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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 24 12. Jahrgang

Fulda, Dienstag, 29. Januar 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Sie ErzkWnMlliHt des deiitsihkii Aldes.

Grundsätzliche Rede des Reichsernährungsmmisters vor den Landwirtschastswiffenschaftlern.

Reichsminister Sorré eröffnete am Montagvor­mittag die diesjährige Vortragstagung der Grünen Woche mit einer Rede über die Erzeugungs- schlachl, in der er u. a. ausführte: Stets behandelten die Vorträge im Rahmen der Grünen Woche vordring­lich technische Fragen der Erzeugung, und zwar ausschließlich vom privatwirtschaftlichen Rentabilitäts- standpunki des Einzelbetriebes aus. Immer wird das handwerklicheKönnendes Bauern die wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Arbeit aus der Scholle sein, jeder Betrieb muß so geführt werden, daß er eine Rente abwirft. Es ist aber ein grundsätzlicher Unterschied, ob man der privatwirtschaftlichen Rentabilitätsüberlegung den Vorrang vor volkswirt­schaftlichen Überlegungen einräumt, oder ob man der Volkswirtschaft als der Wirtschaft seines Volkes das Primat gegenüber seinen Einzelwirtschaften ein- räumt; eine solche Stellungnahme hat eine leitende politische Idee zur Voraussetzung, nach welcher man einen Standpunkt einnebmen kann.

Diese leitende Idee ist uns Nationalsozialisten das Volk als die Zusammenfassung derjenigen, die durch die Gemeinsamkeit der Blutsbande zusammengchören, und der. Naum, auf dem dieses Volk leben muß.

Für diesen Slaalsgedanken prägten wir die Formulierung B l u r u n d B o d e n". Dieser Idee ordnen wir agrar­wirtschaftliche und agrartechnische Überlegung unter und gelangen erst so zur Agrarpolitik im eigentlichen Sinne des Wortes. Die Landwirtschaftö l e ch n i k der vergan­genen Jahre mag wohl große Erfolge in Einzelproblemen zu verzeichnen haben, den Zusammenhang der Einzelfrage mit der gesamten Agrarwirtschaft sah sic aber häufig nicht mehr, noch viel weniger ihren Zusammenhang mit der Volkswirtschaft. Diesen Zusammenhang klar her- auszustellen und aus der politischen Gesarmschau heraus die rechte Abstimmung gegeneinander zu treffen, ist Auf­gabe der Politik. Und das ist auch der Grund, warum ich die Politik als das Primäre vor Agrartechnik und Agrarwirtschaft stellen muss. Richt etwa, um durch Welt- anschauung Technik ersetzen zu wollen, wie es die ewig Gestrigen stets behaupten, wohl aber, um die Technik mit der Weltanschauung des Nationalsozialismus zu durch­dringen. N N

Wir stehen heute in der Erzeugungsschlacht. Es ist kein Geheimnis, daß unsere Ernährungsgrundlage zwar auf wichtigen Teilgebieten, z. B. hinsichtlich des täg­lichen B r o t e s , schon heute durchaus gesichert ist, daß aber auf anderen Gebieten, hauptsächlich in der

Ernährung unseres Tierbcstandcs und in der Versor­gung mit viehwirtschaftlichcn Erzeugnissen, noch bedrohliche Lücken klaffen. Wir haben diesen Kampf ausgenommen mit der ganzen Kraft und der ganzen Energie, zu der das unerschütterliche Vertrauen und der unbeirrbare Glaube des Führers uns alle verpflichtet.

Der Grundgedanke der E r z e u g u n g s s ch l a ch t läßt sich in wenige Worte fassen:Nutze deinen Boden arbeitsintensiv und erzeuge, was dem deutschen Volke fehlt!" Wir 66 Millionen Men­schen innerhalb der Reichsgrenzen sind ein Volk auf engem Raum. Es entspricht daher deutscher Ari, im Schweiße des Angesichts unser tägliches Brot zu verdienen und das Verdiente sparsam zu verwenden. Die deutsche Landwirt­schaft kann und darf daher niemals ertensiv sein. Vor kurzem noch verstand man unter intensiv wirtschaften oft genug, fremde Mittel aufnebmen, Maschinen an­schaffen, Rendanten aufführen, rücksichtslos künstliche Düngemittel kaufen, kurz gesagt, soviel wie möglich von außen in den Betrieb stecken. Heute verstehen wir dagegen unter intensiv wirtschaften zunächst einmal

die bestmögliche Nutzung und Verwendung aller im Hofe ruhenden nub sich wechselseitig bedingenden Kräfte,

zum anderen und nicht zuletzt den höchstmöglichen Einsatz pi e n s ch l i ch e r Arbeit unmittelbar auf den Boden/ Intensiv wirtschaften bedeutet für uns, aus wirtschaftseigener Grundlage mit höchstem Kräfteeinsatz wirtschaften, enensiv wirtschaften dagegen heißt, auf wirlschaftseigener Grundlage mit geringst mög­lichem Kräfteeinsatz wirtschaften. Deshalb steht auch am Anfang aller technischen Erwägungen der Erzeugungs- schlacht der Boden selbst und seine Pflege.

Richt minder große Aufgaben liegen für Praxis und Wissenschaft auf dem Gebiet des Pflanze ab a u e s. Hier gilt es die richtige Svnlhese zu finden zwilchen den Notwendigkeiten der Bedarfsdeckung des deutschen Volkes und den Forderungen eines näturbedingten Anbaues.

Der Primat der Agrarpolitik über die Agrartechnik verlangt, daß wir nicht daran arbeiten, was vielleicht die meiste Rente im alten Sinne abzu­werfen verspricht, sondern daran, was der Bedarf unserer Volkswirtschaft von uns fordert. Wir brauchen heute eiweißreiche Futterpflanzen. Wir brauchen erträglichere und gualitätsreiche Ölpflanzen. Wir brauchen weiter­hin ertragssichere Faserpflanzen, um unserer Textil­industrie eine ausreichende Rohstoffgrundlage zu schaffen.

In der V i e h w i r l s ch a s i stehen wir vor der großen Aufgabe, mit weniger Tieren mehr zu leisten, denn der in Deutschland für die Futtererzeugung vcisug- bar^ Bodenraum ist begrenzt. Das Zusammenwirken c er

Erzeugung größerer und wertvollerer Futterernten von gleicher Fläche und der besseren Ausnutzung dieser Futter- ernten durch leistungsfähigere Tiere wird und muß binnen wenigen Jahren das deutsche Volk auch in seiner

Viehwirtschast ganz bedeutend unabhängiger vom Ausland machen als bisher. Genau so wie man sich im kaiser­lichen Deutschland und insbesondere im Deutschland nach 1918 bis 1933 einbifbete, man könne seine Ernährungs- grunblage außerhalb der Reichsgrenzen aufbauen und benötige keiner in sich ruhenden binnenmarktischen Ernäh­rungsgrundlage, genau so hat man in der Tierzucht feinen Viehstapel nicht mehr auf die Grundlage des wirt­schaftseigenen Futters gestellt, sondern auf den Import von außen, vom Händler her.

Wie in einem großen Wahlkampf werden die wich­tigsten Parolen der Agrartechnik und Agrarwirtschaft von Ortsbauernschaft zu Ortsbauernschaft getragen und ihr Sinn und ihr Ziel jedem einzelnen eingehämmert. Die Bodenständigkeit im wirtschaftlichen Handeln unserer Bauern verbietet jede Einseitigkeit in der Wirtschaftsführung: sie verbietet ferner das Bemühen um eine Ertragssteigerung, die lediglich oder doch maß­gebend durch wirtschaftssrcmde Betriebsmittel gewonnen würde. Sie verlangt dagegen eine möglichst vielseitige Wirtschaft unter Berücksichtigung vor allem der natür­lichen und der persönlichen Voraussetzungen, die int Hofe und im Bauern liegen. Hier müssen wir die

Aufgaben einer künftigen Betriebslehre suchen. Die deutsche Scholle soll möglichst vielen deut­schen Menschen unmittelbaren Arbeitsplatz und Brot geben, darüber hinaus aber so bewirtschaftet werden, daß das ganze Volk so davon leben kann, wie es zu seiner Gesunderhaltung nötig ist. Dies alles erfordert eine gründlichere Form unserer bisherigen Betriebslehre. Diese muß ihre liberal-kapitalistischen Gedankengänge ausmerzen und sich zu einer nationalsozialistischen Be­triebslehre entwickeln.

Entsetzliche Familiendramen.

Gräßliche Bluttat eines Baiers.

Bier Familienmitglieder niedergeschossen Selbstmord des Täters.

Eine furchtbare Familientragödie ereignete sich abends im Hause Stolbergstraße 9 in Eutin. Der dort wohnende Hermann Maskolus hatte nachmittags mit seiner Familie eine Autofahrt unternommen, von der man gegen 6 Uhr abends zurückgekehrt war. Während nun Frau Maskolus mit dem Herrichten des Abendbrots beschäftigt war, begab sich Maskolus in die eine Treppe tiefer gelegene Wohnung, die von seiner Mutter, seinen beiden Schwestern und seinem Bruder Franz bewohnt wird.

Hier schoß er sofort mit einer Pistole, die noch vom Krieg her in seinem Besitz war, auf seine Schwester Minna und verletzte sie lebensgefährlich durch einen Bauchschuß. Der Mutter und dem Bruder gelang es zu flüchten. Sodann begab sich Maskolus zurück in seine obere Wohnung und schoß hier sogleich auf seine Frau, die er ebenfalls durch einen Bauchschuß nieder- streckte. Dann richtete er die Waffe gegen seine etwa 10jährige Tochter Wilma und gegen den 7jâhrigen Sohn Hans Hermann, die gleichfalls beide schwere

Verletzungen davontrugen, während der ältere, etwa 13jährige Sohn Henri zunächst unter einem Bett Zuflucht suchte, dann aber, als er merkte, daß auch er von seinem Vater gesucht werde, durch schnelles Entweichen aus dem Zimmer sein Leben retten konnte. Er alarmierte sofort die Nachbarschaft, die die Polizei herbeirief. Ungeachtet der ihnen durch das fortwährende Schießen des MaskoluS selbst drohenden Lebensgefahr drangen die Beamten die Treppe hinauf,

fanden den Täter aber bereits tot vor.

Seine Leiche wies zwei Schüsse auf, die er auf sich ab« gefeuert hatte, als er die Polizei zu seiner Festnahme herbeieilen sah. Die vier Verletztet» wurden dem Kranken­haus zugeführt. Dort erlag die S ch w e st c r des Täters ihren furchtbaren Verletzungen. Frau Maskolus ringt mit dem Tode. Auch die Verletzungen der beiden Kinder haben sich nach der ärztlichen Untersuchung als bedeutend schwerer heranSgestellt. als man zuerst annabm

AuS der Pistole waren zwei Rahmen leergeschosten, so daß man annehmen kann, daß Maskolus insgesamt

16 SchÜste abgegeben hat.

Über die Beweggründe, die Maskolus zu dieser furcht­baren Bluttat veranlaßt haben, liegen bisher keine An­gaben vor. Maskolus unterhielt eine gutgehende Auto­reparaturwerkstatt in Eutin, die überall als angesehene Firma galt. Maskolus war als fleißiger und sparsamer Handwerker und guter Familienvater bekannt.

Ministerpräsident Göring folgte einer Zagdeinladunst nach Polen.

Der polnis^ Staatspräsident veranstaltet in den nächsten Tagen eine Jagd in den polnischen Staatsforsten, an der auch General Göring und der polnische Borschafter in Berlin, Lipski, teilnehmen. Unser Bild zeigt sie vor ihrer Abreise in Berlin.

SlsiHnaer Knabe bei einer häuslichen Filmvorführung verbrannt.

Zwei Personen schwer verletzt.

Ein furchtbares Brandunglück ereignete sich in der Nacht bei einer häuslichen Filmvorführung in Datteln (Streit Recklinghausen). Dabei wurde ein 11 jähriger Knabe getötet, zwei Personen wurden schwer verletzt.

In dein Hause Handstraße 37a in Datteln hatte der dort wohnende Otto Gehring eine Filmvorführung veranstaltet, an der 10 Personen teilnabmen. Gehring hatte nicht die geringsten Schutzvorrich­tungen getroffen. Plötzlich erfolgte eine Erplo- si o n ; eine Stichflamme schlug aus dem Apparat heraus, und sofort stand die Küche, in der die Vorführung statt­fand, in hellen Flammen. Diese erfaßten den 11jährigen Walter Fischer, der vollständig ver­brannte und später nur noch als verkohlte Leiche aufge- funden wurde.

Während die übrigen Personen in wilder Flucht durch die Fenster sprangen, wurden der 48 Jahre alte Theodor Fischer und sein Wjâbriger Sohn Heinrich schwerverletzt aus bem brennenden Hause gerettet. Die Arzte hoffen, beide am Leben erhalten zu können. Gehring mürbe verhaftet. Tas H aus mürbe durch das Feuer vollständig vernichtet. Tie Kriminalpolizei bat fcftgcftcöt, daß der benutzte F i l m v o r f ü h r u n g s a p p a r a t vor vier Jahren von Gehring bei einem Kinobcsitzer ge­stohlen worden ist.

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Doppelmord und Selbstmord.

Frau und Tochter erschossen.

Im Dorfe Wölpinghausen (Schaumburg Lippe) ver­übte der vor einigen Jahren aus Elbcrfeld^Barmcn zu- gezogene Hermann Behrendt eine grausige Tat. Er er­schoß seine Frau und seine elfjährige Tochter und machte schließlich seinem eigenen Leben ein Ende. Behrend lebte in zerrütteten Familienverhältnissen; cs kam hinzu, daß seine Frau krank war.

Maffenanbrang zur Grünen Woche in Berlin.

^er erste Sonntag ber Grünen Woche bildete einen vielverbeißenden Beginn ber großen Schau. Insgesamt bürsten im Laufe bet Sonnabends und Sonntags rund 1 0 0 o 0 0 M e n f ch e n die Ausstellung besucht haben. Das ist ein Ergebnis, das das des Vorjahres um etwa 40'lito z e n t übertrifft Als besonders bemerkens­wert kann feftge stellt werden, daß sich die Gäste der Grünen Woche zu etwa 80 Prozent aus ber Bauernschaft rekrutieren.