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Zuldaer Anzeiger

'%^?8 L Tageblatt für Rhön und Vogelsberg- "«uv&ä^ &Z

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Ar. 60 12. Jahrgang

Fulda, Dienstag, 12. März 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Die große Rüstungs-Aussprache

in London

Eine Machtprobe im Unterhaus Das Weißbuch Mittelpunkt des Redekampfes.

England steht im Zeichen der großen Unterhaus âache über das Weißbuch, durch das die englische Minung die Notwendigkeit der englischen Ausrüstung Wwcte und in dem sie schwere Vorwürfe gegen »Mland erhob. Nachdem dieses Weißbuch in der Welt rttigteë Aufsehen und in Deutschland bittere @nt Mung hervorgernfen hat, blieb es dem Unterhaus vor- chlten^ die i n n e r p o l i t i s ch e S p a n n u n g, die sich Wer vcn Rüstungsauscinandersetzungen abspielt, näher ms Licht zu rücken.

Es war seit langem bekannt, daß eine starke Oppo- Mn besteht, die mit der Marschroute der Regierung durchaus nicht einverstanden ist und die auch das Weiß­buch nicht billigt. Insofern wurde die Rüstungsanssprache eine Machtprobe. Gleichzeitig wird sie auch für die tönftige Haltung der Regierung in innen- und außen politischen Fragen bedeutsam sein und auch den Besuch des A u ß e n m i n i st e r s Simon in Berlin be- siimincnd beeinflussen.

Die Regierung hatte alle Vorbereitungen getroffen, um sich den Sieg im Unterhaus zu sichern. Die Ein- peilscher der Regierungsparteien haben keine Mühe gescheut, um eine Stimmenmehrheit für die Regierung zu sichern. Aber auch die Opposition hatte alle Kräfte zum Stoß zusammengezogen.

Alle Londoner Zeitungen wiesen bereits vor der Unlerhausdebatte darauf hin, daß

diese Parlamentssitzung wohl die wichtigste seit dem

Ende des Krieges

sei. Das Weißbuch über die Aufrüstung der drei Lassen und die Notwendigkeit einer Organisation zur sieiteidigung des britischen Weltreiches wird als ein Dokument von geradezu historischer und weltbewegender Bedeutung hingestellt.

Zum erstenmal seit dem Weltkrieg hatte das englische Unterhaus die Frage der Landesverteidigung in seiner Gesamtheit zu überprüfen. Im Mittelpunkt der Aus- sprache, soweit die rein militärisch-technische Seite der Hrage in Betracht kam, stand die Tatsache, daß

die Wchrhaushaltc Englands um mehr als 10,5 Mil-

lwncn Pfund (fast 1,5 Milliarden Marl) erhöht

Worden sind. Das ist die höchste Summe, die seit dem onhre 1922 in England für Rüstnngszwecke ausgegeben Worten ist.

Die Aussprache gründete sich aus einen von der Arbeiterpartei eingebrachten Mißtrauensantrag, "' dem erklärt wird, daß die Politik der Regierung in eiligem Widerspruch' zu dem Geist siebe, in dem der

Baldwin über die englische Wehrpolitik

Nach Major Attlee erhob sich unter lautem Beifall w Regierungsbänke der Präsident des Staatsrates, ldwin, um als erster Negierungsreouer "" Standpunkt des Kabinetts über die englische Wehr- u l darrulegen. Baldwin begann mit der Feststellung, das Weißbuch nach seiner Überzeugung ein Doku- J?* von geschichtlichem Interesse werden

>Ich bin der Ansicht", so erklärte Baldwin,daß d""Men Staatsmänner alter Parteien seit der Grün- Völkerbundes viel getan haben, um die Genfer L W liegen die Opposition von Ländern zu halten, .Völkerbund jetzt verlassen haben. Zwei Groß- lhren Austritt erklärt. Sie haben damit !viektivsystem einen schweren Schlag versetzt Wir ?on ganzem Herzen die Universalität des Aus diesem Grunde haben wir auch den Sowjetunion begrüßt und niemals unsere eingestellt, Deutschland zu überreden, seinen ' "Rückgängig zu machen und wieder Mitglied in Z werden.

die Zeit für eine vollständige kollektive toerh noch nicht gekommen ist, muss versucht Teil».,' Vieser oder jener Ecke in den verschiedenen gen! Europas ein Abschreckungsmittel ktwaige Angreifer zu finden, das stark genug , eine Kriegsgefahr zu verringern.

den Nm^^^nigen Stellen des Weißbuchs angeht, die "öftrer Rüstungen betreffen, so gehen die Kanken^^^les Dokuments nicht weiter, als es im ver« ^eiifräL k-nlmcr hinsichtlich der Verstärkung der Luft- ""schloffen worden ist. Baldwin erwähnte den vntzr auf Abschluß eines L u f t « b k o m m e n s Mbtau* ^arnomächten, das dazu bestimmt sei, den Aden, modernen Entwicklung in der Luft zu ver- r^ierinJi/ Auffassung der französischen und britischen "le Bezugnahme auf direkte und wirksame iondcikl """ beit mit Deutschland von be« tilgen sj?/""viung, und wir trafen daraufhin Porberei« 3n eiUcn besuch des Außenministers in Berlin. Leiter: nct Aede vor Dem Unterhaus sagte Baldwin Set R.

huben '"" Besuch wird in etwa 14 Tagen statt- tat 'ch möchte der Hoffnung Ausdruck geben, daß vis dahin wieder gänzlich hergestellt ist.

Völkerbund geschaffen worden sei, um einen umfassenden Weltfrieden zu erhalten datz sie ferner die Aussichten auf ein Abrüstungsabkommen ernstlich gefährde und schließlich, anstatt dem Lande die erwünschte Sicherheit zu geben, zu

einem internationalen Wettbewerb und der damit sammenhängenden Kriegsgefahr führen werde.

zu-

Die Sitzung im englischen Unterhaus.

Zu Beginn der Unterhaussitzung nannte der stell­vertretende Oppositionsführer Major Attlee, der zu­nächst sein Bedauern über die Unpäßlichkeit des Minister­präsidenten ausgesprochen hatte, in seiner Rede zur Be­gründung des Mißtrauens«nträges der Arbeiterpartei das Weißbuch ein ebenso bemerkenswertes wie beklagenswertes Dokument. Er sei sich im Augenblick nicht sicher, ob der im Weißbuch enthaltene Hinweis auf die deutsche Wiederaufrüstung und den kriegerischen Geist in Deutschland berechtigt sei oder nicht; aber

es sei merkwürdig, daß der Außenminister freund­schaftliche Besprechungen in Deutschland führen sollte, und daß gleichzeitig ein Dokument dieser Art ver­öffentlicht werde, mit dem notwendigerweise in Deutschland Anstoß erregt werden müsse.

Attlee befaßte sich sodann mit dem übrigen Inhalt des Weißbuches, das niemand eine sorgfältige Darlegung der geschichtlichen Entwicklung der Versuche nennen könne, Sicherheit und Abrüstung herbeizuführen In dem Weiß­buch werde das ganze trübe Kapitel des Fehlschlages der Abrüstungskonferenz übergangen. Zu dem auf Deutsch­land bezugnehmenden Teil des Weißbuches sagte Major Attlee, die Arbeiterpartei sei gegen das heutige System in Deutschland, aber es sei nur fair zu sagen, daß es auch andere Länder gebe, die ihre Jugend nach militärischen Grundsätzen erzögen. Abrüstung müsse eine Angelegen­heit sein, die alle Länder gleichzeitig angehe. Zu den englischen Rüstungen meinte Attlee, man könne den Teufel nicht mit Beelzebub vertreiben. Der Oppositions­redner gab s iner Überzeugung Ausdruck, daß es gegen Luftangriffe kein Verteidigungsmittel gebe. Das Weißbuch werfe England in die Vor­kriegsatmosphäre, in ein System von Bündnissen und Rivalitäten und in ein Rüstungswettrennen zurück; aber die Arbeiterpartei sei nicht gewillt, die alten Metho­den mitzumachen, und

er glaube, daß die junge Generation der ganzen Welt diese Politik der alten Männer mriidmeiien werde.

Das Weißbuch war frei und offen. Es ist stellenweise behauptet worden, daß Deutschland das einzige Land war, auf das Bezug genommen wurde. Das ist von der Wahr­heit weit entfernt. Tatsächlich enthält das Weißbuch nichts, was ich nicht schon im vergangenen November unter all­gemeiner Zustimmung gesagt habe. Ich bin mehr denn je davon überzeugt, daß wir den richtigen SHrrtt getan haben. . r r r

Baldwin wandte sich dann dem eigentlichen Problem derRüstungen zu. Ein wichtiger Punkt sei die tn vielen Ländern und besonders in den sogenannten autoritären Staaten vertretene Kolitis Der Selbstgenügsam­keit im Kriege. Alle großen Nationen der Welt feien mit der Vorbereitung für eine industrielle Kriegsmobil- machung im großen Maßstab beschäftigt. Dies sei eine der unerfreulichsten Erscheinungen in diesem sehr beunruhi­genden Zustand. Ich selbst, so erklärte Baldwin weiter, mißbillige die e Erscheinung vielleicht mehr als irgendeine der anderen Tatsachen, die ich soeben dem Hause mitgeteilt habe. In keinem der vorgetragenen Fälle hat England die Führung der Wiederaufrüstung ergriffen. Wir suchen selbst jetzt nicht die Gleichheit mit der größten Luftflotte. Wir bleiben vielmehr bei der Stellungnahme bestehen, die ich mehr als einmal in diesem Hause vertreten habe nam- sich Gleichheit mit irgendeiner Macht, die sich in wirksamer Reichweite von England befindet. Abgesehen von den .Luftabwehrmaßnahmen kann von einer Erhöhung der englischen Flotten- und Armeestreitkrafte keine Rede sein.

Baldwin bezeichnete die Mechanisierung der Armee und den Ansbau der Küstenverteidiguna als eme der Haupt- Erfordernisse für den Schutz der britischen Schiffahrt und die Luftverteidigung Englands. Wen« das englische Volk die Vorschläge des Weißbuches durchfuhrt, so schloß Bald­win, dann wird es nicht nur nicht gegen den Frieden ar» beitèn, sondern in Anknnft den Frieden sichern. EiN Land, das nicht gewillt ist, die notwendigen Vorsichtsmaßnah­men zu seiner eigenen Verteidigung zu ergreifen, wird nie­mals Macht in dieser Welt haben, weder moralische noch materielle Macht. Läßt uns wünschen, daß unsere Vertreter, die in den nächsten zwei oder drei Wochen nach den euro- väischen Hauptstädten fahren, uns der «Sicherheit, für die wir solange gesümpft haben, näher bringen.

Anschließend an Baldwin sprach Sir Herbert Sa­muel für die liberale Opposition. Er machte der Regie, rung den Vorwurf, daß sie ungeachlLt der großen englischen

Reichsinnenmimster Dr. Krick

58 Lahre alt

(Wagenborg-Bilderdienst.)

PPD. Dr. Wilhelm Frick, der Reichs- und preußische Minister des Innern, nner der ältesten und treuesten Mitarbeiter des Führers und Reichskanz- .ers, begeht am 12. März feinen achtundfünfzigsten Geburtstag.

Dr. Frick entstammt einem alteingesessenen Geschlechte der Rheinpfalz and ist in Alsenz geboren. Nach Absolvierung seiner Studien erwarb er an der Universität Heidelberg den Doktorgrad und wandte ich dem Verwaltungs­dienst zu. In Kaisers­lautern, Speyer, Pirma­sens und zuletzt in Mün­

chen war er im Verwaltungsdienst und von 1917 ab bei der Polizeidirektion in München tätig. Hier arbeitete Dr. Frick als einer der hauptsächlichsten Sach­bearbeiter mit einem hervorragenden Nationalsozialisten, dem Polizeipräsidenten Dr. Pöhner, in engster Gemein­schaft. Frühzeitig kam Dr. Frick mit der Bewegung Adolf Hitlers in Berührung, der er sich mit dem ganzen Einsatz seiner Persönlichkeit anschloß.

Von den ersten Anfängen an gehörte Herz und Hirn Dr. Fricks der NSDAP, und ihrem Führer Adolf Hitler. So war es denn kein Wunder, daß er nach der Nieder­werfung der Bewegung im Jahre 1923 im Hitler-Prozeß neben dem Führer vor den Schranken des Volksgerichtes stand und auch verurteilt wurde. Wenige Wochen später, im Mai 1924, wurde er als einer der ersten Nationalsozia­listen in den Reichstag entsandt. Nun begann für Dr. Frick jene unermüdliche, aufreibende Arbeit, die ihn durch alle Gaue Deutschlands führte. In hunderten, ja tausenden Versammlungen der Kampfzeit hat Dr. Frick die national­sozialistischen Ideen gepredigt. Als ein scharfer Gegner des Weimarer Systems stand er überall in den vordersten Reihen des Kampfes. Als die ersten Früchte des Kampfes der Bewegung reiften, als im Dezember 1929 die NSDAP, in Thüringen zum ersten Male die marxistische Vorherrschaft brach, rief ihn das Vertrauen des Führers an die wichtige Stelle des ersten nationalsozialistischen Staatsministers. Von Thüringen aus führte Dr. Frick dann seinen Kampf gegen das marxistisch-demokratische System und gestaltete diesen Kamps zu einer grundsätz­lichen Auseinandersetzung. D:e NSDAP, wurde zur großen Freiheitsbewegung der Nation. Dr. Frick aber war ihr Fraktionsführer im Reichstag. In allen Kämpfen und Krisen dieser Zeit wußte der Führer, daß er sich auf Dr. Frick verlassen konnte. Nach der Machtübernahme berief der Führer den erprobten Verwaltungsbeamten und treuen Anhänger zum Reichsminister des Innern in die Reichsregierung der nationalen Erhebung.

Seither führt Dr. Frick mit sicherer Hand sein Ministerium. Er hat den Verwaltungsapparat von allen staatsfeindlichen Elementen gesäubert und die deutsche Beamtenschaft erneuert. Aber seine wichtigste Lebens­aufgabe ist ihm die Durchführung der Reichsreform. der Neuaufbau des Reiches.

Friedensbewegung die Rüstungen vermehre und bezeich­nete eine allgemeine Abrüstung als den einzigen Weg zur Sicherheit. Das Weißbuch sei ein bedauernswertes Doku­ment, auf das Deutschland viel antworten könne.

Sir Austen Chamberlain brachte einen Abânde- rungsantrag zu dem Mißtrauensantrag der ^Arbeiter­partei ein. Chamberlain setzte sich eingehend mit den Ar­gumenten der Opposition auseinander und schloß unter dem Beifall der Regierung: Was die englische Landes­verteidigung und die Mitgliedschaft Englands in Genf an­gehe, so würden die Versprechungen, zu einer kollektiven Sicherheit beizutragen, und die britischen Garantien unter dem Locarnopakt wertlos sein, wenn England nicht seine Streitkräfte auf einen Stand bringe, der ausreichc, um die etwa drohenden Gefahren zu bannen.

Der frühere Kolonialminister Amery vertrat den Standpunkt, daß das Weißbuch nicht nur veröffentlicht, sondern wegen seiner ungeheuren Bedeutung im Rundfunk verbreitet und an jeder Anschlagsäule den Massen zur Kenntnis gegeben werden sollte. Es sei unumgänglich, daß jeder Wähler über die wahre Lage in der Welt unterrichtet werde.

Für die Unabhängige Arbeiterpartei sprach der Abge­ordnete Maxton, dessen Rede wdoch keine besonderen Gesichtspunkte enthielt.

SrotelttmiDgetmwn vor dem Parlament

Während der WehranSsprache hatten sich in der Vorhalle des englischen Unterhauses mehrere hundert Personen, zu­meist Frauen, angesammelt, die eine Reihe von Abgeord­neten zu sehen wünschten, um gegen die Auf- rüstu ngspolitik der englischen Regierung zu protestieren. Die Eingänge des Unterhauses waren am Montag besonders stark bewacht, und die polizeilichen Dienststellen forderten weitere Verstärkungen an, da füs den Abend mit größeren Kundgebungen gerechnet wurde,