§ul-aer /lnzeiger
WÄW..TÄ. S Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg"
Rotationsdruck: Friedrich Ehrenkdiu^ Dauter- Möa- un- Haunetal * Zul-aer Kreisblatt
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Nr. 300 — 11. Jahrgang
Fulda, Montag, 24. Dezember 1934
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Heldenehrung an Bord der ,New Bork'.
Hitler ehrt die Better
von der „Aew Nork".
Die Begrüß ungsfeierlichkeiten in <5, ii i ha v e n.
Zum Empfang der heldenmütigen Besatzung der „New Uork", die die 16 Matrosen der „Sisto" gerettet hatte, traf überraschenderweise auch der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler in Cuxhaven ein.
Jubel begrüßt die „New ^orf".
Über der Elbmündung lag diesiges Wetter, und es wehte eine leichte Brise, als an, Sonnabend gegen 3 Uhr der H a p a g d a m p s e r „N e w Aork" mit den 16 geretteten norwegischen Seeleuten an Bord in Cuxhaven e i n l r a f. An dem Sleubenhoest im Amerika- Hafen hatten sich trotz der frühen Morgenstunde verschiedene Angehörige der Fahrgäste und der Besatzung eingefunden. Höhere Marineoffiziere sowie eine Kapelle der Reichsmarine hatten sich ebenfalls zum Empfang eingefunden. Ganz allmählich
tauchten aus dem Dunkel die Lichter des Ozean- riesen auf.
Kurze Zeil später lag dann die „New Nork" quer vor dem Pier. Die Marinekapelle intonierte den Badenweiler Marsch, und von der Reling, die plötzlich von Menschen besetzt war, ertönte als Begrüßung der Ruf: Unserem deutschen Vmerlande, unserer Heimat ein dreifaches „Sieg Heil!" Begeistert stimmten alle Anwesenden in das „Sieg Heil!" ein. Darauf wurden die Taue festgemacht und die Fallreeps fielen.
Einige Marineoffiziere unter Führung von Korvettenkapitän Udtke begaben sich sodann an Bord, um Commodore Kruse zu der großen seemännischen Tat ihre Glückwünsche auszusprechen.
Der Mhrxr krM
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am frühen Morgen durch die Stadt die R a ch r i ch i der Ankunft des Führers. Ganz Curhaven strömte zu den Landungs- brücken und zum Hapagbähnhof, wo Ehrenabteilungen der Reichsmarine und der Marine-SA. Spalier vom Bahnhof bis zum Pier gebildet hatten.
Um 7.40 Uhr traf der Sonderzug des Führers ein. Unbeschreiblicher Jubel klang auf, als der Führer dem Zug entstieg.
Zu seiner Begleitung befand sich u. a. Obergruppenführer Brückner, SS.-Obergruppenführer Joseph Dietrich und der Reichsprcsscchef der NSDAP.. Gruppenführer Dr. Dietrich.
Der Führer schritt durch das Spalier der Reichsmarine und der Marine-SA. zum Pier, wo Commodore Kruse den Reichskanzler erwartete. Commodore Kruse geleitete den Führer sodann aus das Promenadendeck der „New York", wo in der Halle die Rettungsmannschaft und Die übrige Besatzung Aufstellung genommen hatten.
Der Führer nahm das Wort zu folgender Ansprache:
Herr Commodore! Ich bin gekommen, um Ihnen tm Namen der ganzen deutschen Ration den Dank für Ihre hervorragende Tat ausznsprechen.
Das ganze deutsche Volk ist stolz aus Sie! Und auch Der deutschen Schiffahrt haben Sie große Ehre erwiesen! Sie haben vor der Welt bekundet, daß deutsche Tchiffs- besavungen tapfer, furchtlos und heldenmütig sind. Sie haben aber auch der Welt gezeigt, daß das deutsche Volk
Der Führer begrüßt die Helden der „New Pork".
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Der tapferen Besatzung des Rettungsbootes der „New ?W , ^e vor ^"^ wurd^bei der Ankunft im Hsimat- Möpfige Mannschaft des ”^' ^ Reichskanzler Adolf Hitler sprach persönlich den
allezeit zu friedlicher Hilfe bereit ist. Fch gratuliere Ihnen, Herr Commodore, zu einer solchen Besatzung und ich beglückwünsche das deutsche Volk zu so tapferen Männern.
Commodore Kruse sprach im Namen der Mannschaft dem Führer den Dank aus und schloß mit einem Sieg Heil aus den Führer und Reichskanzler. Sodann stellte der Leiter der Rettungsaktion, der neuernannte Erste Offizier Alfred Wiesen, dem Führer die Besatzung des R e 11 u u a s b o o l e s einzeln vor. Unter diesen befinden
Die Helden der „New York" mit dem Kapitän der „Sisto".
Der Kapitän der „New Bork", Commodore Kruse, mit Kapitän R e i n e r t s e n von der „Sisto" und dem Zweiten Offizier der „New Dorl", ^Uicb Wiesen, der als Führer des Rettungsbootes für seine kühne Tat zum Ersten Offizier befördert wurde, an Bord der „New Uork .
sich auch fünf Männer vom Marinesturm 1 Hamburg, des ersten deutschen Marine-SA -Sturmes.
Hitler überreicht der Mannschaft die Rettungsmedaille.
Der Führer überreichte sodann der elfköpfigen Besatzung des Rettungsbootes die Rettungsmedaille, dem Commodore Kruse, dem Ersten Offizier und dem »etztgen Ersten Offizier Wiesen je eine goldene Uhrmit 1| einem Namenszug als Geschenk, und den zehn .Mannschaftsmitgliedern des Rettungsbootes je einen Umichlag md einem Weihnachts- und Urlaubszuschuß. Mit nochmaligem Dank an die Rettungsmannschaft verabschiedete sich der Führer und begab sich mit dem Commodore Kruse in dessen Kajüte zu einer Engeren Unterhaltung, wo er sich von dem Kapitän der „New York den genauen Joer^nn^ bei iRßttunci^stfHon fcbilbcin w^b.
Hitler begrüßt die Gaardeutschen aus Übersee.
Nachdem der Führer noch vierzig S aar- deutsche, die zur Abstimmung am 13. Januar aus den Bereinigten Staaten herübergekommen smo, und die ebenfalls in der Halle des Promenadendecks Aufstellung genommen hatten, begrüßt hatte, verließ er das Schiff.
begleitet von Commodore Kruse. Wie eine dichte Mauer stand inzwischen die Menschenmenge aus dem Pier. Als der Führer wieder aus dem Laufsteg erschien und vom Pier zum Bahnhof hinabschritt, wollten die Heilrufe kein Ende nehmen. Genau eine Stunde nach der Ankunft verließ der Führer sodann mit seiner Begleitung Deutschlands äußersten Hasenvorposten an der Nordsee, um nach der Reichshauptstadl zurückzukehrcn. Begeisterte Heilruse und Tücherschwenkcn begleiteten den Zug des Führers, bis er vor der Stadtgrenze im Nebel- dunst der Küstenlandschaft den Blicken entschwand.
Nachdem der Führer das Schiff verlassen hatte, versammelten sich Besatzung und Fahrgäste auf dem Achterdeck zu einem kurzen Empfang, wobei u. a. der Leiter der Abteilung Seefahrt, Biedermann, Bürgermeister Klostermann, Curhaven, und der norwegische Konsul sprachen.
Der Führer begab sich mit seinem Gefolge dann von Curhaven über Hamburg in einem Sonderzug zurück nach Berlin. Ein Sonderzug der Hamburg-Ämerika-Linie brachte die Besatzung des Rettungsbootes, Ehrengäste und Fahrgäste nach Hamburg.
Deutsche Seeleute.
Mehr als zwei Stunden hindurch hat das Boot der „New Bor k" mit den brüllenden, wütenden Wogen des Ozeans gerungen, um ihnen die Opfer zu entreißen. Zweieinhalb Stunden hindurch setzten der Offizier und die Mannschaft dieses Rettungsbootes ihr Leben ein, um der Besatzung des norwegischen Schiffes „Sisto" das Leben zu erhalten. Zweieinhalb Stunden währte der Kampf und rangen deutsche Seeleute mit den Naturgewalten, die nach den erschöpften Leibern der Norweger griffen. Das war mehr als die bloße Pflichterfüllung, die dem Seemann gebietet, dem zu helfen, der sich in Seenot befindet. „8 0 8", „Rettet unsere Seelen", hatte der Funker des norwegischen Schiffes in die Lüste hinausgefunft, als sein Schiff nach langem Kanipf doch dem Sturm erliegen mußte. Der Hilferuf holte deutsche Schiffe herbei und deutsche Seeleute. Gewiß war das ein Zufall, aber das Schicksal fügte es, daß diese deutschen Seeleute kämpfen durften für Deutschland. Denn diese verbissene Energie, mit der sie so lange Zeit hindurch das eigene Leben einsetzten, um dem Ozean die Beute zu entreißen, ist etwas gewesen, was sie der deutschen Erde verdanken. Sie taten es in Selbstverständlichkeit. Sie taten cs. weil das Gesetz der deutschen Pflichterfüllung sie so handeln hieß. Sie setzten das Leben ein und dienten damit ihrem Deutschland. Und als es gelang, die Schiffbrüchigen zu retten, da scholl durch Sturm und Wogengebraus ein deutsches „Hurra!" über die Wellen. Nicht bloß die Männer im Boot der „New Bork" hatten einen Sieg errungen, nachdem sie dem Ozean in die bleckenden Zähne gesprungen waren, sondern ganz Deutschland war erfüllt von dem Stolz darüber, daß deutsche Männer es gewesen sind, die diesen Sturmangriff wagten und gewannen. Und dieses „Hurra!", dieser deutsche Siegesruf, durfte hinaus- gefunkt werden über den Ozean hinweg in alle Welt hinaus. Denn deutsche Männer hatten einen Sieg erkämpft mit Einsatz des eigenen Lebens.
Ein günstiges Schicksal hat es gewollt, daß deutsche Seeleute in diesen Kampf hineingestellt worden sind. Und daß deutsche Männer wieder einmal beweisen konnten, was für sie selbstverständliche Pflichterfüllung bedeutet, die die Gefahren genau fennt und trotzdem entschlossen ist, diese Gefahren auf sich zu nehmen. Einer unserer Größten, der Sieger in mehr als achtzig Lustkämpfen, Freiherr M a n f r e d v. N i ch t h o f e n . hat einmal in einem Brief das offene Wort geschrieben, jedesmal, wenn er in die „Kiste", in sein Flugzeug, steige, dann müsse er „den inneren Schweinehund unterdrücken". Es gehört kein Mut dazu, sich in eine Gefahr zu begeben, die man nicht kennt. Nur wenige, die das Leben kennen, mögen es leichtfertig wegwerfen wollen. Aber die Männer der „New Bork" sahen die Gefahr, als sie das Boot berabließen, um die anderen Menschen dort auf dem sinkenden Wrack zu retten. Sie hatten gesehen, wie vergeblich es gewesen war, in des Wortes ausdrücklichster Bedeutung „Ol auf die Wogen zu gießen". Kämpfen mußte man mit diesen Wogen. Leben gegen Leben forderten sie. Vom Licht der Scheinwerfer der „Europa" grell überstrahl, gingen die deutschen Seeleute hinein in diesen Kampf, in eine Gefahr, die sie sahen und kannten. Freiwillig. Das erst ist wahres Heldentum. Und als sie mit dem Ozean um das Leben der Schiffbrüchigen rangen, haben sie für Deutschland gekämpft. In stiller Selbstverständlichkeit. Vielleicht niemand von ihnen mag wohl den Ausspruch Fichtes kennen, daß „deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun". Und noch weniger mag von den Männern im Boot der „New Bork" einer etwas" von dem „P s l i ch t b e g r i f f" des Philosophen Kant gehör, haben. Aber, so rief nach der Besetzung des ostpreußischen Landes ein verständiger hoher Offizier im Stabe Nennenkampfs aus: „Es ist ja gerade das Schlimme für uns Russen, daß diese Deutschen alle ohne weiteres im Sinne dieses Kaatschen Pflichtbegriffs handeln, obwohl sie ihn gar nicht kennen!"
Diesen deutschen Männern wurde der schönste und stolzeste Dank zuteil, den ihnen die Heimat gewähren konnte. Aus der Hand des Führers erhielten sie ein Ehrenzeickfen, das nur dem verliehen wird, der sein Leben einsetzt, um das Leben eines anderen zu retten aus schwerer Gefahr. Und für sie gilt das stolze und selbstbewußte, aber doch bescheidene Wort, das einst der Ministerpräsident OttovonBismarck gesprochen hat. als er bei einem Empfang ausländischer Diplomaten gefragt wurde, was für einen Orden er denn da auf dem Frack trage: „Ich habe die Angewohnheit, ab und zu einem Menschen das Leben zu retten." Dr. Pr.