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Fuldaer Anzeiger

n-rsâeint jeden Werktng. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. >Zri Lieferungsbehinderung durchHöhere Ge­willt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried­rich Ehrenklau, Fulda, Konigstrage 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lautsr- bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren- t lau, Fulda, Königstraße 42, Telefon 2989.

Tageblatt für Khöa tut» Vagdabery 'SWLÄKLLr Sulba. und Haunetal. ZllI»a-r «reisdla« ZZS?W-WM .... «O»»â ew» «.»».«»«»»«« ÄS SäSfëÄSaSS

Nr. 34 12. Jahrgang

Fulda, Samstag, 9. Februar 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Der Vertrag von Versailles ist tot

Garvin über Deutschland und die Londoner Verhandlungen.

, Der bekannte Herausgeber der englischen Zeitung Observer", G a r v i n , veröffentlicht in seinem Blatt einen,Artikel, in dem er zu den englisch-französischen Be­sprechungen in London Stellung nimmt. In diesem Auf­satz fordert Garvin Verhandlungen mit Deutschland und den Abschluß eines langjährigen Friedens«bkonimens. B e s o n d e r s b e m e r k e n s w e r 1 ist, daß selbst Herr Garvin, dessen sonst außerordentlich unfreundliche Einstellung zum nationalsozialistischen Deutschland be­kannt ist, sich hier zu einer vernunftgemäßen Be­urteilung der Forderungen Deutschlands bekannt hat. Garvin führt u. a. aus:

Die Londoner Besprechungen

sind nur so weit von fundamentaler Bedeutung, wie sie den Versuch, bessere Voraussetzungen für den Frieden Europas und damit der Welt zu schassen, fördern. Zu diesem Zweck sind erneute Verhandlungen mit Deutsch­land eine gebieterische Notwendigkeit. Wenn ober die Möglichkeit überhaupt bestehen soll, Deutschland zum Glied eines neuen Systems zu machen, so muß auf die frühere diplomatische An und Weise des Heran­gehens an ein Problem verzichtet werden. Einige unserer Freunde in Paris halten es jetzt noch für nützlich, formell darauf zu bestehen, daß die deutsche Wiederaufrüstung im Lichte des Versailler Vertrages ge­sehenungesetzlich" sei. Nichts könnte a b s u r d c r und nutzloser sein als ein Versuch, diese tote Formel wieder zum Leben zu erwecken.

e Der Vertrag von Versailles ist tot, sowohl in bezug â«uf die Rüstungsfragen als auch auf die Separa­tionen.

'Älst "Rahmen dieses verhaßten und n i cb t aner­

kannten Vcrtragsinstrumentes kann cs keine erfolg­reichen Verhandlungen mit Deutschland geben. Tas Dritte Reich unter Herrn Hitler kann nur auf der Grundlage absoluter Gleichberechtigung dazu veranlaßt werden, sich zuerst an konstruktiven Besprechungen und später an einem Kollektivsystcm zu beteiligen. Es ist jetzt z w e ck l o s , Deutschland als Tauschobjekt das An­gebot zu machen, es von einem Status der Minder­wertigkeit zu befreien, der l ä n g st nicht mehr besteht und der ihm niemals wieder ansgezwungen werden kann. Deutschland hat sich s e l o st befreit.

Wer würde den Versuch wagen, ihm jetzt, da es seine Eisenfcsscln zerbrochen hat, Fesseln aus Papier zum Zeichen seiner Unterjochung auzulegen?

Überhebliche Anmaßung irgendwelcher Art beim Herantreten an Deutschland ist genau so wenig am Platz, Ivie wir sie gegenüber irgendeiner anderen Großmacht für ailgebracht halten würden. Deutschland wird z. B ent­weder freiwillig in den Völkerbund zurückkehren oder überhaupt nicht. Die absolute, nicht die be­dingte Gleichberechtigung Deutschlands muß a l s V o r- bedingung für irgendwelche Verhandlungen mit Berlin über ein neues System allgemeiner Stabilität und Sicherheit anerkannt werden.

Das Problem Deutschland

kst in bezug auf die Zukunft des Friedens und oer Rüstun­gen nicht nur das wichtigste, sondern auch das am nächsten liegende. Da, und an keiner anderen Stelle, liegt der S ch l ü s s e l zu den guten oder bösen Geschicken der west­lichen Zivilisation Davon, wieweit London und Paris jetzt zu einer gemeinsamen Erkenntnis der Wahrheit gelangt sind, wird der produktive Wert der zwischen Fl and in und Laval und unserem eigenen Premierminister und seinen Kollegen aus- getauschten Ansichten abbängen.

Glatte See" ohne glatte See.

Der deutsche DampierGlatte See" lief an der hollän­dischen Küste auf Grund. Zur Zeit der Ebbe, die den Schiffskörper frei auf dem Sand stehen ließ, wurde diese Aufnahme gemacht. Nach Eintritt der Flut wurde der Dampfer dann von Hilfsfahrzeugen ins Schlepptau ge­nommen und wieder flottgemacht.

Rote Wühler am Werk.

Aoode Front" in Holland.

Die Hintergründe des scharfen Vorgehens der nieder- läirdischen Behörden gegen die nach Holland emigrier­te» deutschen K o in in u n i st e u erhellen aus den aufsehenerregenden Informationen des in Batavia er­scheinendenJava Bode", die interessante Schlaglichter auf die planmäßigen revolutionären Ak­tionen dieser gefährlichen Elemente in Holland und in den Niederländischen Kolonien werfen. Nach den Ansfüh- iungen des Blattes ist seit einiger Zeit eine

kommunistische Sabotagcorganisation

am Werk, die sich auf den verschiedensten Gebieten betätigt und die über die ganze Welt verzweigt ist. Die Organi­sation, die sich in HollandRoode Front" nennt, habe einen'Spionage- und Kontrolldienst ansgezogen, der bereits in zahlreichen Fällen das Postgeheimnis verletzt habe. Im übrigen sei die Möglichkeit keineswegs aus­geschlossen, daß die Roode-Front-Orqanisation durch einen Sabotageakt

auch dieUivcr"-Katastrophc verursacht nabe. Vor allem werde eine intensive Propagandaaktion K unter dem Schiffahrtspersonal betrieben. Die Mitglieder - der Roode-Front-Organisation säßen in fast allen lebens- " wichtigen Betrieben und warteten auf die Parole zu Hinern e in he i 1 l i ch c n Vorgehen.

Blitzdemonstrationen" in Amsterdam.

I; Die kommunistische Agitation in Amster- dam hält trotz des scharfen Vorgehens der Polizei gegen die Demonstranten an. lummer wieder finden sich auf

ArdeMWM in Frankreich

M ' Paris, 9. Febrnar.

Die Kammer setzte am Freitag die Aussprache über die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit fort.. Sm »Verlaufe der Aussprache teilte Arbeitsminister Zacquier mit, das; gegenwärtig in Frankreich 487 000 unterstützungs- ß beziehende Arbeitslose gezählt würden und daß die Zahl W der nichtunterstützten Arbeitslosen heben» Ulend höher sei. Die Maßnahmen der Regierung zur - Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bestäuben einmal in der 1 Durchführung großer öffentlicher Arbeiten, durch die man demnächst 70 000 Arbeitslose zu beschäftigen hoffe. Fer- Huer sei die Anlage sanitärer Einrichtungen und die Auf- Wsofstung großer Strecken des Landes geplant, für die 4 ausschließlich Aroc ius oi è hcran gezogen werden sollen. Wei- ? ter erwäge man die E i n s H r ä n t u n g der A r b e i t s - I Zeit, obwohl die Einführung der W-Stunden-Woche aus I Gründen der internationalen Vereinbarungen nicht in I Frage kommen könne, und schließlich erstrebe man eine H ^orzugsbehandümg der einheimischen Arbeiter unter mög» liebster Ausschalt »na b O a u ständisch « n Ar- W beitskr äste.

Straßen und Plätzen Sprechchör c zusammen, die die Freilassung der festgenommenen deutschen Kommunisten fordern. Es handelt sich um die Taktik sogenannter B l i tz d e m o n st r a t i o n e n", die in der 9lrt des Guerilla-Krieges gegen die Polizei dnrchgeführt werden. Bei der Auflösung einer Demonstration mußte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machen. Überall mußten heimlich angebrachte Transparente mit hetzerischen In­schriften entfernt werden.

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Unter diesen Umständen ist es begreiflich, daß die niederländische Regierung jetzt in schärfster Weise gegen die Mitglieder der kommunistischen Sabotageaktion vor­geht, die insbesondere im niederländischen Stein­kohlenbecken an der deutschen Grenze arbei­ten, wo infolge der Ankündung neuer Lohnsenkungs­maßnahmen die Stimmung als für kommunistische Ein­schüchterungen besonders geeignet betrachtet werden muß.

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Mitschuldig an 44 Morden.

Tas Wirken eines tummuniftifdjen Volkskommissars.

In Budapest wurde das Urteil in dem Prozeß gegen den einstigen kommunistischen Volkskommissar in Ungarn, M a l t h i a s R a k o s i, gefällt. Rakosi wurde zu lebens­länglichem Zuchthans verurteilt, und zwar wegen Hoch­verrats, Auflehnung, Mitschuld an 27 M erben A nstiftu u g z u 1 7 Ak erben und schließlich and) noch wegen Geldfälschung. Der Angeklagte nahm das Urteil mit scheinbarer Ruhe entgegen. Staatsanwalt und Ver­teidiger meldeten beide die Nichtigkeitsbeschwerde aN.

... w in ENgians

London, 9. Februar.

Die englische Regierung hat bekanntlich vor einigen Tagen die seit Anfang Januar in Kraft befindlichen Mast- nahmen zur Kürzung der Unterstützungssätze für diejenigen Arbeitslosen wieder rückgängig ge­macht, die nicht von den Arlwitsiosenämtern erfaßt wer­den. Dieser Rückzug, der einen Tag vor der Nachwahl von Wavertree angetreten wurde, und der als Zugeständ­nis an die hilfsbedürftige Bevölkerung bezeichnet wurde, bat die Wahlniederlage der Regierung nicht verhindern können. 3ii diesem Zusammenhang mag daran erinnert werden, daß der englische Arbcitsminister die Maßnahmen über die Senkung der Unterstützungssätze nicht nur zu- rückgenommen, sondern sich auch bereit erklärt hat, die seit Januar zu wenig geleisteten Unterstützungen nach- z»zahlen. In einer am Freitag eingebrachten Vorlage bat der Rückzug der Regierung der nicht nur von der Opposition als ein Rückzug angesehen wird - die gesetz». geberifehe Form erhalten.

Deutsch-französische

Getreideverhandlungen.

Obcrprösidcnl Koch in Paris.

Wie die Nachrichtenagentur Havas aus Paris meldet, hat dort Landwirlschaftsminifter C a s s e z den Oberpräsidentcn von Ostpreußen, Koch, enmpfangen, der sich im Einvernehmen mit seiner Regierung mit ihm über ein Angebot der deutschen Getreidestellen zum Ankaus von französischem F u t t e r g e t r e j d e unterhalten habe. Der Gesandte Coulondre, Direktor im Außenministerium, und der Direktor für Landwirtschaft, Brassart, hätten an der Unterredung teilgenommen

ZLllhinterziehunge» im Essener Freihafen

Emden, 9. Februar.

Seit Oktober vorigen Jahres ist die Zolifahndungs- oehörde mit der Aufdeckung von Zollunregeimäßig­keiten im Emdener Hafen beschäftigt. Es handelt sich dabei um viele Zentner eingeschmuggelter Waren, mit denen ein schwunghafter Handel getrieben wurde. Die Verbindungen reichen bis weit in das Hinter­land von Emden, so daß ein außerordcnräch großer P e r s o n e n k r e i s sich strafbar gemacht hat. Die auf­gedeckten Fäden führten immer wieder zu neuen Ver­haftungen und Eingeständnissen. Zum Teil liegen die Verfehlungen bis 1931.32 zurück. Obwohl im Intereffs der Untersuchung noch kein genaues Bild von dem Um­fang des Schmuggels gegeben werden kann, steht schon heute fest, daß durch die Zollhinterziehung dem Staat ein erheblicher Schaden zuaefuat worden ist.

Belämsfuug des Nüwsmus

Genf, 9. Februar.

In Genf wurde ein i n te r n a t io na les -I n sti t ur »Ur Bekâmpfu ng des Marxismus gegründet. Zweck dieser Rengründung ist der Kampf gegen Kommu­nismus und Sozialismus auf politischem, irirtfdMftlidxm uud sozialem Gebiet. Jedoch ist das Institut nicht gegen die Sowjetregierung gerichtet. Vorsitzender ist der bekannte Au irrist A über t, der als Vorsitzender der Arbeitsgemcii.!Haft gegen die Dritte Internationale schon seit Jahren auf diesem Gebiet tätig ist.

SparMatznahmeK in Rumänien

Bukarest, 9. Februar.

Der rumänische Ministerrat beschäftigte sich am Freitag eingehend mit her finanziellen Lage. Der Finanz- minister betonte die Notwendigkeit, die Ausgabe« im Haushaltsjahr 1935 36 um mindestens 2 Milliarden Lei >u senken. Im Verlauf der Beratungen wurde beschlos­sen. daß jedes Mchistcrium für das Haushaltsjahr 1935-36 seine Ausgaben um 10 v. H. des letzten Haushalts herab-- brüden müßte. Ferner dürfen von heute ab keine Neu­er Nennungen oder Beförderungen von Beamten des Staates und der öffentlichen Dienste stattfinden.