 bis 60 gleichzeitig arbeitenden Gruppen von je Drei Neutralen unter der Aufsicht der Abstimmungskommission und noch einzn- tabenber Abordnungen Deutschlands und Frankreichs beginnen. Am Montag früh werden zunächst die Urnen entsiegelt und nach Bürgermeistereien zusammengeschüttet, worauf sodann

die Zählung beginnt. Aller Voraussicht nach werden zunächst keinerlei Einzelergebnisse der Abstimmungsbezirie betamttgegcben.

Wenn das Endergebnis ermittelt ist, wird cs zu­nächst telephonisch nach Genf gemeldet und dann gleich­zeitig dort und in Saarbrücken zusammen mit den Einzelergebnisscu veröffentlicht. Man rechnet damit, die Gcsamtzählung in etwas weniger als 24 Stunden bewältigen zu können, so daß der große Augenblick der Bekanntmachung dieser weltbewegenden Entscheidung des deutschen Saarvolks im Morgengrauen des lo. Ja­nuar zu erwarten ist.

Es sollen strengste Vorkehrungen getroffen werden, um unter allen Umständen zu vermeiden, daß irgendein Einzelergebuis vor Bekanntgabe des EndreiultatS durch­sickert.

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Spanne der Ungewißheit.

Wenn das 65-Millionen-Volk Deutschlands mit seinen rund 42 Millionen Stimmberechtigten eine Reichs- tagswahl oder eine Volksabstimmung durchführt, dann sind wir es als ganz selbstverständlich gewöhnt, daß das vorläufige Endergebnis schon in den Nachtstunden be^ Stimmlagen besannt wird. Die 830 000 Einwohner des Laargebiekes mit ihrer entsprechend kleineren Zahl von Stimmberechtigten werden sich nach Ablchlnß des .ll- slimmnngsvorganqes am Sonntag, dem 13. ^anuar, abends, noch bis zum Dienstag also mindestens Eineinhalb Tage lang! gedulden musien, bis sie die offizielle Bestätigung ihrer Abstimmung erfahren können. Nun, sie werden auch diese Gevuldsprobe noch dinzunehmen wissen. Aber man fragt sich vergeblich, warum die verantwortlichen Organe, die Diegterungv- kommission und die Abstimmungskommlssion. cS nicyi iertigbringen konnten, eine im Vergleich zu reich.- putschen ' Verhältnissen zahlenmäßig so kleine ^Av- Itimmmig in einem einzigen Arbeits g a g

St? übrigen'' sann man Die scharfen Konirollnmß- ttabmen für Die Abstimmung und Die Überbringung Mammelteu Stimmscheine zur Zentrale nur begruben, werden sie ivirktich unparteiisch Durcbgefubtt, so ist gegen­über Verfälschungsversuchen gewisser Interessenten nach menschlichem Ermessen jede Sicherung ge,chanen wenigstens bis zu Dem Augenblick, wo trenne PP wann für Die anschließende Nach, Die Bewachung a l i ein übernehmen. Von Da an kann sich Die Deutsche F Nicht mehr aus ihre Mitkontrolle verlas,enJ ganz auf die Loyalität und Gewisseuhamgkeit bei üeiw ben Bewachung angewiesen. Nach Der bisherige- btng Der Länder, Die Die Truppeukonimaentt stellen, ^ars man annehmen, daß ihre mit der Bewachn 0 Urnen beauftragten Mitglieder sieb tbrer e r a n t »Ortung bewußt sind und etwaige Anschläge von separatistischer oder kommunistischer oder anderer ^eii Wil allen Mitteln zurückweisen.

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% ersten SaardeuMen aus Übersee in Hamburg eingelroffen. n Mit dem MotorschiffMonte Olivias traf jetzige erste größere Gruppe abstimmungsberechtigter Saar-, deutscher aus Übersee in Hamburg em ^ handelt sich um 32 Männer und Frau aus Araeutinieu,

Eylle, Brasilien und Uruguay, die ihrer Abstimmungs- Pflicht in Her alten Heimat genügen wollen.

An der überseebrücke hatte sich eine große Menschen­menge eingefunden, die die Saardeutschen st ü r m i s ch begrüßte, während eine Kapelle der Landespolizei konzertierte. Vertreter der Reichs- und Staatsbehörden sowie des Saarvereins begaben sich an Bord. Staats­rat Stanik hieß die Heimgekehrien im Auftrage des Reichs­statthalters willkommen. ' Die Saardeutschen hätten, so betonte er, den weiten Weg nicht gescheut. um in T r e u e zu ihrem Vaterland ihre Stimme am 13. Januar in die Waagschale zu werfen, damit das Saargebiet endlich wieder mit dem deutschen Mutterlande bereinigt werde.

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Die Saarabstimmungskommission hat an die Zeitungen des Saargcbiets, die nicht schon durch die Zustimmung der verschiedenen Organisationen zum Einhalten des Weihnachtsfriedens vom 23. bis zum 27. Dezember verpflichtet sind, den Aufruf gerichtet, auch ihrerseits jede Werbe- und Agitations- tätigkeit in dieser Zeit einzustellen.

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Der englische Vortrupp ruhig empfangen.

Der erste Tag in Saarbrücken.

Die englische Presse äußert sich übereinstimmend über ven ruhigen Empfang, den die Vorhut der eng­lischen Truppen in Saarbrücken erfahren hat. Die am Bahnhof versammelte Menge habe zwar in Schweigen verharrt, was besonders gegen die lauten Kundgebungen in Frankreich abstach, aber alle Blätter würdigen die verständlichen Gefühle der Saarländer. Sie betonen, daß keinerlei Feindieliakeiten zum Ausdruck aekommen seien.

Deutsche Rettungstat

Anerkennungen für dieRew Vork"-

Besatzung.

Klückwunsch des Verkehrsministers. Bewunderung in Norwegen

Reichsverkehrsminister Freiherr von Eltz- R ü b e n a ch hat anläßlich der Rettung der Beiatzung des norwegischen SchiffesSisto" durch den Dampfer New York" folgende Drahtung an die Hamburg- Amerika-Linie in Hamburg gerichtet:

Für die glänzende seemännnche Leistung ^hres DampfersNew York" bei der Rettung derLlsto - Besatzung spreche ich Ihnen meinen herzlich sten Glück w u n s ch aus und bitte, dem Kapitän und der Be- satzung meinen Dank und meine Anerkennung für ihre heroische Tat zu übermittel«."

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Rsrwegen feiert die Rettungsiat derRew tzork".

Die gefahrvolle Rettung der Besatzung des Havarier- ren norwegischen DampfersSisto" durch den Hapag- dampferNew York" wird in Norwegen allgemein als hervorragende deutsche Seemannstat gefeiert.

Alle Zeitungen bringen eingehende Schilderungen des Nettungswerkes. DieNorwegische Handels- und Schiff- fahrtszeitung" schreibt: Die Leute derNew York die ihr geben wogten, um dieSisto -Besatzung zu retten, verdienten höchste A n e r k e n n u n g und hatten allen Grund, über ihre Tat st ° z zu fein. Besonders groß bie Freude und die Dankbarkeit für die Rettungstat im Helma Is Hafen des norwegischen Schiffes. Hauge-

fund.

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Der Dank des norwegischen Ministerpräsidenten

Der norwegische Ministerpräsident und Minister des Äußeren, Mowinckel, hat an die Hambnrg-Amerlka- Linie das folgende Telegramm gerichtet:Habe eben mit Bewunderung von der Rettung der Besatzung des norwegischen Schiffes .Sisto' durch die heldenhaften An- strengnngen der Besatzung Ihres Schiffes .New York' Olesen. Ich bitte Ihre Gesellschaft, meinen herzliche n D § k entgcgennebmen und der Besatzung der .New York" überbringen zu wollen.

$ie dramatische Rettung der Besatzung des norwegt- schen^DampfersSisto" durch dieNew York" wird in der norwegischen Presse mit Worten der Bewunderung ge­schildert Die ZeitungAftenposten" fordert eine unver- zügliche Bekundung des Dankes und schreibt:Eine norwegische Schiffsbesatzung ist auf dem Atlantischen Ozean unter dramatifchen und äußerst gefahrvollen Um­ständen gerettet worden. Deutsche Seeleute haben ihr Heben gewagt, um norwegische Kollegen vor einem sicheren ^odc zu retten. Die Rettung ist an sich schon eine Be­lohnung für die edle Tat, aber diejenigen die die Hilse mit dem Leben als Einsatz brachten, sollen willen. daß

und schildern an Einzelerlebnissen, wie sich im Laufe des Tages eine mehr freundliche Fühlungnahme mit den Landesbewohnern entwickelt habe. Die Soldaten wären überrascht gewesen von den guten Quartieren und den gutgebauten Häusern, die sie nicht erwartet hätten.

Wie einige Blätter mitteilen, hat das englische Innen­ministerium Eheschließungen mit Saarländerinnen während der Besetzungszeit verboten.

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Oie ersten Italiener im Gaargebiet.

Die ersten italienischen Soldaten sind im Saargebiet eingetroffen. Es handelt sich um die Vorhut der in Kürze erwarteten geschlossenen Truppenteile. Der erste größere Truppenteil des 1. Grenadier-Bataillons unter Führung des Majors Ruggiero trifft am Freitag in S a a r b r ü cf e n ein. Am Sonnabend folgen die Karabinieri, sie führen eine größere Anzahl Panzer­wagen mit. Sonntag werden die übrigen Grenadiere in Saarbrücken erwartet.

Devisen für die Abstimmungs­berechtigten.

Den abstimmungsberechtigten Personen, die zur Volksab­stimmung in das Saargebiet reisen, ist es gestattet, einen Geldbetrag bis zu 25 Mark, der ganz oder zum Teil in der im Saargebiet geltenden französischen Währung bestehen kann, mitzunehmen. Mit Rücksicht daraus, daß die Bevölke­rung des Saargebiets die Verpslegung und Unterkunft der im Reiche wohnenden Abstimmungsberechtigten übernommen hat, und im Hinblick daraus, daß die Regierungskommission des Saargebiets den Aufenthalt für die Abstimmungsberechtigten aus dem Reich aus drei Tage beschränkt bat kann von der Mitnahme eines höheren Betrages abgesehen werden. Die Devisenbanken und Wechselstuben werden ermächtigt, den Ab- stimmungsberechtigtcn deutsches Geld bis zum Betrage von - v ' ...... 2 ane umzuwechseln. Der Abstim­mungsberechtigte "muß zu diesem Zweck der Bank 1. seinen Reisepaß, 2. die Mitteilung, daß er in die vorläufigen Listen eingetragen ist, oder den Abstimmungsausweis vorlegen.

25 Mark in

ihnen nicht nur die Geretteten und ihre Angehörigen, sondern auch das ganze norwegische Volk banst.

Wir sind ein altes Seevolk und verstehen die Tat beim

Untergang derSisto" gebührend zu schätzen.

Es versteht sich von selbst, daß der norwegische Staat denen, die die norwegische Schiffsbesatzung retteten, seine Dankbarkeit bekundet. Norwegens Dank sollte den Rettern zugehen, während das Ereignis noch frisch im Ge­dächtnis ist!"

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Kapitän Kruse sprach im Rundfunk.

Ein neuer Triumph deutscher Scndctechnik. Ruch die von derNew York" geretteten Norweger sprachen zur Heimat.

Vom Hamburger Senderaum aus wurde ein zwölf Minuten langes Gespräch mit Kapitän Kruse vom HapagdampferNew York" über alle deutschen Sender am Mittwochabend gegeben. Es meldete sich zunächst an Bord derNew York" der Funker und bemerkte auf eine Frage nach dem augenblicklichen Stand­ort des auf hoher Fahrt befindlichen Dampfers, daß das Schiff viele hundert Seemeilen bis zum Heimathafen zurückzulegen habe.

Dann trat Kommodore Kruse an das Bordtclephon und schilderte noch Einzelheiten der Rcttungstat.

Die norwegischen Seeleute seien so schwach gewesen, daß sie mittels Leinen an Bord gezogen werden mußten. Sie hätten vielfach kleinere Verletzun­gen aufgewiesen, befänden sich jetzt aber wohlauf. Schließlich konnte von Bord derNew York" noch der mit seiner Besatzung gerettete Kapitän derSisto" einige Begrüßungsworte an seine norwegische Heimat richten, da zu diesem Zweck

der Sender Oslo mit angcschlosscn war. Die Mitteilung des Hapagdirektors an Kommodore Kruse von der A u s s e tz u n g einer Belohnung an die tapfere Besatzung des Rettungsbootes rief bei dieser freudigste Überraschung hervor.

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Oie Retter derRew yorP

sollen die Rettungsmedaille erhalten.

Aus Anlaß der heldenhaften Rettungstat der New York"-Besatzung hat der Reichs- und preußische Minister des Innern, Dr. Frick, an Vas Hamburgische Staatsamt folgendes Telegramm gerichtet:

Anläßlich heldenhafter Rettungstal der Besatzung New York" ersuche unverzüglich Einreichung von Vor- schlägen zur Beantragung der Rettungs­medaille. Reichs- und preußischer Innenminister Dr. F r i cf.

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