Zulöaer Anzeiger
Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage: „Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durch „Höhere, Gewalt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Friedrich Ehrenklau, Fulda, König, traste 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehrenklau, Fulda, Königstraße *42, Telefon 2989. —
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal ^ulöaer Kreisblatt Reâaktlon und Shchästsstelle: Königstraße 42 ♦ Zttufprech-ftnphlvß Ur. 2444
Anzeigenpreis: 1 mm Höhe i« der 46 mm breilen Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textieil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Rabatt nach Tarif gewährt, bei zwangsweiser Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. — „DA." XII. 34. 910. — Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 gültig. — Verantwortlich für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach°H.
Nr. 10 — 12. Jahrgang
Fulda, Samstag, 12. Januar 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Boll Zuversicht in den Kampf.
Deutschland blickt auf die Saar.
Die Fronten für die Saarabstimmung sind auf- marschiert: hüben die Saardeulschcn, die seit 15 Jahren um ihre Heimat fechten, und nun zur entscheidenden Offensive antreten; drüben die Trupps und Trüppchen der Statusquoler, der Emigranten, der Separatisten, der Kommunisten, ein paar Franzosen und Französlinge. Hüben Ruhe und Zuversicht, die aus dem reinen Herzen derer kommt, die für eine gute Sache kämpfen und eine heilige nationale Pflicht erfüllen, aber auch jene weitere Zuversicht, die aus dem Bewußtsein der eigenen Stärke kommt. Drüben jene Aussichtslosigkeit, die nach dem ständigen Zerfall der sogenannten „Einheitsfront" während der letzten Monate und Wochen schließlich zu den verzweifeltesten Sabotagemitteln griff.
Wir aber hier im Reich werden an diesem Sonntag in den Stunden der Abstimmung mit dem Herzen bei unseren Brüdern von der Saar sein. Wir können ihnen nicht anders in diesen Stunden helfen als mit unseren heiß mitfühlenden, mitwünschenden Gedanken; aber kämpfen müssen die dort unten allein. Der Ausgang kann nicht zweifelhaft sein. Daß es eine erdrückende Mehrheit für Deutschland geben wird, daran zweifelt man nicht einmal in Paris.
So brennend aber auch das Interesse an dem zahlenmäßigen Ergebnis fein mag, wir wollen mit unseren Brüdern und Schwestern von der Saar nach dem Abstimmungsvorgang vor allem missen, wann die Will- kürgrenzc endlich fällt, und das schleunigst! Dann wird die Stunde kommen, die für alle Willkür, alle fremde Bosheit und Schikane entschädigen wird, wenn es heißt:
Fort mit den fremden Schlagbäumen vom deutschen Boden!
Sekanntgabe des Saaradstimmungs. ergebniffes erst am Dienstag.
Die Saarnbstimmungvkommissivn teilt mit: Aus tcap Nischen Gründen wird die Etimnizählnng erst am Montag um 17 Uhr anfangen. Es ist vorgesehen, daß die Bekanntmachung des Ergebnisses frühestens am Dienstag- morgen 7 Uhr erfolgen wird. Es ist wahrscheinlich, dâß das Ergebnis durch Rundfunk um 8 Uhr bckanntgegcben wird.
Diese Mitteilung ist auf die Erwägung zurück- zuführen, daß sich Schwierigkeiten bei dem Transport der Wahlurnen nach Saarbrücken ergeben könnten. Man glaubt, daß die Wahlurnen erst im Laufe des Montagvormittag in Saarbrücken eintreffen werden. Außerdem muß an der Zählung der Stimmzettel eine Reihe von Beamten der Abstimmungs- und Regierungskommission teilnehmen, die am Sonntag bis zum späten Abend mit den Protokollen beschäftigt sind und denen man am Montagvormittag Ruhe gewähren will. Weiter hat man auch aus Gründen der Sicherheit und Ordnung im Saargebiet den Wunsch, die Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses auf den frühen Morgen des Dienstag zu verlegen.
*
Der D e u t s ch e R u n d f u n k wird am Sonntag von der Abstimmung an der Saar stündlich besondere H ö r b e r i ch t e senden.
*
Saarbrücken, 12. Januar. Nach einer am Freitag ausgegebenen amtlichen Verlautbarung der Abstimmungs- tommission wird der Vorsitzende der Abstimmungskom- mission am Dienstagtnorgcn 2 Uhr der Presse bekannt geben, für welche Stunde mit der Uebermittlung des Wahlergebnisses über sämtliche Sender zu rechnen ist. Die Abstimmnngsiommifsion wird die einzelnen Ergebnisse der BürgermeTtekeien, beginnend mit der Stadt Saarbrücken, und anschließend die acht Landkreise des Saar- gebietes veröffentlichen. Zum Schluß wird sodann das offiziöse Gesamtergebnis bekannt gegeben.
*
Genf hat nichts zu „entscheiden".
Sondern die Abstimmung nur zu beglaubigen.
Die ablehnende Antwort, die Reichsautzenminister v. Seurat h dem englischen Botschafter auf die Einladung zur Teilnahme an der Völkerbundsratssitzung über die Sacirabstiminung gab, hat wohl weder in London noch in Paris überraschen können. Ma«« kennt dort bic Gründe für dèn Austritt Deutschlands aus Völkerbund und Abrüstungskonferenz genau so gut wie wir selbst. Es märe ja auch allzu naiv, anzunelnncn, daß Denischland gerade jetzt, mo es in ausgezeichneter Lage der ^aar abstimmung entgegensehen kann, sich gewissermaßen unter Druck setzen ließe und von sich aus einen Präzedenzfall für eine spätere Erörterung der Rüstungs- fragen schaffen könnte. Solange man sich in Genf weder zu einer Anerkennung der tatsächlicher« Gleichberechtigung noch zu einer Reform des sogenannten Völkerbundes entschliessen kann, hat Deutschland keinen Anlaß, seine Haltung einer Revision zu unterziehen. Mit Ver- sprechungen auf lange Sicht ist es nicht mehr zu ködern,
Die Londoner Presse nimmt denn auch die Ablehnung ruhig, zuin Teil sogar verständnisvoll auf. Sogar die offiziöse „Times" nennt die deutsche Antwort „u n v e r m e i d l i ch". Auch England weiß genau so gut wie jeder andere, daß das, was man in der Genfer Ausdrucksweise die Völkerbunds-„Entscheidung" zu nennen beliebt, gar keine Entscheidung, sondern ein rein f o r = m eller Vorgang ist. Denn
die Entscheidung selbst ist dann bereits durch die Saarbevölkcrung gefallen,
und die Genfer Institution hat dann keine andere Fun- lion weiter, als den Notar zu spielen, der die von den Saardeutschen gefällte Entscheidung beglaubigt. Man darf in Genf nicht vergessen, daß die früher gar nicht bestehende Saarfrage einzig und allein durch das Versailler Diktat geschaffen wurde, und daß Deutschland dabei der Gläubiger und der „Völkerbund" (sprich: Frankreich) der Schuldner ist.
Daß man sich in Paris trotz der Selbstverständlichkeit der Antwort Neuraths erbost stellt, und daß beispielsweise das alte Scharfmacherblatt „Echo de Paris" heftige Drohungen hervorsprudelt, ist dort Gewohnheitssache und daher nicht weiter ernst zu nehmen. Demgegenüber ist die Stellungnahme des „Oenvre" bemerkenswert, das schreibt, die Stellung des Reiches sei gegenwärtig vorzüglich und Deutschland halte sich an diese Tatsache. Man wird das am Quai d'Orsav nicht gern lesen, noch , weniger aber solche Ausführungen wie etwa die im Leitartikel der Londoner „Daily Mail", in dem es u. a. heißt:
„Solange das Saargebiet von Deutschland abgetrennt ist, besteht unvermeidlicherweise eine Gefahr für den Frieden. Die Kricgswolke, die über Europa hängt, wird sich am Sonntag heben, wenn eine überwältigende Mehrheit von Saarländern für die Rückkehr ihres Gebietes zu Deutschland stimmt. Europa hofft, daß bi? Frage am Sonntag endgültig zugunsten Deutschlands entschieden werden wird."
*
Verlängerung der Vollmachen des Saar-Oreierkomilees.
Wie aus Genf ferner gemeldet wird, ist überraschenderweise für Sonnabend mittag eine Tagung dès Völker bundsrates anberaumt worden, die, wie verlautet, dem einzigen Zweck bient, die Vollmachten des Dreier komitees über die Saarabstim- m ung hinaus zu verlängern. Das Dreierkomitee wird also ait den Entscheidungen über die Saar auch weiterhin mitwirken.
ung des Führers
Lie Zustii
'M!
Neustadt (Hardt), 12. Januar. Der Führer und Reichskanzler hat dein Saarbevollmächtigten Gauleiter Bürckel 3U den Ausführungen seiner Rede in Kaiserslautern über die künftig im Saargebiet zu verfolgende Politik der Versöhnung seine volle Zusttmmung ausgesprochen.
Ir. 6W über die
Eine Unterredung mit dem Vertreter des „Paris Soir".
Der Außenpolitiker des „Paris Soir", Sauer- mein, wurde auf seiner Informationsreise durch Deutschland auch vom Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Dr. Schacht empfangen, mit dem er sich über verschiedene Fragen des Wirtschafts- und Finanzlebens unterhielt.
In dieser Unterredung hat Dr. Schacht dem Vertreter des Blattes u. a. erklärt, daß Deutschland mit seinen ausländisch e n Devise n so sparsam wie möglich umgehen und es verhindern müsse, daß die Mark im Ausland umlaufe, solange Deutschland gezwungen fei, auf der Grundlage des Warenaèausches von der Hand in den Mund zu leben.
Mit bem Tage, an dem die allgemeine Weltlage sich ändere und er nicht mehr an die deutschen Schulden zu denken brauche, »verde er am andern Morgen die deutsche Wirtschaft unb den Dcviscnumlauf von ihren Beschränkungen befreien. Die Schulden aber müsse und wünsche er zu bezahlen, doch könne er dies nur, wenn die finanziellen Vorschriften lückenlos durchgeführt würden. Den Leidensweg der Kreditpolitik «volle er nicht erneut be schreiten.
Dr. Schacht wünsche, so sagt Sauerwein weiter, daß sich der Handel zwischen Deutschland und Frankreich in Gestalt eines Warenaustausches und nicht etwa in Form von finanziellen Transaktionen unter Beanspruchung von Krediten âbwickele. Der Reichsbank Präsident fei ferner der Ansicht, daß die Politiker durch Abkommen über die Rüstungen und die Sicherheit
Das Zentrum des Abstimmungskampfes, das schöne Saarbrücken, von dem unser Bild zwei Wahrzeichen wiedcrgibl: das Schloß und das Ebrenmal für die im Weltkrieg gefallenen Saarbrücker.
• *
Saargediet geschloßene Einheit im neuen Reich
Bürckel Reichsiommüfar für die Rückgliederung.
Berlin, 12. Januar. Amtlich wird mitgeteilt:
„Das Saargebiet wird bei der Rückgliederung in der geschlossenen Einheit übernommen werden, in der es in den Jahren des Kampfes um sein Deutschtum zufammen- gestanden hat.
Saar und Pfalz werden ferner zu einem einheitlicher Gau der NSDAP unter dem Gaulerter des Gaues Rhein- Pfalz, Josef Bürckel, zusammengefaßt werden. Gauleiter Bürckel, der Saarbevollmächtigte des Reichskanzlers, ist zugleich zum Reichskommissar für die Rückgliederung des Saargcbietès bestellt worden."
eine Atmosphäre des Vertrauens vorbereiten müßten, ohne die eine Annäherung nichr die gewünschien Folgen haben würde. Wenn die französisch-deutschen Beziehungen auf allen Gebieten von deinselbwi^ Geist getragen würden wie die B e z i e b u n g e n D r. Schachts zur Bank von Frankreich, so würde eine, ganze Reihe von Fragen, deren Lösung heute schwierig erscheine, m i t Leich 11 gkeit geregelt werden können.
Dr. Schacht wies dann im weiteren Verlauf der Unterredung auf eine über den Straßburger Sender gehaltene Rundfunkrede hin, in der die Saarbevölkcrung anfgeforbert worden sei, die französischen Franken rechtzeitig beiseite zu schaffen, weil sie sonst von der ReichS- regicrung beschlagnahmt würden.
Der Redner habe dabei nur vergessen, daß nach dein deutsch-französische«« Abkommen Frankreich für seine Domanialgruben ja nur so viel Franken in bar er- balten solle, wie sich im Saargebiet befinden und den Restbetrag in Koblen übernehmen müsse. Es sei aber selbstverständlich, daß Frankreich Bargeld vorziehe. Der Redner am Straßburger Sender habe daher durch seine Ausführungen F r a n f r e i ch selb st geschädig t. Dr. Schacht habe diesen Widerspruch der Bank von Frank reich mitgeteilt unb seither hätten diese Ratschläge auf gehört. Alle diese Angelegenheiten seien leicht tu regeln, wenn man sich verstehe und sich gegenseitig schätze.
Sauerwein zieht auS der Unterredung die Schlußfolgerung,
daß die deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen sicherlich n och weiter a u s g e b a u t werden könnten, aber nur unter der Bedingung, daß Frankreich auch stark sei und daß es m i t ebensoviel Sachkeu n : n i s u n d W illetlskraf 1 wie Deutschland regiert würde.