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§ul-aer Mzeiger

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Nr. 299 11. Jahrgang

Fulda, Samstag, 22. Dezember 1934

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Die Hamsterei ist verschwunden

Dr. Goerdeler über die

Auflockerung der Preispolitik.

Vor Pressevertretern äußerte sich der Reichskommissar für Preisüberwachung, Dr. Goerdeler, über seine Tätigkeit in Vergangenheit und Zukunft. Er führte u. a. folgendes aus:

Die Hamsterei i ft verschwunden. Ebenso erfreulich ist, daß die gleitende, beinahe schon automatisch sich vollziehende Preissteigerung, die eine Begleiterschei­nung von Angst- und Hamsterkäufen ist, einer Stabili­sierung der Preise gewichen ist, selbstverständlich mit Ausnahmen, die da nicht zu verhindern sind, wo vor­übergehend gewisse Mangelerscheinungen auftreten können.

Auf Grund dieser Tatsachen sind die Wirtschaftsver­bände vielfältig bei mir vorstellig geworden mit der Bitte, ich möchte gerade zur Weihnachtszeit zu einem Kaufen in der Bevölkerung aufrufen. Es sind so starke Zurückhaltungen der Käufer bemerkbar ge­worden, daß man in der Wirtschaft eine gewisse Besorg­nis hat, diese Zurückhaltung könne zu weit gehen und sich schließlich bis in die Produktionsstätten fortsetzen und dort zu Arbeitsmangel führen. Es ist dies ein Anzeichen dafür, wie stark Der

Umschlag von der Hamsterpsychose in die ruhige Überlegung

gewesen ist. Ich habe aus diese Wünsche hin erklären müssen, daß ich mich zu einer solchen Aufforderung nicht entschließen könne.

Ich müsse es dem gesunden Sinn des deutschen Volkes überlassen, das zu kaufen, was cs für notwendig halte, um so allmählich wieder das richtige Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage sich einschaukeln zu lassen. Dabei bin ich überzeugt, daß in der Weihnachts­zeit keiner in der irrigen Annahme, es könnten gewaltige Revolutionen auf dem Gebiete der Preise stattfinden, sich von Einkäufen Derjenigen Sachen glätten läßt, die er Win Weihnachtsfest für sich ober seine Angehörigen gern haben möchte.

Das Ziel der Preisüberwachung ist, Ruhe zu schaffen, weiteren Preissteigerungen vorzubeugen, offen­bar übersetzte Preise was geschehen ist sofort zu be­reinigen und im übrigen

die gesamte Preispolitik in der Wirtschaft elastisch zu machen.

Nicht vollkommen klar ist die Situation für alle Be­teiligten in der Wirtschaft selbst, selbst auf dem Gebiet des Textilhandels. Die Schuld bei etwaigen Übersetzun­gen, von denen aus dem Lande berichtet wird, liegt

n

gemeinhin nicht beim Einzelhandel, sondern vielfach an der überaus starken K o m p l i z i e r t h e i t der für die Errechnung der Preise geltenden Vorschriften. Wir haben uns deshalb auch sehr stark damit beschäftigt, hier eine größere Einfachheit und Übersichtlichkeit z erzielen. Das unter tätiger und dankenswerter Anteil nähme des Reichswirtschâftsministeriums herbeigeführle Ergebnis liegt nunmehr vor. Diesem sollen im Ja­nuar weitere Vereinfachungen folgen. Es sind Richtlinien über die P r e i s e r r e ch n u n g inner­halb der Textilwirtschaft. Sie gehen davon aus, daß vor

allem dafür gesorgt werden soll. eine

gleichmätzige Preisgestaltung im ganzen Lande und in den einzelnen Orten herbeizusühren. Zu diesem Zweck soll unter Sicherstellung einer offenen Kalkulation, die jederzeit nachprüfbar ist, in den Fabriken sowohl wie im Großhandel stärker als bisher von einer Mischung der Preise Gebrauch gemacht werden. Das soll sich sowohl auf die Mischung von Rohstoffen, Die zu ver­schiedenen Preisen eingeführt werden, als auch auf Die Mischung von Qualitätspreisen beziehen.

Ziel soll sein, im Preis möglichst gleichbleibend, auch Hd) an den alten Preis möglichst anlchnend, Konsum- waren sicherzustellen und dafür lieber in Kauf zu nehmen eine etwas stärkere Preiserhöhung, Die bei den hoher- geurbneten Bedarfsgegenständen das ausglclcht, was bei der Konsumware zugelegt wird.

Es sind ferner Bestimmungen getroffen. Die eine gewisse Rechtssicherheit innerhalbder Textilwirt­schaft selbst herbeiführen. U. a. wird für künftige Ab­schlüsse festgestellt, daß Abschlüsse in die Luft hinein nicht mehr erfolgen dürfen, sondern

nur Abschlüsse auf Waren.

Rohstoffe, mit deren Eingang und Preisgestaltung ge­rechnet werden kann und die übersichtlich sind.

Eine sehr wichtige Notwendigkeit liegt dann, idas Preisgcbäudc in der deutschen Wirtschaft elastische SU gestalten. Als erster Schritt auf diesem Gebiet ist, wie besannt, Die Anmeldung von Preisbindungen cingelcite , die seit dem Juli 1933 vollzogen sind. Bis letzt liegen Anmeldungen in Höhe von rund 16 0 0 vor, Die al er mehr als 1600 Warenkategorien erfassen.

Es schwebt mir vor und hat schon bestimmte Gestalt angenommen, daß die Marktregelung unter starker Betrauung der Wirtschaft mit gelbst- Verwaltungsfunktionen erfolgen soll ^cr wesentlichste in diesem Ausbau in Betracht kommende Träger Dürfte die Fachgruppe sehr Bei der Betrauung der Fachgruppe, die allmählich unter Ausnutzung von Erfahrungen erfolgen wird mit^solchen Marktregelungen mit dem Ziel elastischer Preisgestaltung, wird gleichzeitig das Ziel verbuxtden.

Überorganisationen durch eine Überbilduna von Ver­bänden zu beseitigen

und die ganze Verwaltung möglichst an einzelnen Stellen zusammenzuziehen. Der Staat wird sich dann dieser Selbstverwaltung der Wirtschaft gegenüber beschränken auf die Beaufsichtigung in allen wichtigen für das Gesamt­wohl des Volkes und seiner Wirtschaft besonders bedeutungsvollen Entscheidungen und Entschließungen.

Dr. Goerdeler ging dann im einzelnen auf die Ver­ordnung über Wettbewerb ein und fuhr fort: Die Entfesselung der Preise kann nur langsam vor sich gehen unter Sicherung gegen solche, die glauben, ihre Preise aus Kosten dritter, nämlich der Gläubiger usw., senken zu können.

In diesem Rahmen soll aber der Wettbewerb unter anständigen, zuverlässigen und tüchtigen Betrieben in freierer Weise als bisher durch die Preisbindungen der Wirtschaft in Zukunft Platz greifen und damit jene Elasti­zität in der Preisgestaltung hcrbciführcn, die eine miet läßliche Voraussetzung für ein Selbftspiclen des wir* schaftlichen Apparates in dem Moment wird, wo das Maß der öffentlichen Aufträge eine fühlbare Einschränkung er­leidet.

Die Lage auf wirtschaftlichem Gebiet ist etwa der Situation zu vergleichen, vor die sich der preußische Staat zu Anfang des 19. Jahrhunderts gestellt sah, als cs galt, aus einer Erstarrung des staatlichen Apparates in Vor­schriften herauszukommen und die lebendigen schöpferischen Kräfte des gesamten Volkes mitwirken zu lassen. Vor dieser Aufgabe stehen wir heute aus wirtschaftlichem Ge­biet. Ich bin überzeugt, daß es bei allseitigem guten Willen gelingen wird, auch auf dem Gebiete über­spitzter Marktregelungen Die Wirtschaft von den unangenehmen Begleiterscheinungen zu befreien, unter denen sie heute leidet. Diese Marktregelung wird auch auf anderen Gebieten in der Richtung betrachtet werden, daß überflüssige und umständliche

Flugzeugabsturz in der Wüste

MgzeugWer" in der Wüste abgestürzt und verbrannt.

Besatzung und Passagiere tot.

Flugzeuge der Royal Air Force haben zehn Meilen südlich des britischen Forts Rutbah-Wells, in der Nähe von Bagdad, das verschollene holländische Flugzeug U i v e r". das sich auf dem Weihnachtssluge von Amster­dam nach Batavia befand, vollkomme «verbrannt a u f g e f u n d e n. Die aus vier Mann bestehende Be­satzung, und zwar die beiden Flugzeugführer Beekmann und Geuscndorfcr. ein Mechaniker und ein Funker sowie

die drei Passagiere, der Professor Walch von der Medizi­nischen Hochschule in Batavia, Direktor Bcretti von der Niederländisch-Indischen Tclcgrapheuagcntur Aneta m Batavia und der Großkaufmann Corl ftitb ums Leben ^"Einc"Landnng der Suchflugzeuge bei Rutbah in der überaus hügeligen, steinigen und wegen ,eurer Land­stürme berüchtigten Gegend war nicht möglich. In den Niederlanden, wo die Meldung sofort durch Rund- sunk und Extrablätter verbreitet wurde, herrscht tiefe Niedergeschlagenheit über das Schicksal des § lilgz eit gcs. b st^r^ peruiver" wird von fach- m â n n i s ch e r S e i t e mitaeteift: DieUiver" hatte auf der Strecke Kairo- Bagdad überaus schlechtes Wetter. Der Flughafen Bagdad befand sich seit zwei Tagen in enteist

Warenwege und -Verteuerungen ausge- schaltet werden.

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Regelung des Wettbewerbs

Eine Verordnung des Preiskommissars.

Der Reichskommissar für Preisüberwachung hat eine Verordnung erlassen, in der es heißt:

Preise, die Der Kaufkraft des Volkes entsprechen, ent­wickeln sich bei genügendem Angebot von Waren und Leistungen, am sichersten und zuverlässigsten aus der Grundlage eines gesunden Wettbewerbs, der aber die Sicherung der Ernährung aus heimatlicher Scholle niemals beeinträchtigen Darf. Außerdem kann Wettbewerb in Zeilen, in denen die Produktionsstätten und Der Handel des Landes nicht in vollem Umfange aus- genutzi find, die Gefahr hexaufbeschwören, daß im Wett­kampf Preise verlangt werden, aus denen Steuern und Löhne nicht gezahlt, die Gläubiger nicht befriedigt werden können.

Um Die Grundlage für einen auf Leistung und Ver­antwortungsbewußtsein gegründeten Wettbewerb zu schaffen und damit den für die Volkswirtschaft besten Preis nach Möglichkeit zu sichern, wird verordnet:

Wer unter unlauterer Ausnutzung seines Kredits oder böswilliger Nichterfüllung seiner Verpflichtungen gegenüber dem Staate, der Gefolgschaft seines Betriebes oder fetufn Gläubigern in gcmeinschäd- licher Weise Güter oder Leistungen zu Preisen anbietet, die seine Selbstkosten nicht decken können und den Anforde- rungen einer ordnungsmäßigen Wirtschaft widersprechen, wird mit Gefängnis und mit Geldstrafe in unbeschränkter Höhe oder mit einer dieser Strafen bestraft; die Straf- Verfolgung tritt nur ein, wenn der Schuldner seine Zahlungen eingestellt hat oder wenn über sein Vermögen das Konkursverfahren eröffnet worden ist.

Die gesetzlichen Vorschriften über unlauteren Wett­bewerb und die Strafbestimmungen der Konkursordnung bleiben unberührt.

Zustand, daß kein einziges Flugzeug der Royâl Air Forces aufsteigen konnte.

Die Syrische Wüste, in der sich das Unglück ereignete, ist wegen ihrer heftigen Sandstürme berüchtigt, die sehr unvermittelt auftreten und denen die Flugzeuge nur durch sehr hohes Fliegen entgehen können. Offenbar hat dieUnter" versucht, den Flughafen des britischen Wüstenforts Rutbah-Wells zu einer Notlandung zu er­reichen. Fort Rutbah-Wells befindet sich etwa "'OO, Kilo- meter westlich von Bagdad. Es besitzt einen Hilfsflug­platz, der nur selten angeflogen wird. Flugzeugführer Beekmann, der dieUiver" während des Unglücksfluges steuerte, kannte die Strecke aus lanaiähriaei

Das verungMckte

holländische Großflugzeug

Das holländische Groß - Flugzeug Uicer, das in dem großen Luft­rennen LondonMelbourne vor einigen Wochen als Zweiter durchs Ziel ging, ist jetzt in der Sqrifäen Wüste verbrannt aufgesunden worden

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eigener Erfahrung. Flugsachverständige betonen übereinstimmend, daß dieUiver". ein Douglastyp, den denkbar größten Sicherheitskoeffizienten auswies, und daß die Katastrophe aus höhere Gew alt zurn ck - z u f ü h r e n sei. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das Flugzeug in ein Unwetter geraten, und es ist keines­falls ausgeschlossen, daß es das Opfer eines Land­sturmes geworden ist. .

-^as FlugzeugU i v e r', das Thea R a z ch c^ bei dem 'Lustrennen nach Australien benutzte, ist der Stolz des niederländischen Volkes gewesen.

Kiel, 22. Dez. Tas PanzerschiffAdmiral" ist in der Nacht zum Svnnè'nd in seinen neuen Httvmâf« Kiel mngelaufen.