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Zulöaer ^n^cigcr

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Ter Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried­rich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren­klau, Fulda, Königstraße 42, Telefon 2989.

«Tageblatt für R^n und Vogelabety SSBSSs $ulda= und ßaunetal Sutdace Rteisblatt ««.'ÄSaa,

7 Rachiag.DA. XII. 34. 910. Zur Zeit ist

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Nr. 9 12. Jahrgang

Fulda, Freitag, 11. Januar 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Montag abend Abstimmungsergebnis.

Abstimmungsergebnis über alle Sender der Welt.

Die Presse durch die A b st i m m u n g s - k o m m i s s t o n a u s g e s ch a l 1 e t.

Die Abstimmungskommission hat grundsätzlich be­schlossen, das Ergebnis der Volksabstimmung im Saar­gebiet am Montagabend durch den Mund ihres Präsidenten Rohde über alle Sender der Welt verkünden zu lassen. Als amtliche Ergebnisse der 83 Ab- stimmungsbezirke werden nacheinander die Einzclergeb- nisse mit ihren Stimmen für Deutschland, Frankreich und den Status quo sowie die ungültigen Stimmen in deutscher und französischer Sprache bekanntgegeben. Abschließend verkündet Rohde das Gesamtergebnis.

Voraussichtlich werden während der etwa 40 Minuten dauernden Verkündung der Wahlergebnisse sämtliche Telephonverbindungen zwischen dem Saar- gebiet und der Außenwelt gesperrt werden, so daß zur größten Bestürzung der internationalen Weltpresse das Ergebnis zunächst nicht durch ihre Telephone yder Kabel bekannt wird.

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Der englische Botschafter

beim Reichsaußenminister.

Gespräch über die S a a r a b st i m m u n g.

Der englische Botschafter Sir Eric Phipps hat den Reichsminister des Auswärtigen, Freihernn von N cu­rat h, ausgesucht, und angeregt, daß Deutschland als Ratsmitglied an der bevorstehenden außerordentlichen Ratstagung des Völkerbundes teilnehme, auf der die Entschließungen über das Saargcbict auf Grund der Er­gebnisse der Abstimmung gefaßt werden sollen.

Der Reichsminister hat den Botschafter wissen lassen, daß die Reichsregierung, nachdem sie ihren Austritt aus dem Völkerbund erklärt habe, sich aus grundsätzlichen Er­wägungen nicht in der Lage sähe, dieser Anregung Folge zu gebe». Gleichzeitig wurde der englische Bot­schafter daraus hingewiesen, daß Nachrichten hier vor­liegen, wonach die endgültige Entscheidung über das Schicksal des Saargebiets erst in einer späteren Ratstagung erfolgen sollte, daß aber nach Ausfassung der Reichsregierung

ernste Bedenken dagegen bestünden, die Entscheidung über das Schicksal des Saargebiets hinauszuzögern, es inbesondere für die saarländische Wirtschaft schwerwiegende Schädi­gungen mit sich brächte, wenn der ungesunde Zwischen­zustand mit all seinen Unsicherheitsfaktoren über das Maß des dringend Notwendigen hinaus verlängert würde.

Das schutzlose linke Saaruser.

Die Kartenskizze zeigt in dem punktierten Teil da» linke Saaruser, das aus Befehl des französischen Direktors Heimburger der letzten Landjägerposten entblößt wurde.

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Der Termin der Genfer Entscheidung.

Braucht der VölkerbundUnklarheiten"?

Aus gut unterrichteten Kreisen des Genfer Völker- vundssekretariats wird bestätigt, daß der Zeitpunkt der -endgültigen V ö l k e r b u n d s e n t sch e i d u n g über die Saarabstimmung noch ganz ungewiß und vom Ausgang der Volksabstimmung abhängig ist. Bei einer ganz klaren Abstimmung für Deutschland, die nirgends, auch nicht in Teilen des Saargebiets, Zweise' möglich macht, würde eine Entscheidung des Polkerbundsrates etwa acht Tage nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses möglich sein. Dann würde das Dreierkomiiee sofort vom Rat mit der Ausarbeitung der endgültigen Vorschläge beauftragt werden Gleichzeitig könnten die übrigen Maß­nahmen zur Überleitung ohne Zögern in '.Ingritl genommen werden. ._ o

Sollten aber aus Grund des Wahlergebnisses Un­klarheiten übrigbleiben, etwa durch kleine örtliche Mehrheiten für den Status quo, so müßte btt Lage aus Grund der Vertragsbestimmungen erst geprüft werden, was einige Zeit in Anspruch nehmen müßte. Zugleich

wären diplomatische Sondierungen dann nicht aus­geschlossen. Für diesen Fall hält man es danü allerdings auch in Völkerbundskreisen für möglich, daß der Völker bundsrat später, etwa im Februar, zur Entscheidung nochmals einberufen wird.

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Was stellt man sich in Genf unterUnklarheiten aus Grund des Wahlergebnisses" vor und was will man da­mit sagen? Sowohl das in diesem Fall maßgebliche Ver­sailler Diktat als auch die sämtlichen Bestimmungen über die Abstimmung sprechen von nichts anderem als von den drei Möglichkeiten: für Deutschland für den Status quo für Frankreich. In keinem einzigen der entscheidenden Dokumente ist auch nur mit einem einzigen Wort von irgendeiner anderen Möglichkeit die Rede^ also auch nicht vonUnklarheiten", die den Zweck haben könnten, zu allem territorialen Unheil des Versailler Diktates nun etwa noch eine neue widersinnige Gebiets­zersplitterung zu schaffen. Nach Meldungen aus Paris wünscht man dort eine schnelle Lösung der Saarfrage und befürchtet eine Vergiftung der Verständigungsatmosphäre durch eine etwaige Feststellung kleiner örtlicher Status guo- Einsprengsel angeblich. Die von dem Saarbrücker französischen Regierungsdirektor Heimburger veran­laßte Entblößung des ganzen linken Saarufers macht frei­lich durchaus den Eindruck, als wenn dadurch die Schaffung vonUnklarheiten" überhaupt erst vorbereitet werden soll!

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Die Ausschmückung der Saar­abstimmungszüge.

Die Abstimmungszüge dürfen bei Eintritt in das Saargebiet nicht mit Wimpeln, Grünschmuck, Plakaten oder Anschriften (auch im Wageninnern) versehen sein.

Die A u s e n t h a l t e der Züge aus den Grenz­stationen sind sehr Fit r 3 bemessen. Eine Aus-

Verzweifelte Sabotageversuche

der Status-quo-Front. Die Deutsche Front mahnt zur Ruhe.

Saarbrücken, 11. Januar. Pach dem es der Status- quosSront mißglückt ist, durch Provokationen Zusammen­stöße mit den Mitgliedern der Deutschen Front herbei­zuführen und so eine Lage zu schaffen, die die Abstimmung vielleicht unmöglich machen könnte, greift sie nun an­gesichts der geschlossenen und entschlossenen Haltung des größten Teiles der Saarbevölkerung zu neuen Mitteln. Die große Angst vor der Abstimmung am kommenden Sonntag hat sie zu einem neuen Verztoeiftungsschritt ge­trieben, durch den sie die Abstimmung nun mit Sicherheit glaubt sabotieren zu können. Nach einwandfreien Er­mittlungen plant die Einheitsfront, auf ein bestimmtes Stichwort hin am Sonntagmittag ihre Beisitzer aus den einzelnen Mstimmungskokaleu zurüâzuziehen. Da dann die Wahlvvrstände den Bestimmungen nicht mrhr^ent- sprechen und zum Torso würden, wäre damit die Fort­führung der Abstimmung unmöglich gemacht.,Glücklicher­weise ist es gelungen, rechtzeitig hinter diese Machen­schaften zu kommen und Schritte dorzubereiten, die auch diese Dinge unmöglich machen.

Die Status-quo-Front will ihren fein ausgeheckten Plan mit einer Begründung verwirklichen, die die Schuld der Deutschen Front zuschreibt, und zwar will sie durch Provokateure in den Farben Deutschlands flaggen lassen und dann diese Uebertretung des Flaggenverbotes als neuen Terrorakt und als Uebertretung der Abstimmungs­bestimmungen aufziehen. Damit soll dann die Sicherheit der Abstimmung in Frage gestellt sein. Nach dem Motto haltet den Dieb" beklagt sic sich schon jetzt über den Terror" der Deutschen Front und bereitet diesen Schritt für den kommenden Sonntag stimmungsgemäß vor. Sie veranstaltet Presseempfänge für die Auslandspresse und versucht, ihr schon jetzt einen angeblichen Terror der Deut­schen Front zu beweisen. - ,

Die Laudesleitung der Deutsche n iy ront hat des­halb an die Volksgenossen einen Aufruf gerichtet, in dem es heißt:

Die Mitglieder der Deutschen Front sind angesichts solcher Machenschaften der Gegner nun erst recht im Ge­wissen verpflickKet, das Fiaggenverbot streng­stens einzuhalten. Es ist von uns weiter fejtgejtcllt worden, daß die von der Abstimmungskommission für Plakate freigegebenen Tafeln von Angehörigen der gegnerischen Gruppen z e r ft ört oder beschädigt worden sind, um auch diese Frevcltaten Mitgliedern der Deut­scher Front und damit unserer Organisation zur Last zu legen. Alle Mitglieder der Deutschen Front werden auf­gefordert, unverzüglich der Landesleitung der Deutschen Front Mitteilung über vorkommende Beschädigungen von Plakattafeln zu machen. Wer so zur Ermittlung des Täters beiträgt, erhält eine Belohnung von 100 Francs. Dre Zerstörung oder Beschädigung von Plakaten gilt als Sa­botage unseres felsenfesten Willens, Ruhe und Ordnung im Saargcbict aufrecht zu erhalten.

, Volksgenossen! Bleibt in den nächsten Tagen d.en Straße g fern. Alle Mitglieder . der Deutschen

schmücku ng der Wagen kann daher höchstens in ge- ringem Umfange und nur so zugelaffen werden, daß die Ausschmückung beim Übergang der Wagen in das Saargebiet leicht und rasch wieder entfernt werden kann. Namentlich muß es vermieden werden, daß etwa Plakate fest angeklebt werden, und daß Grünschmuck so sest- gebunden wird, daß er nicht ohne weiteres abzunehmen ist. Angesichts der Bedeutung der Saarabstimmung darf er­wartet werden, daß die Reisenden der Abstimmungszüge für die hier nötige Zurückhaltung Verständnis haben.

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Empfang im Begeisterungssturm.

Ankunft weiterer Austanvsdeutscher.

Die Ankunft der einzelnen Sonderzüge mit den ab- stimmungSberechtigren Saardeutschen aus aller Welt ge­staltet sich jedesmal zu einem großen nationalen Volks­fest. Wieder traf in Saarbrücken ein Transport von 6 0 Saardeut fchen aus Südamerika ein. Schon eine Stunde vor Ankunft des Zuges waren der weite Bahnbofplatz und alle anliegenden Straßen mit Menschen dicht gefüllt, und als dann schließlich der Zug einlief und die Saardeutschen aus Südamerika aus dem BahnhosSausgang traten, da liefen ihnen vor Ergriffen­heit über diesen Empfang, den sie nach ihren eigenen Worten nie tm Leben erträumt hätten, die Tränen her­unter. Sie fielen den nächststehenden Saarbrückern um den Hals, und es gab ein herrliches Verbrüderungsfest.

Die Polizei, die unter dem Kommando ausländischer Offiziere mehrere hundert Mann aufgeboten hatte. ver­hielt sich korrekt und zurückhaltend, denn der größte TeU der Beamten sympathisiert ja selbst mit der Bevölkerung und geht deshalb mit aller Schonung gegen Demon­stranten vor.

Im übrigen ist ein stetiges Abbröckeln bei den Ltstus-quo-Parteien zu vermerken, und die Ver­sammlungen z. B des sogenanntenChristlichen Volks­bundes" mußten in den letzten Tagen zum Teil abgesagt werden, weil kein Mensch dazu erschienen war. Die Zahl der Austritte aus diesen Parteien und der Neuanmel­dungen zur Deutschen Front ist stark.

Front werden ersucht, die äußerste Disziplin zu wahren, da der Gegner versucht, Demonstrationen zu inszenieren und dadurch Zusammenstöße beraufzubeschwören. Demon­strationen der Gegner sind sofort der zuständigen Polizei­behörde und der zuständigen Stelle unserer Organisation mit Angabe von Zeugen unverzüglich telephonisch zu mel­den. lleberla^t die Säuberung der errate von den Ruhe­störern und den Mob der Volizei. Die Steigleiter, Orts­gruppenleiter, Zellenleiter und Blockwarte sind dafür ver­antwortlich, daß diese Anordnungen zur Kenntnis aller Mitglieder der Deutschen Front gelangen und auf das strikteste beachtet werden. Wer diesen Anordnungen zu- widcrhandelt. stellt sich außerhalb der deutschen Volks- gemeinschast und ia als Provokateur zu behandeln."

Separatisten provozieren.

Das gewaltsame Eindrinaen einer Werberkolonne mit Werbeeremplaren Der separatistischenNeuen Saarpost" in den Garten des Hauses der Teutschen Front in Saar- brücken führte zur vorübergehenden Besetzung dieses Hauses durch ein Überfallkommando. Tie Wagen des Überfallkommandos vor dem Haus der Deutschen Front. Auf der Straße liegen Eremplare des separatistischen Blanes verstreut.