Zulöaer Anzeiger
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Ar. 64 -12. Jahrgang
Fulda, Samstag, 16. März 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Frankreich begräbt die Abrüstung
Französischer Parlamentskampf um
Lie Frage der Verlängerung der mili- titW^en Dienstzeit in Frankreich beschäftigte am MW die französische Kammer. Seit Tagen Etiae leidenschaftliche Polemik in der französischen Mgegen die Regierung zu finden, weil die französische Körung diese Frage immer noch nicht entschieden hatte. Mi faselten die Befürworter der zweijährigen Dienst- ^i« Frankreich erneut von einer angeblichen übermäßi- ^deutschen Ausrüstung, von deutschen Aufmarschplänen ch. Nachdem die politischen Leidenschaften in Frankreich smentsprechend aufgepeitscht waren, sah man mit Span
mg der Parlamentsaussprache entgegen.
Bereits am Freitagvormiltag hatte die f sifchc Kammer getagt, wobei sie sich mit klichischen Fragc beschäftigte.
r a n z ö - de öfter-
Der rechtsgerichtete Aberle dabei die Tatsache daß
geordnete H - n r . WWWMW
die französische Regierung nicht in der Lage gewesen tei,
dm österreichischen Bundeskanzler einen würdigen (impfang zu sichern Außenminister Laval antwortete sofort dem französischen Abgeordneten und betonte die österreichischen Staatsmänner seien nach Paris gesommert, um den Toncupah und verschiedene mit der Aufrechl- rrhaliung des Friedens in Mitteleuropa zusammenhängende Fragen zu besprechen. Frankreich habe sich nicht In die Politik des Bundeskanzlers Schuschnigg einzu- mischen. Laval hob dann hervor, daß die französische Regierung in bezug auf den Empfang der österreichischen Minister kein Vorwurf treffe. Schließlich erklärte Laval, daß die Frage der Wiedereinsetzung der Habsburger nicht besprochen worden sei.
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Eine Regierungserklärung des Ministerpräsidenten.
5« der Hauptsitzung der Kammer nahm Minister- Präsident Flandin das Wort zu einer Regierung 8- "kliriing in der Frage der Dicnstzcitverlängcrung. 7^ Problem der rekrutenarmen Jahrgänge, so heißt es mdcr Erklärung, hat die Regierung seit langem be- Mstigt. Die Zahl der Einberufenen, die gewöhnlich
Mann betrügt, wird von 1936 biS 1940 auf einen Tur^chnitt von 118 000 Mann fallen.
€4 handele sich in keiner Weise für Frankreich darum, Einer Erhöhung der unter den Fahnen befindlichen
l ' 'itiöftärtcn zu schreiten, sondern die Verringerung des Kontingents durch eine vorübergehende Verlängerung der -lenstzeit auszugleichen. In einseitiger Auslegung der noruhungsbestimmungen deS Versailler Vertrages fuhr
^isterpräsident dann fort: AlS nach dem Abgang ^"^landS von Genf die Ausrüstung dieser großen warten Macht in verschiedener Form und in weitem trotz der Bestimmungen des Teiles V des Ver- ' ^ von Versailles fortgesetzt wurde,
«ma Frankreich es ohne Gefahr für die Landes- krtklvlgung nicht zulassen, daß die Effektiven seiner
Armee geringer werden.
wJ^0^? sprach in diesem Zusammenhang von 480 000
♦ e tM Deutschland sofort verfügbar feien und be- hrtrs \ w^ angeblich vorhandenen „Informationen"
1936 mindestens 600 000 Mann in Deutschland Zt^E^âr sein. Demgegenüber würde der französische 'JJlnm, r8'UT "â 000 Mann sinken, zu denen noch 72 000 irattA "'‘fönten, die als Reserven für die überseestreit- fuhr ?"^6esehen seien. Der französische Ministerpräsident An» Frankreich bleibt der Politik der „Festi- Friedens" und der „Organisierung der imer An^„" Sicherheit" treu und will seine friedfertigen /""er Weise in Zweifel stellen. Die Regie- lkaen m L^r fest, daß noch ein weiter Weg zurückzu- dint^ r^v. man eine absolute Sicherheit findet, ohne einen’' Kittel haben zu müssen, um sich gegen nichtW verteidigen. Sie ivirb den Umstand dem Auge verlieren,
""^' Entsprechende Verteidigungsmittel nötig WittwLb c Sicherheit zu gewährleisten und um es Aulri>».„ .ru ermöglichen, in vollem Umfange an der "itcrhaltung des Friedens in der Welt mitzu - „ arbeiten. tun« di! «Ak Bedingungen hat die französische Regic- 8ahrez »in ^Een, die im April und im Oktober dieses in bcbaw» ä?^" werden, noch länger unter den Fahnen I biz .j '^^selbe Beschluß findet aus die Kontingente I SnhiLrJ ic Ü l i d) 1 939 Anwendung. Die zeit ;lpii[ mz/^^?^?Hung wird für die Rekruten, die im ■ Sonate' ^ Monate gedient haben, weitere sechs i JM[f M.^âgen und für die späteren Klassen auf weitere m ausgedehnt werden. Außerdem hat der Ai einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der h cnhr -öJn svil, das augenblickliche niilitär- Alter allmählich bis auf ^Na « ^ â b z u s e tz c n und die getrennte Ein- ^iclbe wir, ^uten (April und Oktobers arlfzuheben. ^.hl d«?^èvor schlag sieht eine Erhöhung der ^‘ätt nochBerufssoldaten vor. Die Regierung Wrhptz^ einmal den friedlichen Willen eines „in einem ^Gufi .biennal überfallenen Landes", und sie ist " ^ Aeprgsentout eines Landes zu fein, da?
Verlängerung der Militärdienstzeit.
seine Rüstungen nur in dem Maße aufrechterhält, wie sie für die Verteidigung des Friedens, die Aufrechterhaltung der Sicherheit und die Entmutigung des Angriffs notwendig sind.
Die Ausführungen «^ Ministerpräsidenten wurden durch keinerlei Zwischenruf gestört. Seine Erklärungen wurden von der Rechten und der Mitte mit Beifall ausgenommen, während auf der Linken eisiges Schweigen herrschte, das bis in die Reihen der Radikalsozialisten ging.
Lèon Blum enthüllt die wahren Hintergründe.
Der Marxistenführer Leon Blum ergriff dann das Wort und wârf der Regierungserklärung Zweideutigkeit vor. Er wandte sich s ch a r f gegen die Art, in der die Regierung die Erhöhung der Dienstzeit vorqenom- men habe. Die Form müsse im ganzen Lande verdächtig erscheinen. Die Gegenüberstellung der französischen und deutschen Effektivstärken in der Erklärung Flandins bezeichnete Blum als lückenhaft, da auch in Deutschland rekrutenarme Jahrgänge bevorständen. Es wäre richtiger, wenn die Regierung ihre Absichten gleich offen bekanntgeben würde.
Eingreifen gegen Klatschsucht und Sensationshascherei/fZSV^
Auf Veranlassung des Reichsministers für Volksaufklärung und'Propaganda hat das GeheimeStaats- P o l i z e i a m t die Zeitungen „Berliner Herold" tVerlin), „D i e W a h r h e i t" (Berlin), „Das Kleine Journal" (Berlin), „Bunte Wochenschau" (Berlin) und „Echo Germania" (Erfurt) auf unbestimmte Zeit verboten.
In dem nunmehr seit über einem Jahr in Kraft getretenen Schriftleitergesetz wird als die ausdrückliche Aufgabe eines jeden deutschen Schriftleiters bestimmt, daß er verpflichtet ist, aus den Zeitungen alles fernzubalten, was gegen die Ehre und Würde eines Deutschen verstößt oder was die Ebre oder das Wohl eines anderen widerrechtlich verletzt, seinem Beruf schadet, ihn lächerlich oder verächtlich macht. Die verbotenen Zeitungen haben sich an diese Grundbestimmung des Schriftleitergesetzes niemals gehalten. Sie haben ein Geschäft daraus gemacht, andere Volksgenossen in der Öffentlichkeit herabzusetzen und damit Klatschsucht und übelster Sensationshascherei Nahrung gegeben. Ihr Wirken war daher schädlich für die deutsche Volksgemeinschaft, ihre weitere Existenz im neuen Staat nicht mehr tragbar.
Wenn der Minister diese fünf Zeitungen verbietet, so hat er damit den Typ der R e v o l v e r p r e s s e getroffen,
Der Friedensstörer
Zu der Rede Flandins vor der französischen Kammer schreibt DRB.:
Wenn auch der französische Mmlsterprasident ,lch tn seiner Rede, mit der er die n e u e f r a n z ö s i s ch e Aufrüstung begründet, im allgemeinen einer maßvollen Sprache bedient, so kann doch seine Begründung, die sich allein auf das Verhalten Deutschlands stützt, nicht ohne wesentliche Richtigstellungen, Ergänzungen und Vorbehalte zur Kenntnis genommen werden. Die Vorkehrungen, die Deutschland „trotz der Bestimmungen des Teils V des Vertrages von Versailles" in militärischer Hinsicht getroffen hat, werden erwähnt, ebenso, daß dies durch einseitigen Beschluß Deutschlands „geschah". Nicht aber werden e r w ä h n t die w a h r e n Gründe, bte zu der Abkehr Deutschlands vom Zustand einseitiger Ent- wasfnltng führen mußten, unb die eben darin bestanden, daß die Rüstungömächtc, statt ihren Abrüstungsverpflick- hingen nachzukommen, namentlich auf technischem Gebiet die Kampfkraft ihrer Heere ins Uferlose steigerten.
Als ebenso ltnvoNständig müssen die Ausführungen des französischen Ministerpräsidenten hinsichtlich der Frankreich außer bem eigentlichen Heimatheer zur Verfügung stehenden Truppenkörper bezeichnet werden. Da die Rüstungsmaßnahmen sich offenbar ledig- lich a u f D e u t s ch l a n d beziehen sollen, die Möglichkeit eines Angriffs französtscherseits aber glatt bestritten wird, so müßte Herr Flandin, abgesehen von den Armeen der Locarno Mächte auch die Heere seiner bekannten Verbündeten hinzurcchnen. Vielleicht sind es ä änliche Zusammenhänge, die ihn auch bewogen haben, i nt Gegensatz zum britischeu Regierungsvcr - tretet im Oberhaus, Lord Stanhope, von der erheb- lieben Verstärkung der russischen Armee überhaupt nicht m sprechen. Wie für Deutschland also im Konfliktfalle mit Frankreich das militärische Zahlerrverhältnis in 22 i r l l i ch k Ul 'â würde, halber ver«â^ L2»
Sieben Milliarden Francs seien für die Befestigungswerke ausgegeben
worden, um Effektive zu sparen. Warum ändere man jetzt die Politik? Als Marschall Pètain Kriegsminister war, habe er die zweijährige Dienstzeit nicht gefordert. Das Jahreskontingent 1935 sei völlig normal. Frankreich verfüge im Mutterlande einschließlich der Kolonialstreitkräfte, die in Frankreich in Garnuon liegen, nicht über 238 000 Mann, sondern über eine viel höhere Zahl, die sich 5 0 0 0 0 0 nähere. In gewissen Kreisen der . Armee fei aber eine Tendenz zur
Schaffung eines Berufsheeres festzustellen. Man ziele also auf die Einführung der zweijährigen Dienstzeit und auf di? Bildung eines Berufsheeres ab. Frankreich verfüge über größere Streitkräfte, als die tatsächliche Verteidigung erfordere. Man bereite eine Angriffsstrategie vor.
Leon Blum richtete an die Regierung die Frage, warum sie den Fortschritten der Sicherheitsorganisation (Eintritt Sowjetrußlands in den Völkerbund, römische Abkommen usw.) nicht Rechnung trage. Das Wettrüsten und die ihm entsprechende Stimmung sei unvereinbar mit der Propaganda für die diplomatische Organisierung des Friedens. Zum Schluß befaßte sich Leon Blum mit der Frage, ob man beule vor den gleichen fragen stünde w i e 1913 und ob sich in den 22 Jahren nichts geändert habe. Dann hätten die Opfer des Weltkrieges gar keinen Zweck gehabt.
die vom Skandal lebte und manchmal nicht vor den dunlel- sten Mitteln zurückschreckte, um Sensationen zu bringen. -Sensation um jeden Preis, das war das Geschäftsprinzip dieser Asphaltpresse im schlimmsten Sinne des Wortes. Die mehrfachen Warnungen haben die Zeitungen in den Wind geschlagen. Sie haben sich trotzdem nicht umgestellt, sondern weiter im Schmutz gewüblt, gelästert und, den niedrigsten Instinkten einer gewissen Menschenklasse entgegenkommend, den gemeinsten Klarsch an die Öffentlichkeit gezerrt.
Das Verbot der fünf Revolverblätter mag der deutschen Presse überhaupt zur Warnung dienen, denn leider gibt cs noch genug Zeitungen, die meinten, mit Sensationen ihre Spalten füllen zu müssen. So werden oft Prozesie, wie z. B. der Hoefeld-Proreß in Frankfurt a. M., oft in widerlichster Weise ausgetreten und Morde und Verbrechen in epischer Breite ausgcwalzi. Auf die Leser, die das angeblich „lesen wollen", wird eine deutsche Zeitung v--Echten können. Wir brauchen eine saubere Presse, die lich ihrer Ausgabe gegen Staat und Volk bewußt ist. Die Blätter, die ihre Aufgabe nicht begreifen, müssen eben fühlen, wenn sie nickt hören wollen, und wenn derartige Blätter verboten werden, so bedeutet das ganz und gar nicht etwa Einschränkung der Presse freiheit in Deutschland.
Flandin wohlweislich seinen parlamentarischen Zuhörern nähere Angaben zu macken.
Daß bei solcher Einseitigkeit der Beweisführung und Bewertung Herr Flandin sckließlich von den vier Überfällen spricht, die Frankreich im Laufe eines Jahrhunderts habe über sich ergeben lassen müssen, ist kaum mehr verwunderlick. Gerade diese Bemerkungen sind aber andererseits ein wenig ermutigendes Vorzeichen für den Willen zur Objektivität, mit der Frankreich an die kommenden, letzten Endes einer Entspannung und Befriedung dienenden Auseinandersetzun- gen herangeht.
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Paris, 16. März. Der Vorsitzende des Heeresausschusses Kammerabgcordneter Oberst Fabry versuchte in der Kam- mersitzung am Freitag, den Beweis zu führen, daß ledig- lich die Rüstungen Deutschlands die neuen militärischen Maßnahmen Frankreichs veranlaßt hätten. Er wandte sich dagegen, daß man aus den französischen Vorkehrungen eine Rechtfertigung oder eine Erklärung der deutschen Rüstungen ableite. Im übrigen handele es sich nicht nur um eine materielle Aufrüstung Deutschlands, sondern um die Stimmung, die in Deutsckland herrsche. Einschneylick der 11000 Mann Garde mobile verfüge Frankreich seiner Ansicht nach im Mutterlande über 350 000 Mann,- der Rest der 548 000 Mann, die die gesamte französische Armee bilden, befinde sich außerhalb des Mutterlandes. Wenn man keine neuen Vorkehrungen getroffen hätte, würde der Bestand der im Mutterland verfügbaren Trup» pen auf 250 000 Mann gesunken sein, wovon etwa60 000 bis 70 000 nicht ausgebildet seien. Die ursprünglich vorgesehenen HebergangSmaßnahmen für die rekrutenarmen Jahre reichten im Hinblick auf die Ausrüstung Deutschlands nicht mehr auS. Selbst wenn es keine rekrutenarmen Jahre gäbe, müßte die Dienstzeit erhöht werden.