Fuldaer /lnzeiger
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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Ar. 50 — 12. Jahrgang
Fulda, Donnerstag, 28. Februar 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
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Verstimmung an der Saar.
^t der Besreiungsseier. — Saarbrücken erwartet Hunderttausende ans dem Reich.
lÄ 10.15 Wr:
Beginn der Saar-Besreiungrkeier $ttin, 28. Februar. Reichsinnenminister Dr. Frick Md aus Saarbrücken um 10.15 Uhr vor der feier« An Flaggenhissung über den Rundfunk eine kurze 91 n« Ache an das deutsche Volk richten. Auf das hierauf Mnde Kommando „heißt Flaggel" erfolgt auch im Reich
^allgemeine Beflaggung. In demselben Augen- Wwird eine Verkehrs stille von einer Minute eiw- M, In der gleichen Zeit werden in ganz Deutschland iie Sirenen aller Fabriken und Schiffe ertönen. Ebenso setzt zu dieser Zeit das einstündige âluiengeläut der Kirchen ein.
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Jm Saargebiet herrscht Jubel, steht man überall siche Gesichter. Nicht mehr 24 Stunden werden vergehen, und die Bcfreiungsstundc für die Saarbcvölkerung hat geschlagen. überall rüstet man an der Saar für die großen Befreiungsfeiern am 1. und 2. März. Besonders in Saarbrücken sind alle Kräfte am Werk, der Stadt rin festliches Kleid anzulegen.
In einem nicht vorherzusebenden Umfange hat schon setzt der Massenandrang von Saarländern, die einst „im W wohnten, und solchen Volksgenossen eingesetzt, die über Stunde der Wiedervereinigung dabei sein wollen, lir Ausgabe, die der „Leitung des 1. März" gestellt Wen ist, ist noch größer als die Aufgabe der Vor- ineilung der Parteitage in Nürnberg oder der Feiern «s dem Bückeberg, denn die Verhältnisse im Saargebict M wesentlich kleiner und einfacher.
tzè müßen in Saarbrücken mit 130 000 Einwohnern
um 1. und am 2. März je eine halbe Million Menschen verpflegt werden,
Mb ein ganz erheblicher Teil dieser halben Million muß minbeftend in der Nacht vom 1. zum 2., wahrscheinlich auch in der Nacht vom 2. zum 3. März in Saarbrücken in Quartieren untergebracht werden.
Dazu kommen die ungezählten Tausende, die wieder M am 6. und 13. Januar mit den Sonderzügen der Reichsbahn in das Saargebiet und auf anderen Verkchrs- ^gen nach Saarbrücken kommen werden. Die Leitung der gesamten Organisation Har Oberregierungsrat G u 1 - >srer vom Neichsministcrium für Volksaufklärung und Propaganda, das bei der Vorbereitung bereits jetzt an die Ee der Organisation der Deutschen Front ge-
Die Feiern stehen im einzelnen fest. Am 1. März bei Sonnenaufgang Kranzniederlegung fallen Kriegerdenkmälern durch Vertreter ocr Deutschen Front. Um 8 Uhr findet in allen katho- Mn und evangelischen Kirchen ein Dankgottesdienst M. Nach der Uberoabe der Neaierunasaewalt durck
^ Land an der Saar — Land deutschen Schaffens.
Wrf/y^ chen der saarländischen Industrie sind die Bölklinger Eisen- und Stahlwerke, die Röchling- Besitzer, Geheimrat Röchling, stets ein Vorkämpfer für die Befreiung des Saarlandes war und es uvlehnte, Lurch IMwfpruchimhme ausländischen Kapitals sich in den Frondienst der Feinde Deutschlands ' zwingen lassen
Baron Aloisi an den Reichsinnenminister Doktor Frick wird die offizielle Übernahme des Saargebiets durch die Reichsregierung in Form der Fahnenhissung um 10.15 Uhr vormittags erfolgen. Erst mit diesem Augenblick werden die Feiern einen amtlichen Charakter tragen. Es wird
von sämtlichen Formationen erst nach der Fahnen- Hissung das Spiel gerührt, während alle Aufmärsche bis zur Fahnenhissung i n Stille stattfinden. Im Anschluß an die Fahnenhissung wird dann in einem möglichst großen Raum, damit von diesem Augenblick an sich die Feiern schon vor allem Volk vollziehen, die Übergabe der eigentlichen Regierungsgewalt von dem Reichsinnenminister Doktor Frick an Gauleiter Bürckel stattfinden.
Am Freitagnachmittag beginnt um 14 Uhr der Vorbeimarsch aller Verbände vor dem Rathaus.
Die Verbände setzen sich schon zwei Stunden vorher auf den großen Wiesen an der Mainzer Landstraße in Bewegung uns marschieren durch die ganze Stadt. U m 7 Uhr abends sprechen der Stellvertreter des Führers, Heß, Reichsminister Dr. Goebbels und Gauleiter Bürckel in der
Kundgebung der 300 000 vor dem Negierungsgebäude.
Es sind Hunderte von Lautsprechern auf den weiten Wiesen und Anlagen ausgestellt, die sämtlich für die Bevölkerung freigegeben werden. Für den Nachmittag sind übrigens große Platzkonzerte und Volksfeste vorgesehen. Die Polizeistunde ist für den 1. März überall aufgehoben. Der Besreiungstag ist im ganzen Saargebict arbeitsfrei, die ausfallenden Löhne werden von den Arbeitgebern bezahlt.
Am Abend findet dann auf den Höhen des Winterberges, der wie eine große Äuüssc vor der Grenze nach Frankreich liegt, das Feu> rwerk statt, für das bereits fünfzig Angestellte deutscher Firmen die Vorbereitun gen treffen. Am Sonnabend ist eine neue Kundgebung auf 4 Uhr nachmittags vor dem Regierungsgebäude angesetzt. Im Anschluß daran findet nochmals ein Vorbeimarsch aller Verbände mit F a ck e l z u g vor dem Rathaus statt.
Oberregierungsrat Guttercr hat mit seinem Stab für die Unterbringung der SA., SS. und der anderen Gliederungen der Partei diesmal besondere Vorbereitungen in den Schulen und Fabrikhallen in der Form getroffen, daß nicht nur Stroh, sondern auch Papierschnitzel für die Nachtlager verwandt werden. Es sind 3000 Rentner Stroh und 47 000 Kilogramm Papierschmtzel ausgebreitet. Man hat festgestelll, daß ein Marin 20 Pfund Stroh, dagegen nur 4 Pfund Papierschmtzel für ein gutes Nachtlager gebraucht. Die Verpflegung hat im Wesentlichen der Hilfszug „Bayern" übernommen.
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An den übcrgabefeierlichkciten im Saargebiet am 1. März wird die deutsche Polizei durch Ehrenfonnationen beteiligt sein.
Eine Minute Schweigen bei der Heimkehr der Saar in ganz Deutschland.
Am 1. März um 10.15 Uhr wird im Saargebiet die
erste deutsche Flagge gehißt werden.
Ganz Deutschland soll in demselben Augenblick in Freude und Dankbarkeit die Häuser in festlichster Weise beflaggen und schmücken. Außerdem sollen eine Minute lang die Sirenen der Fabriken und Schiffe ertönen und die Glocken aller Kirchen mit einem einstündigen Freudengeläut beginnen.
Ebenso tritt um 10.15 Uhr allenthalben im Deutschen Reich und an der deutschen Saar eine Verkehrsstille von einer Minute ein. Auch in den Betrieben wird die Arbeit für eine Minute ruhen. (In schwierigen Fällen entscheidet der Betriebsführer über die Möglichkeit.)
Diese Preffemitteilung gilt als Benachrichtigung aller in Frage kommenden Stellen.
Heil Hitler!
Eine Minute Seiriebsruhe am 1. März.
Aufruf des Leiters der Reichswirtschaftskammer.
Der Leiter der Reichswirtschaftskammer erläßt folgenden Aufruf:
Nach dem Wunsche des Führers ist der 1. März aus Anlaß der Rückgabe der Saar an Deutschland 5 um nationalen Feiertag erklärt worden. Ich fordere hiermit alleBetriebsführer auf, der Erhabenheit der großen Stunde zu gedenken und Anordnung zu geben, daß die D a m p f s i r e^n e n ertönen und in all jenen Betrieben, wo es sich ermöglichen läßt, e i n e M i n u t e B e- rriebsruhe herrscht (Zeitpunkt etwa 10.15 Uhr)
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Gemeinsamer Rundfunkempfang angeordnet.
Der Reichs- und preußische Minister des Innern hat für die Rundfunkübertragung der Rückgliederungsfeierlichkeiten im Kreisständehaus zu Saarbrücken am 1. März 1935 vorm. 9.30 Uhr gemeinsamen Rundfunkempfang für alle Angehörigen der Landesregierungen und der Behörden seines Geschäftsbereichs angeordnet. Im übrigen soll der Dienst wie üblich stattfinden.
Eine weitere Benachrichtigung erfolgt nicht. Die übrigen Reichsrefforts und die Rcichsstartbalter sind gebeten worden, für ihren Geschäftsbereich dieselbe Anordnung zu erlassen.
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Knox verläßt das Saarland.
Keine Anwesenheit bei den Pesrciungsfciern.
In den diplomatischen Verhandlungen, inseriert die Formalitäten für die Übergabe des S a a r g e - biets an Deutschland geregelt wurden, ist ein K w ischenzustand für die Zeit vom 28. Februar bis 1. März vormittags beschlossen worden. Der Vorsitzende des Dreierkomitees des BölkerbundsratS, Baron Aloisi, tibernimmt am Donncrsiagnackmitlag von dem Präsidenten der Regierungskommission, Knox, die Regierungs- geschäfte bis zum Freitag vormittag 9.30 Uhr. Knor wird darauf noch am selben Abend das Saargebiet verlassen, so daß er weder bei der Übergabe der Geschäfte noch bei den Befreiungs- feiern vom 1. März im Saargebict anwesend ist. Mit Knox verläßt das südslawische Regierungsmitglied Zoricie und das französische Regierungsmitglied Morize das Land. Das finnische Mitglied der Regierungskom- mission, Dr. von Ehrnrooth, bleibt noch einige Tage in Saarbrücken.
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Die Saaradlommen vom Senat ratifiziert
Paris, 28. Februar. Der Senat hat die in Neapel abgeschlossenen Abkommen über den Rückkauf der Saargruben ratifiziert. Der Berichterstatter des Auswärtigen Ausschusses. Le Trocquer. führt aus. der Wert der ^iar- gruben liege weit über dem Rückkaufpreis. s..ian i urn aber die Schwierigkeiten und die Enttäuschungen, die ne Geschichte der Reparationszahlungen kennzeichnen, nicht wieder erleben. Deshalb habe man eine Summe festeten müssen, die auch restlos von Deutschland bezahlt werden könne. Frankreich bringe gewiß ein Opfer. Es habe sich aber letzten Endes von seinem Friedenswunsch Letten lassen. Der Redner bezeichnete das Abkommen als eine Bestätigung des französischen Willens, jeden Streit ztpi- schen Deutschland und Frankreich zu vermeiden.