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Arl-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Wochenbeilage:Der Sonntag". Bezugspreis: monatlich 1,70 RM. Bei Meserungsbehinderung durchHöhere Ge­walt" bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried­rich E h r e n k l a u, Fulda, Königstraße 42. Rotationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Hautet* bach/H. Hauptschriftleiter Friedrich Ehren­klau, Fulda, Königstraße 42, Telefon 2989.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- unö Haunetal »ßul-aer Kreisblatt

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Nr. 38 12. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, 14. Februar 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Sühne für die Ermordung des Lindbcrgh-Kmdcs

Hauptmann jum Tode verurteilt

Der Hauptmann-Prozeß, der wegen der Ermordung des

Lindbergh-Kindes in Amerika geführt worden ist, ist heute

»acht zum Abschluß gelangt. Hauptmann wurde des Mor­des ersten Grades für schuldig befunden und zum Tode ver­urteilt. Der Richter hat die Hinrichtung auf die am 18.

März beginnende Woche festgesetzt. Sie erfolgt auf dem elektrischen Stuhl.

Die Urteils-Verkündung.

Flemington, 14. Febr. (Funkmeldung.) Die Be­ratung der Geschworenen vor der Urteilsverkündung dauerte HStunden. Ihr Wahrspruch lautete aus Schuldig des Mordes ersten Grades ohne mildernde Um- I stände". Sämtliche Geschworenen machten bei ihrem Ein- U tritt in den Gerichtssaal einen stark erregten Eindruck. Der $ Obmann verlas den Wahrspruch mit zitternden Händen.

< Einige weibliche Geschworene meinten.

Berufung der Verteidigung?

Flemingtou, 14. Febr. (Funkmeldung.) Das Todes- I urteil im Hauptmannprozeß wurde kurz vor Mitternacht 1 gefällt. Der Richter wollte schon angesichts der Uneinigkeit I der Geschworenen nach Hause gehen, um dort zu warten, Mals Plötzlich der Sheriff ankündigte, daß der Spruch der Ee-

Staatsbesuch Görings in Bremen.

Die Hansestadt Bremen stand im Zeichen des K Staatsbesuches des preußischen Ministerpräsidenten I Göring. Alle Käufer waren reich beflaggt. Minister- : Präsident Göring verließ mit seiner Begleitung den Zug. - herzlich begrüßt von Gauleiter Roever und den anderen : zu seinem Empfang erschienenen Herren.

Bei dem Empfang im Rathaus hieß Reichsstatthalter ; und Gauleiter Carl Roever den Gast mit bewegten ; Worten willkommen. Dann begrüßte Bremens Regierender * Bürgermeister, Otto Heider, den Ministerpräsidenten im Namen der bremischen Regierung. Er erinnerte an die Zeit, wo kurz vor der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus Hermann Göring in Bremen eine Kampfrede für die Bewegung Adolf Hitlers ge­halten habe.

Ministerpräsident General Göring erwiderte in seiner Ansprache u. n., gerade weil der Bremer so fest- : halte an seiner Tradition, müsse alles darangesetzt wcr- : den, nm die letzten R e st e der Demokratie, die u M in Bremen besonders festen Fuß gefaßt halte, a u 8 z u - : löschen. Der wirkliche nationalsozialistische Führer : müsse sich klar darüber sein, daß er

der erste Diener des Staates

M sein muß. Auch in der Gegenwart müsse dafür gekämpft I werden, daß die Hansestadt Bremen ihre Weltgeltung und f ihre Pionierarbeit für das Deutschmm in Übersee weiter- L hin bewahre.

Ministerpräsident Göring spricht zu

30000 Arbeitern.

Nach der Beendigung des offiziellen Begrüßungs­aktes im Bremer Rathaus begab sich Ministerpräsident General Göring zur Kundgebung nach der großen Maschinenhalle auf der AG.Weser" der Deschimagwerfl, an der 30 000 Volksgenossen teilnahmen. Reichsstattballer Oarl Roever erteilte dem Ministerpräsidenten sogleich das Wort, der dann unter nicht endenwollenden Heilrusen noch einmal stürmisch gefeiert wurde. Ministerpräsident Göring führte u. a. aus: Es ist für mich heute ein stolzes Gefühl, vor deutschen Männern zu sprechen, die zur gleichen Zeit als Arbeiter der Faust jahrein und jahraus in harter Arbeit ihr Brot verdienen müssen. Aber gerade dieser Teil des deutschen Volkes ist bisher immer

der treueste Teil der Nation gewesen, weil er viel mehr für den täglichen Lebenskampf einsetzte als die begüterten Schichten. Der Ministerpräsi­dent sprach dann über die Begriffe Vaterland und Voll und ihre überragende Größe. Es war immer so in der Geschichte, daß, wenn die Führung des Volkes stark ist. auch das Volk stark wird. Denn

nur die Führung bestimmt das Schicksal der Nation und damit übernimmt sie eine riesige Verantwortung vor Gott und bem Volk und, was wichtiger ist, vor der Zu­kunft des Volkes. Wäre der Nationalsozialismus unter unserem Führer Adolf Hitler nicht gekommen, dann wäre Deutschland einer restlosen Vernichtung anyeimgefallen.

schworenen nach fünfmaliger Abstimmung zustande gekom­men sei. Die Türen des großen Saales wurden geschloffen. Staatsanwalt und Verteidiger nahmen ihre Plätze eiw und kurze Zeit daraus betrat Hauptmann mit seinen Wäch­tern den Saal. Er war bleich, sein Gang war unsicher. Er nahm in der ersten Bankreihe Platz. Frau Hauptmann er­schien einen Augenblick später. Dann traten die 12 Ge­schworenen ein.

Auf die Frage nach dem Inhalt des Wahrspruches ant- .wortete der Obmann mit zitternder Stimme: Schuldig, schuldig des Mordeser sten Grades.' Es folgte Totenstille.

Dann sprach Richter Trenchard die entscheidenden Worte: Bruno Richard Hauptmann, Sie sind des Mordes ersten Grades für schuldig befunden worden, und nach dem Gesetz muffen Sie zu einer vom Gericht bestimmten Zeit die Todesstrafe erleiden.

Im Augenblick der Urteilsverkündung schwankte Haupt­mann leicht und machte einige Bewegungen, als ob er spre­chen wolle. Dann drehte er sich langsam um und begab sich, von seinen Wächtern begleitet, nach seiner Zelle.

Frau Hauptmann brach in Tränen aus und schluchzte laut. Der Verteidiger Lloyd Fischer sprach ihr Mut zu und versicherte, daß er den Fall zu einem glücklichen Ende führen werde. Man erwartet, daß der Vertei­diger Berufung gegen das Todesurteil ein­legt. Die Berufungsverhandlung würde jedoch nicht vor Mai stattfinden.

Der Führer hat im deutschen Volke die urewige Idee iviebereriveeft, daß

Volk zu Volk und Blut zu Blut gehört, daß der letzte und ärmste unserer deutschen Arbeiter uns hunderttausendmal mehr gelten muß als der höchste Aus­länder. der nicht unseres Blutes ist. Es gibt nur eine Rettung, nur eine Auferstehung Deutschtands, wenn die beiden Lager verschwinden, die sich Jahrzehnte zerfleischt haben.

Zum Schluß appellierte der Ministerpräsident Göring an die Herzen der Arbeiterschaft und forderte sie mit flammenden Worten aus, darüber zu wachen, daß das Band des Vertrauens, das Führer und Gefolgschaft zu- sammenschlicßt, niemals zerreißt.

Die begeisterte Aufnahme bet Worte des Minister­präsidenten, die immer wieder von jubelndem Beifall unterbrochen wurden, bewies, daß Göring in der Sprache des deutschen Arbeiters den Weg zum Herzen der Zebn- tansende gefunden fmtte.

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Göring an Bord derEuropa"

Kurz nach 14 Uhr traf der Ministerpräsident General Göring von Bremen kommend an der Wesermündung ein. Durch flaggengeschmückte Straßen ging die Fahrt muh dem Eolumbusbabnbo?. wo dieE n r o p a" am

EM«

Ministerpräsident Göring in Bremen.

Der preußische Ministerpräsident und Reichsstatthalter General Göring stattete dem Reichsstatthalter Röver und dem Senat der Freien Hansestadt Bremen einen Staatsbesuch ab. Links: Reichsstatthalter Röver begrüßt den Mini- stoiPrä side Men in der Ratchaus^Ue -- rechts: in der Güldenhalle wird dem MinrstMpräsidenten der Ehrentrunk der Stadt Bremsn gereicht.

Kai lag. Die Schiffe im Hafen hatten Wer die Toppen geflaggt. Am Columbuspier vor dem riesigen Leib des Schnelldampfers hatten die Formationen der SA., SS., PO. und anderer Gliederungen der Bewegung Auf­stellung genommen.

General Göring wurde an Bord der Europa" von dem Betriebsführer des Norddeutschen Lloyd, Dr. Firle, und Kommodore Scharf herzlich will­kommen geheißen. Tann begrüßte der Ministerpräsident die Mannschaft des Schiffes sowie die Rettungsmann­schaft derDresden". Dr. Firle hieß den Ministerpräsi­denten herzlich willkommen und verband mir diesem Willkommengruß den Dank der ganzen deutschen Handelsmarine für das warme Interesse der Reichsregierung an der deutschen Seeschiffahrt. Lagen noch vor zwei Jahren unsere Häfen voll unbeschäftigter Schiffe, so sehen wir

heute die Mehrzahl unserer Schiffe in Fahrt.

Auf den Werften herrscht nach jahrelanger Friedhofs­ruhe neues frisches Leben.

Ministerpräsident Göring dankte. Heute wüßten wir, daß Deutschland alles daransetzen müsse, um seine frühere Seegeltung wieder zu erlangen. Stark müsse wieder die Handelsflotte werden, die eine ruhm­reiche Tradition habe.Ich versichere", so betonte der Ministerpräsident,daß ich mich jederzeit für den seefahren­den Teil des deutschen Volkes einsetzen werde. Der Nord­deutsche Lloyd hat von jeher Hervorragendes geleistet und seine Pflicht erfüllt. Die beiden letzten Rettungen aus Seenot durch deutsche Seeleute waren ein Zeichen der Stärke der deutschen Seefahrt. Ich hoffe, daß die deutsche Flotte in stetigem Aufbau Schiff an Schiff reiht."

Eeneral Ssring wieder in Sternen

Bremerhaven, 14. Februar. Eine unübersehbare Men­schenmenge hatte sich amBahnhof am Meer" in Bremer­haven eingefunden, als der Ministerpräsident General Göring am Mittwoch nach der Besichtigung des Lloyd- schnelldampfersEuropa" das Schiff verließ. Göring be­gab sich am Zuge, der unmittelbar am Kai wartete. Als der Zug aus dem Hauptbahuyos in Bremen entlief, wurde Göring auch hier wieder von einer großen Anzahl begeisterter Menschen in Empfang genommen. Den Rest des Abends verbrachte er in der Gesellschaft der olk^n- burgischen und bremischen Parteigenossen.

Kurze politische Nachrichten.

Bis Ende Dezember 1934 ist folgende Anzahl von Ehrenkreuzen des Weltkrieges verliehen worden: für Frontkämpfer 1 204 737, für Kriegsteilnehmer 142 522, für Witwen 48 640, für Eltern 45 602. Die Gesamtzahl der bis Ende 1934 verliehenen Eürenkreuae beträgt hiernach 1 4 4 1 5 01.

Die WochenschriftD e r R e i ch s w a r t' ist auf Befehl des Führers bis auf weiteres verboten worden wegen eines in ihrer Nummer vom 3. Febrnar unter der ÜberschriftWir sind doch ganz allein" erschienenen Artikels, der sich in aufreizenden und zum Teil direkt böswilligen Auslassungen gegen die Aufbauarbeit der Regierung wandte. Bezeichnend ist, daß der Verfasser dieses Artikels ganze 20 Jabre alt ist.

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Das Kriegsgericht in Madrid verurteilte den Direktor der Waffenfabrik von Oviedo, einen Oberst, zu lebenslänglichem Zuchthaus. Infolge der Fahrlässigkeit des genannten Offiziers konnten während der Oktoberrevolution die Aufständischen in den Besitz von 17 000 Gewehren und 200 Maicbinenaewebrcn kommen.