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Nr. 301 — 11. Jahrgang
Fulda, Donnerstag, 27. Dezember 1934
Einzelverkaufspreis 10 Psg.
Deutsche Auferstehung.
Diè Weihnachtsansprache des Stellvertreters des Führers.
Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Hetz, hielt, wie im vergangenen Jahre, wieder am Heiligen Abend eine Weihnachtsanspräche über alle deutschen Sender und über den deutschen Kurzwellensender, in der er sich besonders an die Ausländsdeutschen wandte. Der Reichsminister erklärte u. a. folgendes:
Die vielen Briefe, die den Widerhall der Ansprache an die Ausländsdeutschen vom letzten Weihnachten nach Deutschland gelangen ließen, haben gezeigt, daß es möglich ist, eine Stunde stärksten Gemeinschaftsgefühls aller D e u t s ch e n in der Welt gerade am Heiligen Abend zu schaffen. Es ist für mich das schönste Geschenk dieses Heiligen Abends, daß ich die Herzen der Deutschen im Vaterlande verbinden darf mit den Herzen all derer, die nicht auf deutscher Erde das deutscheste aller unserer Feste feiern können, und ich möchte glauben, daß es für viele unserer Volksgenossen draußen ebenso die schönste Weihnachtsfreude ist, sich in diesem Augenblick innig mit den Deutschen im Reich, mit der Heimat verbunden zu fühlen. Der Zauber der Heiligen Nacht liegt in dieser Stunde über Deutschland und über den Deutschen und sie empfinden beglückend die Gemeinsamkeit der Weihnachtsfreude der deutschen Nation. Für uns Deutsche umschließt der Heilige Abend Heimat und Gott. So viel Heimatsreude und Heimatliebe gehört zur deutschen Weihnacht, daß wir alle dieses Fest' wahrhaft und gliicklich nur in der Heimat erleben. Wo zur Weihnacht Deutschland fehlt, da ist Wehmut und Sehnsucht nach ihm, stärker als Jubel und Festfreude.
Wo aber immer aus der Welt Deutsche Weihnachten feiern, da ist die Heimat in ihnen. Ihres Volkstums Wesen wird ihnen bewußt und es ist ihr höchstes
Glück als Deutsche. deutsche Weihnacht zu feiern.
Ich glaube, für viele im. Vaterlande und draußen wird es das erhebendste Gefühl der heutigen Nacht sein, daß wir Deutsche Auferstehung feiern können. Alle sind wir in einer wieder erstandenen volklichen Einheit gemeinsam verbunden. In der schönen raumweiten Einheit dieser Stunde sind alle Deutschen umschlossen: Diejenigen, die innerhalb der engen Reichsgrenze wohnen, jene, die Deutschland nach dem Kriege verlor, wie jene, die in fremden Ländern und in Übersee eine Wahlheimat fanden. Dock auck alle, die auf den Ozeanen der Welt unter deut-
Rudolf Hetz bei seiner Weihnachtsansprache.
schein Fahnentuch für Deutschland fahren, gehören dazu. Groß und schön unb stark als Quelle neuer völkischer Kraft ist diese Stunde gemeinsamen Erlebens.
Voller Dank gegen ein gütiges Schicksal, das in den letzten zwei Jahren über Deutschland waltet, können wir mit berechtigtem Stolz auf Opfermut und Hilfsbereitschaft unserer Volksgenossen heute sagen: Zu dieser Weihnacht und in diesem Winter läßt D c u 11 ch - land keines seiner Kinder hungern und frieren. In einer Begeisterung ohne Beispiel haben alle Deutschen dafür gesorgt, daß die ärgste Not überall gebannt ist, und ohne die Frage: „Was wäret ihr früher?" wird jeder Deutsche bedacht, der in der neuen Volksgemeinschaft lebt unb dessen Kraft allein nicht ausreicht den Daseinskampf zu bestehen. Hunderttausende, ia Millionen deutscher Arbeiter und Arbeiterinnen, die
früher ihre schwer erworbenen Groschen für die Idee einer internationalen Klassengemeinschaft Hingaben, opfern diese heute für einen tatfrohen, immer hilfsbereiten Sozialismus, der eine Ration umschließt. Aus einem neuen Werden, das der F ü h r e r in Deutschland hervorgerufen hat, ist e i n n e u e s S e i n geworden, das er heute leitet. Und dieses neue Sein findet an diesem Abend seinen schönsten Ausdruck darin, daß es ein neues Gefühl im deutschen Herzen geschaffen hat.
Mehr als anderthalb Millionen freiwilliger und ehrenamtlicher Helfer sind für das Winterhilfswerk tätig. Sie haben es geschafft, daß über 515 Millionen Kilogramm Opfergaben allein in den Monaten Oktober bis Dezember zusammengebracht wurden, die dann frachtfrei an ihre Empfänger kamen. Sie haben es geschafft, daß rund 20 Millionen Lebensmittelgutscheine im Werte von zehn Millionen Mark bis zum Ablauf dieses Jahres ausgegeben werden können. Sie haben es geschafft, daß 13,5 Millionen Zentner Kartoffeln zur Verteilung eingesetzt sind, während 21,5 Millionen Zentner Kohlen int Werle von über 32 Millionen Mark bis Ende des Jahres zur Verteilung gebracht sein werden.
Sie konnten diese großen Erfolge erreichen, weil ein bis zum letzten opferbereites Volk die mühselige Arbeit der Helfer mit g^Hßen Opfern lohnte. Wir haben wirklich alle ein Rec^^ stolz darauf zu fein, zu einem Volk zu gehören,so sehr zurück gefunden hat zu den besten Eigenschaften seines Charakters.
Ich weiß, daß ihr Deutschen draußen und drinnen am Weihnachtsabend keine politische Ansprache von mir erwartet, ja, daß ihr gar nicht wollt. Ich w-üß aber auch. daß gerade demMuslandsdentschcn keine schönere Weihnachtsfreude bereites werden kann, als daß ihm zum Bewußtsein gebracht wird. er braucht sich feiner deutschen Heimat nicht mehr zu schämen, ja er kann stolz
Das Militär eine hohe Schule zur Bildung des Charakters.
Der Reichswehrminister widerlegt tendenziöse Lügen über die deutsche Wehrmacht.
Der Berliner Chefkorrespoudeut des amerikanischen Nachrichtenbüros Associated Preß, P. Lochner, hatte mit dem Reichswehrminister Generaloberst v o n B l o in b e r g eine Unterredung, über die er u. a. wie folgt berichtet:
Auf die erste Frage nach der deutschen Rüstungslage erklärte der Reichswehrminister, daß eine Antwort darauf allein der Führer und Reichskanzler geben könne. Weitere Fragen betrafen einige der schon wiederholt im Ausland ausgestellten Behauptungen von angeblicher Giftgasherstellung. Der Minister entgegnete, er versage es sich, aus den offensichtlichen Unsinn dieser absurden Behauptungen einzugehen. An den Behauptungen von einem geheimen Flugzeugschmuggel nach Deutschland sei ebenfalls kein wahres Wort.
Danach fragte der Berichterstatter: „Wie steht cs mit der SA. und SS.?"
„Seit den Ereignissen des 30. Juni hat alle Soldaten spiclerci in der SA. aufgehört", entgegnete der Minister. „Es ist der feste Wille und ausdrückliche Befehl des Führers, daß dieReichswchr — und sie allein — der Waffenträger der Nation sein soll. Der neue Chef des Stabes der SA., Lutze, findet sich hierin in voller Übereinstimmung mit dieser Auffassung."
Auf die weitere Frage, ob die Regierung bald beabsichtige, bie allgemeine Wehrpflicht der Vorkriegszeit wieder einzuführen, erwiderte der Minister:
„Zunächst ein Wort über unsere Reichswehr mit ihrer langen Dienstzeit. Sic werden mich nicht für unbescheiden halten, wenn ich behaupte, daß wir wirklich stolz sein können auf das P e r t e i d i g u n g s i n st r u m e n t, das sich aus unserem kleinen Berufsheer entwickelt hat. Indem ich mich für die allgemeine Wehrpflicht ausspreche, wünsche ich keineswegs etwas gegen bie Leistung des bisherigen Berufsheeres zu sagen. Im Gegenteil Wenn Deutschland auch nur an Eroberungen ober sogar Kriege dächte, so erkläre ich als Fachmann Ihnen offen, daß eine Armee, die sich aus Berufssoldaten mit langjähriger Dienstverpflichtung zusammensetzt, für diese Zwecke besser ist als ein Heer von kurzdiencnden Militärpflichtigen.
Unsere deutsche Auffassung über das Militär ist jedoch eine ganz andere. Wir sehen in ihm nicht ein Instrument des Angriffs und der Eroberung, sondern eine hohe Schule zur Bildung des Charakters.
Alles jenes, wofür sich der Nationalsozialismus einsetzt — her Geist der Einiakcit. des Gehorsams der Disziplin. des Zusammenwirkens, der Kameradschaft —, alles dies ist und war stets ein wesentlicher Bestandteil der deutschen Wehrmacht. Wir wünschen, daß jeder diensttaugliche Deutsche diese Schule für die Entwicklung des Charakters durchmache."
„Wie steht es aber mit der SA., der SS. und dem Arbeitsdienst?" fragte der Berichterstatter weiter. „Sollen diese nicht Schulen zur Bildung des Charakters sein?"
aus sie sein. Ihr könnt stolz sein, weil ein n e u c s Volk in Deutschland wurde, weil ein neuer G e i st dieses Volk beherrscht, weil eine neue F ü h r u ng dieses Volk so führt, wie ihr es euch als Ausländsdeutsche von jeher gewünscht habt.
Heß erwähnte Hitlers persönliches Aufbauwerk: die Reichsautobahnen, die Hunderttausenden Arbeit geben, und wies weiter darauf hin, daß die Arbeitslosenziffer in Deutschland durch die Energie des Führers von 6 Millionen am 30. Januar 1933 auf 2,4 Millionen am 30. November 1934 herabgedrückt worden sei. Heute wisse es die Welt, und maßgebende Politiker anderer Völker hätten es anerkannt, daß es dem Führeralleinzuverdanke n sei, wenn im letzten Jahr der europäische Friede bewahrt wurde, als er mehrfach schwer bedroht war. Namens der Heimat dankte Rudolf Heß unseren auslandsdeutschen Volksgenossen für ihre Opfer: „Es ist die Hoffnung der Heimat, daß sie einst wird entgelten können, was viele von euch draußen verloren haben. Wir vergessen auch nicht, was jene opferten, die sich frühzeitia zum neuen Deutschland bekannten.
Und in tiefstem Mitgefühl gedenken wir der furchtbaren Leiden, die die Deutschbewußten in Österreich tragen. In der Weihnacht sind unserer Herzen mehr denn je bei ihnen."
Rudolf Heß schloß seine Ansprache: Wir können dieser Stunde der Gemeinschaft der Deutschen auf der Welt keinen anderen Abschluß geben, als daß wir unsere Gedanken dem Manne zuwenden, den das Schicksal bestimmt hat, Schöpfer eines neuen deutschen Volkes zu fein, eines Volkes der Ehre. Das Geschenk, das wir Deutschen auf der Welt Adolf Hitler erneut zur Weibnachi bringen, ist: Vertrauen. Wir legen ihn, von neuem unser Schicksal in die Hände als Dank und Gelöbnis zugleich. Wir wissen, wenn abermals Weihnacht ist in Deutschland, können wir wiederum stolz, glücklich und dankbar sein, ihn zum Führer zu haben. Ihm werden wir danken, daß die Kinder eines friedlichen Deutschland auch dann in Frieden singen werden von einer stillen, heiligen Nacht.
— „Das sind sie zweifellos", antwortete der Minister lebhaft. „Diese drei Organisationen der nationalsozialistischen Bewegung werden natürlich das Hauptsächliche Reservoir bilden, aus dem die Wehrmacht sich ergänzen kann. Jede dieser Organisationen hat ihre spezielle Funktion, die außerhalb der des Waffenträgers liegt. Sie werden unsere Arbeit insofern erleichtern, als ihre Angehörigen bereits gewohnt sein werden,
Gehorsam, Disziplin, Ordnung und Kameradschaft zu pflegen. Soldaten aber sind sie erstdann, wenn sie i m H e c r ausgebildet sind. Der Dienst in der Wehrmacht des Volkes wird alle Unterschiede ausgleichen, die heute zwischen diesen Organisationen bestehen."
Zum Schluß drückte bei Berichterstatter dem Minister seinen Glückwunsch zu seiner Wiedergenesung aus. Der Minister entgegnete: „Wie Sie sehen, bin ich wieder gänzlich hergestclll. Als jedoch während meiner Krankheit unser Führer mich zweimal besuchte, wurde ich natürlich t o t g e f a g t von jenen Herrschaften, die immer einen sechsten Sinn zu haben scheinen. Manche meinten, mein Ende sei kurz bevorstehend, was schon dadurch bewiesen sei, daß Adolf Hitler mir eine Art Abschiedsbesuch gemacht habe. Manche wieder wußten genau, daß ich demnächst demissionieren werde und daß die Besuche des Reichskanzlers den Zweck hatten, mit mir die Modalitäten zu vereinbaren. Wie Sie jedoch sehen, bin ich wieder wie üblich an meinem Arbeitstisch."
Simons Pariser Besuch.
Nochmalige Erörterung der Saarfrage, jedoch nur zur gegenseitigen Information.
Der englische Außenminister Simon, der am Wochenende in Paris eine Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten Flandin und Außenminister Laval hatte, bat sich zu seinem Weihnachtsurlaub nach Cannes begeben.
Über die Unterredung wurde verlautbart, daß die Besprechungen in einer allgemeinen Form geführt worden seien. In keinem Augenblick habe dieser Gedankenaustausch das Ansehen einer Verhandlung angenommen, und kein konkreter Vorschlag sei von dieser oder jener Seite gemacht worden. Nach wichtigen Debatten im Völkerbundsrat, bei denen die französisch-englische Zusammenarbeit es gestattete, eine günstige Lösung für die heikle Frage der Ordnung im Saargebiet während der Saarabstimmuny zu finden, sei jetzt eine Zusammenkunft der verantwortlichen Leiter der Außenpolitik der beiden Länder von höchster Wichtigkeit, weil bei dieser Gelegenheit festgestellt werden konnte, daß eS der Wille der Regierungen von London und Paris ist, diese Zusammenarbeit, die so günstig für die Beibehaltung der Organisation des Friedens sei fortzusetzen.