Zulöaer Anzeiger
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Nr. 271— 12. Jahrgang
Fulda, Freitag, 1. Februar 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Die Armee der 940000.
Waffenklirren auf dem Sowjetkongreß.
Auf der Kongreßtagung der Sowjets sprach der stellvertretende Volkskommissar für Verteidigung, T u ch a t s ch e w s k i, der mit stürmischem Beifall empfangen wurde. Er führte u. a. aus: Die Rote Armee besteht zu 45,5 Prozent aus Arbeitern und Rotarmisten, die Bauernschaft stellt 90 Prozent der Armee aus ihren Kollektivwirtschaften. Es ist daher begreiflich, daß die Masse der Roten Armee Feinfühligkeit' und große Aufmerksamkeit allen Beschlüssen der Partei gegenüber an den Tag legt. Die Rote Armee besteht zu 49,3 Prozent aus Parteigenossen, die aus den kommunistischen Jugendverbänden kamen. Es sind alle Grundlagen gegeben, damit unsere Armee erstklassig ist. Die Gefahr eines künftigen
Krieges kapitalistischer Staaten gegen Sowjetrußland steht für uns fest. Dafür müssen wir gerüstet sein. Bei der Entwicklung unserer Kriegstechnik lag es Stalin daran, das Flugwesen, die Tankgeschwader und die modernste Artillerie zu verstärken. In diesem Sinne wurde gearbeitet und die Schaffung einer mächtigen der Vcr- teid gunq dienenden Seeflotte in die Wege geleitet.
Ein Krieg gegen uns, fährt Tuchntschewski fort, wird mit verstärktem Tempo vorbereitet Wir Rotarmisten wissen dies und bereiten uns zur Abwehr dieser Anschläge vor. Unter Führung Woroschilows wird sich das gesamte Laud wie ein Mann zur Verteidigung gegen einen solchen Anschlag erheben sstürmischer Beifall).
Die Verhältnisse im Fernen Osten haben uns gezwungen, ein ganzes System selbständiger Teile sämtlicher militärischen Verteidigungsgattungen zu schaffen. Wir haben schwer daran gearbeitet und konnten im Jahre 193-1 eine ganze Reihe neuer Truppeneinheiten auf die Beine stellen.
Im Zusammenhang mit diesen Verhältnissen wurde die zahlenmäßige Stärke der Roten Armee auf 940 000 Mann feftgelegt. Die Rote Armee, so schloß Tuchntschewski seine von stürmischem Beifall und Cun" iwucn unterbrochene Rede, wird jeden zerschmettern, der es wagt, uns auzugrciseu.
Sm einzelnen teilte der Volkskommissar über den Stand der s o w l e t r » s s >. s ch c n N ü st u n g e n noch folgendes mit:
Das Flugwesen
ist seit dem 6. Sowsctkongreß um 330 Prozent gewachsen. Die Geschwindigkeit unserer Jagdflugzeuge und Bombenflugzeuge wurde um das anderthalbfache vermehrt und ihr Aktionsradius verdoppelt. Die Ladefähigkeit der Bomber ist verdreifacht worden
Tic Tankwafsc
uat seit dem 6. Sowieikongreß folgende Vergrößerung erfahren: Kleintanks um 2475 Prozent, leichte Tanks um 761) Prozent und mittlere Tanks um 792 Prozent. Die Geschwindigkeit wurde um das drei- bis sechsfache gesteigert. Die M a - s ch i n e n g e w e h r b e st ö n d e für Schützen- und Kavallerie- verbände haben sich verdoppelt. Die MG.s für Flugzeuge und Tanks haben sich versicbensacht. Die Zahl der Tankabwebr ocKDüfoc wuchs um 4,5 Prozent,
Eli MtizitWer Smulist beim Siiljrer.
Lissabon, 1. Februar. Die große portugiesische Tageszeitung „Diariv de Noticias" veröffentlichte ant Donnerstag in ganz großer Aufmachung auf der ersten Seite die lln» terredung, die der Führer und Reichskanzler dem Redakteur die er Zeitung, Armando Boaventura, gewährt hat. Die BeherschriK lautet:
„Die Saarabstimmung ist mehr als ein Sieg Deutschlands. — Sieg des Friedens in Europa." Gleichzeitig veröffentlicht das Blatt Lichtbilder vom Führer. Boaventura, der schon einige Wochen in Deutschland weilt und schon eine Anzahl sehr günstiger Artikel veröffentlicht hat, gibt seinen Landsleuten Aufklärung über i ie tatsächlichen Verhältnisse im Deutschen Reich und widerlegt die Greuelmeldungen über Deutschland und seinen Führer, die auch in Portugal vielfach geglaubt wurden. Der Berichterstatter schildert ausführlich die äußeren Um- jünbc beim Empfang durch den Führer. Er beschreibt das Arbeitszimmer in seiner Einfachheit und betont, daß entgegen den Behauptungen der ausländischen Presse Hitler vicht von schwerbewaffneten SS-Leuten bewacht werde, sondern daß er, der Berichterstatter, nur einem einzigen Posten begegnet sei. Der Eindruck, den die Persönlichkeit des Führers auf ihn machte, sei einprägsam gewesen. Boaventura sagt, er habe verstanden, daß der Wille, der aus den stahlblauen Augen spreche, das deutsche Volk veranlasse, dein Führer einmütig zu folgen. Es folgt dann der Bericht über die Unterredung. Der Führer sagte wörtlich: „Die Beziehungen zwischen Deutschland und Portugal haben um so mehr Grund, eng unb_ wirklich herzlich zu sein, als die gegenwärtige politische Situation in Portugal in vieler Hinsicht von denjenigen Prinzipien und Leitsätzen inspiriert wird, die das nationalsozia.Lstische Regime in Deutschland leiten".
Der Berichterstatter, der der Saarabstimmung beigewohnt hatte, wurde vom Führer über seine Eindrücke befragt und äußerte sich darüber wie folgt: „Das (Saar* abftimmura&rubnig, über das ich den Portugiesen. Ge
die schweren Geschütze verdoppelten sich, die Qualität unserer Artillerie entwickelt sich rasch. Die Ausrüstung der Armee mit Funkstationen schreitet fort. Seit dem 6 Kongreß nahm die Gesamtzahl der Rundsunkslationen um 1750 Prozent, der Flugfunkstationen um 1900 Prozent zu.
Tie Secflotte
ist seit dem 6. Kongreß gleichsalls beträchtlich vermehrt worden. Seit dem 6. Kongreß haben bei der Flotte die U-Boote um 5,3 Prozent, die Wachschiffe um 11 Prozent und die Torpedoboote um 4,7 Prozent zugenommen. Tie West- und Qst- grenzèn wurden weiter befestigt,
die Festungen liegen so nahe an der Grenze, damit der Feind nicht ungestraft sowjetrussischen Boden betreten kann.
Statt der vorgesehenen 1665 Millionen Rubel erreichten die Ausgaben des Volkskommissariats für Verteidigung 5 Milliarden «Beifall) für 1935 sind 6,5 Milliarden Rubel für das Volkskommissariat zur Verteidigung vorgesehen.
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Deutschlands besorgter Blick nach Osten.
Lord Lothian über die Aussichten für den Frieden.
Der soeben von Berlin nach London zurückgckehrie Lord Lothian, veröffentlicht in der „Times" einen Aufsatz, der besonders im Hinblick auf die jetzt einsetzenden Verhandlungen der französischen und englischen Staatsmänner in London bemerkenswert ist. Auch seinen langen Unterredungen, so sagt er u. a„ mit Hitler und einigen führenden Mitgliedern der Nationalsozialistischen Partei sowie mit den leitenden Männern des Auswärtigen 51 mtes und der Reichswehr glaube er, daß die Aussichten für den Frieden viel besser seien als viele Leute glaubten, wenn nur die britische Regierung die Lage mit Festigkeit behandeln würde.
Der Verfasser würdigt vorurteilslos den deutschen Standpunkt. Er sagt in diesem Zusammenhang, der Nationalsozialismus sei u. a.
eine Bewegung persönlicher und nationaler Selbstachtung.
Er sei züm. großen Teil ins Leben getreten, um der Er- niedrigung Deutschlands ein Ende zu machen. Lord Lothian vertritt die Überzeugung, daß Deutschland nur ein Heer haben wolle, das groß genug sei, um das deutsche Volk und besonders
den Nationalsozialismus gegen den Kommunismus zu verteidigen,
falls dieser jemals in der Form einer nationalen Jnvasionsarmee erscheinen sollte. Er sei nicht der erste Beobachter in Deutschland, der überzeugt sei, daß es erstens keinen Krieg wünsche, und zweitens seine besorgten Blicke mehr nach Osten als nach Westen richte.
richtete. bedeutet zweifellos einen ganz großen Erfolg für Deutschland und für die Politik des Reiches, das Ew. Erz. führt. Die ganze oaar ist deutsch, und ich habe mich im Saargebiet immer unter Deutschen gefühlt". Nach den internationalen Folgen der eaarabftimmung befragt, äußerte Boaventura: „Ich bin überzeugt, daß sie ein u>ertvoller Faktor für den europäischen Frieden nicht nur für Deutschland und Frankreich fein werden, und bin überzeug tvon dem festen Willen Deutschlands zum Arie- den, den Ew. Erz. so bestimmt und in kategorischer Weise ausgedrückt hat".
Der Führer sprach noch die Hoffnung aus, daß der Eindruck des Berichterstatters vom aufrichtigen Friedenswillen Deutschlands auch im portugiesischen Volke Widerhall finden nab zur freundschaftlichen Verständigung der beiden Völker beitragen möge.
Die Siaaisjagd im Llrwald von Bialowiesch.
Ministerpräsident Göring auf der Wolfsjagd.
Die große Staalsjagd im Urwald von Bialo - w i e s ch ist zu Ende. Staatspräsident Moscicki ist nach Warschau zurückgekehrt, Ministerpräsident G ö r i n g war noch surücfgeblicbcn, um einen W o l f zu f ch icßc n. Während der ersten Jagdtage war daS Wetter nicht jagdmäßig. Dagegen besserte es sich später durch starke Schneefälle, so daß aucb Wölfe berbortamen. Im ganzen wurden auf dieser Jagd 12 Wildschweine (da von durch den Ministerpräsidenten Göring zwei), vier Luchse, sieben Füchse, ein Bock und neun Hasen erlegt.
D«n Krakauer „Kurjer" berichtet, daß der polnische Staatspräsident und der preußische Ministerpräsident in Son ganzen Laren unzertrennlich gewesen feien,
Reichsjägermeister Göring nahm an einer großen Staatsjagv in Polen teil.
In den urwaldähnlichen polnischen otaatsforften von Bialowiesch ging soeben eine große Staalsjagd zu Ende, zu der der polnische Staatspräsident Moscicki den deutschen Reichsjägermeister General Göring, den deutschen Botschafter in Warschau, von Moltke, und den. polnischen Botschafter in Berlin. Lipski, eingeladen hatte. Ministerpräsident Göring erlegte u. a. auch zwei Wildschweine. Luser Bill» zeigt General Goring mit seinem deutschen Begleicor auf dem Anstand.
nicht nur auf der Jagd, sondern auch bei anderen Anlässen, wie z. B. Essen, Aüsfadrte» usw. Die âfteüen J a gd- gebräucheund-gepfla genheiten, u. a bei der Legung der Strecke und das Blasen der alten JnasUedcr, haben nach den Darstellungen in der polnischen Presse den Gast ganz besonders gefesselt.
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Die große Staatsjagd wurde am Donnerstag beendet. Der preußische Ministerpräsident, General Göring, ist Donnerstag früh ab gereist, um über Warschau nach Deutschland zurückzukehren.
MimNerArgstLeNl Eörmg der Bii-Ld-ki
Warschau. 1. Februar. Der preußische Ministerpräsident General Göring ist am Donnerstag von der Jagd des polnischen Staatspräsidenten in Bialowiece nach Warschau zurückgekehrt. Er war mittags bei dem benschen Botschafter Moltke zum Essen, an dem auch der polnische Ministerpräsident und der Außenminister Oberst- Beck und der Innenminister mit ihren Frauen teilnahmen. Li n Nachmittag stattete Ministerpräsident General Göring tcm Marschall Pilsudni im Schloß Belvedere einen ei nein- halbstündigen Bestich ab.
Acht Jahre Zuchthaus
für Geheimkurier der KPD.
Wegen Vorbereitung zum Hochverrat, teilweise begangen im Auslande, verurteilte der VolkSgerisneeas in Berlin den 33jährigen K u r i e r d c S Z e n t r a l - k o in i t e e s der K P D., Dr. Emanuel Bruck aus Ham bürg, zu acht Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust.
Als nach der nationalen Erhebung seinem politischen und journalistischen Wirken ein Ende gesetzt war, ging er nach Kopenhagen und stellte sich hier dem illegalen Zentralkomitee der KPD. zur Verfügung. Er erhielt u. a. Auftrag, zu versuchen, den zerschlagenen Parteiapparat der KPD. in Nordwestdeutschland wicdcraufzubauen.
486 000 Mark Tantiemen — und noch nicht genug.
Erbauliches aUS dem Rundfunkprozeß.
Berliner Rundfunlprozeß erstattete der Bücherseck' verständige Paul Donath sein Gutachten über die Konen der von Dr "I le sch während seiner Berliner Tätigkeit unternommenen Reisen. In seinen weiteren Ausführungen machte er genaue ^eblcnanaa bett über die Hetze der an den bei* ftorbenen Direkter der Berliner strnksinnde A G.. Knöpfke, gezahlten Tantiemen. New diesen Zadlenangaben hat mithin Knöpske insgesamt rund 186 000 Mark an Tantiemen bezogen.
Gegenüber diesen .feisten erklärten Tr. Magnus und Dr. Bredow, daß Knöpfke „am Grund seines Vertrages A n s p r u ch ans noch weit höhere Tantiemen gehabt" hätte. Durch Abänderung deS Vertrages hätten sie dafür Sorge getragen, daß feine Ansprüche herabgesetzt mürbem