Zul-aer /lnzeiger
Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: „Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durch „Höhere Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehren kl au, Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschristleiter Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42, Telefon 2989. —
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Nr. 4 — 12. Jahrgang
Fulda, Samstag, 5. Januar 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
„Freie und unbeeinflußte" Abstimmung
Wie Knox die Abstimmung „vorbereitet".
Durch Haussuchungen und Pflichtverletzungen.
Die landfremde Saarregierung hai die erste Antwort auf die letzte Mahnung der Deutschen Front an den Präsidenten Knoi, sich unbedingt neutral zu verhalten, dadurch erteilt, daß der Leiter der Kriminalpolizei in Saarbrücken, Lommersheim, im Auftrag der Regierungs- kommission neue H a u s s u ch » n g e n bei führenden Männern der Deutschen Front begonnen hat. Dabei wurde
die Wohnung eines Verreisten einfach aufgebrochen.
Die Absicht der Regierungskommission, einseitig die landfremden Gegner des deutschen Volkes zu bevorzugen, ergibt sich auch aus dem Verhalten gegenüber dem Verlangen der Deutschen Front, eine.große Kundgebung unter freiem Himmel für kommenden Sonntag zu genehmigen. Der zuständige Beamte bot den A n t r a g zehn Tage lang l i e g e n l a s s e n. Jetzt wird behauptet, daß der Antrag „zu spät" gestellt sei. Verhandlungen haben noch kein Ergebnis gehabt, obwohl die Deutsche Front bereits fünfzig Sonderzüge bestellt hat und sich bereiterklärt hat, die Kundgebung am frühen Vormittag so abzuhalten, daß sie bis 12 Uhr mittags beendet ist. Obwohl die Negierungskommission im Besitz aller Einzelheiten über die Vorbereitungen der Kommunisten für weitgehende Störungen ist, hat sie bisher
keinerlei kriminalpolizeiliche Sicherungen angeordnet.
Gestern nacht ist es wieder zu einem schweren Überfall kommen. Zwei Motorradfahrer hatten in der Nähe von anmnkirchen eine Panne. Sie wurden, als sie die Kette Hve Motorrades flickten, von 30 Kommunisten h1^* rfallen. Bei den Verwundeten wurden Hieb-, St 'h- und Bißwunden festgestellt. Der neue Überfall hat im Saargebiet große Erregung herrwrgerufen.
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Ein Messerstecher verhaftet.
Entgegen allen beruhigenden Äußerungen der Saar" regierung nimmt die Bedroh u n g der friedlichen saardeutschen Bevölkerung durch Emigranten täglich größere Ausmaße an. So kam es in Rockershausen zu einem ernstlichen Zwischertfall. Der Emigrant Waldemar Buse versuchte durch Pöbeleien einen Zwischenfall zu provozieren; niemand nahm jedoch von ibm Notiz, so daß er schließlich zu Tätlichkeiten überging. An der Tür einer Wirtschaft lauerte er einem Mitglied der Deutschen Front auf. Plötzlich stürzte sich der Emigrant auf den Ahnungslosen und brachte ihm einen schweren M e s s e r- st i ch i n die M a g e n g e g e n d bei. Die Polizei war sofort zur Stelle und nahm den Emigranten fest.
Die Wahlurnen zur Saarabstimmuug.
Englische Truppen verladen die W a h l u r n e n, die bet der Volksabstimmung im Saargebiet am 13. Januar verwendet werden.
Aloisi mit der Kundgebung der Deutschen Front einverstanden.
Und Knox?
Wie wir zu der geplanten Massenkundgebung der Deutschen Front erfahren, ist der Regierung Knox offiziell mitgeteilt worden, daß
die Abstinttnuugskommissiou grundsätzlich dagegen nichts einzuwenden habe.
falls diese Kundgebung örtlich und zeitlich nicht mit der von der „Einheitsfront" am gleichen Tage beantragten und genehmigten Veranstaltung zusammenfalle. Das ist durch die Organisationsmaßnahmen der Deutschen ^ront bereits gewährleistet. Wenn Herr Knox die Ab- stimmungskommission mit dem Italiener Baron Aloisi an der Spitze nicht geradezu brüskieren will, wird er wohl ober übel a uch die nationale Kundgebung bewilligen müssen» wenn ihni auch die Genehmigung für die kommunistische sehr viel schneller und leichter von der Hand ging.
Die Massenkundgebung der Deutschen Front genehmigt.
Die Genehmigung für die Abhaltung der geplanten Massenkundgebung der Deutschen Front ist nunmehr erteilt worden. Der Aufmarsch findet am Sonntag, dem 6. Januar, vormittags 10 Uhr, auf dem Wiesengelände von St. Arnual bei Saarbrücken statt.
Die Runbfunk=
Uebertragung
her großen Saarkunbgebung aus Berlin am 6. Januar 1935 beginnt um 20 Uhr.
Saarbrücken wird wieder Michsbahndirekiion.
Nach der Rückgliederung.
- Jm Saargebiet wird das Gerücht verbreitet, darnach der Rückgliederung die Eisenbahnverwaltung des Saar- gebiets der Reichsbahndirektion Trier übertragen und die Beamtenschaft von Saarbrücken nach Trier versetzt werden solle. Dies trifft nicht zu: vielmehr ist beabsichtigt, bei Rückgliederung des Saargebiets die Reichsbahn- direktion von Trier nach Saarbrücken zu verlegen, wo auch früher bis zum Jahre 1920 die für den größten Teil des L-aargebiets und des jetzigen Bezirks Trier zuständige Reichsbahndirektion ihren Sitz hatte.
Die Reichsbahn wird durch Zuweisung anderer Geschäftsstellen dafür sorgen, daß die Stadt Trier für den Verlust der Reichsbahndirektion nach Möglichkeit entschädigt wird.
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Wieder Hunderte von Saardeutschen aus Amerika.
In Cuxhaven sind mit dem Dampfer „Deutschland" der Hamburg-Amerika-Linie 3 5 8 Saardeutsche aus allen Teilen der Vereinigten Staaten in der Heimat ein- getroffen, um ihre Pflicht für ihr deutsches Vaterland zu erfüllen. Seit den frühen Morgenstunden war ganz Cuxhaven auf den Beinen. Die Pieranlagen waren festlich geschmückt.
Zur Begrüßung hatten sich auf den Landungsbrücken zahlreiche führende Männer der Partei und der Reichsund Staatsbehörden sowie der Saarvereinigungen ein- gefunden. Die Bordkapelle spielte das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied, das die Tausende an Bord und an Land begeistert mitsangen. Nach mehreren Begrüßungsansprachen wurde den „Deutschland"-Fahrern als Ehrengabe das Werk „Deutschland zwischen Nacht und Tag" überreicht. Unter den Klängen der Kapelle verließen sodann die Saarländer das Sckiff.
Die zerfetzte Memelautonomie.
Memel-Gouverneur lärmt mit der Glocke.
Und verhindert wiederum die Landtagssitzung.
In eingeweibten Kreisen war man sich klar darüber, daß die Litauer auch diesmal wieder die Sitzung des Memelländischen Landtages unter allen Umständen verhindern würden, um die Regierung Bruvelaitis, die sich lediglich aus die kleine M i n d e r h e i t von fünf litauischen Abgeordneten stützen kann, vor dem sicheren Mißtrauensvotum zu bewahren.
Der litauische Gouverneur selbst eröffnete bie Sitzung und griff mehrfach ein, obwohl er dazu u c ch 1 b e - fugt ist. Auf die Frage des Gouverneurs, ob der Landtag beschlußfähig sei, erhob sich ein Abgeordneter der Landwirtschaftspartei und bat um das Wort zur Geschäftsordnung.
Während der Abgeordnete sprach, ergriff der Gouverneur die Präfidentenklingel und versuchte, den Redner zu übertönen. Trotzdem konnte man verstehen, daß der Abgeordnete Einspruch dagegen erhob, daß der Gouverneur mit Polizeigewalt die vier nachrückenden Abgeordnete» am Betreten des Saales verhindert habe.
Im Anschluß daran verlas ein Abaeordneter dfr
Nach der ersten Begrüßung auf deutschem Boden in Cuxhaven fuhren die Saardeutschen mit dem Sonderzug der Hamburg-Amerika-Linie weiter nach Haniburg. Als der Zug in die Halle rollte, spielte die Polizeikapelle das Saarlied, in das die Menge spontan einstimMte, während tausende Arme sich zum deutschen Gruß erhoben. Im Namen des Reichsstatthalters und Gauleiters Kaufmann hieß Gauinspektor Staatsrat Stanik die Saardeutschen willkommen. Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschland- und des Horft-Wessel-Liedes sowie des Saarliedes schloß die Begrüßungsfeier.
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„M neues Kapitel an der Saar"
Ein Reuter-Interview mit Gauleiter Bürckel.
London, 3. Januar.
Der Saarbevollmächtigte des Reichskanzlers, Gauleiter Bürckel, hat einem Korrespondenten von Reuter in Neustadt ein Interview gewährt. Zu der das Ausland besonders interessierenden Frage, was mit den Verteidigern des Status quo im Saargebiet nach dem 13. Januar geschehen würde, hat er sich dahin geäußert, daß das in Rom abgeschlossene Abkommen selbstverständlich strikt befolgt würde und daß die Vertreter des Status quo, die in den vergangenen drei Jahren im Saargs- biet gelebt hätten, ob abstimmungsberechtigt oder nicht, den versprochenen staatlichen Schutz erhalten würden. Bürckel betonte andererseits, daß Leute wie der frühere- Reichstagsabgeordnete Imbusch, die weder seit drei Jahren im Saargebiet gelebt hätten, noch abstimmungsberechtigt seien, aber trotzdem gegen Deutschland gehetzt hätten, erwarten müßten, wegen Landesverrat angeklagt zu werden, wenn sie es nicht vorzögen, nach dem 13. Januar dem Saargebiet den Rücken zu kehren.
Bürckel betonte nachdrücklich, daß er und die deutsche Regierung Wert darauf legten, ein neues Kapitel an der Saar zu beginnen und die Vergangenheit als abgeschlossen zu betrachten.„Nach dem 13. Januar wird die Welt keinerlei Grund mehr haben, über die Saar zu sprechen, da dann das Problem ein für allemal gelöst sein wird." Deutschlands Gesetze würden stufenweise im Saar-», gebiet ernZeführt werden, und zwar als erstes die sozialen Arbeitsgejètze. Zucht und Ordnung würden seiner Ueberzeugung nach an der Saar vor und nach dem 13. Januar aufrecht erhalten werden; denn die Deutsche Front hätte ihren Mitgliedern strikte st eDisziplin auferlegt. Alle Anstrengungen von Kommunisten und Emigranten, Unruhe herdorzurufen, würden an dieser Disziplin scheitern. „Wir das ganze deutsche Volk", so schloß Herr Bürckel, „wollen auch die Saarländer nach so vielen Jahre« Frieden, und zwar einen dauerhaften Frieden."
Was man von der Saar wissen muß.
Die Sprachgrenze des Saargebietes ist nicht gleichbedeutend mit der politischen Grenze. Sie läuft vielmehr 2 N bis 25 Kilometer weiter drinnen im lothringischen, also heute französischen Gebiet. Dort spricht man einen deutschen Dialekt, der dem saarländischen sehr ähnlich ist. Daraus geht hervor, daß auch das der Grenze benachbarte, heute sranzösische Gebiet seiner Bevölkerung nach rein deutsch ist. Im Saargebiet ist denn auch Deutsch die Umgangssprache schon seit der Eroberung des Landes durch die Franken, also seit dem 5. Jahrhundert. Clemenceau aber log den amerikanischen Präsidenten Wilson bei dem unwürdigen Gezänk um die Bestimmungen des Versailler Diktats in feierlicher Rede an: „Es gibt dort mindestens 150 000 Franzosen." Tatsache ist dagegen, daß nach der letzten deutschen Volkszählung vor dem Kriege von den damaligen 572 000 Bewohnern des preußischen Saargebieis nur 339 Französisch als ihre Muttersprache angegeben, also von 2000 Einwohnern erst einer. Die Franzosen sind auf das verzweifelte Lügenmärchen Clemenceau«, mit dem er die Annerion des Saargebiets für Frankreich bei Wilson durchzusetzen hoffte, nie wieder zurückgekommen.
Volkspartei eine Erklärung, während der Gouverneur erneut vergeblich versuchte, die Worte mit der Glocke des Präsidententisches zu übertönen. Man verstand von dem Protest, daß sich
sämtliche Abgeordneten bis auf die Litauer gegen die
Maßnahme des Gouverneurs
wandten, die verhinderte, daß der Landtag zu der Regierung Bruvelaitis Stellung nehmen und damit seinen Pflichten nachkommen könnte.
Der Alterspräsident stellte fest, daß mit den vier nicht ^gelassenen Abgeordneten die zur Beschlußfähigkeit notwendige Zahl von zwanzig Abgeordneten vorhanden gewesen'wäre. Er forderte nochmals die Zulassung die,er Abgeordneten und vertagte die Sitzung um zehn Minuten. Der Gouverneur erklärte, daß er
keine weitere Sitzung zulassen werde. Trotzdem bestand der Alterspräsident auf die Vertagung von zehn Minuten. Während die Abgeordneten den Saal in der Pause verließen, blieben der Gouverneur und das Direktorium, ebenso die Diplomaten und das Publikum im Sitzungssaal.
Wenige Minuten darauf erschien ein Beamter der Kriminalpolizei und erklärte, der Sitzungssaal werde polizeilich geräumt, Daraufhin verließen sämtliche Au- wcscuden den Raum.