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Re-aktton und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ♦ Zernsprech-^nsthluß Nr. 24-4
Nr. 31 — 12. Jahrgang
Fulda, Mittwoch, 6. Februar 1935
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Furchtbare Kindertragödien
Die Aufklärung des Breslauer Kindermordes. — Wie die Polizei den unmenschlichen Verbrecher ermittelte.
Eines der größten Kapitalverbrechen der deutschen Kriminalgeschichte, der doppelte Lustmord an der achtjährigen Schülerin Erika Fehse und ihrem elfjährigen Bruder Otto, steht nunmehr fast neun Jahre nach der Tat vor seiner Aufklärung. Die Breslauer Kriminalpolizei hat einen tschechoslowakischen Staatsangehörigen, einen früheren Studenten der Mathematik namens Herbert Höll, unter dem dringenden Verdacht verhaftet, diese grausige Bluttat verübt zu haben. Der Verhaftete, ein Sadist schlimmster Sorte, ist noch weite- rer Verbrechen an Kindern verdächtig.
Die Wendung in dieser Mordaffäre erfolgte unter sensationellen Umständen. Es war am 6. Juni 1926, an einem Sonntag, als die Breslauer Bevölkerung durch die furchtbare Nachricht erschreckt wurde, daß ein ;. Geschwisterpaar auf entsetzliche Weise umge- bracht worden sei. Tags zuvor hatte am Nachmittag die Witwe Fehse bei der Kriminalpolizei ihren elfjährigen USohn Otto und ihre achtjährige Tochter Erika als oer- - m i ß t g e m e l d e t. Die Kinder waren gegen V25 Uhr * nachmittags nach dem Paketpostami an der Weißen Ohle geschickt worden, wo sie für die Großmutter, die in der Gartenstraße ein Korbwarengeschäft besitzt, ein Paket ab- holen sollten. Auf dem Paketpostami trafen sie jedoch nicht ein und blieben feit diesem Zeilpunkt ver - 8 f ch w >l n d e n. Noch am gleichen Abend stellten sich die L Befürchtungen als grauenhafte Tatsache heraus. An der Technischen Hochschule fanden Passanten ein Paket aus Sackleinen und Packpapier, in dem sich die ? Leiche der kleinen Erika befand. Vom Kopfe war die Haut mit den Haaren gelöst, und noch andere schauerliche Merk- £ male deuteten darauf hin, daß sie das Opfer eines Lust- 4 Mörders geworden mar.
■ Neben den Leicheyt.cilen lag der ab geschnittene "Kopf des Knaben. Der fehlende Rumpf wurde am Tage darauf, ebenfalls in Packpapier und Sackleinen gehüllt, auf einem Wege in der Siedlung Zimpel gefunden. Die -Nachforschungen nach dem Mörder blieben erfolglos. Von der Breslauer Polizei wurde- nichts un- versucht gelassen, das schaurige Geheimnis aufzuklären. UDic Eltern ließen aus Furcht vor dem Unhold ihre Kinder I nicht mehr allein in die Schule gehen, und beim Dunkel- I werden war kein Kind mehr auf den Straßen zu sehen.
Fieberhafte Suche nach dem Unhold.
Tausende von Mitteilungen aus der Bevölkerung è über verdächtige Personen wurden bis in alle Einzelheiten geprüft. Es erfolgten bei den verschiedenen - Aktionen auch zahlreiche Verhaftungen von Sittlichkeitsverbrechern, aber der gesuchte Mörder befand sich nicht darunter. Da das Verbrechen in ganz Deutschland Aufsehen erregt hatte und alle Möglichkeiten zur Aufklärung erschöpft werden mußten, entsandte schließlich das B e r - l l n e r Polizeipräsidium einen Stab seiner be« I fähigsten Kriminalisten. Schließlich wurde es nach außen I ruhiger um das entsetzliche Geheimnis, aber die Artz beit der Mordkommission ging mit verbissener Energie weiter.
Nach und nach waren um die Mordsache Fehse 120 dicke Bände entstanden.
I Im Sommer vorigen Jahres bekamen die Ermittlungen plötzlich einen neuen Auftrieb. Es wurde ein Sonder- | Kommissariat eingerichtet, das der Polizeipräsident i einem erfahrenen Kommissar unterstellte, der die Mord- I suche Fehse von Anfang an mitbearbeitet hatte. Der I Kommissar und seine 34 Beamten haben seit Mitte 1 vorigen Jahres eine ungeheure Arbeit geleistet. Der Aufwand an Arbeitsenergie wurde schließlich belohnt.
' In den Gesichtskreis der Beamten trat erstmalig ein lunger Mann, der ein höchst eigenartiges Leben führte. Er wohnte seit 1924 in Breslau, war aber von , 1924 bis 1934 noch nie polizeilich gemeldet gewesen. Es war der im Jahre 1902 in Dresden geborene Herbert Höll.
Kriminalbeamte drangen überraschend in seine Wohnung ein. Was die Beamten dort fanden, steht in der kriminalwisscnschastlichen und medizinischen Geschichte einzig da. U. a. fand man eine Sammlung von etwa 6700 Postkarten einer bestimmten Art, die mit stenographischen 91 0 t i 3 e n versehen wäre». Außer diesen Karten fand man etwa 1000 lose Blätter, die ebenfalls stenographische Notizen trugen. In der Aus zeich»u»g taucht der Name des ermordeten Mädchens Erika Fehse wiederholt auf. Höll wurde verhaftet.
Holl selbst leugnete bei seiner Veruchmung jeden Zusammenhang mit dem Mordfall Fehse. Die Krimlual- Polizei hat jedoch schon durch die Gegenüberstellung mit Zeugen, die am Abend des 5. Juni 1920 die unglücklichen Kinder in Begleitung eines Mannes gesehen haben, einwandfrei ermitteln können, daß Höll dieser Blaun gewesen ist. Andere Zeugen wieder haben ihn wiederholt zur damaligen Zeit in der Nähe des Hauses der beiden Fehsekinder gesehen Ferner ist Höll von anderen Zeugen wiedererkanut worden, die ihn zu einer anderen Zeit dabei überrascht haben, wie er sich an einer abgelegenen Stelle an kleinen Kindern vemreiscn wollt". Apf Lehen
Fall ist nach der Ueberzeugung der Kriminalisten die Stadt Breslau durch die Verhaftung Hölls von einem gemeingefährlichen Verbrecher befreit worden, der eine ständige Gefahr für die Bevölkerung darstellte.
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Neunjähriges Mädchen ermordet.
Furchtbares Verbrechen an einer Landwirt s t o ch t e r.
Aus Essen wird gemeldet:
Ein schweres Kapitalverbrechen wurde in Schwagstorf (Kr. Wittlage) verübt. Die neunjährige Tochter des Landwirts Beckmann wurde auf dem Wege zur Schule von einem jungen Burschen an einer einsamen Stelle überfallen und erwürgt. Eine umfangreiche Fahndung nach dem mutmaßlichen Täter ist eingeleitet.
Ein Junge und ein neunjähriges Mädchen des Landwirts Beckmann hatten jeden Morgen einen fast zwei Kilometer langen Schulweg zurückzulegen. Am Tage der Tat war der Junge bereits etwas früher als das Mädchen von Hause weggegangen. Nach Beendigung des Unterrichts erfuhr er von dem Klassenlehrer seiner Schwester, daß diese nichtinder Schule eingelroffen war. Er lief sofort nach Hause und überbrachte den Eltern die Alarmnachricht. Jetzt erinnerte man sich, daß ein auf dem Gehöft beschäftigter früherer Fürsorgezögling, der 22jäh- rige Adolf Lohse, ein arbeitsscheuer und verkommener Bursche, seit dem frühen Morgen ebenfalls verschwunden war. Lohse hatte sich früher schon mehrfach von seiner Arbeitsstelle entfernt und uann in einem Unterschlupf in einem unweit des Gehöfts gelegenen Wäldchen gehaust. Die geängstigten Eltern begaben sich nun nach der nur 700 Meter vom Hof entfernten Stelle und fanden dort zu ihrem Entsetzen das Kind t o t auf. Es war von dem Täter erwürgt worden.
Amerlki uni Ne niilitärWn Bestimmungen
Washington, 6. Februar.
Wie Associated Preß aus London meldet, soll die britische Regierung die amerikanische Regierung durch die Botschaft der Vereinigten Staaten in London ersucht haben, in die Aufhebung der aus dem Versailler Diktat in den Berliner Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland übernommenen militärischen B e st i m m u n g e n einzuwilligen. Gleichzeitig habe die britisHr Regierung versichert, daß kein geheimes Bündnis oder Abkommen zwischen England und Frankreich bestehe.
Das Ersuchen der britischen Regierung ist bisher im Staatsdepartement noch nicht eingegangen; man nimmt aber in unterrichteten diplomatischen Kreisen an, daß sich die amerikanische Regierung nicht sträuben wird,denn sie hat diese militärischen Bestimmungen des Berliner Verttages niemals irgendwie geltend gemacht; sie hat vielmehr stets betont, daß es sich lediglich um die pauschale Uebernahme von Paragraphen handele, die für Amerika kein praktisches Interesse hätten.Die amerikanische Regierung wird jeden Schritt fördern, der die Reichsregierung geneigt macht, zur Abrüstungskonferenz zurückzukehren.
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Sine Unterhauserklärung Simons
Im englischen Unterhaus beantwortete Außenminister Sir John Simon einige Anfragen des Oppositionsführers Lansbury zu dem englisch-fran- zösischen Verhnndlungscrgcbnis.
Simon wies darauf hin, daß der Wortlaut der amtlichen Mitteilung, die die Ergebnisse der Besprechungen zwischen den britischen und französischen Ministern enthalte, je 61 in einem Weißbuch veröfsent- licht worden sei. Diesen Bericht über die Besprechungen könne er zweckdienlicherweise im gegenwärtigen Augenblick nicht weiter ergänzen. l
Jedoch erklärte Simon noch zu dem in dem Kom- muniqité vorgeschlagenen Luftabkom m e n folgendes: „Ich möchte bezüglich des Planes zur Schaffung eines Abschreckungsmittels gegen einen nicht hcrausgcforderten Luftangriff in Westeuropa hinzufügen, daß zwischen den französischen Ministern und uns vereinbart worden ist, daß, wenn der Plan angenommen wird, unsere eigene Verpflichtung sich nicht auf Fälle aus» dehnen würde, die über die Art von Fällen hinausgchen, die bereits durch die L o c a r n o - V c r p f l i cht u n g e n
vorgesehen sind."
Auf die Frage LansburhS, ob eunon irgendwelche Informationen über den Standpunkt besitze, den die de Stiche Regierung gegenüber dieser vpr-
Entmenschte Mutter stellt sich der Polizei.
Die Ktndertragödie in Berlin vor der Aufklärung.
Die Kindertragödie im Hause Weinstratze 27 — in einer Kellerwohnung wurden am Sonntag, von ihrer Mutter verlassen, zwei kleine Kinder des Ehepaares Jünemann, verhungert ausgefunden, während ein drittes schon start entkräftet war — steht vor ihrer Aufklärung.
Die unmenschliche Mutter, Frau Charlotte Jünemann, hat sich auf ihrem zuständigen Polizeirevier selbst gestellt und ist der Mordkommission zugeführt worden. Sie ist seit der vergangenen Woche
in der Reichshauptstadt umhergeirrt,
bis sie jetzt schließlich auf Grund der Veröffentlichungen in der Presse den Entschluß faßte, zur Polizei zu gehen. Sie wurde von der Mordkommission vernommen. Es wird vor allem die Frage zu klären sein, warum Frau I., die von dem Wohlfahrtsamt ausreichend unterstützt wurde, ihre Kinder hilflos zurückließ und so dem sicheren Hungertode preisgab.
Der vierjährige Bernhard Jünemann, der als einziges von seinen Geschwistern bei Entdeckung der furchtbaren Tat noch lebend angetroffen worden war,
befindet sich noch im Hor
sel-Kranken-
Haus zu Berlin. Durch den langen Nahrungsmangel völlig geschwächt, konnte das Kind anfänglich überhaupt keine Nahrung aufnehmen. Erst allmählich kann man ihm teelöffelweise Stärkungsmittel einflößen. Die Nahrungsaufnahme ist aber vorläufig noch sehr gering und der Krästezustand des Kindes äußerst schlecht, so daß die Lebensgefahr immer noch nicht völlig ge- bannt ist.
Zwei Kinder verbrannt.
Mutter mit ihrem Liebhaber in Hast genommen.
Bei einem Dachftuhlbrand in dem Anwesen Engel in P f l u g s ck e i d (Saars kamen die drei- und fünfjährigen Kinder der Amalie Köhler ums Leben. Nachdem das Feuer gelöscht wär, fanden Feuerwehrleute die völlig verkohlten Leichen der beiden Kinder. Das Unglück ereignete sich in Abwesenheit der Mutter, die auf L^er- anlâssung der Staatsanwaltschaft mit ihrem Liebhaber vorläufig in Haft genommen wurde.
geschlagenen Abmachung wahrscheinlich entnehmen würde und zweitens, wann das Unterhaus in der Lage sein werde, den Plan zu erörtern, erwiderte Simon: „Was den ersten Teil der Frage betrifft, so würde es zu früh sein, eine endgültige amtliche Antwort zu erwarten.
Auf den zweiten Teil der Anfrage Lansburvs antwortete MacDonald, indem er bemerkte, cs sei ganz klar, daß eine Aussprache i m Unterhaus statt« finden müsse „über das, was gestern getan worden ist und was infolge dieses Beschlusses folgen mag".
Der Führer der Liberalen, Sir Herbert Samuel, gratulierte dann dem Außenminister zu dem Erfolge der Londoner Besprechungen. Er hoffe, daß die Besprechungen die Regierung nicht veranlassen würden, ihre Bemühungen zur Erreicdung einer Abrüstungs- konvention einzustellen. “ Simon versicherte darauf dem liberalen Parteiführer, daß er in dieser Hinsicht nicht beunruhigt zu sein brauche.
Mandschurische Truppen im Vormarsch
Moskau, 6. Februar.
Wie aus Ulan-Bator gemeldet wird, hab n nach einer Erklärung des mongolischen Ministerpräsidenten Gendun am 31. Januar mandschurisch Truppen die mongolisch-mandschurische Grenze überschritten und zahlreiche Ortschaften besetzt. Die mongolischen Grenzposten sind daraufhin sofort zurückgezogen worden. Von keiner Seite ist ein Schuß gefallen. Die Lage ist zurzeit sehr gespannt.
Der mongolische Ministerpräsident protestierte im Plamen der mongolischen Regierung gegen die Besetzung mongolischen Gebietes durch mandschurische Truppen und verlangte dessen Räumung in allerkürzester Frist, um d:e normale Lage wiederherzustellen.
Rudolf Heß bei der Vestatiung eines alten Kämpfers.
Dem kürzlich verstorbenen Münchener alten Kämpfer Hans Knauth wurden jetzt bei seiner Feuerbestattung alle einem alten Kämpfer gebührenden Ehren zuteil. 'Es hatten sich im Krematorium des Ostfriedhofes u. a. der Stellvertreter des Führers, Rudolf ,v e B, Reichsstatthalter Ritter von Epp und eine Anzahl höherer Führer eingefunden. SA., SS. und Streifendienst hatten Ebrcnstürme gestellt. Der Stellvertreter des Führers legte in der Aussegnungshalle einen mächtigen L o r b c c r k r a n z mit den Worten nieder: „Dem SA.-Führer aus schwersten Kampfjahren der Bewegung. Im Ramendes Führers."