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Bildetet Anzeiger

«SLLS'LP Tageblatt für Nhön und »»getebtry

^âti^ Friedrichs èhrenkla^, Dauter- Jul-a- unö Haunetal* Fuldaer Kreisblatt Eions ^ r^tleiter Friedrich Ehren-

* Ada. Königstraße 42, Teleson 2989. -

^ntAtlich für den Inhalt: Bernd Heim. Fulda.

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Ne-aktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 * Zernfprech-^nfchluK Nr. 2484

Nachüruck der mit * versehenen flrtikrl nur mit <yuellenangnbe,ZulSaer^nzeiger'gestatt»1.

N. 71 - 12. Jahrgang

Fulda, Montag, 25. März 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Die deutsch-englische Aussprache.

Die Mission Simons und Edens in Berlin. Die Welt schaut auf Deutschland.

Set Besuch des englischen Außenministers Simo n I ^^ Lordsicgclbcwahrcrs Eden in Berlin steht im I«kt des europäischen, ja, man kann ruhig sagen, I Wlteresics. Eden ist über den Umweg nach I «grii «ach Berlin gekommen. Eden hatte in Paris wichtige Besprechungen mit dem französischen W ^minister Laval unter vier Augen. Später hat sich

M italienische Unterstaatssekretär des Auswärtigen.

U rttich, an diesen Besprechungen beteiligt. Mit den MMchungen, die die beiden englischen Diplomaten mit -Mssühre r u n d Reichskanzler und dem Reichs- W «»«minister Neurath über die internationale Lage I «ch Einführung der deutschen Wehrpflicht ausgenommen I Mn, ist die Erörterung aus der Aimosphâre der Protest- M «M und diplomatischen Schritte in die weit klarere der Mgkgenseitigeu Aussprache gebracht worben.

Beide Verhandlungsteilc sind beseelt von dem WMnsche, dem Frieden Europas zu dienen» und die un- mifkltiare Aussprache wirb dazu beitragen, die Lage weiter zu klären und Spannungen zu beseitigen. Die Itiiijlifdjcn Herren werden sehr bald erkennen, daß sich an Mcnischlauds ehrlichem Friedenswillen, den der Führer so oft betont hat, nichts geändert hat, und daß nur mutige Schärfen durch die Haltung der Protcststaateu Hineingetragen worden sind.

I Simon hat vor seiner Berliner Reise in zwei poli- Mlheil Versammlungen gesprochen. Er hat in beiden oben zum Ausdruck gebracht, daß England gegenüber Muchm politischen Vorgängen in der Welt sich zurück- Wtcn müsse, und daß es kein Beitrag zum Frieden sei, Mun sich England in außenpolitische Abenteuer hincin- Mhen ließe. Wenn Simon auch den englischen Staud- Minlt in der Abrüstungsfrage wieder unterstrich und den Milieu zur Zusammenarbeit mit Frankreich betonte, so Meiden seine Reden dem Friedenston Deutschlands Durchaus gerecht. Mit Berlin beginne, so erklärte Simon, I fine neue Entwicklung auf einem weiten und I ichwicrjgen Gebiet, wobei nur Beharrlichkeit und

Bedacht zum Ziele führen könnten.

I. Das Londoner BlattDaily Mail" bringt die auf- Wtncrregende Mitteilung, lvonach die englische Regie- MW nur Simons Abreise beschlossen habe, bei einem Mu Weichen Ausgang der Berliner Verhandlungen eine Mlcrmächtekonferenz nach London einzu- M ku fc ii. Das sei die letzte Entwicklung nach einer konzentriertester diplomatischer Arbeit. Überein- W "End geben in diesem Zusammenhang die Londoner

Die englischen Minister in Berlin.

John'Simon:Ich erwarte keine plötzlichen Ergebnisses aberunser aller Zielest: Friede aus Erben".

Berkin, 25. März.

è englische Außenminister Sir John Simon und Lord- Mbewrhver Eden sind Sonntag um 17.30 Ahr auf dem Allner Zentralflughafen Tempelhof gelandet.

glichen Persönlichkeiten hatten sich eingefunden:

Ä - Botschafter Sir Eric Phipps mit den Herren L Reichsaußenminister Freiherr von Neurath, ^«Mretâr in der Präsidialkanzlei Dr. Meißner als kt e ^"cheter des Führers und Reichskanzlers, ^bl ^i^wtär des Auswärtigen Amtes von Bülow, . Protokolls Graf Bassewitz, Ministerialdirektor K. ' "â Auswärtigen Amt. der Berliner Polizeiprä- nt Levetzow, Ministerialrat Dahlmann uns dem l^nt sowie der Flughafenkommqn- Mi» Carganico. Die inländische und ausländische he zahlreich vertreten. Auf dem Rollfeld war der d" Leibstandarte Adolf Hitler als Ehren- Retbr Die Ehrenbereitschaft trat unter Kommandant des Ehrensturmes der Leib- Rifier y -- Huler meldete dem englischen Außen- ^gäschen Staatsmänner angetretene

LiU^?'"" Unterredung, die Außenminister Sir John dem Flugplatz hätte, erklärte er:

lerne plötzlichen Ergebnisse; dazu sind die lotet tnii s' umfangreich und zu schwierig. Wir werden kinfer aller Kräfte um unser Ziel kämpfen,

linier ^: Friede auf Erden und guter Wille Atenschen.

®'«^ in der Reichshauplstadt Wgen. ^uee bestiegen darauf die bereitstehenden Kraft- h ' Wagen nahm Reichsalchenminister läster ^^Utatb neben dem englischen Außen»

W 3 01) n Simon Platz. Die englischen Ä unb <01 drm vieltausendköpfigen Publikum in die begrüßt. Die Fahrt ging vom Flug-

Sputen Botschaft, wo gemeinsam der Tee I und dann zum Hotel Adlon, wo die

Wohnung nehmen.

I ® «er. wi» '" der Wilheimstraße eintrafen. Hätte »UL vor dem Kate! Adlon und In der Strane .

(Ausnahme Keystone.) Simon und Eden.

Blätter der Hoffnung Ausdruck, oax Sic Nerze ocr britischen Staatsmänner zu einem

völligen Neubau des europäischen Staaten«

Verhältnisses auf einer neuen Grundlage führen Worbe. Verschiedentlich wird die Frage erörtert, ob Frankreich auch heute noch mit vollem Herzen bereit wäre, daran mitjuarbeiten und sich mit Deutsch­land zu verständigen, ober ob cs jetzt ein Militärbündnis mit Rußland und der Kleinen Entente vor sieben werde.

Der bekannte politische Schriftsteller A. G Gar­diner stellt imStar" ganz nüchtern fest, daß Derrtsch- lanb nicht allein ober überhaupt nicht für den jetzigen Zustand Europas verantwortlich gemacht werden könne.

Der wahre Schuldige sei dererpresserische Vertrag von Versailles", ~

fei vor allem aber P o i n c a r 6.Wie man auch immer die Wirksamkeit Hitlers ablctmen möge", schreibt Gar­diner,so ist man doch gezwungen, zuzngeben, daß erst dieser Fanatiker es fertlgbrachte, sein Volk aus beut Staub zn ziehen zu der Ä d) t u u g , dem R^s p e k t und ber Furcht, bic es jetzt genießt. Seine Schläge sind kräftig gewesen, aber niemals ohne Ursache."

Unter den Linden, eine große Menschenmenge angesam-- melt, die den Ministern' einen herzlichen Empfang be­reitete. Die Polizeimannschaften hatten â Hände voll zu tun, um die Fahrbahnen der Wilhelmstraße und der Linden für die Anfahrt der Minister freizuhalten. Poli­zeipräsident von Leveßow ließ es sich nicht nehmen, sich persönlich von den getroffenen Absperrungsmaßnahmen zu überzeugen. Eine große Aeberraschung bedeutete es für die wartende Menge, als plötzlich Dr. Goebbels im offenen Wagen durch die Wilheimstraße fuhr. Ihm wur­den spontan herzliche Kundgebungen bereitet.

Bewrecheng über das Programm

In einer gemeinschaftlichen Unterhaltung auf der eng­lischen Botschaft nach Ankunft der englischen Regierungs- Vertreter wurde zwischen ihnen und dem Reichsaußen­minister Frhr. von Neurath das für den heutigen Mon- tag vorgesehene Programm besprochen. _ ,.

-Abends fand auf der englischen Botschaft ein Abendessen statt, zu dem die englischen Regierungsvertreter und die Mitglieder der englischen Botschaft erschienen waren.

Diegroße Million" Sir John Simons

Ganz England richtet die Öligen nach Berlin und sieht der historischen Zusammenkunft zwilchen dem Führer Deutschlands und dem englischen Außenminister voll Spannung und Hoffnung entgegen. ^ie englische 'coitn* taasptesse spricht in fettgedruckten Schlagzeilen von der großen Mission" Sir John Simons und gibt dem Außenminister in langen Leitartikeln die besten Glück- wünsche mit auf den Weg.

*

Die bekannte Sonntagszeitung ..Suudav Times", schreibt: Die Hoffnung wächst, daß die deutsch-englische Konferenz in Berlin Ergebnisse von beträchtlichem Wert zeitigen wird. Wir stehen buchstäblich am Scheidewege. Wenn Hitler seinen Friedensäußerungen jetzt einen greif­baren Ausdruck gebe, sein Land ,,bei vollen Sicherungen und auf der Grundlage einer echten Gleichberechtigung" zur Teilnahme an einem Pakt zur Sicherung des Ostens und der Westens und zu einer baldigen Rückkehr nach

Fortsetzung auf Seite 2.

Deutschland nicht schlechter gestellt als andere Länder.

Eine Rede des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht vor dem Preußischen Staatsrat.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht sprach auf der Arbeitstagung des Preußischen Staatsrates über die heutige Lage Deutschlands innerhalb der Weltwirtschaft und führte aus, daß sich die deutsche Wirtschaftspolitik wie jede andere von dem einen Grun d f atz der Selbstbehauptung leiten lassen müsse. Man dürfe das Gesetz des Handelns nicht anderen überlasten, son­dern müsse es selbst in der Hand behalten. An Hand ein­gehender Unterlagen zeigte Dr. Schacht die Entwicklung der Weltwirtschaft auf, deren heutige Situation dadurch charakterisiert sei, daß der gesamte Welthandel sich 1934 nur noch auf ganze 90 Milliarden Mark beläuft gegen 280 Milliarden im Jahre 1928.

Trotz der ungeheueren Schwierigkeiten, in denen sich Deutschland wirtschaftlich befinde, sei der deutsche Außenhandel relativ nicht wesentlich stärker zurück- gegangen als der Außenhandel seiner Haupt­konkurrenzländer.

Die Ursachen dieses Rückganges, so erklärte Reicbs- vankpräsident Dr. Schacht, liegen einmal in dem unge­heueren politischen Mißtrauen begründet, das durch die Friedensdiktate in die Welt hineingetragen wurde. Eine weitere Ursache ist die durch den Krieg und die Nachkriegs- verhältnsse herbeigeführte große Verarmung und schließ­lich die schwer drückende internationale Verschuldung. Die gesamte internationale Kreditmaschinerie ist dadurch außer Funktion geraten.

Als Gegenwirkung ist der Konkurrenzkampf zwischen den einzelnen Ländern, ein Wettlauf um die immer mebr zusammenschrumpfende Kaufkraft in der Welt entbrannt. Die Länder haben alle in diesem Wettlauf ungefähr das gleiche geleistet. Interessant ist aber, daß dieser Wettlauf mit verschiedenen Mitteln unternommen worden ist. Die bedrohten Länder, deren Märkte erobert werden sollten, haben sich gegen fremde Waren abgesperrt durch Schutz­zölle. haben kontingentiert. Als Gegen, Außenhandelsschrumpfung haben einzelne Länder zu dem Mittel der Binnenmarklbelebung gegriffen, um nicht immer stärker in den allgemeinen "Strudel der Be- fchäftigungslosigkett und Armut hineingezogen zu werden.

Wir in Deutschland haben ein vorbildliches Arbeits- beschafsungsprogramm nicht nur ausgestellt, sondern auch durchgeführt, und haben mit Erfolg alles getan, um der Arbeitslosigkeit innerhalb der Rcichsgrcnzen nach Kräften zu begegnen.

Was nun Deutschlands Außenhandel betrifft, so haben wir auch im Jahre 1934, wo es uns im inter­nationalen Geschäft am schlechtesten ging, immer noch eine Einfuhr von 4,2 Milliarden Mark gehabt, davon waren 50 Prozent, also über 2 Milliarden Mark, industrielle Roh­stoffe, die wir nun nicht etwa nur für die Ausfuhr in Fertigfabrikaten gebrauchen, sondern die wir auch für unseren inneren Markt nötig haben. Reben diesen 50 Prozent für industrielle Rohstoffe werden 35 Prozent der Gesamteinfuhr von 4,2 Milliarden Mark für Rahruirgs- und Genußmittel benötigt, d. fk auch vier braucht der deutsche Markt große Zufuhren aus dem Ausland.

Dieser Bedarf resultiert aus dem hoben Lebens­standard Deutschlands. Das Entscheidende ist, daß wir von diesem Lebensstandard nicht herunter »vollen.

Denn in diesem Lebensstandard liegt eine so große geistige und moralische Spannkraft, daß die ganze Zukunft des deutschen Volkes gefährdet wäre, wenn wir in ein reines Vegetieren des Essens, Trinkens und Kleidens hcrabsänkcn.

Selbstverständlich können wir die große Einfuhr nicht auf­rechterhalten, wenn wir keinen entsprechenden Export haben.

In längeren Ausführungen gab der Rcicksbankpran- dent dann ein anschauliches Bild über das Wäh run g s- chaos in der Welt, das beseitigt werden muß, weil der Welthandel einen solchen Zustand nicht erträgt, sowie über den inzwischen in Deutschland beschrittenen Weg der Erportförderung und fuhr dann fort:Wenn wir uns die innere Lage der anderen Länder anseben, die mit uns ans dem Weltmarkt konkurrieren, so erhalten wir eine gute Illustration zu dem, was id) Ihnen bereits über den Rückgang des Außenhandels gesagt habe: daß wir nämlich durchaus nicht etwa Jo sehr viel schlechter dasteben als andere. Die wirtschaftliche Lage in den Hauptkonkurrenzländern, denen wir uns im Welthandel gegenübersehen, wird auch immer mebr rück­läufig. Drei Probleme stehen f ü r uns im Augenblick im Vordergründe:

die Nvhstosfbcschaffung, die Auslandsverschuldung und die Devisenbeschaffung.

Bei der Erörterung der Rohstoffversorgung gab Dr. Schacht einige bemerkenswerte Einzelheiten über den Stand der wissenschaftlichen Forschung und ihrer Nutz­barmachung, über die von Deutschland eingeschlagencn Wege sur Sicherung der Rohstoffversorgung, das System der übcri vachuugsstellen u. a. in. Heute zeigen sich Rückwirkungen der deutschen Politik auf das Ausland tn erstaunlichem Umfange: das Ausland beginnt nämlich an dem Bezug deutscher Waren selbst ein Interesse zu nehmen; gerade die Länder, die uns mit Rohstoffen be­liefern, geben immer deutlicher zu verstehen, daß sie tn direktem Verkehr mit Deutschland die deutschen Waren aufnehmen wollen, weil nur