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A. 56 12. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, 7. März 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Sie englische Aufrüstungspolitik

im Kreuzfeuer der Weltkritik.

N einer Weihbuchausspracke im Unterhaus. Oppositionsstimmung

W Thema der öffentlichen Meinung der Welt ist das ajs ch c Weißbuch, das die englische Ausrüstung «tkgründen sucht. Daß England seine Rüstungen vcr= Wen und weiter ausbaucn wollte, war schon seit Engerer Zeit bekannt. Um so mehr hat es U b e r r a s ch t, ^ die englische Regierung gegenüber dem In- und Aus- l«id den Verzicht aus die bisherige Ab- lüßungspolitik ausgesprochen hat.

Auffallend ist, daß die englische Presse nach wie vor recht unsicher ist. Ihre Stellungnahme gegenüber dem vertagten Besuch des englisâ>en Außenministers Sir John Simon in Berlin ist daher uneinheitlich. Als tinjige Zeitung nimmt derDativ Telegraph" eine deutschfeindliche Haltung ein. Dagegen schreibt sogar die Morningp o st", zu wissen, daß Mitglieder aller Ünierdausparteien auf die Beantwortung der Frage drän- M sollen, wie die Sätze im Werßbuch über die Verteidi­gung, auf die die deutsche Regierung Bezug nimmt, an- grtvandt werden konnten und aus welchen Gründen. Tie Jätung glaubt, daß die Sozialisten und Liberale» den Seriud) machen werden.

in der Montagaussprache des englischen Unterhauses der gegenwärtigen englischen Regierung wegen der

Rüstungspolitik Schwierigkeiten zu machen.

Sir H e r b e r t Samuel und die von ihm ge- ßdrtc liberale Unterhausgruppe haben für die Unter» kuèanssprache bereits folgende Entschließung angc* meldet:Das Unterhaus bedauert tief, daß die Art und Seife, in der die britische Regierung die Verhandlungen mit anderen Ländern geführt hat, nicht zu größerer Sicherheit für die Erhaltung des Friedens, sondern ist der Forderung nach einer erheblichen Mehrausgabe iw Rüstungen geführt hat." Auch die Arbeiterpartei lèabour Party) will einen ähnlichen Antrag cinbringen. Modnrch allerdings der Präsident der Abrüstungs- Mercnj, Henderson, der Mitglied der Arbeiter- ^tei ist, in eine peinliche Lage kommen würde.

Henderson soll überredet werden, die Veröffentlichung des Weißbuches al8 Vorwand zn einem Rücktritt von feinem Amt als Präsident der Abrüstungskonferenz zu benutzen.

Ictvz Cbronicle" verweist übrigens darauf, daß unmittelbare Wirkung der Absage auf den Geld- mukten in Europa zu sehen sei.Die scharfen Kursstürze Men an der Börse in britischen Staatspapieren ein. Michnenderweise war in Rüstungsaktien ein leichtes Wehen zu verzeichnen." Die Zeitung meldet, daß Sir öehn Simon oder Mr. Baldwin, der stellver- eicnde englische Ministerpräsident,in der Aussprache m nächster Montag eine freundliche Geste gegenüber -euhchlnud machen werde."

englische Preße veröffentlicht schließlich ^uzclheiten über den neuen britischen Lufthaushalt.

Mmt sind 20,65 Millionen Pfund veranschlagt, was ^Steigerung des Haushalts um 3 080 000 Pfund be- I Im einzelnen sollen int Verlauf der beiden ,I"^e 2 5 neue Staffeln ausgestellt werden, uc f in diesem Jahr, außerdem Reservcstaffeln an I ^ Wuschen Universitäten, zwölf neue Flugzeughäfen c °W fünfte Fliegerschule.

Londoner Kabinettsrat über

die Berliner Reise Simons.

bittet Weisungen erwartet. Auch Moskau - Besuch verschoben

r^ englische Kabinett befaßte sich am bt» wie aus London berichtet wird, mit der durch des Besuche« des britischen Außenministers Berlin geschaffenen Lage. Es wurde beschlossen, '»^.^"«en aus Berlin abzuwarten, dir Mhrcr und Reichskanzler in der Lage sein wirb, t'iüitn^ ?' Besprechungen mit den englischen Staats- L "Ozuhaltcn. Auch die beabsichtigte Reise Str Hub ethmu,,S ""ch Moskau wird vorläufig unterbleibe» Ünbtn. den deutsch englischen Besprechungen statt-

^as Weißbuch vor dem Unterhaus.

^Jgi,,^Mchen Unterhaus teilte Außenminister Nin m o n die Verschiebung seiner Reise nach Niet der Erkrankung des Führers und Reichs- 8h*?1 Hitler mit. Der Führer der Labour bury, fragte hierauf:Ist irgendwie be» M die Zusammenkunft stattsinden wird?" -fe/v^te:Ich stehe mit der deutschen Regie« d'ese Frooe in. B»bi«Ji>uu&*

Paris wittert Morgenlust.

In der f r a n z ö s i s ch c n P r e s s e ist natürlich über das englische Weißbuch wegen der in ihm enthaltenen un­haltbaren Verdächtigungen gegen Deutschland Jubel aus- gebrochen. In allen Pariser Blättern wird mit offensicht­licher Erleichterung betont, daß England nun endlichver­standen" habe, wie man Deutschland gegenübertreten müsse. Sie sehen in den gegen Deutschland gerichteten Absätzen des Weißbuches ein beweiskräftiges Anzeichen dafür, daß England bei den kommenden Verhandlungen endgültig auf der Seite Frankreichs stehen werde Die Pariser Blätter benutzen auch die Ankündigung der eng» lischen Rüstungsverstärkung dazu, um die französische Regierung eindringlich aufzufordern, so schnell wie mög­lich die D i c n st z e i t v e r l ä n g e r u n g in Frank­reich durchzuführen.

Japan fühlt sich bedroht.

Die englische Denkschrift hat in Tokio großes Aufsehen erregt. In japanischen Marinekreisen wird darauf hiugewieseu, daß Groß­britannien in der letzten Zeit im Stillen Ozcan, besonders in Singapore und Hongkong, zahlreiche militärische Maß­nahmen getroffen habe, die sich g c g e n d i e j a p a n i s ch e Politik richten. Die englischen Luftrüstungen in Singupore bewiesen, daß Großbritannien seinen Auf- rüstuuasprozcß bereits vor der Veröffentlichung dieser Denkschrift begonnen und ihn zur Zett noch nicht ab­geschlossen habe.

Moskau spricht von einem innerpolilifchen Manöver.

In der halbamtlichen M o s k a »e r Zeitung I s w e st i j «"schreibt B i a l o r (Radek) zu der Veröffent­lichung des englischen Weißbuches, man wünsche in Deutschland zu wissen, was das Weißbuch darstelle, ob ein Dokument füi den innerpolitischen Gebrauch, um die Ver­mehrung der Rüstungsausgabcn zu begründen, oder ein diplomatisches Druckmittel für die bevorstehenden Ver­handlungen mit Deutschland. Im übrigen rechnet Wabel damit, daß die gegenwärtige Spannung auch wieder ver­schwinden werde, benn die englischen Diehards liebten zwar Deutschland nicht, aber der Sowjetunion seien sie noch viel entschiedener abgeneigt.

Hew Hork: Hatte Simon Hintergedanken?

Von den amerikanischen Zeitungen ist die Stellung­nahme der New YorkerHerold Tribune" äußerst interessant, die der Ansicht ist, daß Simons Berliner Mission leidet die Absicht verfolgt hätte, Deutschland zum Beitritt zu einem Abkommen zu bewegen, sondern, wie Lord Haldane im Jahre 1912, die Unterwerfung Deutschlands unter dem Willen Eng­lands und seiner Verbündeten zu sichern. Damals hätte Lord Haldane es auf die deutsche Flotte abgesehen, diesmal wollte Simon die Unterwerfung Deutschlands in der Frage der Luftrüstuna.

Hierauf fragte Lausbury weiter:Darf ich fragen, ob Simon seinen Kollegen an raten wird, das Weißbuch bis nach Abhaltung der Besprechungen zurückzu ziehen?" (Beifall bei den Arbeiterabgeordneten.) Simon antwortete unter dem Beifall der Rcgicrung«- anhänger:Nein, bestimmt nicht.

Ich kann mir kaum vorstellen, daß irgend jemand den Vorschlag ernst nehmen Würbe, eine Erklärung, die man abzugeben bat, zurückzuhalten, bis die vorgesehenen Besprechungen stattgefunden Haben." L a n s d u r y fragte hierauf weiter:Glaubt Simon wirklich, daß cs für freundschaftliche Verhandlungen förderlich ist,

ein so unfreundliche« Dokument

zu veröffentlichen, wie das, das der Premierminister aus­gegeben hat?" Simo n antwortete:Dies ist eine Frage, die, wie ich glaube, am Montag zur Erörterung gelangen wird." Ein oppositioneller Arbeiterabgeordneier fragte hierauf, ob Simou die Gelegenheit ergreifen werde, Moskau zu besuchen. Auf diese Frage gab Simon feine Antwort.

Die Parlamentssraktion der Labour Party nahm ferner im Beisein des Präsidenten der Abrüstungs­konferenz, Henderson, eine einstimmige Ent­schließung an, in der die Partei ihr Bedauern darüber ausdrückt, daß das Weißbuch der Regierung den Aussichten auf einen Erfolg der Abrüstungskonferenz schweren Schaden zufüge.

Alles andere als glücklich und förderlich."

In Washington hat das englische Weißbuch t n amtlichen Kreisen peinlich berührt. Man hält sowohl die Hineinziehung der Vereinigten Staaten als auch die Wahl des Zeitpunktes der Veröffentlichung des Weißbuches kurz vor der Berliner Reise des englischen Außenministers für alles andere als glücklich und förderlich.

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, London, 7. März. Reuter meldet: Die Verschiebung deS Besuches Sir John Simons in Berlin hat zu einer allge­meinen Erörterung der Lage durch das britische Ka­binett in seiner Sitzung am Mittwoch geführt. Es wird zuversichtlich erwartet, daß der Besuch stattfinden wird, sobald Hitler sich von seiner Unpäßlichkeit erholt hat. Inzwischen sind bereits Vorbereitungen für den Besuch des britischen Ministers in Moskau und Warschau in die Hand genommen worden und sind, wie man glaubt, trotz der Stockung des Berliner Besuches, im Gange. Ob­gleich noch kein Zeitpunkt für die Besuche in Moskau und Warschau festgesetzt worden ist, werden sie voraussichtlich in der nahen Zukunft ausgeführt werden, da in London kein Wunsch besteht, unnötig lange die Reihe von Verhandlungen, b.e durch die Erklärung von London cin- geleitet worden sind, hinauszuziehen. Zu gleicher Zeit wird jedoch behauptet, daß es möglich sein wird, sich an das ursprüngliche Programm, Berlin zuer.st zu be­suchen, zu halten, und daß man einige Zeit abwarten wird, ob die Gesundheit Hitlers sich bessert, bevor die Reise nach Rordosteuropa endgültig unternommen wird.

Mit Bezug auf das Weißbuch wird allgemein in London die Auffassung vertreten, daß es besser für die Regierung war, ihre Haltung in der Frage der Wieder­aufrüstung und der Verteidigung vollkommen klar zu machen und die Verhandlungen nicht in einer Atmosphäre möglichen Mißverständnisses vor sich gehen zu lassen.

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Da stimmt was nicht!

Vor einem halben Jahr hatte Mussolini ge­äußert, er werde sein italienisches Volk zur militärischsten Nation der Welt machen; die kriegerischste sei cs schon! Vor ganz kurzer Zeit erst hatte der Duce mit demonstra­tiver Deutlichkeit daraus hingewiesen, daß Italien im Ernstfall sofort sieben bis acht Millionen Mann auf die Beine bringen kann, und in London ober Paris nahm man diese militaristisch-kriegerischen Erklärungen hin, ohne mit der Wimper zn zucken. Man na dm sie dort sogar mit großem Beifall auf. Oder: Auf dem sowjet­russischen Rätekongreß behauptete der Kriegs­minister Woroschilow, Sowjcirußland besäße jetzt das qualitativ und quantitativ stärkste Heer der Welt, und in Paris verzeichnete man diese Mitteilung des sowjer- russischen Freundes mit großer Genugtuung, batte also nicht das geringste dagegen einzuwenden, daß Sowjet rutzland wohl ebenso durchmilitarisiert ist wie Italien unb Frankreich selbst. Diese phantastisch großen Aus rüfhtngen, die nicht etwa erst von gestern ober vorgestern stammen, nicht etwa also durch die angebliche Gesabr einesHitler-Deutschland" veranlaßt worden fern können. ja, Bauer, das ist ganz etwas anderes! Diese Rüstungen gewaltigsten Ausmaßes stören den Welt­frieden in keiner Weise, sondern das geschickt nach eng­lisch-französischer usw. usw. Ansicht nur durch Deutschland. Weil cs auch sein Recht auf einige Sicherheit haben will.

Der englische Ministerpräsident M a c D o n a l d , Per seinen Namen unter das Weißbuch setzte dastragischste amtliche Dokument" nannte Snowden, der einstige Partei­freund und jetzige Gegner des Ministerpräsidenten, dieses Buch!, ist heute der beliebteste Engländer in Paris, denn dort hat man das Weißbuch mit geradezu stürmischer Freude begrüßt; aus bent bisherigen pazifistischen Saulus scheine ein recht rüstungsfreudigcr Paulus geworden zu sein. In Paris behauptet man, daß mit diesem Auftreten der englischen Regierung geradezu ein Programmwechsel erfolgt, eineOffenbarung" in London geschehen sei. Man sei in England endlich aus dem Optimistcnschlaf aufgewacht und bringe gegen Deutschland ein Mißtrauen zum Ausdruck, vou dem Frankreich immerdar erfüllt ge wesen sei. , _ ..

D i e deutsche Gefahr" also aus bethen Seiten des Kanals, und doch nicht zuletzt als Schreckgespenst dafür gebraucht, um die gewaltige Rüstungsverstarkung in Englands Parlament ebenso glatt durchzubringen wie schon die früheren Vorlagen über die Verstärkung be­sonders der Luftflotte. Als diese Gesetze dem Unter­baus Vorlagen, da donnerten die Motoren der London an greifenden englischen Luftgeschwader über den Kopsen der M P.'s', der Parlamentsmitglieder. Fast alle eilten hinaus um sich von der Riesenierraffc des Unterhauses aus das Schauspiel dieser Luftschlacht anzuseücn, und nur so viel Abgeordnete blieben im Saal, um die paar Dutzend Oppositionsmänncr niedcczustimmeu. Was dem englische» Ministerpräsidenten damals gelang, wird ihm auch jetzt wieder glücken: seine Aufrüstungsvorlage durchzubringen, wiemanb in bst wird Letzt Mr daran glauben, daß