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Söldner Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried­rich Ehrenklau Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren­klau, Fulda, Königstraße 42, Telefon 2989.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg» ZulSa- und Haunetal 'Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 33 12. Jahrgang

Fulda, Freitag, 8. Februar 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Der Zug des weißen Todes

Reue Riesenschäden durch Lawinengänge.

Die Lawinengänge in Österreich haben wieder zahlreiche Todesopfer und unübersehbaren Materialschaden angerichtet. Aus Vorarlberg liegen folgende Meldungen vor:

In G a r g e l l e n riß eine Lawine zwei Häuser mit. In einem der Häuser befanden sich sieben Mitglieder der Familie des Textilsabrikanten Heuß. Vier Personen wur­den getötet.

Im S i l berta l riß eine Lawine acht Gebäude mit sich, die zum Glück alle unbewohnt waren. Die Wasserfassung des Gampadels-Elektrizitäiswerkes, einem der größten Vorarlbergs, wurde durch Lawinen verschüttet, so daß das Werk einige Zeit ohne Wasser sein wird. In Parthennen hat eine Lawine die größte Stütze der Seil­bahn der Vorarlberger Jllwerke weggerissen Alle Männer im Walsertal sind aufgeboten worden, um in die ent­legenen Gehöfte Wege zu bahnen.

Die Lebensmittel sind zum Teil sehr knapp und Nach­schub ist nur auf Skiern und unter Lebensgefahr möglich.

Bei Hohenems wurde ein Skifahrer von einer Lawine getötet. Aus Tirol wird gemeldet: Das Gasthaus Klausnerhof" im Zillergrund wurde völlig zerstört. An der österreichisch-schweizerischen Grenze bei Altfinster­münz im Engadin staute eine 300 Meter breite Lawine fünf Stunden lang den Inn, doch brach sich glücklicherweise das Wasser einen Weg. Da die Temperatur etwas fällt, scheint die Lawinengefahr geringer zu werden.

Oie Überführung der toten Reichswehrsoldaten.

Von Garmisch-Partenkirchen aus erfolgte die Überführung der vier Ncichswehrsoldaten, die das Opfer des schweren Skinnglücks ant Krottentopf wurden. Die Toten werden nach Landsberg am Lech gebracht, wo eine feierliche Trauerparade stattfindet. Eine Abteilung Reichswehr, Mitglieder der Deutschen Bergwacht und eine Abordnung der Alpinen Rettungs­gesellschaft Garmisch-Partenkirchen erwiesen den Toten bei der Überführung die letzten Ehren.

Bulgarische Stadt von Schneemassen blockiert.

Das im Rhodopcgebirge gelegene Städtchen Paschmakli ist infolge der schweren Schneestürmc seit Tagen vollständig von der A n ß e n w c l t a b g e s ch n i t- t en. Bei dem noch anhaltenden Schneesturm haben die zwecks Freilegung der Straßen eingesetzten Truppen­kommandos mit grössten Schwieriakeiten zu fämbfen. Die Bevölkerung der bedrängten Stadt befindet sich bereits in großer U n r u h e, da sich ein

empfindlicher Mangel an Lebensmitteln bemerkbar macht. Bisher ist es auch einigen Hilfskolonnen auf Skiern, die in Körben Nahrungsmittel mitführten und auf Umwegen in die Stadt vorzudringen versuchten, nicht gelungen, an die Stadt heranzukommen, sondern sie mußten unverrichteter Dinge wieder umkehren.

Die Todeslawine von St. Antonien.

Sämtliche sieben Menschen, die bei dem schweren Lawinenunglück in St. Antonien ums -.eben kamen, sind geborgen worden. Die Rettungsarbetten waren auch durch weitere Laivinenabstürze sehr gefährdet. Es dämmerte schon, als die zur Hilfe herbeigeeilten l1aa)= baut mit den Rettungsarbeiten begannen; sie mußten dann in der Dunkelheit fortgeführt werden, ^urch Die aufgetürmten Schneemanern war man schon einigeage von der Außenwelt vollständig abgeschlossen, was auch dazu beitrug, die niederdrückende Stimmuna noch zu erhöhen.

In einer Breite von einem Kilometer war die Kühm- Läwine nach St. Antonien Platz hinuntergefahren.

Ganze Bäume hatte die Lawine mit sich gerissen, ferner sieben Piehställc und einige Heuschober; au Berbern das HausEnzian" der Familie Flütsch-Fausch und das An­wesenMatte" der Familie Thöny-Flütsch. ^as Hau» .Enzian" bot einen wüsten Trümmerhaufen, aus dem

Vater Mutter und die beiden 5 und 6 Fahre alten

Kinder böse zugerichtet als Leichen hervorgeholt wurden. Das Ehepaar Thöny, das, als am Nachmittag die Lawine niederging, gerade auf der Ofenbank m dem einzigen Raum saß, der von der Lamme nicht oollstandlg zermalmt wurde, entging dadurch dem sicheren ^om Di zu Besuch weilende Schwester der Frau Thöny, die 20 Jahre alte Tochter Eva und der l2Jahre m te Hute- junge Christian Flütsch, die sich teilweise im Stall, teil weise in anderen Räumen des Hauses aufhmlten, wurden z u T 0 d e g e d r ü ck t. , , ü

In den zerstörten Ställen wurden elwa l> Großvieh ein Pferd und eine ganze Anzahl Mem Vieh getötet. Bei der Familie Thöny gelang es nock einige Kälber, Schweine und Stegen auS dem schmc lebend herauszuholen. Eine Sägerei, die in der .iahe e HausesEnzian" stand, wurde etwa 30 Meter weit nach dem Dach zugeschoben und zertrümmert. Die Telephon leitungen sind ebenfalls durch die Lawine zerstört^ soi ß die Wiederaufnahme des Telephonverkehrs noch einige Tage auf sich warten läßt.

15 Lawinen im Paznauer Tal niedergegangen. Aus Innsbruck wird gemeldet: Nachdem

das

Paznauer Tal feit vier Tagen vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten war, sind jetzt die ersten Nach­richten von dort eingetroffen. Bevölkerung und Winter­sportgäste waren infolge der vielen Lawinenstürze in großer Angst, zumal ein fürchterlicher Schnee- st u r m herrschte. Ein Bauerhaus war durch eine Lawine zum Teil weggerissen worden, wobei 23 Stück Vieh umkame n. Die Straße durch das Tal ist durch 1 5 große Lawinen gesperrt.

Im A r l b e r g g e b i e t riß eine Lawine 1 4 Ställe weg. Die lN 000-Volt-Leitung des Elektrizitätswerks von Schruns (Montafon) ist in einer Länge von 300 Meter durch eine Lawine zerstört.

80 000 Quadratmeter Wald vernichtet.

Auf der Gernkogelspitze im Land Salzburg vernichtete eine Lawine den Wald im Ausmaß von 80 000 Quadratmeter. Das über den Abbaustufen des steierischen Erzberges in 1800 Meter Höhe gelegene Knappenhaus wurde von einer Lawine verschüttet. Einer Rettungsexpedition gelang es, die Insassen wohl­behalten zu bergen.

*

Hochwasser in London.

Sturm treibt Themse über die Ufer.

Im östlichen England tobten heftige Stürme, die mit­unter eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometer er­reichten. Die Themse, die Hochwasser führt, ist in London an verschiedenen Stellen aus ihren Ufern getreten. Zur Ebbezeit glich die Themse noch einem ausgetrockneten Rinnsal zwei Stunden später stand die Flui .schon eineinhalb Meter über den Normalflutzeit­marken. In der Nacht trat der Strom fast überall über seine Ufer. Die bekannten Ufer in Westminster, Victoria Embankment, waren etwa einen Meter hoch überflutet.

Erschossen und verscharrt

Ein neuer Mord bei Breslau

Die Breslauer Öffentlichkeit, die noch unter dem Eindruck der Verhaftung des mutmaßlichen Kinder- mürders und der schauerlichen Enthüllungen im Mordfall Fehse steht, wurde durch die Nachricht, daß ein neuer M o r d unter höchst geheimnisvollen Begleiterscheinungen verübt worden ist, erneut in große Erregung versetzt. Der in diesen Tagen von Peiskrctscham in Oberschlesien nach Breslau verzogene 40 Jahre alte Bcrgassessvr a. D. Willi­bald Fritsch ist hier auf einem Spaziergange kalt­blütig ermordet worden. Die bereits verhafteten Täter, der 24jährige Berthold P o l l o tz c k und der 21jährige Hellmuth Kirchhofs, habon bereits ein um­fangreiches Geständnis abgelegt.

Die beiden jungen Leute gingen seit Jahren in der Fa­milie des Bergassessors ein und aus. Angeblich war das Verhältnis zwischen den beiden Eheleuten durch die Schuld des Mannes denkbar unglücklich. Der Bcrgassessvr hätte seine Frau häufig schwer miß­handelt und das von ihr mitgebrachte Vermögen nach und nach systematisch verschwendet. Alle Vorhaltungen hätten nichts geholfen.

Um der unglücklichen Frau, die vor einigen Tagen in ein Sanatorium geschasst werden mußte, ein für allemal zu helfen, hatten Pollotzek und Kirchhoff nach -ihren der Polizei gemachten Angaben beschlossen, den Ehemann umzubringen.

Als der Umzug nach Breslau stattfand, begaben sie sich ebenfalls nach Breslau und suchten nicht weit von der Peripherie der Stadt einen Platz aus, wo sie die Tat am besten vollbringen konnten. Sie beschlossen, den Berg- assessor in der Nähe der Ortschaft K u n d s ch ü tz auf einem Feldweg niederzuschießen und die Leiche dann zu vergraben. Von dem Tatort legten sie sich eine genaue Skizze an.

Darauf wurde vor allein in allen Einzelheiten ein zur Zeit ausgetrockneter Wasierabzugsgraben fest- gehalten, in dem sie die Leiche eingraben wollten.

In der Nähe dieses Grabens versteckten sie auch beizeiten einen Spaten. Den Mordrevolver, mit dem die Tat begangen werden sollte, hatte Pollotzek schon längst in seinem Besitz. Die Untat wurde nun genau nach dem festgelegten Plan durchgcführt. Sie unternahmen am Abend mit dem Bergassessor einen längeren Spaziergang, auf dem sie ihn kaltblütig an die Stelle führten, wo ihm das Grab bereitet werden sollte.

Während des Gehens jagte ihm hier abends um 1411 Uhr Pollotzek eine Kugel in den Hinterkopf, die am Auge wieder austrat und den sofortigen Tod hcrbeiführtc.

Die Mordgesellen schleiften nun ihr Opfer vom Feldweg aus zu dem erwähnten Wassergraben, wo sic ein 50 Zenti­meter tiefes Grab aushuben. Ehe sie den Toten ver­scharrten, nahmen sie ihm seine Uhr, die Brieftasche, das Held und überhaupt aUcy ab, woraus im Falle der Auf-

Tas Waffer drang in die Untergrundbahnschächte.

Eilig herbeigerufene Arbeilskolonnen mußten die ganze Nacht hindurch an den Pumpen tätig sein, um die Strecke freizuhalten. In den südlichen Vororten drang der Fluß in die Keller und Wohnungen ein und ließ Hunderte von Menschen eine schlaflose Nacht verbringen. 300 Spezialbeamte der Polizei und Flußboote hielten die ganze Nacht Wacht, um die Bewohner der bedrohten Häuser rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Das Hoch­wasser ist das größte, das London seit 1928 erlebte.

Boxstcht! Lawinengefahr!

Auf fast allen Winkersportpläven wird KSt immer wieder auf die Lawinengefahr hingewiesen.

Die beiden Täter gefaßt.

sindung der Leiche auf die Identität geschloffen werden konnte. Nachdem sie den Erdboden wieder feftgetreten und geglättet hatten, streuten sie abgerupftes Gras darüber.

Sie rechneten fest damit, daß ihr schauerliches Gc heimnis ewig verborgen bleiben würde,

Trotz ihrer Kaltblütigkeit hatten sie aber vergessen, auf dem Feldwege Blut- und Schleifspuren 5.1 be­seitigen. Dazu kam, daß beim Wegschleppen des Ermor­deten aus dessen Tasche ein S ch r l st st ü ck gefallen war, aus dem man seine Personalien entnehmen konnte. Schließ­lich hatten sie neben der Blutspur auch die Patronenhülse liegen lassen. Nach der furchtbaren Tat gingen die beiden Mörder naeu Breslau zurück und versteckten den Spaten und die Wertsachen. Sodann begaben sie sich in dem ge­meinsam bewohnten Zimmer zur Ruhe, a l s w ä r e nichts geschehen. Bereits in der zweiten Nach: nach dem Berbrechen wurden sie aber aus den Betten heraus verhaftet. Die Verhafteten bereit'":; zu­erst zu leugnen, legten dann aber ein volles Geständnis ab und führten die Polizei zu dem Versteck des Spatens und der Wertgegenstände.

Drittes Todesopfer der Kinderiragödie in Berlin-

Die grauenhafte Kindertragödie, die sich in . erlitt, Weinstraße 27, abgespielt hat, bat jetzt ein drittes Todesopfer gefordert. Der vier Javre a lt c B ern - hard Jünemann, der bekanntlich bald verhungert neben seinen toten kleinen Geschwistern in der ^clicr- wobnung aufgefunden wurde, ist im Horst-W.sscl- Krankenhaus gestorben.

Die innerpolitische Spannung in Ungarn

Budapest, 8. Februar.

Der Konflikt zwischen dem Abgeordneten Tibor E ck -- Hardt und dem Grafen Beth len steht gegenwärr-g im Porder^und des allgemeinen Interesses. Die dem Grafen Bethlen nahestehenden Blätter schlagen einen außergewöhnlich scharfen Ton gegen Tibor Eckhardt an und verlangen von der Regierung Abbruch jeder Bezie­hungen mit der von Tibor Eckhardt geführten Unabhängig gen Kleinlandwirtc-Partei. In amtlichen Kreisen legt man sich zu diesem Konflikt allergrößte Zurückhal­tung auf und lehnt jede Stellungnahme zu dieser gegen­wärtig außerordentlich heftig geführten Auseinandersetzung ab. Hinter dem zunächst rein persönlich in der Presse aus- getragenen Konflikt zwischen dem Grafen Bethlen und Tibor Eckhardt steben nach allgemeiner Beurteilung grundsätzliche Gegensätze in den entscheidenden innerpolitischen Fragen. Es kann jedoch festgestellt wer­den, daß die Person des Ministerpräsidenten Gömbös außerhalb dieses Konfliktes steht.