Einzelbild herunterladen
 

Zulöaer Anzeiger

(ßTXhetnt reden Werktag. Wochenbeilage: Der Sonntag''- Bezugspreis: monatlich 170 RM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere, Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Frted- HA Ehrenklau, Fulda, Koncgstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H Hauptschri tleiter Frredrrch Ehren­klau Fulda, Königstraße 42, Tele on 2989. -

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg SMMWIL Zulba- und Haunetal * ZulSaer Kreisblatt ZMDNM^VM '" "» «**: ««"'-"-°»° « M^R.W »-. ^ Ä^Ä "ÄÄ

Nr. 16 12. Jahrgang

Fulda, Samstag, 19. Januar 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Frieden und Freiheit

will das deutsche Volk. - Neues Friedensbekenntms des Führers.

München, 19. Januar.

Am Donnerstag gewährte der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler dem bekannten englischen Journalisten und Vertreter der Rothermere-Presse, Mister Ward Price, ein Interview, in dem er sich zu einer Anzahl außen- politischer Fragen äußerte. Ward Price richtete folgende Fragen an den Führer:

Unter welchen Bedingungen kann Deutschland zum Völkerbund zurückkehren?"

Der Führer antwortete:Ich und niemand in Deutsch­land denken daran, für einen eventuellen Wiedereintritt in den VölkerbundBedingungen" zu stellen. Ob wir noch einmal in diese Korporation zurückkehren oder nicht, hängt ausschließlich davon ab, ob wir ihr als v o l l - ständig gleichwerttge Nation angehören können. Dies ist keineBedingung", sondern einfach eine Selbst­verständlichkeit. Entweder sind wir ein souveräner Staat, oder wir sind es nicht. Solange wir dies nicht sind, haben wir in einer Gemeinschaft souveräner Staaten nichts zu suchen. Solange die nationalsozialistische Be­wegung Deutschland führt und das wird für die nächsten paar Jahrhunderte der Fall sein, auch wenn unsere Emi­granten noch so oft das Gegenteil beschwören wird sich an dieser Einstellung nichts mehr ändern. Im übrigen habe ich dies bereits in meiner Mairede 1933 ausdrücklich erklärt. Ich möchte dabei betonen, daß die Unterscheidung inmoralisch" gleichberechtigt undsachlich" gleich­berechtigt vom deutschen Volk als eine Beleidigung empfunden wird. Ob 69 Millionen Menschen auf dieser Welt moralisch gleichberechtigt find oder nicht, kann letz­ten Endes n cmand entscheiden als höchstens das be­troffene Volk selbst. Entweder man ist sachlich gleichberech- t-gt, dann muß man es auch von vornherein sein, und wenn man umgekehrt moralisch einmal gleichberechtigt ist bleibt cs unverständlich, wieso man dann die fachliche Gle:chberechtigung bestreiten oder einfach verweigern kann."

Frage:Wird dazu nötig sein, die Trennung der allgemeinen Völkerb undsbest im­mun gen vom Versailler Vertrag durchzu­führen?"

Der Führer antwortete:Solange der Völkerbund nur ein G a r a n t i e v e r b a n d von Sregermächten ist, führt er seinen Namen überhaupt zu Unrecht. Daß auf die Dauer dieser Bund der doch dem Willen der Gründer nach vermutlich eine Ewigkeitserscheinung sein soll nicht verkoppelt werden kann mit einem Vertrag, dessen zeitliche Begrenzung schon in seinen inneren Gebrechen und Unmöglichkeiten liegt, kann vielleicht von den der­zeitigen Interessenten bestritten werden, wird aber einst geschichtlich als selbstverständlich gelten."

Frage:Sollte die Anerkennung der Gleich- berechtigungim voraus stattfinden, oder könnte die Gewährung der Gleichberechtigung und die Rück­kehr gleichzeitig erfolgen?"

Der Führer antwortete:Die deutsche Gleichbe­rechtigung ist die Voraussetzung für jede Beteiligung Deutschlands an internatio­nalen Abmachungen und Vereinbarungen. Mit dieser Forderung stehe ich keinesfalls vereinsamt in der Welt da, sondern ich befinde mich in der anständigsten Gesellschaft. Denn: kein Volk von Ehrgefühl und keine Regierung von Pflichtbewußtsein könnten hier anders denken oder gar anders handeln. Auf der Welt sind schon sehr viele Kriege verloren gegangen. Wenn man nach leoem verlorenen Krieg in der Vergangenheit dem un­glücklich Unterlegenen für immer seine Ehre und seine Gleichberechtigung aberkannt hätte, müßte der Völkerbund chon jetzt mit lauter Nichtgleichberechtigteu und damit letzten Endes ehrlosen und minderwertigen Nationen vor- neb nehmen. Denn es gibt ja kaum einen Staat oder eine Jatwn, die nicht einmal das Unglück hatten, selbst wenn tausendmal im Recht waren, einem stärkeren Gegner

einer stärkeren Koalition zu unterliegen. Bisher hat sich dreser gräßliche Unsinn in der Welt noch nicht ein- zndurgern vermocht, und wir sind entschlossen, dafür zu

M Deutschland nicht das erste Exempel für die Einführung eines solchen Wahnsinns abgibt."

Frage:Finden Ew. Exzellenz nicht, daß die Re­form des Völkerbundes dringend notwendig ist? Wie könnte man das praktisch in die Wege leiten?"

Der Führer antwortete:Da wir ohnehin nicht im Völ­kerbund find, beschäftigen wir uns auch nicht mit Ge­danken über seine inneren Reformen."

Frage:Eine hochstehende politische Persönlichkeit in Frankreich sagte mir neulich:Ja, wir glauben, daß Deutschland eine Politik der Versöhnung nur solange treiben wird, bis die Reichswehr sich in der Lage fühlt, einen Krieg erfolgreich führen zu können." Man befürchtet in Frankreich, daß die A n n ä He­rr: u g s b e st r e b u n g e n an die französischen Front- kämpserverbände nur eine Tarnung sind, hinter der die zukünftigen aggressiven Absichten verborgen wer­den sollen. PZelchès ist Euerer Exzellenz Erwiderung Zu diesen Befürchtungen?"

Der Führer antwortete:Dieser Politiker hat noch nie ein Volk geführt. Oder könnte er sonst glauben, daß man ein Jahrzehnt lang vom Frieden reden kann, um dann plötzlich mit demselben Volk so mir nichts dir nichts eine- Krieg zu beginnen?

Wenn ich vom Frieden rede, drücke ich nichts anderes aus, als was der trefinnerste Wunsch des deutschen

Volkes ist.

Ich kenne die Schrecken des Krieges. Gemessen an seinen Opfern sind alle Gewinne unbefriedigend. Die katastropha­len Folgen einer solchen allgemeinen europäischen Schläch­terei würden in Zukunft noch schlimmere sein. Ich glaube, daß der kommunistische Wahnsinn der ein­zige Gewinner wäre. Ich habe aber nicht 15 Jahre dagegen gekämpft, um ihn dann auf einem Umweg erst recht auf den Thron zu heben. Was ich will, ist das Glück meines Volkes. Ich habe nicht gesehen, daß der Krieg das höchste Glück ist, sondern im Gegenteil, ich sah nur trefstes Leid.

Ich spreche daher zwei Bekenntnisse ganz offen aus:

1. Deutschland Wird von sich aus niemals den Friesen brechen und 2. wer uns ansatzt, greift in Dornen und Stacheln.

Denn ebenso, wie wir den Frieden lieben, lieben wir die Freiheit. Wenn ich auf der einen Seite, ohne dazu gezwungen zu sein, Frankreich namens des ganzen deut­schen Volkes d'e Versicherung abgebe, daß wir keine ter­ritorialen Forderungen mehr erheben werden und damit durch uns selbst jede Revanchevoraussetzung beseitigen, so gebe ich auf der anderen Seite aber genau so die heilige Versicherung ab, daß uns keine Not, kein Druck und keine Gewalt jemals zum Verzicht auf unsere Ehre und unsere Gleichberechtigung bringen werden. Ich halte eine solche Feststellung für notwendig, denn

Verträge haben überhaupt nur einen Sinn zwischen ehrliebenden Völkern und ehrbewußten Regierungen.

Deutschland aber möchte ein ehrliches Verhältnis zu den Nachbarvölkern herstellen. Wir haben dies im O st e n getan, und ich glaube, daß man nicht nur in Berlin, son-

Emigrantenflucht als Rohstoff für neue Greuelmärchen.

Nach amtlichen Angaben von der französisch-saar­ländischen Grenze hatten bis Donnerstag abend 8 Uhr 4 7 4 Emigranten die französische Grenze über­schritten. Die Pariser Presse muß zugeben, daß es nirgends zu ernsten Zwischenfällen gekommen ist.

*

Gewisse Teile der Auslandspresse, die sich mit ihren Vorhersagen über den Ausfall der Abstimmung genau so schwer blamiert hatten wie mit ihren Schilderungen über die Abstimmnngszeit, haben schnell ein neues Gebiet für Greuelmärchen gefunden. Sie füllen die Spalten ihrer Blätter mit Heulen und Wehklagen über die armen Emigranten und tun so. als wenn die Flucht dieser Vaterlandsverräter aus dem Saargebiet nach der Abstim­mung nun eine Tragödie von unvorstellbarem Ausmaß wäre. Erfreulicherweise findet sich in der englischen Aus­gabe derEvening News" eine wohlverdiente Abfuhr für diese neue Art von Brunnenvergiftung: das Blatt stellt fest, daß esvor allem die märchenerzählenden Sonder­berichterstatter weiblichen Geschlechts" sind, die die auf­gebauschtesten Unwahrheiten in dieser Frage verbreiten, sie hätten aus den bisher noch nicht einmal 500 geflüchte­ten Saaremigrantenweinende Tausende" gemacht und u. a. geschrieben, es handle sich umden traurigsten An­blick, den die Welt je erblickt har".

Es ist nicht anzunehmen, daß ein derart verlogenes Geschreibsel nach den durch die Abstimmung geschaffenen Enthüllungen über diese Art vonJournalisten" noch Glauben in der Welt finden wird. Aber man muß doch bei dieser Gelegenheit daran erinnern, daß niemand in der Welt eine Hand gerührt hat, als in Verfolg der Aus­wirkungen des Versailler Dikta «es ungezählte Hnnderttausende deutscher Familien von Haus und Hof vertrieben wurden. Und damals handelte es sich n i ch t um vaterlandsloses Gesindel wie bei diesen Emigranten, Denunzianten und Spitzeln, denen die Saardeutschen nun mit dem Stimmzettel die Tür gewiesen haben.

*

HerrAicklaus geht schleunigst inUrlaub"

Schon sechs Wochen vor dem 1 März.

Wie wir erfahren, har der Eisenbahnpräsidenl im Saarland, R i ck l a n s, die Geschäfte als Präsident der Saarbahnen offiziell seinem Vertreter, Direktor Muenzer, übergeben. Nicklaus legte beim zuständigen Minister der Regierungskommission ein Urlaubsgesuch vor, das ihm auch bewilligt wurde.

Auszug aus dem Saarland.

Emigranten und Grenzbeamte an der saarländisch-franzö­sischen Grenze bei der Paßkontrolle.

dern auch in Warschau über die uns gemeinsam gelungene Entgiftung der Atmosphäre glücklich sein wird. Ich bin weiter überzeugt, daß, wenn man erst einmal diesen Weg des gegenseitigen Verstehens und der Rücksichtnahme beschritten hat, dabei am Ende mehr herauèkommt als durch noch so umfangreiche, aber inner­lich unklare Pakte. Jai werde es mir jedenfalls tausend­mal überlegen, das deutsche Volk in Abmachungen ver­stricken zu lassen, deren Konsequenzen nicht ganz eindeutig zu übersehen sind. Wenn wir schon aus eigenem Willen keinen Krieg zu führen beabsichtigen, dann aber noch viel weniger für fremde, Deutschland nicht bewegende Inter­essen. Im übrigen haben wir schon öfter als einmal uns bereit erklärt, mit den um uns liegenden Staaten ver­pflichtende Nichtangriffspakte abzuschließem"

Nicklaus war bekannt als unbedingter Parteigänger Frankreichs. Er hatte u. a. noch bei der letzten Massen­kundgebung der Deutschen Front vor der Abstimmung versucht, die Gestellung der für den Antransport nötigen Züge zu hintertreiben, während er für die gleichzeitige Kundgebung derEinheitsfront", der Statusquoler, keinerlei Schwierigkeiten bahnrecknischer Art sehen konnte. Jetzt flüchtet er von seinem hochbezahlten Posten, ohne den Ablauf der Fremdherrschaft zum 1. März abzuwarren. Also wird der Herr Präsident doch wohl sehr gewichtige Gründe haben . . .

*

Deutsche Naggen über den Amts­gebäuden im Saarland.

Begeisterte Kundgebungen der Bevölkerung.

In Saarbrücken ist cs im Laufe des Freitags noch­mals zu erhebenden und begeisterten vaterländischen Kundgebungen gekommen, wurden doch auf allen Ge­bäuden der Behörden erstmalig die siegreichen Fahnen Deutschlands gehißt.

Riesige Ak e n s ch e n m e n g c n hatten sich vor den Postämtern Saarbrückens, vor den Amts und Landgerich­ten versammelt. Spontan sangen die Versammelten das H o r st - W c s s e l - L i e d und das D c u t s ch l a n d l« c d.

Die Gefolgschaften waren überall vollzählig vertreten, um das große Ereignis mit zu erleben. Auch die ^ a a r« bahn e n sind diesem Beispiel gefolgt, nachdem der unrühmliche Saarbrücker Eisenbahnpräsidenl Nicklaus lul empfohlen hatte, überall grüßen die Beamten mit dem Deut f ch c n G ruß. Selbst die Landjäger in der Regte- rungskommission wenden ihn an. Nirgends ist es zu irgendwelchen Zivischensällen gekommen, ^te Deutsche Front hält, wie stets, eiserne Disziplin; sie denkt nicht daran, an den zum großen Teil nur rrregcfuhrten deutschen Volksgenossen kleinliche Rache zu üben oder ihnen den Weg in die deutsche Volksgemeinschaft zu er­schweren.

Der bei Halifax gestrandete Dampfer im Sturm auSeinanver gcbrochen.

Rem ?)orL Der südöstlich von Halifax ausgelaufene eng­lische DampferKenkerru" ist in zrvei Teile auscinandcr- qevrochen. Die 28 Mann starke Besatzung konnte mit Rettungs­leinen gerettet werden» Der KabttäL. bei als letzter von Bord >7tcheu wollte ertrank