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Nr. 37 — 12. Jahrgang
Fulda, Mittwoch, 13. Februar 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Amerikas Riesenlustschiff »Macon* vernichtet
Auf bas Meer gestürzt. — Besatzung fast vollzählig gerettet.
N e w y o r k, 13. Febr. (Funkmeldung.) Das amerikanische Riesenluftschiff „Macon" ist auf einer Fahrt nahe der kalifornischen Küste verunglückt. Das Luftschiff stürzte aus noch unbekannter Ursache aus etwa 600 Meter Höhe auf das Meer nieder und brach auseinander. Von der 83 Mann starken Besatzung konnten 81 von mehreren in der Nähe befindlichen amerikanischen Kriegsschiffen gerettet werden. Ueber das Schicksal der beiden Vermißten ist noch nichts bekannt.
Die Nachricht von dem schweren Luftschiffunglück hat in ganz Amerika große Anteilnahme ausgelöst. Es werden dazu noch folgende Einzelheiten bekannt:
Die Besatzung des Luftschiffes betrug 83 Mann. 81 wurden von den Kreuzern „Richmond", „Eoncord" und „Cincinnati" an Bord genommen. Ueber das Schicksal der beiden Vermißten — bei dem einen handelt es sich offenbar um den Funker — ist noch nichts bekannt. Von den Geretteten ist niemand ernstlicher verletzt worden.
Der abessinische Konflikt.
Italiens Mobilisierung.
Der Völkerbund in Nöten,
Sowohl das englische als auch das französische Auswärtige Amt sind mit einer diplomatischen Aktion befaßt um zu verhindern, daß der italienisch-abessinische Streit in einen bewaffneten Konflikt ausartet. Um des Ansehens des Völkerbundes willen möchte man vermeiden, baß ein Klageantrag Abessiniens, der bereits bei der letzten Genfer Tagung nur mit Mühe verhindert wurde, jetzt wiederholt wird. Man fürchtet allerdings, daß Abessinien im gegenwärtigen Fall auf eine öffentliche Klage be stehen wird.
*
Oer gute Onkel in Genf und die bösen Buben.
DaS verstimmte' „Friedensinstrument".
Die in Florenz und Messina durch Mussolini zusammengezogenen zwei mobilen Divisionen, die gegebenenfalls gegen Abessinien eingesetzt werden sollen, stehen noch Gewehc bei Fuß. Die britische Negierung hat Italien und Abessinien aufgefordcrt, unverzüglich in direkte Verhandlungen über den Grenzkonflikt einzutreten. In der Zwischenzeit sollen bcibe Teile weitere Konflikte vermeiden. Man hofft in englischen Kreisen, daß die Lage durch Einschaltung des Völkerbundes vor einer weiteren Verschärfung bewahrt werden könne. In Frankreich teilt man diese Hoffnung allerdings nicht ganz. Man fürchtet dort, wohl nicht ganz mit Unrecht, daß Gens, nachdem es schon machtlos habe zulassen müssen, daß China und Japan, daß Bolivien und Paraguay kämpfen, nun auch noch werde zitsehen müssen, wie Italien und Abessinien sich schlagen, wodurch die Wertlosigkeit dieses „Friedensinstruments" schon wieder einmal in Erscheinung treten dürfte.
Mussolini hat erklärt, daß er bei weiteren Angriffen Abessiniens zuschlagen müsse, und ob sich die Übergriffe abessinischer Truppen durch einen Spruch des Völkerbundes oder durch diplomatische Verhandlungen werden verhindern lassen, darf füglich bezweifelt werden. Die örtlichen abessinischen Häuptlinge tun, was sie wollen, und von einer Negierung, der cs nicht gelingt, ihre Stammesmitglieder in Zaum zu halten. kann man schwerlich erwarten, daß sie den Streitkräften ihrer selbständigen Häuptlinge und ungenügend unterworfenen Stämme strenge Disziplin auferlegt. Der Kaiser von Abessinien hat sich auch durch seine Bemühungen, die Skl werei abzuschaffen und die Macht des Adels zu beugen, viele Feinde gemacht, die nur zu froh sein werden, ihn in weitere Schwierigkeiten mit Italien zu verwickeln. Wenn diese Verwicklungen eintreten, wird dann Mussolini seine Divisionen antreten lassen zu einem Feldzug, der sowohl militärisch wie politisch ein Abenteuer bedeutet? Ganz abgesehen davon, daß jetzt in Abessinien bald die Regenzeit beginnt, die Operationen umfangreicher Ari unmöglich macht, kann Italien, dessen finanzielle Lage nicht die beste ist, auf einem fernen Kriegsschauplatz mit schwierigem Gelände und Klinta sehr viel aufs Spiel setzen. Außerdem würde Italien sich in Gegensatz bringen zu den Interessen Frankreichs und Großbritanniens, der beiden Länder, auf deren Freundschaft es neuerdings so viel Werl zu legen scheint. Ein englisches Blatt übt auch schon sehr unwillige Kritik an dem Vorgehen Mussolinis und läßt durchblicken, daß die Rüstungen vielleicht auch t n n e r p o l i t i s ch e Gründe haben. Es fragt: „Rasselt Mussolini nur mit dem Säbel und macht kriegerischen Lärm, um seinen Faschisten zu Leigen. was für ein Teufelskerl er ist?"
Ueber die Ursache des Absturzes ist man sich noch völlig im Unklaren. Nach einem Funkspruch des Kapitäns der „Macon", Wiley, erfolgte der Absturz, nachdem das Hinterschiff auseinandergebrochen war. Die Mannschaft habe jedoch Zeit gehabt, Rettungsgürtel anzulegen und die Gummiboote zu besteigen. Nach einem anderen Bericht ist die „Macon" aus etwa 600 Meter Höhe 13 Meilen südöstlich von Point Sur aufs Meer gestürzt und anscheinend auf eine Felsklippe aufgeschlagen.
Am peinlichsten ist jedenfalls zunächst die Angelegenheit für den Völkerbund, der sich vor eine neue Belastungsprobe seines Ansehens als „Erhalter des Friedens" gestellt sieht. Wie erinnerlich, ist ein Appell Abessiniens an den Völkerbundsrat wegen Italien im vergangenen Monat mit der Anforderung beantwortet worden, den Konflikt in direkten Verhandlungen beizulegen. Diesem Rat des guten Onkels in Gens sind aber die unartigen Völker wieder einmal nicht gefolgt, und nun sitzt wieder einmal auf dem Dache ein Greis, der sich nicht zu helfen weiß!
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General de Vom»,
der Oberbefehlshaber der italienischen militärischen For- mationen in Somaliland, der jetzt auch dort die neuen italienischen Operationen leiten wird. General de Bono, der hier von dem Photographen hoch auf dem Kamele
sitzend geknipst wurde, wurde bereits vor Monaten, als sich die ersten Zwischenfälle an der italienisch-abessinischen Grenze ereigneten, von seiner Regierung in militärischer Sondermission nach Afrika geschickt.
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Zündstoff in Ostafrika.
Es scheint, als ob in Afrika ein Pulverfaß hochgehen soll — kein Mensch kümmert sich, wenn es bart auf bart geht, um die mit steifen Beamten und würdigen Repräsen- tationsgreisen besetzten Büros des sogenannten Völkerbundes, die Mitglieder so wenig wie die Richtmitglieder.
Italien hat es zur Zeit mit Abessinie n. Richt erst seit heute und gestern, auch nicht erst seit dem vergangenen Herbst, als die Italiener ihre Somaligrenze gegen Abessinien militärtcchnisch erheblich zu verstärken begannen. Italien hat dort an der ostafrikaniscken Küste einen wunden Punkt i n seiner Kolonialgeschichte. 1885 besetzte es, ohne zunächst Widerstand zu finden, den Küstenstreifen von Erythräa. 1896 aber wurde bei A d n a ein italienisches Heer von den Abessiniern in einer mörderischen Schlacht bis auf den letzten Mann niedergemacht. Das hat man in Italien Nicht vergessen. Gleichzeitig mit Erythräa war südöstlich ein Teil der Somalitüftc von den Italienern besetzt
worden. Von diesem Küstenstreifen aus erfolgte dann 1 9 2 6 die Besetzung der wichtigen Lase Ualual, wiederum ohne abessinischen Widerstand. Erft am 5. Dezember 1934 kam es dort zu dem bekannten Grenzzwischenfall, als einer englisch-abessinischen Grenzfestsetzungskommission das Betreten der Oase von dem italienischen Kommandanten verboten wurde. Es kam dann wiederholt zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen den italienischen Kolonialstreitkräften und abessinischen Grenzstämmen, beiläufig zur selben Zeit, als sich gerade König Viktor Emanuel auf einer Besichtigungsreise in Somaliland befand.
Der Flecken Ualual liegt rund 100 Kilometer weit drinnen im eigentlichen abessinischen Gebiet, also etwa zwei Tagemärsche von der italienisch-abessinischen Grenze entfernt. Freilich — und das ist der eigentliche Anlaß des ganzen kriegsdrohenden Streites — die „Grenze", die da auf der Karte mit einem schönen graben Strich eingezeichnet ist und die beiderseitigen Gebiete fein säuberlich trennt, ist in Wirklichkeit noch garnichtvor- Handen. Aus europäischen Verhältnissen sind wir es gewöhnt, eine Grenze zwischen zwei Staaten sozusagen bis auf den Zentimeter genau abgezirkelt und durch Grenzsteine, Schlagbäume usw. (eventuell auch durch Stacheldrahtverhaue wie zwischen Polen und Litauen- völlig einwandfrei markiert zu finden. Dort in dem strittigen Gebiet ist die „Grenze" bisher nur eine angenommene Linie, die in einer ungefähr bestimmten Gegend irgendwie durch die Wüste, teilweise durch die Steppe läuft.
Um diesem Übelstand abzubelfen, der aus gering- sügigem Anlaß zu einem Kriege führen kann, hatte in den letzten Monaten England wiederholt beide Parteien gedrängt, die Grenze genau festlcgen zu lassen. Abessinien kann darauf verweisen, daß Ualual unzweifelhaft auf seinem Gebiet und, wie gesagt, etwa hundert Kilometer von der angenommenen italienischen Grenzlinie entfernt liegt. Italien beruft sich darauf, daß es schon seit 1926 unangefochten diesen Stützpunkt unterhält. Man ist auf beiden Seiten nicht müßig gewesen. Ras 5 a f a r i, her Beherrscher Abessiniens, Kaiser von Äthiopien genannt, betreibt seit dem Herbst vergangenen Jabres die Modernisierung seines Heeres, das man auf etwa 100 000 Mann, 300 Maschinengewehre, 150 Geschütze und eine geringe Anzahl Tanks und Flugzeuge schätzt: cs hat ein Gebiet von einer Million Quadratkilometer mit etwa zehn bis fünfzehn Millionen Einwohnern zu schützen. Seit dem Herbst hat Italien auch erhebliche Mengen Kriegsgerät in Somali massiert, hat Vorräte für große Truppenmengen in Tripolis und in den süditalienischen Häfen bereitgestellt und die Truppen in Somali verstärkt. So mar cs nicht weiter verwunderlich, wenn Italien schon bei den ersten Zwischenfällen um Ualual in einem menschenleeren und straßcnloseu Gebiet mit einem bedeutenden Aufwand von modernen Kriegsmitteln aller Art, einschließlich starker Bombengeschwader, auftreten konnte.
Freilich weiß man auch in Rom sehr gut, daß ein Krieg gegen Abessinien selbst unter den heutigen technisch stark verbesserten Verhältnissen für Italien ein sehr zweifelhaftes Abenteuer bleibt: cs hätte seine Operationen auf eine Entfernung von mindestens 4000 Kilometer Luftlinie zu führen: seine dortigen Kolonial- iruppen bestehen vorwiegend aus den Ervthräern, die mit den Abessiniern stammverwandt sind und also militärisch auf keinen Fall als zuverlässig anzusehen sind: der Gegner besteht aus den freibcitliebenben, stolzen, körperlich gestählten Gebirgsstämmen der abessinischen Hochebene, denen überdies das zerrissene, von tiefen Taleinschnitten durchzogene Gelände zu Hilfe kommt, das gegen Orts- unkundige leicht zu verteidigen ist.
Es ist 3um mindesten eine große Frage, ob sich die italienische Regierung auf ein Experiment von derartig zweifelhaftem AuSgang unter den heutigen, höchst ungeklärten Verhältnissen in Europa entlassen wird.^ freilich, Italiens Expansions- und Kolonialwünschc sind 1913 durch die Friedensverträge genau so unbefriedigt geblieben wie seine Forderungen an der balmatococn Küste. Und es hat aus seinen Absichten gegenüber Abcssimen eigentlich nie recht ein Hehl gemacht: schon 1926 schloß es mit England ein förmliches Abkommen über dw Austeilung Abessiniens in zwei Jntercsscmpharen, Mussolini schickte den „Marschall der Lüfte", Italo Balbo, als Gouverneur nach Libyen, und erst vor kurzem liefe er den General deBo n o , einen der führenden Männer des Marsches auf Rom, zum Kommissar über die ostafrikanischen Kolonien und sich selbst zum Kriegsminister ernennen. Aber es bleibt schon allein aus finanziellen Gründen zweifelhaft, ob Italien sich um der Vereinigung zweier auseinanderlicgcnder Kolonialteile willen in kriegerische Abenteuer so weit entfernt vom Mutterlande stürzen kann., ohne seine Währung und den inneren Auf-