Zul-aer Anzeiger
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Nr. 2 — 12. Jahrgang
Fulda, Donnerstag, 3. Januar 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Heute Romreise Lavals.
Französisch-italienisches Earantieabkommen über Österreich.
Der Quai d'Orsay veröffentlicht nachstehende amtliche Verlautbarung:
„Auf Einladung der italienischen Regierung wird sich Außenminister Laval am Donnerstag nach Rom begeben, wo er wichtige Besprechungen haben wird, die beide Länder interessieren und die sich auf allgemeine politische Fragen als Abschluß der Besprechungen beziehen, die in der letzten Zeit auf diplomatischem Wege gepflogen worden sind."
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Wie Nachricht über Die bevorstehende Romreise Lavals hat nach den aus Indiskretionen der französischen Presse bekanntgewordenen Schwierigkeiten für eine gemeinsame südosteuropäische Politik Frankreichs und Italiens auch in Rom zunächst eine gewisse Ueberra- s ch u n g hervorgerufen. Die am Mittwoch im französischen Ministerrat gefallene Entscheidung wird in den interessierten politischen Kreisen zwar lebhaft begrüßt, man hüllt sich aber vorerst über Aussichten und Bedeutung der bevorstehenden französisch-italienischen Besprechungen in größtes Stillschweigen. Man glaubt jedoch, daß ein nützliches Ergebnis besonders auch im Hinblick auf die allgemeine europäische Politik und ihre Entspannung auf jeden Fall zu erwarten sei. Die bei den bisherigen Besprechungen erzielte grundsätzliche Verständigung über die Kolonialfragen und die damit zusammenhängenden französischen Zugeständnisse an Italien mit der Verlängerung der Tunis-Konzession, der Erweiterung Lydiens nach Süden und einige Zugeständnisse in Französisch-Somali gilt als spruchreif, so daß die noch offenen Gegensätze den Hauptgegenstand der Besprechungen zwischen Mussolini und Laval bilden dürften.
Aus politischen Kreisen vernimmt man am Mittwoch abend, daß diese Schwierigkeiten dadurch überwunden werden sollen, daß über die Unabhängigkeit S st erreich s zunächst ein Garantieabkommen nur zwischen Frankreich und Italien getroffen werden soll, daß jedoch der Beitritt anderer Staaten offen bliebe. Man wolle so versuchen, schließlich auch den Weg zu einer Zusammenarbeit mit Italien und der Kleinen Entente vorzubereiten.
Das Programm der Reise.
Laval wird aus seiner Reise von seinen unmittelbaren Mitarbeitern, dem Generalsekretär des Quai d'Orsay, Leger, dem Unterdirektor für afrikanische und Orient-
10 Tage vor der Abstimmung.
Emigrant Machts nur noch im Innendienst
Ein Erfolg der deutschen Forderungen.
Der Brief des Saarkommissars Bürckel an den Präsidenten der Saarregierung, mit dem die Beseitigung der Emigranten aus der Saarpolizei gefordert worden ist, scheint bis jetzt wenigstens die Wirkung gehabi zu haben, daß dem Emigrantenkommissar Machts die Polizeierekutiveentzogen worden ist. Er wird seit dem 1. Januar im inneren Dienst verwandt.
Diese Maßnahme bedeutet zwar ein gewisses Ent-' gegenkommen der Regierungskommission gegenüber den Forderungen der Saardeutschen; aber angesichts der Anwesenheit zahlreicher Journalisten und Politiker aus den verschiedensten Ländern, die im Saargebiet eine Art Beobachterrolle einnehmen, ist für Herrn Knox eine andere Haltung kaum möglich.
Wie man erfährt, hat im Laufe der Neu;ahrsnachl der Nachfolger Hemsleys, der Engländer Hennessy, die Verhaftung von sieben Landjägern an= geordnet, und sie einem Disziplinarverfahren unterworfen.
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Dilziplinaroerskheen gegen Niülaus beantragt
Saarbrücken, 3. Januar.
Die Verteidiger Dr. Savelkouls in dem Prozeß um den Separatismus des Saarbrücker Eifenbahnpräsidenten Nicklaus haben an den Präsidenten der Regierungs- kommrssion, Knox, das Ersuchen auf Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen Nicklaus, verbunden mit dem Antrag, ihn bis zur Erledigung des Verfahrens vom Dienst zu suspendieren, gerichtet mit der Begründung, die Verhandlungen vor dem Obersten Abstimmungsge- richtshof vom 28. und 29. Dezember hätten den Beweis erbracht, daß Eifenbahnpräsident Nicklaus die ihm auferlegte Neutralitätspflicht verletzt hat. Die Verter- teidiger fordern weiter, daß die Sekretärin Nicklaus' sowie verschiedene Eifenbahnbeamte zur Wahrheitserforschung die Erlaubnis zur Aussage erhalten.
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Saarbrücker Kaufmann überfallen.
Der S aarbrücker Kaufmann Otto Nathanael wurde vor seiner eigenen Wohnung von zwei S e p a r a - tisten überfallen und mit schweren Faustschlägen ins Gesicht mißhandelt, die ihm fast ein Auge kosteten.
angelegenheiten, de St. Quentin, und seinem Kabi- wettschef Rochat begleitet werden. Der Sonnabend wird 4n erster Linie für die Verhandlungen zwischen Laval und Mussolini bestimmt sein. Nötigenfalls werden die Besprechungen am Sonntag fortgesetzt werden. Den Besuch beim Papst wird Laval höchstwahrscheinlich am Montag machen. Dienstag mittag verläßt Laval Rom und trifft am Mittwoch wieder in Paris ein. Am Donnerstag wird er voraussichtlich nach Genf zur Teilnahme an der Völ- terbundsratssitzung abreisen.
In gutunterrichteten französischen Kreisen bezeichnet man es als materiell unmöglich, die Londoner Reise noch vor der Saarabsttmmung durchzuführen, da nur wenige Stunden zwischen der Rückkehr Lavals und dem Beginn der Völkerbundsratssitzung lägen.
Ei» „BaU der Nichteinmischung" ?
Eine österreichische Mitteilung zur Romreise LavalS.
Wien, 3. Januar.
Die Romreise des französischen Außenministers wird von maßgebender österreichischer Seite dahin kommentiert, -daß sie der Ausdruck dafür ist, daß die Schwierigkeiten, die sich in der Frage des Nichteinmischungspaktes ergeben haben, bereinigt werden konnten. Die österreichischen Wünsche haben dabei eine weitgehendeBe- rücksichtigung gefunden. Mit diesem Pakt der Nichteinmischung hat das von den Vertretern Oesterreichs in Genf begonnene Werk seine Krönung gefunden.
Das Abkommen wird auf strikter Gegenseitigkeit beruhen And die gegenseitige Verpflichtung der Teilnehmer enthalten, sich nicht in die Politik eines anderen Staates «inzilmengen und gewaltsame Umsturzbewegungen, die sich gegen einen oder den anderen der vertragschließenden Teile richten würden, nicht zu unterstützen. In diesem Vertrag kann tatsächlich die Befriedung Mitteleuropas -erblickt werden. Man kann der Hoffnung Ausdruck geben, daß alle am mitteleuropäischen Raum interessierten Staa- ^en, die guten Willens sind. fick diesem Nickteinmi - unqspakt anschließen werden. Die Einladung zur Teilnahme wird möglichst weit gezogen werden. Sie wird an Oesterreich und alle Nachbarstaaten, darunter auch an das D e u t s ch e R e i ch und wahffchnultch auch an §ram- xeich, England, Rumänien und Polen ergeben.
Als er sich zur Wehr setzte, zogen die beiden Banditen Pistolen aus der Tasche und setzten sie ihm auf die Brust. Sein Sohn benachrichtigte sofort das Überfallkommando, das schnell eintraf, jedoch zu spät, um die Separatisten noch zu erwischen, die sich bereits ins Dunkle geflüchtet hatten. Nathanael erkannte einen der beiden Leute als einen seiner Kunden, der sich öfters im Laden gebrüstet hatte, Emiarant zu kein.
Das Hakenkreuz darf im deutschen Saarland nicht gezeigt werden.
Auf Grund des Verbots von Flaggen und politischen Abzeichen während der Zeit der Vorbereitungen auf die Volksabstimmung im Saargebiet muß am Torschild der Druschen Front in Saarbrücken das Hakenkreuz schwarz verhängt werden.
Zu schweren Zusammenstößen kam es außerdem in Überhern. Der dort berüchtigte Emigrant Seidt pöbelte mehrere Leute an und schlug einige Passanten nieder, um damit den Auftakt zu einem allgemeinen Tumult zu geben, bei dem er die verdiente Prügel bezog.
Widerlegte Emigranten-Lügen.
Saarbrücken. In der „Saarbrücker Landeszeitung" wird eine Erklärung sämtlicher Dechanten des Saargebiets veröffentlicht, die sich gegen die von den Status-quo- Anhängern ausgesprengte Behauptung wendet, daß ein großer Teil der Geistlichen am 13. Januar für die Beibehaltung des gegenwärtigen Zustandes im Saargebiet stimmen würde. Ferner wird eine Erklärung der Führerschaft der katholischen Saarjugend gegen den Status quo veröffentlicht.
Der italienisch-abessinische Zwist.
Ein beunruhigender Bericht im „Daily Telegraph".
Der italienisch-abessinische Zwist und die geheimen französisch-italienischen Verhandlungen über Afrika einschließlich Abessiniens verleihen dem nachstehenden Bericht, den der „Daily Telegraph" von einem Sonderberichterstatter in Addis Abeba erhalten hat, ein besonderes Interesse. Der Berichterstatter schreibt:
Eine düstere Wolke internationaler Intrigen bildet den Hintergrund der jetzigen ungewissen Lage in Abessinien, wo Italien nach Ansicht der Abessinier sich eifrig um koloniale Ausdehnung bemüht und eine führende Rolle spielt. Die Abessinier behaupten, daß Italien eine äußerst feindliche Haltung gegenüber Abessinien einnehme, und infolgedessen herrscht eine erbitterte Stimmung gegen Italien. Wegen der
Landung gewaltiger italienischer Kriegsvorräte in Erythrea und Somaliland hegt man große Sorge. Gegenwärtig sind Die beiden italienischen Gebiete nahezu für alle Personen mit Ausnahme von italienischen Regierungsbeamten gesperrt. Abessinische Kundschafter berichten, daß in beiden italienischen Gebieten Straßen in Richtung auf die abessinische Grenze im Bau seien. Die Italiener ihrerseits versichern, sie fürchteten einen Überfall der Abessinier auf Somaliland.
Kurze politische Nachrichten.
Der österreichische Bundespräsident M i k l a s hat dem Führer und Reichskanzler anläßlich des Jahreswechsels seine aufrichtigsten Glückwünsche übermittelt, die der Führer und Reichskanzler im gleichen Sinne telegraphisch erwidert hat. *
Die polnische Presse meldet weitere ^Ausweisungen polnischer Arbeiter aus Frankreich. In den letzten Tagen wurden aus Lille 113 polnische Arbeiter mit ihren Familien abtranspornert, in der Vorwoche waren es 252 polnische Arbeiter. Für die kommende Woche werden neue Transporte erwartet.
Ernahrungsministerrum für Reich und Preußen.
Weitere Maßnahme für die Reichsrcform.
Reichsminister Darre hat einen Erlaß an die Nachgeordneten Behörden seines Geschäftsbereichs ycraus- gegeben, in dem es heißt:
Mit Wirkung vom l. Jannar werden das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft und das Preußische Landwirtschaftsministerium zu gemeinschaftlicher Arbeit vereinigt. Die Behörde führt die Bezeichnung: „Der Reichs- und Preußische Minister für Ernährung und Landwirtschaft". Als Dienstsiegel wird ausschließlich das R c i ch s s i e g e l verwendet. Die gesonderten Haushaltspläne bleiben bis auf weiteres bestehen.
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Nachdem schon unlängst die Innen- und die Justiz Ministerien des Reiches und Preußens vereinigt worden sind, bedeute! die gleiche Regelung auf den Gebieten der Ernährungsministerien einen weiteren wichtigen Schritt auf dem Wege der Reichsvereinheitlichung. In dieser Richtung lag bereits eine Reihe Reformmaßnahmen des Reichsernährungsministcrinms, so u. a. der Aufbau des Reichsnährstandes als einheitliche Reichsorganisation, ferner das Gesetz über die Neubildung des Bauerntums, das die Siedlungsfrage zur Reichssache machte, sodann die Bestellung des Sonderbeauftragten für Landeskultur und Wasserbewirtschaftung und schließlich die Übernahme des preußischen Staatssekretärs Willikens im Juni 1934 als Staatssekretär II in das Reichsministerium. Vor allem Dieser letztere Schritt bedeutete eine schon sehr weitgehende Verschmelzung der beiden Ministerien, die nun mit dem vorstehenden Erlaß des Reichsministers Darre vorläufig abgeschlossen ist.
Bessere Aussichten für Lehrer.
2000 Anwärter können ausgenommen werden.
Seit der nationalsozialistischen Revolution bessern sich auch die Berufsaussichten für die Volksschullehrer, vor allem auf evangelischer Seite. Diese Lage gestattet es, Ostern 193 a etwa 2000 Studierende an den preußiichen voch- schttlen für Lehrerbildung aufzunchmen. In erster Linie werden Abiturienten (-innen» das Jahrganges 1934 berücksichtigt, die ihrer studentischen Arbeitsdicnstpflicht genügt haben. Darüber hinaus wird aber auch bereits der Jahrgang 1935 onfqcrufen. Voraussetzung für das Studium an den Hoch'chulen für Lehrerbildung ist wiederum die Erlangung der Hoch'chulreife