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Gebt ihm seinen Droben aus den Sehn die Väter

Feldpostbrief aus den Dezemberkämpfen 1914 um Lodz:

Dentichei Heldengrab in französischer Erde.

Bon der Tapferkeit des deutschen Herzens

Versöhnliche Dokumente vom Weltkrieg 1914 1918

Ver große Krieg lebt in unserer Erinnerung |g (]er heldenhafteste Kampf um die deutsche Erde, um Leben und Zukunft des Volkes. Grausam griff er in das Schicksal des Ein­zelnen ein und unvergessen bleiben die Opfer, die er gefordert hat.

WenD wir an die Helden im Felde denken, wollen wir uns aber nicht der schweren Stun­den erinnern, die sie in dem Höllenfeuer der Granaten, im Dornengetrüpp der Drahtver- haue, jm blutigen Nahkampf durchmachen mußten. Wir wollen durch die Wiedergabe von Briefen aus dem Felde von der Tapfer­keit des deutschen Herzens berichten, mit der das deutsche Gemüt die schweren Prüfungen überwinden half. Besonders in der ersten Zeit des Weltkrieges zeigt er manchem ein Gesicht humorüberstrahlten, abenteuerlichen Erlebens. Es mag allen denen, die liebe Men- schen verloren haben, ein Trost sein, daß nach dem Düsteren auch immer wieder die Heiterkeit durchbrach und die besinnliche Betrachtung ihre Schwingen über die eisen­besäten Gräben erhob.

Die nachstehenden Feldpostbriefe sollen da­her nicht von der Grausamkeit der Schlachten, sondern von dem deutschen Gemüt berichten, tasich auch im Schützengraben in schönster M» bewährt hat.

Das Licht.

Die schlichten Urzustände, denen das Le» 6en im Felde ausgesetzt ist, lassen den ver­wöhnten Großstädter erst voll und ganz den Segen mancher Kulturerrungenschaft, die er gedankenlos genossen hat und nun vermissen muß, empfinden. Unsere Tech­nik hat uns z. V. eine solche Fülle künst­lichen Lichtes geschaffen, daß der Städter durch das Erlöschen der Sonnenfackel in seinen Lebensgewohnheiten kaum gestört wird. Was aber bedeutet uns auf den fremden, unwirtlichen Schlachtfeldern die Tonne, das gnadenvolle Licht? Eine Quelle der Kraft und der Sicherheit, eine Frisch­erhaltung aller heiteren Lebensadern. Nach kurzer Wanderung über den Horizont nimmt die Sonne unliebsam früh das Licht in das nächtliche Tal. Dunkelheit schleicht schon in den ersten Nachmittagsstunden in die Erdhöhlen unserer Schützengräben und durchschneidet die Lichtfäden, die unsern gewappneten Zusammenhalt und unsere gesellige Stimmung verbinden. Unerträg- üch lang sind die lichtlosen Nächte. Wie ein paradiesisches Geschenk begrüßen wir die armselige Sturmlaterne, das qualmende Oellämpchen, das uns die lieben Gesichter der Kameraden aus dem Dunkel heroor- zaubert, uns die langen Stunden verkürzt und, wenn das Glück uns hold, sogar genü­gend Lichtkraft zum Lesen und Schreiben spendet. Die gute alte Petroleumlampe '"Gestalt einer kleinen funzelnden Kuchenlampe ist meine beste, sorgsam be­hütete Freundin geworden, und ich wende alle mir zu Gebote stehende Organisations- auf, ihr das tägliche Brot in Gestalt von Petroleum zu beschaffen. Wieviel Kurzweil und Traulichkeit verdanke ich Eminen Lichtkameraden, dem bereits °er Cylinder fehlt und der doch mit seiner nackten, zuckenden Flamme mich -ebensgefllhl erfüllt und meine Hütte ?.^n Lichtmeer hüllt. Und wie reumütig Hm Abbitte geleistet für alle Hoch- bi? ich noch bis vor Kurzem vor Petroleumlampen zur Schau getra- priesen sei das Licht,die edle i?^elsgabe", in allen seinen Gestalten 2hr verwöhnten Städter, h stärksten Lichtquellen mit lei- Händedruck entzündet, haltet es heilig leitet es, wo immer ihr ihm begegnet.

Vize-Feldwebel D,

Wir vergessen kuch nicht!

Altdeutsches Grablied.

Ehrenvoll ist er gefallen,

Schild ins Grab;

Wolkenhallen jetzt herab;

Einen Hain von jungen Eichen Pflanzt um seines Hügels Rand, Beim Erwachen ihm ein Zeichen, Daß er sei im deutschen Land.

A. S.

Der Andere.

Feldpostbrief aus den Winterkämpfen 1914/1915 an der Bzura vor Warschau:

Wir haben vor 14 Tagen seine Bekannt­schaft gemacht. Persönlich haben wir uns zwar noch nicht vorgestellt. Jeder möchte dem andern die Ehre des Antrittsbesuches einräumen und so hält jeder zurück aus höheren Befehl. Aber wenn unser Gegen­über uns auch noch ein großer Unbekannter

ist, ist er für uns doch kein wesenloses Ich, kein blutloses Wesen. Wir studieren täg­

Wir studieren täg-

lich aus der Ferne seine Eigenart, seinen Charakter, sein Triebleben, seine Einfälle und Launen und er- götzen uns, wenn er uns eine Kraft vorzutäuschen sucht, die er auf Grund unserer Kenntnis seiner Stärke nicht besitzt.

Wir haben un­sere Bekanntschaft unter höchst unbe­haglichen Umstän­den gemacht. Um die mitternächt­liche Stunde wurde uns unser Platz, etwa 1000 Meter ihm gegen- übe^ angewiesen. Es ist ein Kampf-

In den schwarzen Totenkasten Legt sein Schwert, von Blute satt, Nun und nimmer kann er rasten, Wenn ers nicht zur Seite hat.

feld, das in der Geschichte dieses Krieges sich einen Namen erworben hat. Wochenlang wurde hier gekämpft mit wechselndem Ge­schick und um jedes Stück Erde »st hier noch in den letzten Wochen heiß gestritten wor­den. Das Dorf, an das sich das Feld an­lehnt, ist nur noch ein qualmender Trüm­merhaufen. Als wir den Boden hier be­traten, wandten sich uns im fahlen Mond­licht die bleichen Gesichter zahlloser Leichen zu. Größtenteils edle Gestalten finnländi­scher Regimenter, die hier schwere Verluste erlitten haben. Sie hatten noch nicht be­stattet werden können, weil die im nahen Wald verschanzten Russen auf jeden, der sich auf den Feldern sehen ließ, ein mörde­risches Feuer eröffneten. Unter eigener Gefahr haben wir im Schutze der Dunkel­heit alsdann während der folgenden Nächte den unglücklichen Opfern des größenwahn­sinnigen Zarismus die Ruhestätten ge­schaufelt.

Es besteht eine stillschweigende Äerein- barung, daß wir uns nachts in der Regel Ruhe gönnen. Nach dem Morgenkaffee be­ginnt alsdann die Frühstückskanonade, die mittags und abends ihre Fortsetzung fin­det. Manchmal wird auch ein zweites Frühstück eingeschoben. Die Wirkungen der Geschosse zu beobachten, die Fehler und Irrtümer festzustellen, diese Kritik bildet die einzige Abwechslung der kurzen kalten Dezembertage im Schützengraben. Ein Tag, an dem nicht geschossen wird, wirkt niederdriickend, man hat dann nicht das tröstliche Gefühl, daß der Kampf sich fort­entwickelt. Schweigt der Andere zu Zei­ten, da wir das Zwiegespräch mit ihm ge­

wohnt sind, so gibt uns das Gelegenheit zu tiefsinnigen, strategischen Betrachtungen, bis neue Donnerschläge sie wie Nebel­schleier zerfetzen. Seine Granaten sagen uns dann: Glaubt nur nicht, daß ich schon abgezogen, hier bin ich wie alle Tage, hütet Euch! Unverkennbar ist, daß der An­dere unter Launen leidet. Manchmal ist er träge und müßig und läßt sich unsere Beschießung gleichmütig gesallen. Ein an­dermal ist er gereizt und zornig, da ant­wortet er aus unsere Grüße mit einer Ver­schwendung von Feuer und Eisen. Zuwei­len ist er zu Scherzen ausgelegt. Da wech­selt er öfters seine Stellung und grüßt uns aus Ecken und Winkeln, wo wir ihn zu­nächst nicht finden. Haben wir ihn er­wischt, so ist er flugs davon. Aus wir trei­ben unseren Schabernack mit ihm. Kürz­lich haben wir nachts einen Schützengraben recht auffällig in seiner Nähe aus und zo­gen uns bei Tage in unsere rückwärtige Deckung zurück. Natürlich hat er den Tag über den leeren Graben mit Gift und Galle überschüttet.

Ein Lehrer an seine Schüler.

Feldpostbrief von der Westfront:

Zunächst sage ich Euch allen meinen herz­lichsten Dank für Eure freundlichen Grüße. Meine Freude über ein liebes Wort aus der Heimat könnt Ihr Euch ähnlich vorstel­len als beim Wanderburschen (Erkennen), der nach langer Zeit den Turm seines hei­matlichen Dörfchens wiedersieht. Seht mich noch einmal im Geiste auf dem Katheder stehen, zu Kaisers Geburtstag, Sedan, Leip­ziger Schlacht oder sonst. Wißt Ihr noch, wie ich Euch sagte, daß wir ringsum von Feinden bedroht find? Und wie ich Euch aufforderte, den festen Entschluß zu fasten, in Freud und Leid, in Sturm und Not und alle Zeit bereit zu sein, das Vaterland und seine heiligen Güter zu schützen? Wir alle haben die Ehre, Gut und Blut für diese Güter einzusetzen. Ich wünschte ja, und wer tut es nicht, ich könnte wieder in Eurer Mitte sein und Euch erzählen, was ich alles erlebt habe. Es ist schon viel, sehr viel.

Ich könnte ein dickes Buch voll schrei­ben, und dann könnet Ihr es Euch noch nicht alles vorstellen, so was muß man er­lebt haben. Ebensogern wie ich wieder zurückkäme, werde ich auch mein Leben ein­setzen und habe es schon getan. Wir glei­chen darin unseren Vorfahren, den alten Deutschen in der Gesinnung, daß der Sol­datentod der schönste ist. Bis jetzt sind wir nur einmal an den Feind herangekommen, am 25. und 26. August bei Hofftade-Me- cheln. Links von Mecheln lag das Dorf Hofftade. Davor ein Dreieck von Eisen­bahndämmen. Unten gingen Brücken hin­durch.

Das Dorf und die Dämme waren vom Feinde besetzt. Wir gingen vor. Der Feind besaß mindestens dreifache Stärke.

Am 25. August zogen wir uns langsam zurück, d. h. die Infanterie. Die Artillerie schoß, um unseren Rückzug zu decken. Wir wollten nämlich nicht Me­cheln erstürmen, dazu waren wir zu schwach. Außerdem reicht bis dahin die Festungs­artillerie von Antwerpen. Der dürfen wir uns aber nicht aussetzen, das gäbe unnützes Blutvergießen. Dazu muß Antwerpen erst in Klump geschossen sein. Wir wollten die Belgier nur herauslocken. Das ist auch ge­schehen, sie dachten, wie ziehen uns zurück, nun nach! Am 26. August erlitten sie dann eine solche Niederlage, daß Re das Wiederkommen bisher vergessen haben. So ein Kampffeld anzusehen, dazu gehören starke Nerven.

Feuerschein erhellt den Abend. Als wir beim Rückmarsch aus der Schlacht an den offenen Vierecken vorbeikamen, die die Kompagnie bildeten, und als wir die letz­ten Salven hörten, die man gefallenen Kameraden über das Grab schoßt da stand in manchem Auge eine Träne.

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