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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 36 12. Jahrgang

Fulda, Dienstag, 12. Februar 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Kriegsgefahr ItalienAbessinien

Italien mobilisiert zwei Divisionen für Afrika.

An der abessinisch-italienischen Grenze haben sich neue schwere Zwischenfälle ereignet, die zu einem energischen Protest des italienischen Gesandten bei der abessinischen Regierung geführt haben.

Der italienische Gesandte in Addis Abeba, der Haupt­stadt Abessiniens, erklärte der abessinischen Regierung, reguläre abessinische Truppen hätten Lamaba angegriffen und die Orte Szillave und Afdub besetzt. Dies verstoße gegen das kürzlich zwischen der italienischen und abessinischen Negierung er­zielte Übereinkommen, wonach bis zu einer Einigung über die strittige Grenze keineTruppenaktionen erfolgen dürften. Die abessinische Regierung erwiderte auf die italienische Beschwerde, der Zwischenfall bei Szillave sei durch italienischeBanden' hervorgerufen worden und in Afdub befinde sich seit 10 Jahren ein abessinischer Militär- posten. Nach nichtamtlichen Berichten sollen in diesen letzten Grenzkämpfen auf italienischer Seite 40 und aus abessinischer Seite 7 0 0 Tore sowie zahlreiche B e r w u n d e t e zu verzeichnen gewesen sein.

Nach einer amtlichen Mitteilung der Agenzia Stefani sind in der Zeit zwischen dem 5. und 11. Februar zwei italienische Divisionen mobilisiert worden. Die als Bor- sjchtsmasinahme bezeichnete Einberufung dieser Kontin­gente aus der Jahrcsklasse 1911 habe sich, wie das Kom­munique hinzufügt, in größter Ordnung vollzogen.

Die Mobilisierung von zwei italienischen Divisionen wird in unterrichteten italienischen Kreisen als eine Vor­sichtsmaßnahme bezeichnet, die ausschließlich wegen der sich häufenden

Zwischenfälle im abessinischen Grenzgebiet erfolgt sei. Wie man weiter zuverlässig erfährt, wird eine Verschiffung der italienischen Divisionen vorerst nicht vorgenommen. Die italienische Regierung will aber für den Fall weiterer abessinischer Angriffe sofort über zur Verschiffung bereitstehende Truppenverbände ver­fügen können. In der schärfsten Form werden in diesem Zusammenhang

die Gerüchte über die angeblich bereits erfolgte Zusammenziehung

großer italienischer Streitkräfte in den beiden italienischen Kolonien Eritrea und S o m a l i l a n d dementiert. Die abessinischen Angriffe, die nur zum Teil öffentlich bekannt geworden seien, hätten freilich in den letzten Monaten in beunruhigender Weise zugenommen und Italien davon überzeugt, daß es auf die Verteidigung per beiden Kolonien besser bedacht sein müsse. Richtig sei, daß Italien bei der deutlich erkennbaren Gärung an der abessinischen Grenze und der damit verbundenen Überraschungsgefahr seit einiger Zeit bewaffnete Kräfte zusammengezogen und entsprechende Bewegungen ein- geleitet habe. Diese aber hätten nur den Zweck der Ab­wehr, für die Italien rechtzeitig bereit sein müsse.

Der Führer in Nürnberg.

Zur Geburtstagsfeier des Frankenführers Iulius Streicher. |

3m Kreise ältester und ärmster Parteigenossen.

Nürnberg, 12. Februar. Der Führer stattete am Montag überraschend, von München kommend, Nürnberg einen Besuch ab, um den Frankenführer Iulius Streicher am Vorabend seines 50. Geburtstages persönlich zu beglück­wünschen. Da Streicher diesen Abend mit den 100 ältesten und ärmsten Parteigenossen und Parteigenossinnen ver­brachte, die er zu einer schlichten Feier geladen hatte, ließ es sich der Führer nicht nehmen, seinen Glückwünschen gerade in diesem Kreise der Treuesten Ausdruck zu geben. Nach der Ansprache Iulius Streichers, der auf die schwe­ren Jahre des gemeinsamen Kampfes zurückblickte und den Sinn dieser seiner Geburtstagsfeier dahin deutete, daß er unter seinen ältesten Kampfgenossen immer wieder die Kraft finde, weiter zu kämpfen, sprach der Führer in zu herzen gehenden Worten zu seinem alten Kampfgefährten und seinen Getreuen.

Der Führer wies einleitend darauf hin, daß es »hm eine besondere Freude bereite, zu diesem Ehrentag Iulius Streichers für kurze Zeit in Nürnberg, der Stadt lampfgehärteter nationalsozialistischer Gemeinschaft, in diesem Kreis der Fahnenträger der nationalsozialistischen Idee durch viele Jahre hindurch zu weilen. So wie sie alle in den Jahren der Not unerschütterlich an den Sieg der Bewegung geglaubt hätten, so habe insbesondere sein Freund und Kampfgenosse Streicher allezeit treu an seiner Seite gestanden. Dieser unerschütterliche Glaube sei es gewesen, der Berge versetzt habe. Es sei für Streicher sicher­lich ein erhebendes Gefühl, daß dieser 50. Geburtstag für ihn nicht nur die Wende eines halben Jahrhunderts, sondern wohl eines Jahrtausends deutscher Geschichte sei. In Streicher habe er einen Gefährten, von dem er wisse, daß hier in Nürnberg ein Mann sei, der keine Sekunde wanke und in jeder Lage unbeirrbar hinter ihm stehe.

Der Führer wandte sich dann noch mit besonderer Äff« <?n die versammelten Men treuen Kamnfsrncgien-

Über Einzelheiten der italienischen Rüstungen verlautet noch, daß Italien drei Klassen von Rekruten technischer Berufe unter die Fahnen ge­rufen habe, die für den Einsatz in dem drohenden kriegerischen Konflikt mit Abessinien zur Ver­fügung stellen sollen.

Es kann als sicher gelten, daß eine Aktion gegen Abessinien mit den modern sten Kriegsmitteln durchgeführt werden wird. So würden starke Luft­streitkräfte eingesetzt werden. Es verlautet, daß weitere Zwischenfälle Kriegsgefahr bringen würden. Die Einberufungen dürften nach zuverlässigen Schätzungen ungefähr 75 000 Mann betragen.

Ein künftiger Kriegsschauplatz?

Eine Übersicht über die Lage Abessiniens zu den italie­nischen Kolonien Eritrea und Somaliland.

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Aaliemsches Ultimatum an Abessinien?

Wie Reuter aus Rom meldet, besteht nach einer Äußerung des Wortführers im italienischen Ministerium des Äußern durchaus die Möglichkeit, daß Italien an Abessinien ein Ultimatum richtet, falls die Beziehun­gen zwischen den beiden Ländern sich weiterhin zuspitzen sollten.

Es sei sehr schön, wenn man sich unter solchen Umständen wie heute einmal wieder treffen könne, es sei dies eine schöne Erinnerung an die Vergangenheit und ein starkes Band des Glaubens für die Zukunft. Sie alle, die durch die schwerste Schule gehen mußten, seien gewappnet, um auch beharrlich zu sein gegenüber allen Prüfungen in der Zukunft. Er sei zu ihnen gekommen, um ihnen für ihre Treue und Liede zu danken und um Iulius Streicher auch für das kommende Jahr und alle Zukunft alles Gute ru wünsche».

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Staatsbesuch Görings in Bremen.

Der Reichsminister und preußische Ministerpräsident General Göring stattet am Mittwoch dem Reichs­statthalter Röver und dem Senat der Freien Hanse­stadt Bremen einen Staatsbesuch ab. Die Be­grüßungsreden werden auf einem großen Platz im Mittelpunkt der Stadt gehalten, wo sämtliche Organisa­tionen Aufstellung nehmen. Im Anschluß daran begibt sich Ministerpräsident Göring zur W e s e r w e r f t, wo die Gefolgschaften aller der Deutschen Arbeitsfront an- geschlossenen Betriebe aufmarschieren. Auch hier wird Ministerpräsident Göring eine Rede halten.

^Deutsch geboren deutsch gestorben.^

Die Witwe Johannes, die ihres Stimmrechts im Saargebiet verlustig gegangen war, weil sic bei der Ab­stimmung im Schwesternhaus in Mettlach erklärt hatte: Ich bin deutsch geboren und will auch deutsch sterben!*, ist im Alter von 85 Jahren in ihrem Heimatort Besserin,gen bei Merzig gestorben. Ihr Aus­spruch war zu einem geflügelten Wort im Abstimmung s- lâMpf Mwardsn. '

Ostland Erenzland.

Wenn wir tm folgenden einen knappen Abritz dessen geben wollen, was der Besuch der ostpreußischen Grenzgebiete dem Reichsdeutschen vermittelt, dann muß zwangsläufig unter dem Eindruck der Grenznot Ostpreußens gleichzeitig die Richtigkeit der national­sozialistischen Ostpolitik unterstrichen werden, die dem gesamten deutschen Volk den Osten nahebringen will, und durch den Ostpreußen Plan den besten Grenzschutz schaffen wird, den es gibt: den deutschen Menschen, der im Osten seine neue Heimat finden wird.

WPD. Man kann die wirtschaftspolitischen Verhält­nisse Ostpreußens nur verstehen, wenn man die Grenz­verhältnisse kennt. Daß Ostland unter ungeheurer Grenz­not' leidet, das wird nirgends so klar wie in der Weichsel­niederung zwischen Marienwerder und Marienburg.

B i s ch o f s w e r d e r z. B. ist durch den Versailler Friedensvertrag in den hintersten Grenzwinkel West­preußens gerückt. Südlich von Freystadt, dem Markt­flecken des^ Gutes R e u d e ck des verewigten Reichsprä­sidenten von Hindenburg, gelegen, ist_Bischofs­werder nur schwer zu erreichen. Von den 56 Dörfern, die in feinem Wirtschaftsbereich lagen, verblieben der Stadt nur noch drei. Tie Folge war ein gewaltiger Rückgang der Zahl der Betriebe sowohl des Einzelhandels als auch des Handwerks, der bei ersterem 37,5, bei letzterem sogar 61,4 Prozent beträgt.

Auch Luck und Prostken sind heute ohne Hinter­land. Als vorwiegender Agrarkreis ohne jede Industrie konnte sich die wirtschaftliche Lage auch nach der Macht­übernahme nur schwerlich bessern. Der Einsatz der Ar- beitsschlacht und die Stützung der Landwirtschaft ermög­lichten einen kleinen wirtschaftlichen Aufschwung.

Jedem Reisenden nach dem Osten ist E v d t k u b n e n zumindest durch die Aufschrift auf den D-Zügen bekannt. Eydtkuhnen, die Grenzstadt des Deutschen Reiches nach Rußland und heute Litauen, war in der Vorkriegszeit ein bedeutender Warenumschlagsplatz. Ein riesiger Bahn­hof, große Speicher der Spediteure, ungeheure Quaran- täneschuppen für die Einfuhr von lebendem Geflügel u. a. und sonstige Einrichtungen sind beute verkleinert, dem Verfall preisgegeben oder unbenutzt. Die Neuregelung der Devisenbestimmungen und die Neuordnung des Warenaustausches im Kleinen Grenzvcrkebr baden tm Zusammenhang mit den Bemühungen zur Überwindung der Arbeitslosigkeit zwar etwas entlastet, sind aber noch unvollkommen.

Das gilt auch für d i e nordöstlichste Stadt des Deutschen Reiches: Tilsit. Unverkennbar war die Lage der stabt Tilsit bei der Machtergreifung recht unerfreulich. Es hat sich geneigt. daß nach dem 30. Januar 1933 und den in Verfolg hieran ergriffenen Maßnahmen sich starke Anzeichen für eine erfreuliche Be­lebung der Grenzstadt Tilsit bemerkbar gemacht haben.

Zweifellos hat die Stadt Tilsit dadurch besonders schwer gelitten, daß ihr durch die Abtrennung des M e m e l g e b i e t e s der größte Teil ihres überaus wichtigen Hinterlandes beraubt wurde. Insbesondere war es die einst blühende Holzindustrie, die zwangsläufig zurückgehcn mußte, nachdem keine Möglichkeit mehr be­stand, das Holz aus dem ehemaligen russischen, heute pol­nischen Gebiet zu beziehen. Wiederholt ist im Laufe der letzten Jahre versucht worden, durch Verhandlungen zwischen Polen und Litauen den großen Holzbeständen am oberen Memelstrom (Njemen) auf dem natürlichen Wasserwege Absatz zu verschaffen. Leider haben sich diese Verhandlungen bisher immer wieder zerschlagen, haupt­sächlich infolge des Konflikts zwischen Litauen und Polen in der Wilnäsrage.

Von der litauisch-jüdischen Emigrantenprcssc ist immer ivieder versucht worden, den unheilvollen Einfluß, den die deutsche Binnenschiffahrt auf den memelländisch-litauischen Gewässern, insbesondere den Memeler Hafen, ausübe, Her­ausstellen. Man versuchte dem Leser klarzumachen, daß der deutsche Schiffer den größten Teil der Transporte aus­führe, dagegen dem memelländisch-litauische Schiffer zu­rückstehen müsse. Man versuchte ferner klarzulegen, daß phantastische Summen, die durch die Frachten erzielt würden, in das Ausland, also nach Deutschland, ab- wanberten. Tatsächlich ist cs jedoch neben der deutschen Seeschiffahrt die deutsche Binnenschiffahrt allein, die gerade den Memeler Hafen lebensfähig gestaltet und der Stadt Memel wirtschaftliche Vorteile bringt. Nicht allein, daß durch die Hafenabgaben, Stromsteuer usw. den memel- ländisch-litauischen Kassen eine erhebliche Einnahmequelle eröffnet wurde, in der Hauptsache wurden durch den Um­schlag dem Memeler Arbeiter in großer Anzahl Verdienst- möglichkeiten gegeben, die hohe Einnahmequellen für diesen darstellten. Eine Vcrdicnstmöglichkcil bis zu 80 Lit pro Woche bei einer Kaufkraft des Lits im Memelgebict und in Litauen in der Höhe einer Reichsmark.' tvarcn keine Seltenheit. , ...

Neben Transporten für die deutschen Zcllstoffabruen, die über Memel verfrachtet wurden, kamen ganz erhebliche Holzmengen gleicher Art aus Litauen selbst, die ebenfalls auf dem Wasserweg derangebracht wurden. atc un­gefähren Vergleichszahlen der letzten Jahre bewegen »w um rund 250 000 Raummeter pro «jabr. Wichtig ist, daß Litauen auf den Export dieser über- schüssigen Papierholzmcngen angewiesen ist und als .lut« nahmegebiet nur Deutschland in Frage kommt. Dre an­grenzende zelluloseverarbeitende Industrie der Nachbar länder, sei 'cs Schweden, Finnland u. ä., verfügen über genügend eigenen Holzbcstand.

Diese wenigen Andeutungen der wirtschaftlichen Be­rührungspunkte zwischen dem Memelland und Ostpreußen genügen zum Beweis dafür, daß eine Reihe von Möglich feiten offsnsteht, um von der Wirtschaft her die Gesamtlagc bei Achtung der gegenseitigen LâmZücdmgunML zu betrieben.