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Fulda, Dienstag, 19. März 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Vor einem gemeinsamen Protest -Schritt ' fMâ^l'-M 7 Lebhafter Meinungsaustausch zwischen London, Paris und Rom U 4/CllHl / Kabinettsrat in London und Regierungserklärung im Unterhaus

Mchen London, Paris und Rom spielt der d Zwischen den Regierungen geht ein lebhafter I Mgswechsel über die Erklärung der Einführung der I Meinen deutschen Wehrpflicht. In England, Frankreich I Italien finden Minisicrbcsprechunge» statt, und man Mgt sich, welche Stellung man gegenüber dem deutschen ' Kitt cinnehmen soll. Zwar hatte man etwas Derartiges «Miet, aber man ist doch durch die Plötzlichkeit des Schlusses überrascht, mit der Adolf Hitler aus die 23er« âgerung der französischen Militärdienstzeit geantwortet kl. Denn Frankreich stellte sich damit erneut in krassen Umsatz zu dem Versailler Vertrag, der auch England, ßnmlreich und Italien die Pflicht zur Abrüstung auf ittezt hatte. In London hat sogar am Montag bereits (ine Zilmnq der englischen Regierung stattgcsundcn, der Beratungen des französischen Kabinetts in Paris folgen vcrden. Frankreich scheint die Neigung zu haben, der gischen Regierung das erste Wort zu lassen.

Im Zusammenhang mit den Kabinettöbcratungen in London verlautet in maßgeblichen politischen englischen greifen, die englische Regierung werde wohl in einer Note iki der Neichsregierung anfragen, aus welcher Grundlage «ach deutscher Auffassung die Verhandlungen jetzt geführt gerben könnten. Von Paris aus ist in England eine Note èbermittelt worden, in der ein gemeinsamer P r o - lest schritt in Berlin angeregt wurde. Gleichzeitig Iber soll von französischer wie von italienischer Seite vor« fingen worden sein, den Berliner Besuch des englischen lußenministerS Sir John Simon auszugeben und statt Klien eine englisch französisch-italienische Konferenz cin- pibetnfen. Rach der englischen Presse besteht volle über ÄißmlMüng zwischen London und Paris darüber, daß >icDeutschland zugestandene Gleichberechtigung nie in eine Überlegenheit Deutschlands gegenüber Frankreich uni- Mandclt werden könne. Wie die englische Zeitung Jorningpost" mitteilt, sind NtacDonald und Simon iM der Ansicht, daß Deutschlands Aktion mitPhilo- ^yhischer Ruhe" betrachtet werden müsse. Man werde kmtschlnnd jetzt nahclegen, den Ostpakt und ein übcrein- immcn über RüstungSbcgrcnznng anzunehmen.

Wie das halbamtliche englische Nachrichtenbüro ratter meldet, gebt nach englischer Auffassung Dentsch- 'mds Handlungsweise alle Unterzeichner des Versailler Mittages an. Infolgedessen glaubt man, daß es am kichtigsten sei, die Angelegenheit vor dem Völ - crbu u d z n b c h a n d e l n. Ans Paris wird übrigens meldet, daß die italienische Regierung im französischen Auswärtigen Amt eine Note habe überreichen lassen, in der

Mussolini eine sofortige Besprechung zwischen den interessierten Mächten außerhalb des Rahmens des , Völkerbundes vorschlägt.

Konferenz soll in einem gemeinsamen scharfen Pro- u- gegen den deutschen Schritt gipfeln.

Englands Nsie üderreichi.

^ik Eric Phipps bei Fr h r. v. Neurath. TNB. teilt aus Berlin mit:

, ~er englische Botschafter Sir Eric Phipps hat am , Mllchmittag den Ncichsiuinistcr des Auswärtigen ^Mucht und ihm die Note überreicht, in der die Ein- »,;Ä"Ken der englischen Regierung gegenüber dem über den Aufbau der' Wehrmacht vom Marz enthalten sind.

hie Ä^M dieser Note ist die Frage wiederholt, ob Lr^k regierung bereit sei, anläßlich des Besuchs von h n L n 'n Berlin die im Londoner Kommunique zi°!^?'.^kbruar enthaltenen Punkte zu erörtern. Der ^ÜM,'"'^^ hat diese Anfrage in bejahendem Sinne

darin

ßbeipin 1W ^^ Auslandes stimmt fast durchweg

° die Abkehr Deutschlands von dem einseitigen lehu 17 Diktatshstem nicht überraschen könne. Ja, es bi, ~ an Stimmen, die anerkennen, daß

^^gerstaatcn durch ihre Attfrüstung den 23er* kalten Killer Vertrag selbst verletzt

^ir.birs^0 ba& man deshalb den deutschen Schritt nicht reiluna^ könne. Nur die sattsam bekannten Hetz- LeuM',^Zaris, London und in Prag versuchen gegen lUch-' Vorwürfe zu erheben. In der franzo- fitiia hi». 1'7 esse fordert man zum Teil eine Vcrschar- Äen A^ Man erteilt sogar in der fran- i«/Me den Rat, eS müsse ein englisch-französisch- Im ^^^isch-tschechoslowakischer Block gegen Deu tsch- e,ciliL>?i7 iverden, an den man auch Sow etrußland S lT Von amtlicher Seite liegen keine Äußc- ^ es.-..diesem Sinne vor. - Die englische

* tm allgemeinen ruhiger. DiePlorning

Post" zum Beispiel hält es für wichtig, auf vlplomattfcye Aktionen zu verzichten und mit Adolf Hitler in persön­lichen Kontakt zu kommen. Dafür spekuliert die fran­zösische Presse auf eine außerordentliche Tagung des Völkerbundsrats, auf der man dann einen Sicherheits- Pakt gegen Deutschland zustande bringen möchte. Aber derartige Vorschläge scheinen in London kein freundliches Echo zu finden. Ein englischer Politiker der Arbeiter- Partei erklärt, daß, wenn England zehn Millionen Pfund ansgebe, um moralische und materielle Macht zu er­langen, es kaum verlangen könne, daß Deutschland solche Macht nicht erwerben dürfe. Ein anderer Politiker meint, daß der

Teil V des Versailler Vertrages sterben mutzte, bevor

ein neuer Friedcnsvcrtrag aufgesetzt werden könne.

Auch Lloyd George hat darauf hingewiesen, daß man die politische Entwicklung einschließlich der Ein­führung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland als eine günstige Gelegenheit betrachten könne, Ordnung in den europäischen Abrüstungswirrwarr zu bringen. Die Mitunterzeichner des Versailler Vertrages hätten kein moralisches Recht, die Teile des Vertrages durchzusetzen, die sie selbst in herausfordernder Weise« gebrochen hätten. Die englische Presse sucht ihren Lesern klarzumachen, in­dem sie auf die Erklärungen des Reichswehrministers von Blomberg am Heldengedenktage hinweift, daß die Regie­rung Adolf Hitlers keine kriegerischen, sondern in Wahr­heit friedliche Absichten "erfolge.

In den Vereinigren Staaten und in I apan bat man von amtlicher Seite aus erklärt, daß beide Re­gierungen an den europäischen Fragen uninteressiert seien. In der Schweiz, in Holland, in den skandina­vischen Ländern und in der polnischen Presse beurteilt man den deutschen Schritt im allge­meinen äußerst ruhig und sachlich. Das gleiche gilt von Spanien. Man sagt dort it. a., Hitler berufe in Deutsch­land die Rekruten ein. Man könne darauf vertrauen, haft kie

Simon über die Note an Berlin.

Erklärungen des englischen Außenministers vor dem Unterhaus.

Das englische Parlament befaßte sich am Montagnach- mittag mit der Lage der europäischen Abrüstungsvcrhnud- lungen nnb mit der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland. Die mit größter Spannung erwartete Untcrhaussitzung begann zunächst mit einer An­frage über den vorgeschlagenen Lustpakt.

' Ein Abgeordneter stellte hinsichtlich des Lustpaktes bic Frage, ob Frankreichdas Versprechen gemacht worden sei, daß E n g l a n d bereit sei, mit Frankreich allein ein gegenseitiges Schutzabkommen einzugehen, falls es unmög­lich werde, einen erweiterten Pakt unter Einschluß Deutschlands abzuschließen. . Lordsiegelbewahrer Eden ant» 'riete hierauf mitR c i n". Auch auf die weitere Frage:Glauben Sie, daß cs im Falle eines Schei­terns einer Zusammenarbeit mit Deutschland wünschens­wert ist, daß sich möglichst viele der zu einer Zusammen­arbeit in einem Kollektivsystem bereiten Länder zusammen- schließest?" antwortete Eden:Das ist eine andere Frage. Sie steht n i dn z u r Debatte."

Der Oppositionsführer Lansbury fragte den A u ß e n m i n i zt c r , ob er im Hinblick auf die von der deutschen Regierung angekündigte Einführung der all­gemeinen Wehrpflicht in Deutschland und auf bi? Erhöhung der Friedensstärke der deutschen Armee auf 3G Divisionen eine Erklärung über die von der britischen Regierung beabsichtigten Schritte abgeben könne. ~ . ,,,... ^

Austenminister Sir Job» --- i m » n bezahle bte Frage und fuljr fort:Die englische Regierung ist bereits mit der französischen und der italienischen Regierung in dieser Angelegenheit in Verbindung getreten und hat den briti­schen Botschafter in Berlin beauftragt, der deutschen Re- gierung eine N v t e zu überreichen, die wie ich höre, heute nachmittag übergeben werden wird. Vf? kann naturgemäß diese Mitteilung nicht besannt« geben, solange sie noch nicht im Besitz des deutschen Zlußcnminisiers ist. Aber cs sind Vorkehrungen getroffen, vaß die Note im AbsttuunungSbüro des Unterhauses ver fügbar sein wird, sobald ich von Sir Eric Phipps gehört habe, daß die Mitteilung erfolgt ist." P ,

Hierauf fragte Lansb u r n . ob geplant sei, die Lage mit der Regierung der Vereinigten Staat c n und anderen Unterzeichnern des Fricdensvertragcs zu er­örtern, oder ob eine Sitzung der Völkcrbundsvcrsamm Uma in Aussicht genommen sei. Simon erwiderte: Ich kann Lansbury versichern, daß diese beiden Clemente zur Zeit erwogen werden.

Rekruten des Friedens sein werden. Die deutsch-englischen Besprechungen könnten nunmehr von der klaren Voraussetzung aus erfolgen, daß Deutschland von nun ab über seine Kriegsbereitschaft mit gleicher souveräner Freiheit verfüge wie andere Staaten. In Ungarn und Bulgarien wird der deutsche Schritt lebhaft begrüßt. Das ist zu verstehen, da beide Länder ebenfalls unter den Bestimmungen der Pariser Vorortvcrträge zu leiden hatten, und nunmehr hoffen, daß auch sie in Zukunft ihre Landesverteidigung zu einem wirklichen Schutz der Grenzen ausbauen können.

*

Belgien in enger Fühlungnahme mit Paris.

Erklärungen des belgischen Autzenmin-sters Hymans.

Die Mitglieder der belgischen Regie­rung, die in Paris zu Besprechungen mit der franzö­sischen Regierung geweilt hatten, sind nach Brüssel zurück­gekehrt. Bei der Ankunft in Brüssel gab Außenminister Hymans Pressevertretern eine Erklärung zu der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutfch- land ab. Hymans erklärte, daß der Beschluß der Reichs­regierung ein Vorgang von sehr ernstem Charakter sei, der die größte Aufmerksamkeit aller europäischen Regierungen erfordere. In diesem Augenblick sei eine enge Überein­stimmung der von den Vorgängen in Deutschland be­troffenen Mächte das Gebot der Stunde. Ter franzö­sische Außenminister habe bereits die Initiative zu einem gemeinsamen Schritt der Mächte zur Verbür­gung des Friedens ergriffen. Die französische Regierung betrachte die Situation kaltblütig. Sie habe bereits einen Gedankenaustausch mit den befreundeten Mächten eingeleitet. Belgien bleibe in enger Fühlungnahme mit den übrigen Mächten.

Der englische Schritt in Berlin.

Zu der Lage nach der Verkündung des Gc rtzes über Sen Aufbau, der Wehrmacht und nach dem englischen Schritt in Berlin schreibt die Deutsche Diplomatisch- Polittsche Korrespondenz u. a.:

' Deutschland lehnt nicht Verhandlungen über d:e inter* nationale Rüslungsregelung ab; es wünscht ne nach wie vor und will ihren Erfolg. Was es aber ab lehnt, ist, noch zu verhandeln über ein Spezial­regime für Deutschland oder gar über jenes Mini­mum an Sicherheit, das jeder souveräne vstaat unb erst recht jede Großmacht für sich in Anspruch nimmt. .

Irgendeine Kritik an Art und Zeitpunkt des deutschen Schrittes zum Wiederaufbau der Wehrmacht ist daher abwegig.

Die Grundlagen, auf denen int Sinne beS eKgluch-sranzö- sischcn Kommuniques vom 3. Februar verhandelt werden soll, sind durch die deutschen Maßnahmen nicht umge­stoßen, sondern geklârr worden. Der Klauselkeine einseitige Aenderung bestehender Einwattnungeverpftich- tungen" konnte wohl niemand in der Welt die Bedeutung beilegen, daß die immerhin an ihr Abrüstungsverfprechen gebundenen Staaten die Zwischenzeit zu einer m a h i v c n Rüstung 8 erh öhung benutzen bürten, «sie konnten in keiner Weise glauben, tun und lassen zu können, was sie wollten, unb gleichzeitig in der Aufs rssung leben, ixis folgerichtige Reaktionen auf deutscher Seite auch weiterhin ausbleiben würden.

Die vor der Tür stehenden Verhandlungen, bk der eng­lische Außenminister in Berlin mit der deutichen Regie­rung führen wird, werden Gelegenheit geben, über die Frage einer internationalen Regelung der R ü ft ungen wie auch über die anderen im Londoner Kommunique enthaltenen Fragen zu sprechen. Es ist ein positives Ergebnis des gestrigen Besuches des engtizcheu Botschafters beim Reichsaußenminister, daß he m den letzten SS Stunden von interessierter Seite künstlich er­zeugte Ungewißheit über den Termin der anberaumten deutsch-engkifchen Besprechungen beseitigt worden ist.

Simon und Eden kommen

London, 19. März.

Reuter ineldet: Die deutsche Regierung hat eine gün­stige Antwort auf die britische Note gesandt.und Außen­minister Sir John Simon und Lordsiegeldewahrer Eden werden am nächsten Sonntag nach Berkin abreifen.