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gmoaer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lleferungsbehinderung durchHöhere Ee- walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried­rich Ehrenklau, Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren­klau, Fulda, Königstraße 42, Telefon 2989. -

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Nr. 14 12. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, 17. Januar 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

MachtFrankreichneue Schwierigkeiten?

Die Genfer Ratstagung plötzlich verschoben. .

Um den Zeitpunkt der Rückgliederung.

Die für Mittwoch angesetzte Ratstagung ist plötzlich verschoben worden. Es verlautet in Völkerbundskrcisen, daß gewisse Schwierigkeiten entstanden sind und daß man von neuem über den vorzitlegenden Bericht verhandelt, wie cs heißt, auch mit Deutschland.

Bisher hatte man in manchen Kreisen des Völker­bundes so getan, als ob es völlig genüge, sofort die grundsätzliche Entscheidung über die spätere Souveränität im Saargebiei zu treffen, die Feststellung des Zeit­punktes der Rückgliederung und vieles andere aber zu verschieben. Diese Sicherheit wird nun nicht mehr zur Schau getragen.

Die unerwartete Verschiebung hat im Völkerbunds- palast große Spannung und Erregung hervorgerufen.

Niemand bezweifelt in Genf, daß der Völkerbunds­rat einstimmig beschließen wird, daß aus dem Ergebnis der Abstimmung im Saargebiet nur die eine Folgerung gezogen werden kann:

ungeteilte Rückkehr der Saar ins Deutsche Reich.

Diese große Frage ist nicht durch die diplomatischen Ver­handlungen, sondern einfach durch den überwältigenden Wahlsieg der deutschen Sache und durch eine Willens­äußerung des Saarvolkes, die keine Aus- legungsversüche mehr möglich macht, entschieden worden. Von keiner Seite, auch nicht aus den deutschfeindlichsten Winkeln in Genf, kann man mehr Stimmen hören, die sich für eine andere Deutung der Abstimmung aussprechen. Das alles ist schon fast zur Selbstverständlichkeit geworden.

Um so größeres Interesse erregt in politischen Kreisen die Frage des Zeitpunktes der Rückgliederung.

Es ist Dur langsam durchgcsickert und wird Hurch Meldun­gen aus London bestätigt, daß hauptsächlich von französi- scher Seite noch eine Reihe von Fragen ausgeworfen sind, die man von dieser Seite vor der Bestimmung des Zeit­punktes für die Rückgliederung mit Deutschland regeln will. DasJournal des Nations" behauptet heute sogar schon, daß es nicht möglich sei, einen vor dem 1 5. März liegenden Zeitpunkt ins Auge zu fassen (!). Die Havas-Meldnng aus London, wo­nach man in englischen Kabinettskreisen über diese Ver­zögerung beunruhigt sei und befürchte, daß sich daraus eine neue Spannung und neue Unruhen im Saargebiet er­geben könnten, wird hier stark beachtet. In Völkerbunds- freifen wird auch über die Frage der

Entmilitarisierung des Saargebiets

eifrig diskutiert. Von französischer Seite sucht man den Eindruck zu erwecken, daß es sich hier um eine Selbstver­ständlichkeit und eine reine Formalität handele. Damit steht aber die Art, wie diese Frage hier hinter den Kulissen betrieben wird, und die Absicht, eine besondere Be­stätigung dieser Entmilitarisierung der Saar durch den Völkerbundsrat zu erhalten, offensichtlich in Wider­spruch. Gelegentlich kann man in Genf auch die Meinung hören, daß L a v a l, der wegen des Ausganges der Saar- abftimnuing gewissen Angriffen in der französischen Presse ausgesetzt gewesen ist. sich

aus inncrpolitischcn Gründen

veranlaßt gesehen hat. nun noch Schwierigkeiten bei der Festsetzung des Zeitpunktes zu machen und neue Fragen aufzuwerfen. Wie es heißt, haben die Franzosen nicht nur eine generelle Anerkennung der Entmili­tarisierung des Saargebietes durch Deutschland verlangt, sondern

eine ganze Anzahl konkreter Forderungen

gestellt. So soll es sich, wie man es aus früheren Jahren noch kennt, sogar um Niedèrlegung von Bahn- rampen, Zerstörung von B a h ng l e i s e n und dergleichen handeln.

In neutralen Kreisen gibt man der Hoffnung Aus­druck, daß Frankreich die hoffnungsvollen Ansätze zu einer europäischen Verständigung, die jetzt vorhanden sind, nicht zerstören werde.

*

Riilkgliederung der Saar am 1. März? Die Genfer Verhandlungen vor dem Ab- s ch l n ß. Laval antwortet d e m Führer.

In gutunterrichteten Völkerbundskreiseu in Genf wird jetzt versichert, daß die Verhandlungen über die Frage des Zeflp»»ttcs für die Rückgliederung der Saar gute Fortschritte gemacht haben und vor dem Abschluß stehen. Für Donnerstag, den 17. Januar, ist eine Tagung des Völkerbundsrates angesetzt, in der, wie man hort, nie grundsätzliche Frage der Rückgliederung der Saar nach Deutschland gleichzeitig mit der Festsetzung des Ze - Punktes geregelt werden soll. Es würde also keine ^rin- n«ng dieser Fragen mehr stattfiudcn. AlS Zeitpunkt der Rückgliederung soll, wie von französischer Seite versichert wird, der 1. März in Aussicht genommen sein.

Jedoch wird hinzugefügt, daß der SeUpunTt tu der Annahme in Anssicht genommen worden ist, daß ms oa- hin alle noch ausstehenden Fragen geregelt sind.

Wie man weiter hört, wird der franjoim-H -uu^u Minister Laval, wenn es zu einer EMtgtMü kcilrutt,

Donnerstag im Völkerbundsrat eine kurze Erklärung ab­geben, die zugleich eine Antwort auf die Rede des Führers bildet.

Der Dreierausschuß für die Saar hielt am Mittwochnachmittag eine Sitzung ab. Baron Aloisi teilte mit, daß der Bericht an den Völkerbundsrat in eine neue Form gebracht worden sei. Einzelheiten wurden nicht bekanntgegeben.

Daraus geht hervor, daß die von französischer Seite stammende Meldung, daß mit Deutschland alles geregelt sei, zum mindesten verfrüht ist. A u f d e u t s ch e r Seite hat man bisher die endgültige Fassung der von der Gegenseite ausgearbeiteten Vorschläge noch nicht in Hän­de». Sie wird außerdem erst geprüft werden müssen.

*

Die Vorschläge der RatrmSchte

Die Reichsregierung um Stellungnahme ersucht.

Genf, 17. Januar.

Die Vorschläge der Ratsmächte, die aus schuß ausgearbeitet worden sind, den deutschen Konsul zur Prüfung gegeben worden. Man erwartet eine Donnerstag mittag.

Laval ist optimistisch.

vom Dreier- sind jetzt durch nach Berlin Antwort bis

Der in Genf weilende französische Außenminister Laval äußerte französischen Journalisten gegenüber, er hoffe, daß es bis Donnerstag zu einer Einigung mit Deutschland kommen werde. In diesem Falle könne man die Saarfrage noch nachträglich auf die Tagesord­nung des Völkerbundsrates setzen. Auf jeden Fall hoffe er, daß bis Ende dieser Woche die ganze Saarfrage vor dem Rat erledigt werden könne.

Die französischen Forderungen.

Die Vertagung, der GLuser. Ratsentscheidung über die Rückgliederung des Saargebietes, die auch für London überraschend kam, ist nach englischen Meldungen durch

Nur eine Gleichberechtigung!

Hitler über das politische

, Saarergebnis.

Der Führer und Reichskanzler gewährte dem Korrespondenten der Hearst-Presse, Pierre Huß, folgen­des Interview:

Frage: Was halten Sie, Herr Reichskanzler, von dem Ergebnis der Saarabstimmung?

" Der Führer antwortete: Das Abstimmungsergeb­nis erfüllt mich, wie jeden einzelnen meiner Mitarbeiter, mit unendlichem Stolz auf das deutsche Volk. Es ist zugleich

eine nachträgliche Verurteilung des Friedens- vertrages von Versailles

von wahrhaft geschichtlichem Ausmaß. Denn in diesem Vertrag wurde dieses Gebiet von Deutschland gerissen mit der Behauptung, es lebten in ihm 150 000 Franzosen. Nach fünfzehnjähriger Herrschaft des Völkerbundes und damit letzten Endes doch Frankreichs wurde nunmehr festgestellt, daß nicht 150 000, sondern knapp 2000 Fran­zosen in diesem Gebiet ansässig sind, d. h. auf 1000 Saar- einwohner kommen noch nicht einmal vier Franzosen. Kann man sich da wundern, daß ein Vertrag, der a u s so unwahren Argumenten aufgebaut ist, der Menschheit kein Glück und keinen Segen zu bringen vermag? ,

fraget Werden die Sozialdemokraten ober auch Kom­munisten des Saargebiets und andere nicktnationalsozialistische Saarbewohner, die für Deutschland gestimmt haben, künftig wegen ihrer früheren politischen Haltung irgendwelche Schwic rigleiten zu befürchten haben?

Der Führer antwortete: Ich habe vor sechzehn Jahren mit sechs M a n n meinen Kampf um Deutsch land begonnen, ix h. also meinen Kampf um das deutsche Volk. Die Zahl meiner Anhänger und damit der An­hänger der nationalsozialistischen Bewegung des neuen Staates ist seitdem ans nahezu 3 9 Millionen gc« ft t c g e n. Glauben Sic, daß alle diese Menschen früher etwa keine Parteizugehörigkeit gehabt hatten? Nein, sie alle rechneten sich einst zu irgendeiner Bewegung. Sie fütb mühevoll und langsam der nationalsozialistischen Idee erobert worden. Und diesen Kampf um die Seele unseres Volkes geben wir auch heute nicht auf.

Wir fragen daher nie, waS der einzelne früher toar, sondern nur um das, was er heute sein will.

So ist eS uns gelungen, die sich befehdenden deutschen Parteien aufzulösen und eine wahrhafte Volksyemem- schaft berzustellen. In ihr leben ehemalige Kommunisten und Zentrumsanhänger heute in g e m einsame tu Kampf für den nationalsozialistischen Staat, das neue Reich Ein Teil dieses Reiches aber ist das Gebiet an der

Saar, und ein Teil unseres Volkes sind dessen Bewohner

Frage: Sie haben, Herr Reichskanzler, oft erklärt, das nach der Beilegung der Saarsrage das letzte Hindernis fih freundschaftliche Beziehungen mit Frankreich beseitigt sein würde. Haben angesichts Ihrer unermüdlichen weiteren

Die Saar feiert ihren großen Sieg.

Die Saarländer begrüßen an der Zollgrenze bei Homburg ihre deutschen Brüder mit dem Teutschen Gruß.

unerwartete Schwierigkeiten verursacht worben, über die ein Genfer Reuterbericht Ausschluß gibt.

Danach haben die Franzo'en nicht nur die Frage der Entmilitarisierung des Saargebietes auf- geworfen, sondern auch die Zerstörung der angeb­lichen strategischen Eisenbahnen im Saargebiet und aller Dahnhofsanlagen gefordert, die für die Ent­ladung von Truppentransportzügen geeignet seien. Auch gewissen Brücken und Kanälen im Saargebiei spra­chen die Franzosen eine gewisse strategische Bedeutung zu.

Bon zuständiger englischer Steile wurde hierzu erklärt, daß die Frage der Einbeziehung des Saargebietes in die entmilitarisierte Zone durchaus lösbar sei, da auch von deutscher Seite keine rechtlichen Einwendungen gegen die Ausdehnung der entmilitarisierten Zone auf das Saargebiet erhoben werden könnten. Auch die französi­schen Forderungen hinsichtlich gewisser Festungswerke und Bahnlinien werden an maßgebender e teile in London nicht für schwerwiegend genug erachtet, um die Bekannt­gabe des Zeitpunktes für die Rückgliederung über Gebühr hinauszuzögern.

Verfolgung dieses Zieles im Interesse des Weltfriedens einer konkreten Plan im Auge?

Der Führer antwortete: Ich habe oft erklärt, daß nach der Rückkehr des Saargebictes Deutschland keine territorialen Forderungen mehr an Frankreich stellen wird. Ich habe diese Erklärung heute vor aller Welt verbindlich wiederholt. Es ist dies ein geschicht­lich schwerer Verzicht, den ich damit im Namen des deutschen Volkes ausspreche. Ich tue es, um durch dieses schwerste Opfer beizutragen zur Befriedung Europas. Mehr kann man von Deutschland nickt ver­langen. Es liegt nun an der übrigen Welt, die Konsequenzen aus einem solchen Entschluß zu ziehen. Niemals werde ich oder wird das neue Deutsche Reich aber einwilligcn in eine Schmälerung der Rechte unseres Volkes. Wir wollen friedlich sein, aber unter gar keinen Umständen ehrlos.

Wir sind bereit zu einem sehr großen Opfer, aber niemals zum Verzicht auf unsere Freiheit.

Wir lehnen jeden Unterschied zwischen moralischer und sachlicher Gleichberechtigung ab,

es gibt nur eine Gleichberechtigung, und diese ist daS Recht eines souveränen Staates und einer souveränen Nation. Wenn die Welt dieses anerkennt, bedarf es keiner großen Pläne, um den Frieden Europas zu stabilisieren.

F r aa e : Haben Sie, Herr Reichskanzler, nach Ihrem großen Erfolg in der Saarabstimmung etwas' sagen, was von besonderem Interesse gerade für das amerikanische Voll sein könnte?

Der Führer antwortete: Ich hätte an das amerika­nische Volk nur eine einzige Bitte zu richten. Millionen amerikanischer Bürger werden seit Jahren und in den letzten Monaten über die Saar das Gegenteil von dem gehört und gelesen haben, was jetzt durch diese freie, offene Wahl bekundet ist.

Ich würde glücklich sein, wenn man dies erkennen wollte, um auch in Zukunft den beruflich internationalen Brunnenvergiftern und Heuern unserer Emigranten fein Wort mehr zu glauben. So wie sie über tue Saar ge­logen haben, lügen sic über Deutschland und belügen damit praktisch die ganze Welt. Das amerikanische Volk sollte nur Augenzeugen über Deutschland hören und, wenn möglich, nach Deutschland kommen, um sich das Bild von einem Staat zu machen, für dessen Regime heute die über- wältigende Mehrheit einer Ration cintritt.

Frankreichs Sstvakt-Antwort in Berlin überreicht.

Der französische Botschafter in Berlin übergab im Auswärtigen Amt die französische Stellung- nah m c zu dem deutschen Memorandum vom & Sep­tember v. I. betreffend den sogenannten Ostpatt.