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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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Nr. 302 11. Jahrgang

Fulda, Freitag, 28. Dezember 1934

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Der gefährlichste Iandit West­deutschlands unschädlich gemacht.

Der Kriminalpoltzei München-Gladbach-Rheydt ist es in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei von Effen- Wcrden und Velbert nach schwierigen Ermittlungen ge­lungen, in Velbert den am Dienstag vergangener Woche entwichenen Rheydter Rekordeinbrecher Willi Schmitz wieder festzunehmen, der innerhalb acht Monaten in Rheydt 31 Einbrüche verübt hatte, und zu fünf Jahren Zuchthaus und Sicherungsverwahrung verurteilt worden war.

Schmitz war damals nach seiner Verurteilung unter aufsehenerregenden Umständen entflohen. Als man ihn nach der Gerichtsverhandlung zum Gefängnis zurück- transporiiert hatte, schlug er im unterirdischen Gang des Gefängnisses einen als Hilfsjustiz­wachtmeister diensttuenden SA.-Mann mit einer Eisen st ange nieder und entfloh auf einem Fahr­rad, das ihm offenbar von einem Komplicen bereitgestellt worden war, zunächst nach Schiefbahn bei Neuß. Er kehrte dann nach München-Gladbach zurück und wandte sich später nach Rheydt, wo er aber auf der Landstraße von zwei Männern erkannt wurde, die ihm warnend mit» teilten, daß kurze Zeit vorher die Meldung über seinen Mordversuch an dem SA.-Mann durch Rundfunk verbreitet worden sei.

Die folgenden Tage trieb sich Schmitz bettelnd in der Gegend umher.

Die Nächte verbrachte er in Heuschobern. Nachdem er sich Mantel, Hm sowie Bargeld verschafft hatte, begab er sich wieder nach Neuß. Schmitz hatte sich durch das Tragen einer Hornbrille mit grünen Gläsern und durch A b - rasieren setn-es Backenbartes unkenntlich ge­macht. Von Neuß aus wandte er sich nach Velbert. Durch Vernehmung seiner frühere» Geliebten konnte dort sein Aufenthaltsort ermittelt werden. Man hatte fest­gestellt. daß er sich in einem Gartenhaus verborgen hielt. Don konnte nun nachts von der Polizei nach heftiger Gegenwehr überwältigt und in einem Kraftwagen nach München-Gladbach gebracht werden. Mit seiner Fest­nahme konnte einer der gefährlichsten Ver- b r e ch e r in ganz Westdeutschland unschädlich gemacht werden. Trotz seines jugendlichen Alters schreckte Schmitz vor keiner Gewaltanwendung zurück.

Seine Iran aus dem Fenster geworfen.

Untat eines betrunkenen Rohlings.

In H o r st h a u s e n bei Bochum versuchte ein als Trunkenbold bekannter Ehemann seine Frau und seine beiden Kinder die Treppe hinabzuwerfen, nachdem er sie schwer mißhandelt hatte. Hilfernfend eilte die Frau zum Balkonfcnster. Der Rohling umfaßte dre kränkliche Frau und warf sie durch das Fenster in den Hof hinab. Die Unglückliche erbot eine JA» e re Schädelverletzung und einen Wirbelsaulenbruch. Sie wurde in h o f f n u n g s l o s e m Z ust an d e rn das Marienhospital gebracht. Der verbrecherische Trunkenbold flüchtete.

Junges Mädchen ermordet.

In einem Breslauer Hotel tot aufgefunden

In einem Hotel in Breslau wurde in der ver­gangenen Nacht ein Mord verübt. Ein junges Mädchen aus'Strehlen, Marta Friesel, war dort mit einem jungen Mann abgestiegen. Am nächsten Morgen wurde da.- Mädchen in ihrem Zimmer mit ememHerzschuß tot aufaefunden. Ihr Begleiter, dessen Name der Polizei bekannt ist und der offenbar als Täter in oragc kommt, war verschwunden.

In der Gemeinde Nußbach (Pfalz) drang .bet c lebt« 27 Jahre alte Ludwig Wenz in die Wohnung des Maurers Karl Ludwig Dach und tötete tm ^aufe einer Auseinandersetzung die 21 j a br t g e ~ ° $ . Dach durch vier Schusse. Dann Wuchtete er und erschoß sich auf seinem elterlichen Grundstuck -er Grund zu der Bluttat ist darin zu suchen daß das Mädchen einen Liebesantrag des Wenz abgewiesen hatte

Unwetter im sonnigen Süden

Lissabon, 28. Dezember. Die Universitätsstadt C o i m - bra wurde durch einen siebenstündigen Wolkenbruch schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die ttJer gelegnen Stadtteile sieben unter Wasser. Die in die oberen^Stock­werke ihrer Häuser geflüchteten Einwohner mußten von der Feuerwehr auf Flößen und in kleinen Booten in Sicherheit gebracht werden.

'London, 28. Dezember. Von der Insel L Ypern wird schweres Unwetter gemeldet, das großen tschadenancy- tete. In der Umgebung von Lima s s o l wurden ganze Schafherden von den. fluten. fortgespult. Die Kaimauer in Limassol wurde schwer beschädigt.

Fünfzehn Tote bei Kesselervlosion.

Schweres Eisenbahnunglück in den Vereinigten Staaten.

Durch die Explosion des Kessels der Lokomotive eines Arbciterzuges bei Montgomery (Virginia) wurden 15 Grubenarbeiter getötet und etwa 35 verletzt. Der Zug befand sich aus dem Wege zu einer Kohlengrube, um die Bergleute zur Arbeit zu bringen.

In den drei Wagen des Arbeiterzuges, der jeden Morgen die Grubenarbeiter von ihren Wohnungen in den kleinen Orten längs des Armstrongbachs abholte, be­fanden sich etwa 350 Bergleute. Der ersten Explosion folgte unmittelbar eine zweite. Die Lokomotive so­wie der erste Wagen und ein Gebäude, an dem der Zug gerade vorüberfuhr, wurden zertrümmert. Die Getöteten befanden sich alle im ersten Wagen. Fast alle übrigen 90 Bergleute dieses Wagens sowie zahlreiche In­sassen der beiden anderen Wagen wurden durch herum­fliegende Trümmer verletzt.

Auto nachts in den Kanal gestürzt.

Sieben Insassen ertrunken.

In der an der deutschen Grenze gelegenen holländi­schen Ortschaft M u n st e r s ch c v e l d stürzte nachts ein mit neun Personen besetzter Kraftwagen in einen Kanal. Sieben Insassen konnten sich nicht mehr rechtzeitig retten und ertranken.

Das Auto befand sich aus der Heimfahrt von einem Musikfest. Bei der Überquerung einer in der Nähe der katholischen Kirche in Munsterscheveld gelegenen Zugbrücke stieß der Wagen gegen das Brückengeländer, durchbrach dieses und stürzte in den Kanal. Da sich der Wagen während des Sturzes überschlug und die In­sassen sehr gedrängt saßen, gelang es nur einem j u n g c n M a n n sich zu befreien. Diesem jungen Mann gelang es auch, ein junges Mädchen aus dem Wagen zu ziehen und es gleichfalls in Sicherheit zu bringen. Die übrigen sieben Insassen fanden den Tod.

Ltnierirdischer Brand

in einem Schachigelände.

Haushohe Flammen schlugen empor.

Auf dem Rotschachtgelände in Siemianowitz (Ost-Oberschlesien) zwischen Alfredschachi und Adlershütte wütete ein unterirdischer Brand. der eine große Ausdehnung angenommen hat. In einer Tiefe von etwa 8 bis 10 Meter ist ein Kohlenflöz von einem Meter Mächtigkeir in Brand geraten, wahrscheinlich durch Selbst­entzündung von Kohlengasen. Aus 20 Notschächten schlagen haushohe Flammen empor: da die Schächte untereinander verbunden sind, gewinnt das unterirdische Feuer infolge ständiger Zufuhr von frischer Luft immer mehr an Ausdehnung. Polizei und Gruben­wehren haben das ganze Gelände a b g e s p e r r l und überwachen den unterirdischen Brand, um etwa not» wendig werdende Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen. Menschenleben sind bei dem Brand nicht in Gefahr gekommen, da bei Ausbruch des Feuers in den Rotschächten nicht gefördert wurde.

Irrsinniger Amokläufer verursacht Schreckensszenen.

<xjn Greis getötet. Bauern brachten den Wüterich zur Strecke.

In der karpatho-russischen Gemeinde Onok im Bezirk Sevljtts kam es zu einem Zwifchenfall, dessen Hinter­gründe in dem geradezu mittelalterlich anmutenden Aberglaube und B e s ch w ö r u n g s b r ä u ch e n der dortigen Einwohner zu suchen sind. Zu der Zeit, als der Marktplatz von Kauflustigen dicht gefüllt war, kam ans den nahen bewaldeten Bergen ein mit einem dicken Buchenstock bewaffneter und mangelhaft beklei­deter Mann wie ein Amokläufer dahergerast und schlug blindlings auf die Umherstehendcn ein.

Er griff Männer, Frauen und Kinder an und brachte 24 Personen zum Teil schwere Verletzungen bei; ein Greis erlag seinen Verletzungen.

Rach dem ersten Schreck gingen die Bewohner ihrerseits zum Anriss über. Während Frauen und Kinder fluchl- artig den Platz räumten, griffen drei Landwirte den Wahnsinnigen mit langen Hacken an. In der sich entwickelnden Schlägerei wurde der Angreifer getötet. Es handelte sich, wie später festgestellt wurde, bei dem Irrsinnigen um einen Mann namens Toth aus der Umgebung von Onok. Er hatte bereits einige Tage vorher Anzeichen von G e i st e s v e r w i r r u n g gezeigt und hatte sich auf den Rat seiner Dorfgenossen in Be­gleitung zweier Männer zu einer Beschwörerin begeben, um sich von ihr durch Handauflegen, Beschwörungs- und Zauberformeln von seiner Krankheit heilen zu lassen. Kurz vor Beginn der Beschwörung riß er sich jedoch von seinen Begleitern los, bewaffnete sich mit einem Holz- knüppel und stürzte nach Onok hinunter.

Das Wirtschaftsjahr 1934.

Der äußerlich wohl sichtbarste Erfolg, den im ver­gangenen Jahr die deutsche Wirtschaft erringen konnte, ist darin zu erblicken, daß die großeA r b e t t s s ch l a ch t" die Zahl der Erwerbslosen, die schon im Jahre znvor um fast zwei Millionen heruntergedrückt werden konnte, nun um mehr als 1,7 Millionen senkte. Und zwar half dabei nicht nur das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichs- regierung, das weiter durchgeführt wurde, sondern im Jahre 1934 machte sich auch seine erste mittelbare Wirkung geltend, nämlich die Wirtschaftanzukurbeln" und sie dadurch in eine Eigenbewegung zu setzen. D i e Konjunkturbelebung der Wirtschaft übte nun selbstverständlich zunächst ihre Wirkung in dem Sinne aus, daß hier die Arbeitsbeschaffungsmatznabmen der Reichsregierung selbst durch die Einstellung Hundert­tausender von Arbeitslosen entscheidend unterstützt werden konnten. Das Gebiet der eigentlichen Not stands­arbeiten ließ sich infolgedessen bereits im Verlauf dieses Jahres einschränken; auch von dort aus nahm die Wirtschaft viele Zehntausende zu sich herein.

Allerdings ließ sich nun die Regierung keineswegs etwa die Führung der weiteren Entwicklung aus der Hand nehmen, das große und weithin auch belebende Werk des Baues der Retchsautobabnen wurde fort­gesetzt und beschäftigt heute fast 80 000 Arbeiter, ganz abgesehen noch von den Zehntausenden, die erst durch die Erzeugung und Gewinnung der hier notwendigen Baumaterialien, Geräte. Maschinen usw. Arbeit und Lohn gefunden haben. Ferner bat die Regierung sehr schnell einer bedenklichen Entwicklung in derArbeits­schlacht" dadurch entgegengewirkt, daß das Hereinströmen von Arbeitsuchenden in die von Erwerbslosenbevor­zugten" Großstädte energisch abgebrcmst wurde. Außer­dem sorgte die Regierung durch ein besonderes Gesetz dafür, daß die bei der Einstellung in den Arbeitsprozeß stark benachteiligten älteren Erwerbslosen nun durch den Austausch der Arbeitsplätze mit den Jugendlichen oft nach jahrelanger Erwerbslosigkeit wieder in Lohn und Brot kommen konnten.

Auch tn dem Innern der Wirtschaft selbst vollzog sich ein gewaltiger Um- und Aufbau. Da ist in der Fülle des Geschehens vor allem das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit zu nennen, das an die Stelle der früheren, vielfach vom Klassenkampf beherrschten Be­ziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nun die Idee der Beiriebsgcmeinschaft setzte und darin den Gedanken des Führertums und der Gefolgschaft ver­wirklichte. Und als Symbol dafür wurde derTag der nationalen Arbeit". also des Bekenntnisses der Gemein­schaft des gesamten schaffenden Volkes, zum National­feiertag erklärt. Und schon einige Wochen später sah der zweite deutsche Arbeitskongreß die volle organisatorische Einigung in derDeutschen Arbeitsfront".

Vollendet wurde im Laufe des Jahres aber auch jenes Riesenwerk, das am 13. März mit dem Gesetz zur Vorbereitung des organischen Auf­baus der deutschen Wirtschaft in Angriff ge­nommen worden ist unb das Instrument dafür hergibt, den Gedanken einer nationalsozialistischen Wirtschaft durchzuführen. Das Reben- und Durcheinander zahlloser Verbände und Organisationen verschwand vor einer ein­fachen Gesamtgliederung von Fachverbänden und der Reichswirtschaftskammer, die an die Stelle des seit 1918 immer nochvorläufigen" Reichswirtschaftsrates getreten ist. überall ist das Prinzip der persönlichen Führung, aber auch der persönlichen Verantwortung ausgebildet worden.

Schon im April war die organisatorische Aufbau­arbeit im Reichsnährstand zu einem gewissen Ab­schluß gekommen; die Berufung des Reichsbauernrates durch den Reichsminister Darrs vollendete hier ein Werk, das eine völlige Umgestaltung in der deutschen Landwirt­schaft im nationalsozialistischen Sinne herbeigeführt hatte: Jetzt hatte damit das deutsche Bauerntum den, letzten Schritt zur Vollendung seines ständischen A u f b a u s getan, die Entwicklung unserer handelspolitischen Ver- hältnisse hat aber im Laufe des Jahres immer deutlicher auch die A u f g a b e des Reichsnährstandes herausgestellt: Deutschland durch die zusammenfassende Stärkung der Eigenerzeugung in der Landwirtschaft von der Einfuhr ausländischer Produkte unabhängig zu machen, soweit dies nur irgend möglich ist: denn auch die Devisenknapp­heit verlangt es eindringlich genug!

Diese Devisenknappheit hat ja überhaupt tm Jahre 1934 eine sehr starke Bedeutung für große Teile unserer Wirtschaft gehabt, soweit ihre Erzeugung vom Bezüge ausländischer Rohstoffe abhängt. Unsere Ausfuhr, die noch 1933 allmonatlich einen Überschuß über die Ein­fuhr aufgewiesen hatte, sank im Jahre 1934 recht erheblich, während die Einfuhr infolge verstärkter Robstoffbezüge stark anstieg und allmonatlich, besonders im April, be­trächtlich über die Ausfuhr hinausging. Das gab dann Veranlassung zu der immer weiter sich ausdehnenden ÜberwachungdesRohstoffimportsundseiner inländischen Verarbeitung; dann erfolgte schließlich im Neuen Plan" eine völlig Umstellung in der Devisen- und damit auch der Handelspolitik, wodurch der vorherige Ein­fuhrüberschuß radikal und endgültig beseitigt wurde.

Die ebenso unberechtigte wie törichteHamster- psychose" undRohstoffangst", die sich im September und dann vor allem im Oktober geltend machte und zu un­berechtigten Preissteigerungen führte, ist dann durch das energische Eingreifen des Anfang November eingesetzten Reichskommtssars für die Preisuber- wachung schnell abgestopft worden. Nebenher geben auch hier erfolgreiche Bemühungen, ausländische Rohstoffe