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Nr. 22 — 12. Jahrgang Fulda, Samstag, 26. Januar 1935 Einzewerkausspreis 10 Pfg.
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Ein Jahr deutsch-polnischer Vertrag.
Eine Unterredung mit dem Führer.
Berlin, 23. Januar.
Der Führer und Reichskanzler gewährte am Freitag dem Berliner Korrespondenten der „Gazeta Polska", Warschau, Kazimierz Smogorzewski, eine Unterredung, in der es heißt:
Frage:
Ist es gestattet, Herr Reichskanzler, im Hinblick auf Ihre früher geäußerte Ansicht anzunehmen, daß die nationalsozialistische Politik einen endgültigen Strich unter Ü; Polenpolitik früherer Zeiten macht?
Antwort:
Die nationalsozialistische Politik beruht aus dem Gedankengut der nationalsozialistischen Idee. Die Rassenlehre der nationalsozialistischen Idee lehnt die sogenannte Entnationalisierung grundsätzlich ab. Sie sieht in dieser gewaltsamen Annexion fremden Volksgutes weit mehr eine Schwächung des eigenen Voikstumes als eine Stärkung.
Die von uns eingeschlazene Politik der Respektierung der an unseren Grenzen lebenden fremden Völker entspricht daher im höchsten Maße dem Gedankengut unserer Bewegung und damit unserer innersten Ueberzeugung.
Wir gedenken nicht fortzusetzen, was frühere Jahrhunderte hier an Fehlern begangen haben. Ein Ausdruck dieses unseres Wollens ist der Versuch der Neugestaltung der Beziehungen des deutschen Volkes zum polnischen. Ich sehe einen gegenseitigen Nationalitätenschutz a!8_ eines der erstrebenswertesten Ziele einer überlegenen Staatsführung an. Es ist aber klar, daß eine solche Politik nur unter gegenseitigem Verstehen erfolgreich verwirklicht werden kann.
Frage:
Wie verhall sich der »mtioualsozialistische Einheitsstaat zu Stammes- und Landeseigenheiten? Erstrebt er Verwischung oder Stärkung derselben? Ist es richtig, daß Sie, Herr Reichskanzler, im Laufe dieses Jahres die Aufteilung der Länder in Reichsgaue vornehmen wollen?
Antwort:
^Der nationalsozialistische Staat ist ein Einheitsstaat in der Feststellung und Festhaltung einer einzigen Souveränität, deren Träger das gesamte Volk ist. Er wird zu diesem Zweck alles beseitigen, was Menschen künstlich aufgerichtet haben und alles respektieren, was von der Natur gegeben ist. Es ist daher nicht unsere Absicht, etwa die Eigenart der einzelnen Stämme unseres Volkstumes künstlich oder gar gewalttätig zu verwischen oder etwa zu beseitigen. Sie sind die Bausteine unseres Volkes. Sie bedingen unser reiches kulturelles Innenleben. Um so mehr aber werden wir jene Erscheinungen ausrotten, die in den traurigsten Zeiten dynastischen Eigennutzes als trennende Momente innerhalb unseres Volkes aufgerichtet worden sind. Dabei wird sich als Endergebnis eine Gliederung des Reiches nach zweckmäßigen und allen Teilen unseres Volkes zugute kommenden Gesichtspunkten von selbst ergeben.
i Die Nationalsozialistische Partei hat schon längst vor der Machtüberrrahme in ihrem eigenen inneren Aufbau erne solche moderne, unseren heutigen Bedürfnissen entsprechende Einteilung vorgenommen. Ihre modifizierte Pedertragung auf die spätere staatliche Gliederung des Reiches wird mit den notwendigen Korrekturen im Laufe der Zeit aus der lebendigen Entwicklung heraus von selbst stattfinden.
Frage:
Ist die Frage der inneren Verfassung endgültig durch Das Führerprinzip festgelegt? Wir Ausländer lesen und yoren sp oft von einem entstehenden deutschen Ordert, vom Verhältnis der Partei zum Staate, was sollen wir unter dieser Bezeichnung verstehen? In welchem Sinne »st der erste Punkt des nationalsozialistischen Programms, es sei nur ein „Festprogramm", aufzufasfen?
Antwort:
Sie haben Recht, das Führerprinzip ist schon heute in der gesamten Verfassung des Reiches so gut wie festgelegt. Der Orden ist die in 16jähriger Arbeit gebildete und getvachsene N a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e Partei! Sie ist an die Stelle der früheren parteimäßigen Zersplitterung getreten und beherrscht als Repräsentantin des deutschen Volkswillens und damit des Lebenswillens der deutschen Nation das ge^wte Deutsche Reich. Die Verwirklichung der Zielsetzung do. nationalsozialistischen Bewegung führt zu einer so r e st l o s e n Einheitzwischen Partei Und Staat, daß ihr Programm damit dereinst als verwirklicht und in ihrer Verwirklichung als Kampfaufgabe damit als beendet angesehen werden kann.
Frage: .
In der Wirtschaftspolitik sind es nicht die Schwierigkeit ten, die sich aus den gegenwärtigen Krisen ergeben, über die wir Fragen stellen möchten, vielmehr beschäftigt uns daS Verhältnis von Landwirtschaft und Industrie im nationalsozialistische» Deutschland. Wie soll es sich künftig gestalten?
Antwort:
Unsere Wirtschaftspolitik hat sich eine Reihe großer Aufgaben gestellt. Die zunüchstliegeltden Arbeiten aber cwerden bestimmt durch die von uns ansetrofsonc a.Us^
meine Situation. Das heißt: Wir fanden über 6,5 Millionen Erwerbslose, ein vor dem vollkommenen Ruin stehendes Bauerntum und einen der restlosen Zerstörung und Vernichtung ausgelieferten Mittelstand. Diese katastrophale Lage zwang uns die zu treffenden Abwehrmaßnahmen auf. Wir kö men schon heute mit Stolz den Erfolg unserer Aktion feststellen.
Alle Ziffern unseres wirtschaftlichen Lebens sind in günstiger Entwicklung und Steigerung begriffen. Das Entscheidende aber war: Es ist uns gelungen, die natürliche Tatkraft, Entschluß- und Arbcitsfteudigkeit unseres Volkes in der glücklichsten Weise zu beleben.
Die private Initiative, die wesentlich für jede erfolgreiche Wirtschaftspolitik ist, haben wir der lähmenden Fesseln des früheren Regimes entledigt. Durch eine neue großzügige Ordnung die Landwirtschaft sowohl als die Industrie wieder lebensfähig gestaltet, Millionen Arbeitern einen Arbeitsplatz gesichert, vor allem aber damit dem Staate zuverlässige Stützen seiner nationalen Existenz gegeben. Unsere künftige Arbeit wird eine Fortsetzung der geleisteten sein.
Frage:
In der auswärtigen Politik ist die öffentliche Meinung auf Deutschlands Stellungnahme zu den ve schiedenen Paktvorschlägen gerichtet. Wäre es vorzeitig, diese Frage zu stellen?
Antwort:
Sie werden verstehen, daß sich über die verschiedenen Paktvorschläge heute um so weniger öffentlich etwas sagen läßt, als ihre Diskussion zum Teil überhaupt erst begonnen hat. Nur das eine muß ich immer wiederholen:
1. Deutschland will mit allen seinen Nachbarn in Frieden leben. And es ist bered, alles hierzu Notwendige großzügig zuzugestehen.
2. Deutschland wird niemals mehr Verzicht leisten auf feine Gleichberechtigung.
3. Wir können unter einer internationalen Zusammenarbeit nicht verstehen die Uebernahme undurchsichtiger Verpflichtungen mit Konsequenzen, die am Ende ohne Berücksichtigung der nationalen deutschen Interessen uns dorthin führen können, wo wir aus eigenem freien Willen nicht hinkommen wollen, nämlich zu einem Kriege.
Frage:
Wie müssen wir uns gegenüber dem immer wiederkeh- renden Gerücht, Deutschland trete dem Völkerbund wieder bei, verhalten?
Antwort:
Wir sind wegen Nichteinhaltung der uns zuneyerrden und zugesicherten Gleichberechtigung aus dem Völkerbünde ausgeschieden.
Wir gedenken nicht, etwa in Zukunft noch einmal im Völkerbund um unsere Gleichberechtigung zu feilschen, sondern wir sind entschlossen, in keinen Bund eher zurückzukehren, als wir nicht gleichberechtigt sind.
Dies ist, wie ich schon einmal betonte, keine „Bedingung", sondern eine Selbstverständlichkeit. Daß das frühere Regime in Deutschland dafür kein Verständnis zeigte. Hatte es sehr schwer zu büßen. Es wurde von der Nation restlos beseitigt. Es ist aber naiv, zu glauben, daß ich oder wir dumm genug seien, gerade den Fehler wieder zu machen, der unseren Vorgängern neben vielen anderen aber doch hauptsächlich mit das Genick gebrochen hat.
Frage:
Dürfte ich mir erlauben, noch eine Frage zu stellen, die mich als Schriftsteller immer ganz besonders beschäftigt hat, nämlich, wer von den großen Geistern der Vergangenheit einen ausschlaggebenden Einfluß in intellektueller Hinsicht au^ Ew. Exz. ausgeübt hat?
Antwort:
Es ist sehr schwer, die Zahl jener Geister aufzuzählen, die zu jeder großen Idee schon in der Vergangenheit befruchtende Beiträge geleistet hatten. Unser ganzes Au- schauuugsbild entsteht zum überwältigenden Teil aus den Resultaten geistiger Arbeit der Vergangenheit und zu einem kleinen Teil aus Grund eigener Erkenntnisse. Das Entscheidende ist nur. das einem von den großen Geistern früherer Zeiten überlieferte Gedankengut vernünftig und zweckmäßig zu ordnen und die sich daraus ergebenden logischen Konsequenzen zu ziehen. Denn was nützen alle Erkenntnisse, wenn man nicht den Mut besitzt, sich ihrer auch zu bedienen? Indem wir auS einer Unsumme geistiger und wissen schaststcher Ideen und Erkenntnisse die praktischen politischen Folgerungen zogen, haben wir die vollkommen steril gewordene Trägheit überwunden und unserem nationalen Leben damit einen neuen und, wie ich überzeugt bin, entscheidenden Aufschwung gegeben.
Im übrigen freut es mich, nunmehr nach einem Jahre neugefkiUeter deutsch-polnischer Beziehungen auf das Fruchtbare dieser Entwicklung zurückbliSen und Hinweisen zu dürfen. Es ist uns gelungen, eine der geschicht* sich bedeutsamsten Korrrltureu rechtzeitig durchgeführt zu daber
Nämlich eine Korrektur des Irrtums, als ob zwischen den beiden Völkern eine Feindschaft als eine Art Erbmasse stets vorhanden gewesen wäre und damit für alle Zukunft vorhanden sein müßte. Ich glaube im Gegenteil, daß trotz all dem Schweren, was zwischen den beiden Völkern liegt, sie im Interesse der gemeinsamen Erhaltung gerade der europäischen Kultur zu einer aufrichtigen Zusammenarbeit verpflichtet sind. Das nationalsozialistische Regime in Deutschland wird nichts unterlassen, was geeignet sein kann, diese Zusammenarbeit zu fördern und langsam in eine fortdauernde Freundschaft zu verwandeln. Der heutige Tag gibt mir die Berechtigung, mehr denn je an die Verwirklichung eines solchen Wunicbes zu glauben.
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Wens AMRMMisler zuA 26. Asssar
Berlin, 26. Januar. Der polni'che Minister des Auswärtigen, Beck, hat anläßlich des Jahrestages der Unterzeichnung der polnisch-deutschen Erklärung vom 26. Januar dem Warschauer Vertreter des „Völki'chen Beobachters" Ausführungen über die polni'ch-deutschsn Beziehungen zur Verfügung gestellt, in denen es heißt: Die Führer der beiden Völker haben es verstanden, den richtigen Augenblick zu erfassen, um die Grundlage für neue Beziehungen zwischen beiden Nationen aufzubauen. Vom 26. Januar 1934 an bauen sich die polnisch-deutschen Beziehungen auf gegenseitigem Verständnis und auf Achtung der Leistungen der beiden Völker auf. Nur po'itive, auf Bekämpfung des Mißtrauens zwischen den Völkern abzielende Maßnahmen machen es möglich, einen Ausweg aus der Sackgasse zu finden, in welche die Welt gegenwärtig geraten ist. Polen und Deutschland haben einen Weg beschritten, der durch beiderseitigen Ausgleich von Gegensätzen zur Festigung des allgemeinen Friedens dient, für welchen die Schalung freundschaftlicher Nachbarschaft zweifellos die wesentlichste Grundlage bildet:
Dis Aufgaben der Kanzlei
des Führers der NSDAP.
In einer Bekanntmachung des Chefs der Kanzlei des Führers der NSDAP. wird gegenüber irrigen Auffassungen darauf hingewiesen, daß jedem Parteigenossen der Weg zum Führer offen stehe, aber erst dann, wenn bereits Entscheidungen der zuständigen Parteidienst- stellen, zuletzt des Stellvertreters des Führers, vorliegen. Eingaben, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, würden künftig zurückgesandt. Letzteres gelte auch für Eingaben an Persönlichkeiten aus der Umgebung des Führers, vor allem auch an seine Schwester: ein Termin für termingemäße Erledigung solcher Zuschriften könne nicht übernommen werden. Im Interesse einer ordnungsgemäßen Bearbeitung wirklich notwendiger Angelegenheiten seien Schreiben an den Führer bzw. an die Kanzlei nnb Besuche auf wichtige und dringende Fälle zu beschränken. Die Sprechzeit der Kanzlei des Führers (Berlin W 8, Wilhelmstrabe 55) sei, möglichst nach vorheriger Anmeldung, täglich, außer Sonnabend, von 10 bis 1 Ubr. Reisekosten könnten, wenn nicht in Ausnadmefällen vorher ausdrücklich zugesagt, keinesfalls vergütet werden.
Historische Uniformen auf dem Berliner Reit» und Fahrturuier.
Im Rahmen vcS groben Internationalen Reit- und Fahr- mrnicrs in Berlin führt die Reichswehr auch Schau- nummern vor. Hier werben die Süraf fiere in historischen Uniformen aus den: Fahre 1810 zum letttenmal aemunert.