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M-aer Anzeiger

sStSaS., M « T°« für R^a und Vgâ» i£«sS®s M»°- unè Haunetal. JuWaer fittisHa«

1 Sauptschristleiter Friedrich Ehren.

i «ulbo Königstraße 42. Telefon 2989.

Antwortlich für den Inhalt: Bernd Xini. F^lda

Redaktion und Hefchästsstelle: Königstraße 42 Zernfprech-Rnsthluß Nr. 2989

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^ 72 - 12. Jahrgang

Fulda, Dienstag, 26. März 1935

Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei zwangs­weiser Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder An­spruch auf Nachlaß.DA." II. 35 910. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 gültig. Verantwort!, für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, LauterbachH.

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Die Besprechungen in der

târttrfcâfrrtrffr'isrf»* / Simon und Eden beim Führer. VVbT^VLUttAH-^T^ / Mehrstündige Aussprache.

Mder ersten Fühlungnahme des englischen Autzcu-

i âW-ir John Simon und des Lordsiegelbewahrers i Karimi Sonntag begannen am Mvntaqvormitlog die I Än Besprechungen in der Reichskanzlei. Der Ml und Reichskanzler Adolf Hitler empfing die I tzKenglischen Diplomaten, die von dem englischen Bot I M Sir Eric Phipps und dein deutschen Außen- I Mr begleitet waren.

Au der Aussprache nahmen auf deutscher Seite neben I «Mrer noch der Reichsaustenminister und der Sondcr- r toftragte für Abrüstungsfragcn, von Ribbentrop, teil, während die beiden englischen Minister noch den k Wichen Botschafter in Berlin hinzugezogen hatten.

Nur eine kurze Pause, während der die englischen I Herren in der Reichskanzlei das Frühstück entnahmen, I unterbrach die Besprechungen, die bis zum Abend sich Hin- I ygtn.

Bei den Besprechungen zwischen der Reichsregierung I und der englischen Regierung handelt es sich, wie der eng» I lischt Außenminister selbst betont hat, um eine I n - Isormation über die beiderseitigen Absichten. Dcutsch- I lmd und England werden einander Aufklärung über die I ^sichten zur gegenwärtigen politischen Lage geben und I die Aussichten der in der internationalen Aussprache auf- I Duchten Pläne durchsprechcii.

Die beiden englischen Minister sind Gäste des Reichs- I Wenministers Freiherrn von Neurath. Wahrscheinlich Iwtben sie b i s M i t t w o ch in der Reichshaupt» Madt bleiben. Simon wirb dann mit dem Flugzeug nach Sonbon zurückkehren, während Eden nach Moskau weitcr- I reifen will, von wo er dann auch nach Warschau und Prag I hhren wird.

I In London findet am 29 März ein Knbiucttsrat beim I Wi| statt, an dem aber Eden noch nicht teilnehmen kann. I Erstach der Rückkebr Edens aus Prag werden in London I die Verhandlungen des englischen Ministerrats beginnen, I die dann die Überleitung zu ven Besprechungen in I nresa zwischen dem englischen, dem französischen und I dem italienischen Ausrcnministcr a m 1 1. April bilden I Men. Eine amtliche Mitteilung über das Ergebnis der I grüner Verhandlungen ist erst nach dem Abschluß aller I Msprcchungcn zu erwarten.

*

I deryerlinerVesuch im englischen Pressespiegel.

Tie Berichte und Kommentare der Londoner Presse

dem Berliner Besuch Simons und Edens sind fast aus- MmSloS auf einen sehr zuversichtlichen und freundlichen gestimmt. Die Feststellung derTimes", daß die Wöllner Besprechungen mit viel besseren Aussichten be» pfg c$ noch vor einigen Tagen erschien, wird von I allen Blättern geteilt. Die Berichterstatter beben » aviwers die herzliche Begrüßung hervor, die Simon und Ji! '"^i nur auf dem Flughafen, sondern auch in der M zuteil geworden lväre In der ganzen deutschen I LT A der Wunsch nach einem günstigen Abschluß der I dlungeu zum Ausdruck gekommen, wobei hervor» °Mn wird, daß im heutigen Stadium der Entwicklung I persönlichen Eind rücke entscheidend

I J^ Londoner Blätter verzeichnen mit Befriedigung

stcundschaftliche Begrüßung der englischen Untcr-

I . Wandler durch die Berliner Bevölkerung,

sei, daß auch das deutsche Volk von ^'""beu beseelt sei, daß Simon als chr- I'eck, ° Makler handele und Deutschland einen ge- I 8 e i eben verschaffen werde.

btt Ä bezeichnend ist der Leitartikel derTimes", I die fc; $ èusp inert ist und in dem es u. a. heißt, I dekvrechunaen ainaen jetzt unter tvesentlich I . "'Zungen vonftatten, als man in Paris und I irüberen Der Artikel setzt sich deutlich mit den I Wn»i,, » e"en auseinander und gibt der bestimmten IM ^k^b^. daß nach den Berliner Besprechungen I ^len jv^h^^^citsbcsuch, den Simon in Stresa ab-

bfl| enb Bier- oder Füiifmächtckoufercnz "Pu Frieden Europas sichern werde.

I Wfttlln I,Hungen heben besonders den würdigen I ls ^eii Simon durch dieLeibstanda r 1 e l^enwiniu "? erhalten hat. Somit sei dem englischen I bisher Clue Èbrung zuteil geworden, wie wohl

I reinem anderen Staatsmanne.

* I kn â amtliche deutsche Mitteiluna

I ^lhkn !cn Tag der Verhandlungen mit den eng«

I . -Ser lautet:

I Be botini? Vf r r "Ud Reichskanzler empfing I britischen Außenminister DirIohN

I ^. Anthoup Eden im Beisein des

I ih6 6titifdir» Pflers Freiherr» V n n Neurath und ^âtuu^n «" Botschafters Sir Eric P b i p p s Be I r^ach^. sanden statt sowohl am Vormittag als auch I l^ber einige bet Fragen, die in der fran ' ^^ Mittetlui erwähnt

worden sind. Die Besprechungen werden im Lause des Dicnstagvormittag wiederaufgenommen werden."

Memungsau-tausch über die politische Lage Europas.

Gegenstand der Besprechungen waren die fünf Punkte des Londoner Protokolls vom 3. Februar d. I., nämlich die Abrüstungsfrage, der Ostpakt, der Donaupakt, der Wiedereintritt Deutschlands in den Völkerbund und der von England und Frankreich gemeinsam vorgeschlagene regionale Luftpakt. Der Verhandlung über die einzelnen Punkte ging am Montagvormittag eine Besprechung über die allgemeinen Ansichten der deutschen nnd der englischen Regierung von der Lage in Europa voraus. Dieser Teil der Besprechung war auf beiden Seiten von dem Wunsch nach einer unbedingt offenen Aussprache getragen. Rücksichtslos wurde von beiden Seiten der jeweilige Standpunkt dargelegt. Bei der Erörterung der einzelnen Fragen hat der Führer und Reichskanzler dann

den grundsätzlichen Standpunkt Deutschlands zu dem

Problem des Ostpaktes

dargelegt. Es sind in diesem Teil der Erörterung von englischer Seite Fragen gestellt worden, deren Beantwor­tung, wie man ans ausländischen Kreisen hören kann, zur Klärung des ganzen Problems der östlichen politischen Fragen beigetragen bat. Der große Umfang der zur Ver­handlung stehenden Fragen bringt es mit sich, daß auch am Dienstag eine ganze Reihe von Problemen erörtert werden müssen. . .

Es ist bekannt, daß die deutsche Regierung bereit ist, sich an einem Abkommen über eine R ü st ungsbe- s ch r ä n.k u n g nach wie vor zu beteiligen, wenn dabei die unbedingte Gleichberechtigung aller Staaten Voraus­setzung ist und wenn die besonders ernste militärpolttcschc und geographische Lage einzelner Staaten berücksichtigt wird.

Die Frage des Wiedereintritts in den Völkerbund ist bekanntlich von deutscher Seite erst dann zu erörtern und zu klären, wenn über den gesamten Bereich der in dem Londoner Protokoll aufgeworfenen

Fragen eine Klarheit geschaffen ist

In der Frage des Donaupaktes hat die Reichsregie- rung immer den Standpunkt vertreten, daß eine

Nichteinmischung in die inneren Verhältnisse von

Österreich selbstverständlich ist, daß aber ein Donaupakt nicht etwa die natürlichen Be­ziehungen zwischen Deutschland nnd Österreich stören oder

Deutsche Aufrüstung

trägt zur Befriedung Europas bei.

Senator Borah über Deutschland als Friedensfaitor.

Senator Borah, Mitglied des Repräsentanten­hauses und des Auswärtigen Ausschusses des amerlkanc- schen Senates, erklärte einem Vertreter derAisocratcd Preß": Die d c u t s ch e A u f r ü st u n g dürfte e h e r z u r Befriedung Europas beitragen als Ursache eines künftigen Krieges sein. Der Versailler Vertrag sei bereits von anderen Nationen nicht beachtet worden, und i Deutschland sich von diesem Vertrag lossagte, fei unver­meidlich. Dieser Schritt bedeute, seiner Ansicht nach eine Besserung der europäischen ^ a ge. Wörtlich führte er dann aus:Ich habe wiederholt gejagt, daß es niemals einen wirklichen Frieden in Europa geben wird, bis der Versailler Vertrag außer Kraft gelebt wird. Dies kann zu einer Neuabfasiung eines Verirgges unter solchen Bedingungen führen, die dem Frieden luid der Stabilität Europas eine größere Sicherheit geben. Eine Kriegsgefahr könne sich nur dann ergeben, ivenn der Ver­such gemacht iverde. Deutschland zu zwingen,ch den Be- diugungen des Friedens von Versailles zu fügen.

Was die Vereinigten Staaten anlauge, so sollten sie sich in jedem Falle aus Europa fern- ballen Die Vereinigten Staaten litten immer noch an den Folgen einesEuropa Besuches" und er sei sicher, daß die USA. niemals wieder einen machen werden.

*

neues französisches Flottenbauprogramm

Die französische Kammer bat am Montag das Flottenbauprogramm für 1935 mit 453 a e a e n 12 5 S t i m m c n angenommen. Es enthalt u. a. den Bau von z w c i 3 5 0 0 0 T o n neu K r e n- tern, von denen einer sofort ans Kiel gelegt jverden soll. Der erste Bauabschnitt, der den zweiten Kreuzer noch nicht einschlicßt, bringt allein 9k-graben m ^bc von l .a WU- störten Mark mit sich.

Ausn. Scherl.

Die englischen Minister in der Reichskanzlei.

Von links nach rechts: Simon, Eden und Reichsaußen- minister von Neurath.

gar einem anderen Staat die Möglichkeit geben darf, sich in die inneren Angelegenheiten Österreichs ein ^umif eben.

Man kann zusammenfassend feststellen, daß der Be­ginn der deutfch-englischen Besprechungen am Montag gut war. Die englischen Minister sind offensichtlich von dem besten Willen beseelt, mit Deutschland die Grund­lagen für einen wirklichen Frieden in Europa zu suchen. Sie haben unvoreingenommen großes Verständnis für den deutschen Standpunkt gezeigt

Zesteffen im früheren Palais Hindenburgs.

Montag abend gab Reichsaußenmürister Freiherr von R e u r «1 b den englischen Gästen imH a u s e des Reichspräsidenten", dem früheren Palais Hindenburgs in der Wilhelmstraße, ein Esten, an dem die beiden englischen Minister, der englische Botschafter, die Begleitung der englischen Minister, die Mitglieder der englischen Botschaft und eine Reihe von deutschen Gästen teilnahmen.

Der polnische Volfchafier bei Reurath.

Der polnische Botschafter Lipski har dieser Tage den Reichsaußenminister v. Neurath ausgesucht, um mit ihm die gegenwärtige internationale Lage zu bc- sprechen wie sie sich aus Grund der letzten Ereignisse ent» wickelt hat. Die in der ausländischen Preste aufgetaittbtc Behauptung eines Protestes der polnischen Regierung gegen das deutsche Gesetz über den Aufbau der Wehrmacht chom 16 Mär; ist völlig unzutreffend.

Der französische Kriegsminister Piëtri erklärte, daß die neuen Schiffe als Erfaß für zwei 1911 gebaute Ein­heiten dienen würden. Er beabsichtige, das Washingtoner Flottenabkommen bis zum Jahre 193" einzuhalten, trotz­dem es gekündigt sei. Die französische Kriegsflotte sei zurückgegangen, während die Bereinigten Staaten, Japan und Italien ihre Flotte um 26, 50 und 16 v. H. erhöbt hätten. Der Minister sprach sich weiter dahin aus, sich für Ven Ausbau d e r M a r i n e f l i e g e r e i einzuseöen. Piètri betonte zum Schluß, es sei ein Jrrttlm, daß man die Kriegsmarine durch Bündnisse ersetzen sönne. Die Flotte sei die b c st e W affe i m G e i st e d e r B ü n d u i s p o l i t i k. Man dürfe auch die soziale Seite der Vor läge nicht verkennen. Das Bauprogramm werde 16 0 00 A r beitet n vier Jahre lang Beschäftigung geben.

X *

Gömdör über die eurooiiifche Frage

Budapest, 26. März.

In einer Wâhlerver'ammlüng der Partei der nationalen Einheit sprach Ministerpräsident Gömbös über die euro­päische Lage. Wer die europäische Frage wirklich losen wolle, solle die Angercchtigkeiteii und die Demütigungen beseitigen, die den sogenannten besiegten Staaten anterlegi worden seien. Deutschland hat sich die Gleichberechtigung unter Berufung auf seine Souveränität gegeben. Ungarn könne Deutschland auf diesem Wege nicht folgen, uku Ungarn als Mitglied des Völkerbundes das g leime A n f u ch e ii vor d e u Völker 6 u n d bringen werde. Ungarn hoffe, daß es, gestützt aus seine ital.eia-chen Freunde und auf alle jene, die sich auch bisher als Freunde erwiesen haben, das Ziel erreichen werde. Wenn es sich um die Lösung des ganzen Fragenkomplexes san­dele, mußten bei den politischen Fragen auch ^èe finanziel­len und allgeme'nwinschaftltcheu Fragen am bu Tages­ordnung gesetzt werden