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t -aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage-Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 NM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried rich Ehrenklau, Fulda, Rotationsdruck: F"'

Tageblatt für Rhön und Vogelsbergs ^rievrich Ehrenklau^. Dauter- Kulöa- und Haunetal * Zulöaer Kreisblatt utieiter F r i e^ r ich Ehr e n - RedoEtfon und Sesthästsstelle: Köntgstraße 42 * Zernfprech-Rnfthluß Nr. 29S4

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Nr. 7 12. Jahrgang

Fulda, Mittwoch, 9. Januar 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Aufsehenerregende Vorgänge

an der lothringisch-saarländischen Grenze. Linkes Saarufer ohne Polizei und Truppen­schutz. Französische Grenzwachen verstärkt. Kavalleriemanöver jenseits.

Saarbrücken, 9. Januar. 3m Saargebiet kam es am Dienstag zu außerordentlich beunruhigenden Vorgän­gen. An der ganzen lothringischen Grenze entlang sind auf Anordnung des Direktors des Innern Heimburger die Landsägerposten zurückgezogen und auf das rechte Saarufer gelegt worden. Da aus der linken Saarseite auch keine Truppen liegen, die ausländischen Truppen vielmehr alle rech-s der Saar stationiert sind (mit Ausnahme von 109 Italienern in Saarlouis), ist also der Teil der Kreise Saarlouis und Saarbrücken auf dem linken Saarufer von allen Sicherßeitskräften entblößt. Gleichzeitig hat die Be­völkerung festgestellt, daß die französischen Grenzposten der Garde mobile verstärkt worden sind. Ferner ist in den letzten Tagen bei Oberesch französische Kavallerie mehrfach, so auch am Dienstag, an der Grenze aufgetaucht.

Bei der Aufhebung, der Landjägerposten handelt es sich um die ständigen Landjäger, die in den betreffenden Ort­schaften wohnen und dort seit Jahren Dienst tun. Auf dem rechten Saarufer sind in der Verteilung der Landjäger keinerlei Aenderungen erfolgt, da es sich um eine einseitige Maßnahme auf dem linken Saarufer handelt. Es ist dabei zu bemerken, daß die hochgelegenen Teile der genannten beiden Kreise der Warndt und der Gau von französischer Seite in den letzten Jahren mehrfach als strategisch für Frankreich außerordentlich wichtig be­zeichnet worden sind, weil man von hier aus eine Ueber­sicht weit in das Saarland hinein hat. In Lauterbach und in Ludweiler sind die Landjägerposten durch Polizeiposten ersetzt worden, die sich aus Elementen rekrutieren, die seinerzeit von der Rcgierungskommission im wesentlichen aus Emigranten angeworben worden sind. Die Bevölke­rung steht diesen Polizeiposten mit schärfstem Mißtrauen gegenüber. W

DiL.TgljaHs der Zurückziehung der Landjägerposten und der Verstärkung der französischen Grenzwachen sowie des vielleicht durchaus zufälligen Auftauchens französi­schen Militärs an der Grenze haben eine ganz außer­ordentliche Beunruhigung in die Bevölkerung getragen. Dazu kommt, daß auf dem rechten Saarufer von den 3050 Mann ausländischen Militärs 2950 Mann unter­gebracht sind, auf der linken Seite aber nur 100 Mann. Die geschilderten Maßnahmen sind nicht zuletzt auch des­wegen bemerkenswert, weil die saarländische Separatisten­presse seit einigen Tagen vonWahlbomben" von deut­scher Seite spricht und andererseits der ehemalige christ­liche Gewerkschaftler Kuhnen gerade in den letzten Tagen das Gespenst eines französischen Gewaltstreiches auf das linke Saarufer an die Wand gemalt hat, um damit seiner Aufforderung, für den Status quo zu stimmen, Nachdruck zu verschaffen.

Der Frosteinbruch in Mitteleuropa.

Die Kältewelle über Deutschland.

Vorläufig kein Nachlassen des Frostes.

Die aus dem Osten kommende Kältewelle hat sich jetzt über ganz Deutschland ausgcbreitet. Überall im Reich liegen die Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes. Selbst in Süddeutschland, das am spätesten von den kalten Luftmassen erreicht wurde, zeigte das Thermometer einige Grad unter Null. Im einzelnen wurde aus dem Reich gemeldet:

Am kältesten ist es immer noch in Ostpreußen mit einer Durchschnittstemperatur von minus 20 Grad, dann kommt Pommern mit minus 16 und Schlesien mit minus 14 Grad. In der R e i ch s h a u p t st a d t wurden bereits 10 Grad Kälte überschritten. Dagegen war es bisher im nordwestlichen K ü st e n g e b i e t wesent­lich wärmer, ebenso im Süden des Reiches, wo durch­schnittlich 5 Grad Kälte gemessen wurden. Auch im R h e i n g e b i e 1 wird es bald erheblich kälter werden, da die Kaltlustmassen aus Rußland in unaufhaltsamem Vordringen sind. Ein Nachlassen des Frostes ist, wie maßgebende Meteorologen mitteilen, vorläufig nicht zu erwarten.

Reichen Schneefall gab es im Erzgebirge.

überall hielt dort der Winter seinen Einzug; eine geschlossene Schneedecke von 35 bis 55 Zentimeter hat Bilder von zauberhafter Schönheil geschaffen. Bei 11 bis 12 Kältegraden bietet der Pulverschnee in allen Orten des Erzgebirges ideale Sportmöglichkeiten. Im übrigen Deutschland waren sonst die Niederschläge nicht allzu reichlich. Nur aus der Eifel, dem Thüringer Wald und der Rhön werden Schneefälle gemeldet.

Die Schiffahrt ist bisher in keiner Weise von der Kälte beeinträchtigt worden; das Eis an den Ufern der Flüsse und Seen ist noch zu schwach, um den Verkehr auf den Gewässern in nennenswerter Weise stören zu können.

Zahlreiche Opfer des Frostes in Polen.

Die russischen Kaltluftmassen haben besonders Polen heinlgesucht. Am stärksten ist die Gegend von Wilna betroffen, wo 3 3 Grad unter Null fest-

SeltsameAhnungslosigkeit" an verantwortlicher Stelle

Eine Nachfrage bei dem Direktor des Innern bei der Regierungskommission, Heimb urger, war ungewöhn­lich aufschlußreich. Einmal behauptete Heimburger, die Landjäger auf der linken Saarseite seien zurückgezogen worden, weil diese Zahl viel zu groß gewesen sei und weil sie anderwärts gebraucht würden. Es ist seltsam, daß Herr Heimburger dies erst jetzt, wenige Tage vor der Abstimmung, feststellen kann. Einige Minuten später be­hauptete Herr Heimburger, er habe von allen diesen Maß­nahmen gar keine Ahnung, er müsse sich einmal infor­mieren, was denn eigentlich geschehen sei. Dazu kommt als dritte Lesart, daß die Landjägerzum Schutze des rechten Saarufers gebraucht würden", aber gegen wen, konnte nicht gesagt werden. Allein diese zwiespältige Hal­tung des. Herrn Heimburger hat das Mißtrauen noch erheblich gestärkt.

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Wer ist mit wem im Bunne?

Diese Frage erhebt sich hier. Die Bevölkerung hat das Recht, Klarheit zu verlangen über Maßnahmen, die sie von jedem polizeilichen Schutz entblößte und die sogar die Möglichkeit geben wie dies vor einiger Zeit schon einmal geschehen ist, daß kommunistische Rollkomman­dos aus Lothringen ungehindert die Grenze überschreiten und die deutsche Bevölkerung terrori­sieren. Das Mißtrauen gegen den französischen Direktor des Innern Heimburger, dessen Ersetzung durch eine neu­trale Persönlichkeit schon mehrfach gefordert worden ist, ist jedenfalls. auf das äußerste gestiegen. Auch die Regie- rungskommrjsion müßte endiich erlernten, daß die Saar- bevölkerung in einer solchen Zeit der Spannungen beson­derer Rücksichtnahme bedarf und besonders in einem Grenzgebiet, in dem selbst harmlose Vorgänge von der Bevölkerung aant anders gewertet werden.

Bekanntgabe des Saarabstimmungs- ergebniffes am 14. Januar.

Wie auf einer von der Abstimmungskommission in Saarbrücken veranstalteten Pressekonferenz mitgeteilt wurde, ist mit der Bekanntgabe des Ergebnisses der Saarabstimmung in den späten Abendstunden des 14. Januar (Moutag) gleichzeitig in Saarbrücken »ud in Genf zu rechnen.

gestellt wurden. Der Zugverkehr zwischen Warschau und Wilna ist nur unter großen Schwierigkeiten aufrechtzuer­balten. Auf dieser Strecke haben die Züge Verspätungen bis zu fünf Stunden. Im ganzen Lande leidet ferner der Telephonverkehr unter der Witterung. Zahlreiche Verbin­dungen sind unterbrochen. In Warschau, wo durch­schnittlich 20 Grad Kalte herrschen, meldeten sich im Laufe eines Tages

400 Personen mit erfrorenen Körperteile« auf den Rettungsämtern.

Die Fürsorgestellen hoben die zusätzliche Ausgabe von Kohlen an die Arbeitslosen verfügt, da die ärmere Be­völkerung Warschaus unter dem Frost außerordentlich stark leidet. In der Provinz sind zahlreiche Todes­opfer durch Erfrieren zu verzeichnen, die meisten in den Nord- und Ostgebieten. Die harte Witterung hat in den einsamen Gebieten

die Wölfe in die Nähe der menschlichen Siedlungen getrieben.

Bei Braslawia überfielen die Bestien einen Bauernhof itiib zerrissen einen M a n n. In Zentral- r u ß l a n d herrscht immer noch überaus strenge Kälte. In dem Gebiet südlich von Moskau mißt man durchschnittlich in i n u s 4 0 G r a d. An der Nordküste Rußlands dagegen findet man erstaunlicherweisc noch Temperaturen von 3 und 5 Grad Kälte!

Eine fast sibirische Külte herrscht auch iu Skaudinavren, ivo minus 33 Grad gemessen wurden. In Ungarn sind die Temperaturen ähnlich wie in Berlin und Mittel­deutschland, während in R u in a n i e n starker Frost Herrscht. In Bukarest sank die Temperatur auf 20 Grad, in Bessarabien sogar auf 25 Grad unter Null. In den öst­lichen Teilen des Landes traten infolge Schneeverwehun­gen große Verkehrsstörungen ein. Der strenge Winter führte auch in Rumänien zu einem starken Überhand- nehmen der W o l f s p l a g e.

Frankreich hat dagegen mit einer Durchschnitts­temperatur von 0 Grad bisher noch nicht die volle Wir­kung des Kälteeinbruchs verspürt. England mit seinem durch die geographische Lage bedingten Seeklima hatte noch Temperaturen zwischen 2 und 3 Grad Wäriue.

Vom Schneesturm überrascht.

Im österreichischen Alpengebiet wurde durch den starken Frost und Schneefall der letzten Tage der Winter- spori sehr begünstigt. Leider ist es dabei auch zu Un­fällen gekommen. Von Graz aus unternahmen der Buchhalter Franz Vlada und sein Schwager, Leidinger, eine Skitour in das Hochwabgebiet,

wobei sie die Nacht im Freien verbringen mußten.

Dabei wurden sie von einem Schnee sturm überrascht Vlada konnte nicht weiter; Leidinger trat, um Hilfe zu holen, allein den Rückweg an. Die Suche nach Vlada ist bis jetzt erfolglos geblieben. Er ist anscheinend e r froren und liegt unter einer Lawine begraben. Leidinger, der sich retten konnte, erlitt schwere Er­frierungen.

Vereinigung mit Frankreich

Vereinigung mit Deutschland

SOCIÉTÉ DES NATIONS LEAGUE OF NATIONS VOLKSABSTIMMUNGSKOMMISSION

DES VÖLKERBUNDES

Beibehakungder gegenwärtigen Rechtsordnung (Status quo)

DER ABSTIMMUNGSBERECHTIGTE MACHT EIN KREUZ (X) IN DIE WEISSE KREISFLÄCHE DES SEINER WAHL ENTSPRECHENDEN FELDES

So sieht der amtliche Stimmzettel für die Saar­abstimmung aus.

Der Warschauer Besuch des Danziger LenatSprasideuten.

Empfang bei Marschall Pilsudsli Ausführungen vor Pressevertretern.

Unter den Besprechungen, die Senatspräsident Greiser während seines Staatsbesuches in Warschau hatte, war die bedeutungsvollste der Emp­fang bei Marschall P i l s u d s k i, der eine halbe Stunde dauerte.

Im HotelEuropa" fand ein Tee statt, bei dem die im und ausländischen Journalisten Warschaus Gäste des Danziger Senats waren. Senatspräsident Greiser hielt eine Ansprache, in der er vor allem nachdrücklich betonte, daß gerade die Weltanschauung des Nationalsozialismus die beste Gewähr für die Politik der Annäherung und des freundschaftlichen Übereinkommens zwischen

Danzig und dem polnischen Staate

sei. Man könne auch feststellen, daß in den eineinhalb Jahren der Zusammenarbeit schon zahlreiche praktische Resultate erzielt worden f^ien. Er betonte weiter sehr stark, daß nach nationalsozialistischer Anschauung und Auffassung kein in Danzig lebender Pole zum Deut­schen gemacht werden solle, wie umgekehrt natürlich auch die Danziger voraussetzten, daß man auf der pol­nischer! Seite die Zugehörigkeit der Danziger Deutschen zur deutschen Gesamtnation anerkenne.

Sie haben genug von den französischen Schulen!

Massenablvanderung der deutschen Kinder.

Überall im Saargebiet hat eine Flucht aus den französischen Schulen eingesetzt. In Louisenthal, Klaren­thal und Sulzbach haben sämtliche deutschen Kinder die Domanialschule» verlassen und sie den Kindern von Emi­granten und Franzosen überlassen. Auch in zahlreichen anderen Orten haben deutsche Bergleute ihre Kinder aus den Schulen herausgenommen.

Ein Saar-Ehrendienst des BOA.

Am Tage vor der Abstimmung.

Der VDA. teilt mit: Das Jahrbuch 1 9 3 5Unsere Saa r" wird am Vorabend der Volksabstimmung für das Saargebiet von den Mitgliedern des VDA., der mit dieser Aufgabe vom Saarbevollmächtigten des Reichskanzlers beauf­tragt wurde, in allen deutschen Städten verkauft werden. Der Reinertrag des Verkaufs fließt dem Winterbilfswerk für das Saargebiet zu. Die Sammler tragen schwarz-weiß-rote Arm- binden mit der AufschriftSaar-Ebrendicnst

Ehrendienst für die Saar sei es jedem deutschen Volksgenossen, seine Gabe beizutragen für die Brüder in dem bart umkämpften Abstimmungsgebiet und damit zu bekunden, daß er ihre großen Opfer durch sein kleines unterstützen will.

Eine möglichst vielseitige Produktions­steigerung ist der beste Schutz gegen das Auftreten unverwertbarer Ueberschußmen- gen einzelner Erzeugnisse.