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Kulöaer Anzeiger

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12. Jahrgang

Fulda, Mittwoch, 20. März 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Sie Reichshauptstadt im Dunkeln

Wie Berlin die große Verdunkelungsaktion erlebte.

Win ist die Stadt des Lichtes. Wenn sich die l M^jinmerung über das gewaltige Häuscrmcer senkt, k suchten Tausende von Lampen auf, und Licht- I in allen Farben und allen Größen machen die MMzum Tage. Um so sonderbarer war cs daher, als I pt großen Berdunkelungsübung, die am | tag » o n 2 2 b i 8 24 Uhr in Berlin durch- I Art wurde, die große Stadt plötzlich in Finsternis lag. I um 22 Uhr begann die Übung. Zuerst gab es. nur | ®eingeschränkte Beleuchtung, eine Stunde ; ipiier,

um 23 Uhr, lag die Weltstadt im völligen Dunkel.

sir Polizei hatte Anordnungen erlassen, die eine Mngslose Durchführung dieser großen Übung ermög- We«. Um 10 Uhr wurden sämtliche Schaufensterbeleuch- Wgm und Lichtreklamen ausgeschaltet. In den Straßen tonten nur noch 4500 Lampen, um den Verkehr mit btt notwendigen Sicherheit aufrechtzuerhalleu. Die Lchwaqcn fuhren nur mit Parklicht. Elektrische Bahnen, Mvcrke und Fahrräder hatten abgeblendet, und alle Met waren verhängt.

Tiefe Maßnahme war für viele Einwohner ein sehr ftricriges' Problem. In den Papiergeschäften herrschte Jener mitunter ein richtiger Andrang, und man kann ii ", bay ach diese Übung zurWirtschaftsankurbelung" ' titin hat. Besonders die Fabriken und Groß­en u-, die auch nachts arbeiten, brauchten sehr viel mic l gtr Abblendung. Die Tankstellen, Reparatur- lAkstatien und Garagen gingen den. Autofahrern mit hat und Tat zur franb.

[ Natürlich gab die völligeDüsterheit", wie der Berliner sagt, manchmal einige Verzögerungen, denn die Fahrzeuge konnten sich nur imSchneckentempo" bewegen

>md mußten zum Teil auch wegen Straßenabsperrungen W machen. Das mag mancher im Lande, der sein Met, seinen Brief oder was er sonst aus Berlin cr- wtete, verspürt haben. Aber was nicht geht, geht eben Und schließlich war die Übung ja nicht zum Spaß S^W- Tie Berliner waren ganz und gar bei der Sache. M jo etwas sind dieEingeborenen" der Reichshaupt- I w immer zu haben. Sie haben auch cingesehen, welche 'etittitng dieser Übung beizumessen ist. Alle waren mit itemfcr nub Disziplin dabei. Im übrigen schmeckte Mim rammerlicht der Schoppen, und manches Licbcs- I ma0 gewünscht haben, daß cs immer so bliebe.

Jagdflieger über Berlin.

ian,teb Freiherr v. Richthofen. iWagenborg-Vildarchiv)

Im Zusammen­hang mit der B c r - l i n e r Luftschutz­übung erschienen Jagdflieger aus Döbcritz über der Stadt. Wie wir da zu von zuständiger Stelle erfahren, gc- hörten sie demJagd- gcschwadcr an, dem der Führer und Reichskanzler auf Vorschlag des letzten Kommandeurs des ruhmreichen Richt­hofen - Geschwaders, des Reichsministers der Lust, General Göring den Namen Jagdgeschwader R i ch t h o s c n" ver­liehen hat.

Manfred Freiherr v. Richthosen ist der berühmteste deutsche

Auw? Schorfen. Sein Name war im Weltkrieg in W[ oii o' 1 «~ cr doch eine unglaublich erscheinende l'^csin ?uWcstcH errungen. Er wurde am 2. Mai 1892 lÄent 1 $e;°rcn 1912 wurde er Leutnant im Ulanen- Efettttuhi Weltkrieg trat er jedoch bald zu der I. Z^k^ Hier begann seine Laufbahn als des Weltkrieges. 1917 war er Jagdgeschwaders 1, das durch seine .Uc;,en Erfolge bei Freund und Feind berühmt derrote Kampfflieger", konnte im Een. 2-1» ka tzn t e Erfolge im Luftkampf er Äitb^ Dreidecker waren an bem ganzen Front- ?%faih unö gefürchtet. Am 21. April 1918 starb ^"tz mancher Verwundung immer gut ^^e, u, a* war und fast für kugelsicher gehalten I Mtae ny^chiob. Ein Maschinenschaden war die Mfti^^we seines Heldentodes - er konnte dem } wehr entgehen.

«Ausnahme Kcvstonc.)

Die Vorbereitung zur Vcrdunkelnngsübung.

I» den Straßen waren Notbeleuchtungslampc» mit blauen Glasscheiben angebracht.

yiciictcm hat die ägyptische Finsternis sogar hier und da die Stimmung erhöht . . .

Berlin im Dunkeln.

Ein ungewohntes und beinahe unheimliches Bild.

Wenn man an das Rasen des Verkehrs und die viel­fältigen Geräusche der Straße gewöhnt ist, wirkt diese plötzliche Stille fast beängstigend. Diese Übung hat aber gezeigt, daß es möglich ist, große Aufgaben durchzufübrcn, wenn wir alle, Mann für Mann, dabei mithelfen und so das Werk unterstützen.

ZasdseschwaNer MchtSosen."

Die in der schlesischen Stadt Sch w e i d n i tz lebende Mutter des deutsche» Fliegerhcldcn Manfred v. R i ch 1- h o f e n hat von dem Reichsminister der Luftfahrt, Ministerpräsident Göring, ein Schreiben erhalten, in dem ihr eine Ehrung ihres Sohnes mitgeteilt wird. Das erste deutsche Nachkriegsfliegergeschwader soll den Namen von Richthofe» tragen. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:Hochverehrte gnädige Frau! Unser Führer und Reichskanzler bat auf meinen Vorschlag befohlen, daß das erste Fliegergeschwader, das wieder über ein freies Deutschland schützend seine Schwingen breitet, den Namen R i ch < h o f e n trägt. Es ist mir als Kamerad Ihres Sohnes eine herzliche Freude, als Reichsmiuister der Luftfahrt ein Stolz, Ihnen von diesem Erlaß, dessen Abschrift ich beifüge, Kenntnis geben zu können.

Ich löse hiermit ein heiliges Vermächtnis ein, wenn die stolze Überlieferung des ruhmreichen Jagd­geschwaders Richthosen, dessen letzter Kommandeur ich war, aus die neue Einheit übertragen wird. Das Beispiel Ihres unvergeßlichen Heldensohnes wird wie damals alle Offiziere unb Soldaten der wiedererstandenen deutschen Luftwaffe zur höchsten Kühnheit und Opferbereitschaft erziehen. Mit dem Ausdruck meiner gleichbleibenden Ver­ehrung »nd Heil Hitler!

Ihr sehr ergebener

Hermann Göring."

Großes Jnieresse des Auslandes für den Filmkongreß.

Verleihung des Filmstaatspreises am 1. Mai.

Der internationale Filmkongreß Berlin 1 935, der unter der Schirmherrschaft des Reichsministers Dr. G o e b b e l s steht, wird nach den bisher vorliegenden Anmeldungen unb Schätzungen etwa 80 0 ausländische und 600 deutsche Gäste in Berlin vereinigen. Bisher haben die Theaterbesitzer Organisationen aus zehn fremden Staaten ihre Beteiligung zugesagt, nämlich Belgien, ^Bulgarien, England, Frank reich, Österreich, Schweden, die Schweiz, Spanien, die Tschechoslowakei und Ungarn. Zu», ersten Male entsende»

auch die französrochen Ver'leiherorg'ani- s a t i o n e n eine starke Vertretung.

Das Programm ist jetzt in seinen Einzelheiten festgelegt. Nach einem Begrüßungsabend am 25. April beginnt die eigentliche Tagung am Freitag, dem 26. April, vormittags 10 Uhr, im Reichstagssitzungssaal bei 9 roö. Am Dienstag, dem 30. April, abends findet die s e i e r - liche Schlußsitzung des Kongresses im Reichstags­sitzungssaal mit der Bekanntgabe der Beschlüsse des inter­nationalen Filmkongreffes statt. Dabei halten Ansprachen der Schirmherr des Kongresses, Reichsminister Dr. G o e b- b e l s, der Präsident der Reichsfilmkammer, Dr. Scheuer­mann, und ausländische Abordnungsführer.

Mit der Teilnahme der Abordnungsführer an der offiziellen Feier der Verleihung des Staa-ts- Preises in der Staatsoper Unter den Linde» am 1. Mai mittags 12 Uhr findet der Kongreß seinen Abschluß.

Die englische Note.

Die englische Note, die am Montag in Bertin »verreicht worden ist, liegt jetzt nach der Übersetzung im Wortlaut vor. In der Note, die, um cs vorwegzunehmc», die Lage nach der Einführung der Wehrpflicht in Deutsch­land völlig einseitig beurteilt, heißt es u. a.:

Ich beehre mich, Ihnen im Auftrag des Königlichen Staatssekretärs für Auswärtige Angelegenheiten mitzn- teilen, daß sich die Königliche Regierung in dem Ver­einigten Lkönigreich genötigt sieht, der Deutschen Regie­rung ihren Protest gegen die von ihr am 16. März verkündete Entscheidung zu übermitteln, die allgemeine Wehrpflicht cinzufübren und den Friedensrahmen des deutschen Heeres auf 36 Divisionen zu erhöben. Nach der Bekanntgabe einer deutschen Luf 1 mach 1 ist eine solche Erklärung ein weiteres Beispiel für eine einseitige Aktion, die, ganz abgesehen von der grundsätzlichen Seite her Frage, geeignet ist, die Unruhe in Europa in ernster Weise zu erhöhen.

DaS Londoner Kommunique vom 3. Fe­bruar stellte einerseits fest, daß vertraglich begrenzte Rüstungen nicht durch einseitige Aktion abgeändert wer­den können, erklärte aber andererseits, daß die Britische und die Französische Regierung zu einer allgemeinen Re­gelung geneigt seien, über die zwischen Deutschland und den anderen Mächten frei verhandelt werden solle. Diese allgemeine Regelung sollte über

die Organisation der Sicherheit in Europa nach den in dem Kommunique angegebenen Richtlinien Be­stimmung treffen unb gleichzeitig Nüstungsvereinbarnngen festlegen, die für Deutschland die einschlägigen B e ft i m in unge n des Teils V des Versailler Vertrages er­setzen sollten. Das Kommunique führte weiter aus, cs sei als Teil der ins Auge gefaßten allgemeinen Regelung anzusehen, daß Deutschland seine aktive Mitgliedschaft in den Völkerbund wieder aufnehme, und skizzierte schließ­lich den In ball eines Luftpaktcs zwischen den Locarno-Mächten, der als ein Abschreckungsmittel gegen Angriffe wirken und Sicherheit vor plötzlichen Lufi- Überfällen gewährleisten sollte.

Die Antwort der Deutschen Regierung zehn Tage später begrüßte den

Geist freundschaftlichen Vertrauens, den das englisch-französische Kommunique zum Ausdruck brachte, und stellte in Aussicht, daß die Deutsche Regie­rung die in dem ersten Teil des Londoner Kommuniques enthaltenen Fragen einer eingebenden Prüfung unter­ziehen werde. Sie bemerkte zustimmend, daß der in dem .Kommunique zum Ausdruck gebrachte Geist f r c t e r Ver­handlungen zwischen souveränen Staaten allein ;» dauerhaften internationalen Regelungen auf dem Gebiet der Rüstungen führen könne. Im besonderen begrüß.e sie den Vorschlag über einen L u f t p a k t: die deutsche Antwort endete mit der Erklärung, daß die Deutsche Re­gierung es vor Eingehen auf die vorgcschlagcnen Vcr Handlungen für erwünscht halte, in besonderen Be­sprechungen mit den in Frage kommenden Regierungen eine Anzahl von grundsätzlichen V o r f rage n zu klären. Zu diesem Zweck lud sie die Königliche Re gierung ein, mit ber Deutschen Regierung in einen u:i mittelbaren Gedankenaustausch einzutreten.

Da die Königliche Regierung sich vergewissern wollte, daß binsichtlich des Umfangs und des Zweckes der vor geschlagenen englisch-deutschen Unterhaltung kein Miß Verständnis bestehe, richtete sie am 2t. Februar an die Deutsche Regierung eine weitere Anfrage, auf die diese am folgenden Tag antwortete. Das Ergebnis war eine endgültige Übereinstimmung zwischen den beiden Regierungen, daß ber Zweck der beabsichtigten Zu sammenktlust sein sollte, die Unterhaltung über alle in dem englisch französischen Kommunique bchandct- ten Fragen ein Stück weitcrzuführeu.

Auf dieser Basis hat sich die Königliche Regierung darauf vorbereitet, den von der Deutschen Regierung vorgeschla­genen Besuch in Berlin auszuführen.

Was ins Auge gefaßt war, war alsoeine all- g e m eine frei z w i s ch c n D c u t s ch l a n d u n d d e n anderen Mächt c n a u s z u d a n d c l n d e Rege - l u n a* rindV e r e i n b a r u n g c n über Rüstungen, die für Deutschland die Bestimmungen von Teil V des Versailler Vertrages ersetzen sollten". Dies ist stets das Ziel ber Politik der Königlichen Regierung gewesen, und auf die Erreichung des Zieles bat diese alle ihre Be­mühungen in Genf und sonstwo gerichtet: aber das Zu Bghbefommcn einer umfassenden Einigun.â, die auf