Zul-aer ^n^cigcr
Werktag. Wocheiweilage: „Der Bezugspreis: monatlich 1,70 RM.
Aeferungsbehinderung durch „Höhere Ee-
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S Ä Friedrich Ehren-
" Rulba, Königstraße 42, Telefon 2989. - «-Etwortlichfür den Inhalt: Bernd Heim, Fulda.
Redaktion und Geschäftsstelle: Köntgftraße 42 ❖ Zernsprech-Nnfchluft Nr. 2484 Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit Ätziellenangabe »Zulüoer Anzeiger'geflattet.
Nr. 73 — 12. Jahrgang
Der zweite Tag der deutschenglischen Aussprache tzrmeinschaftliches Mittagessen in der britischen Botschaft. Berlins Bevölkerung begrüßt die englischen Gäste.
Am Dicnstagvormittag wurden die Besprechungen ^ ssührers und Reichskanzlers Adolf Hitler mit den qlischen Ministern Simon und Eden wiedcrauf- zmmincn, nachdem am Montag in einer mehrstündigen offenen Aussprache ein Teil der schwebenden Fragen er irtert worden war. Auch an den Dienstagbesprcchungcn nahmen wieder Außenminister von R e u r a t h und der -Mcrbeauftragte für Abrüstungssragen, von R i b - dentrop, und der englische Botschafter in Berlin, Sir Aic Phipps, teil.
Mittags gegen 542 Uhr wurden die Besprechungen mit Den englischen Ministern in der Reichskanzlei durch eine Mittagspause unterbrochen. Pom Publikum leb haft begrüßt, begaben sich Außenminister Sir John Simon und Lordsicgclbewahrcr Eden mit ihrer Bc ßleitung in zwei Kraftwagen in die englische Botschaft, ivo die Konferenzteilnehmer das Mittagessen gemeinschaftlich cinnahmen.
Bor der englischen Botschaft hatten sich größere Menschenmassen eingesunden, von denen die zum Essen tintreffenben deutschen Minister und anderen bekannten politischen Persönlichkeiten immer wieder mit begeisterten Heilrufen empfangen wurden. Als bald nach %2 Uhr "ls letzter der Wagen des Führers anrollte, wollte der Jubel kein Ende nehmen, und die Polizei hatte Mühe, vie.Menae zurückzuhalten. Während der Mittagszeit I blieb die englische Botschaft im großen Umkreis dicht v 0 n Menschen u m l a g e r 1, die der Abfahrt I deè Reichskabinctts und der englischen Gäste beiwohnen wollten. Auch die zahlreichen bereitstchcnden Presse- pbotographen und Kameraleute der Wochenschauen sowie die zahlreichen wartenden Autos beuteten auf ein nicht ^tägliches Ereignis bin. Kurz vor 3 Ubr erschien dann, lubelud empfangen, als erster der Führer. Unter stürmi- mn Hettrnfcn der Menge fuhr der Führer in die Reichs- lanzlei zurück.
. Die am Dicnsiagnachmittag in der Reichskanzlei sort- llesetztcn Besprechungen waren gegen 18.45 Uhr beendet. Unmittelbar darauf verließen die englischen Minister das Mbäude der alten Reichskanzlei. Eine größere Menge dotte sich in der Wilhelmstraße eingefunden uNd wartete aus die Abfahrt der Minister, die mit erhobener Hand ge- Miht wurden. Die Minister begaben sich in die englische Botschaft. Bald danach verließ auch Reichsaußenmiuister «" i h e r r von N e u r a t h die Reichskanzlei und be- Nb sich zu Fuß in das Auswärtige Amt.
Die amtliche Verlautbarung zum Abschluß der Besprechungen.
Illich wurdeDienstag abend mitgeteilt: „Die deutsckp- Muschen Besprechungen ztvischen dem englischen Außen- Mlster Sir John Simon, dem Lordsicgclbewahrcr < Eden, dem Führer und Reichskanzler Reichsaußenminister Freiherrn v 0 n R eu- /’n Gegenwart des britischen Botschafters Sir m"dhipps und des Beauftragten für Abrüstungs- Herrn von Ribbentrop, während der Reiben Tage stattfanden, wurden heute abend ab- ^Wossen. Die behandelten Fragen waren diejenigen, - -oudoner Kommunique vom 3. Februar 1935 ‘Wtt worden sind.
dSh’der^altungen fanden in offenster und freund- âstlichster Form statt und haben zu einer vollstân- Klarstellung der beiderseitigen Auffassungen geführt.
wurdx festgestellt, daß beide Regierungen h Politik das Ziel verfolgen, den Europas durch Förderung der internationalen Ä ^M^beit zu sichern und 311 festigen. Die englischen direkt-» Minister sind von der Nützlichkeit der Aussprache, die soeben stattgefunden hat, durch- ^ 2°htt Simon wird morgen auf dem Lust- Berlin uach London zurückkehren, Mr. A. Praq planmäßig nac^ Moskau, Warschau und
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^c Berichte über den Meinungsaustausch
Besprechnugen am Montag bat die Londoner "Minies" , lli,r^ Stellung genommen. So schrieben die der Montag sei sehr
^vese» "^'Esreich und im ganzen ermutigend
Kolitis rC ^^uc habe sich bemüht, die Punkte ihrer ^teilbarGaltung zu erklären, die der anderen Seite ^r»„„o. ' leisten Sorge gemacht hätten. Simon habe Großbritannien und anderen Ländern dlötzliche Handlungen Deutschlands cmpfuu- erwähnt und um Aufklärung gebeten, ausführlich geantwortet, wenn
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Mä« «Äi 8,^
Textteil (00 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung
Fulda, Mittwoch, 27. März 1935
auch in zwangloser Weise Fragen eingestreut worden seien.
Ward Price meldet der „Daily Mail" aus Berlin: Nach ihrer etwa siebenstündigen Besprechung am Montag
seien sich die britischen Minister über eine Sache klar gewesen: daß sic sehr gut daran getan hätten, Hitler persönlich
nach Berlin zu kommen und mit zu sprechen.
Auf beiden Seiten sei verschiedentlich l i ch c Sprache gebraucht worden,
eine sehr d e u t - wenn auch zugleich habe.
größte Herzlichkeit bestanden
über den Inhalt des Meinungsaustausches glaubt Ward Price folgendes berichten zu können: Simon habe damit begonnen, Hitler die Stimmung der englischen öffentlichen Meinung gegenüber Deutschland zu schildern. Er habe darauf hingewiesen, daß er persönlich nach dem Porgefallenen einige Entschlossenheit habe zeigen müssen, nm nach Berlin gehen zu können. Er habe cs getan, weil er geglaubt habe, daß
dieser Besuch der Sache des Friedens dienen
werde. Die britische Regierung suche sich nicht ihrer Verantwortung zu entziehen, sie werde aber das britische Volk davon überzeugen müssen, daß sie den richtigen Weg gewählt habe. Um eine Festlegung dieses Kurzes bei voller Kenntnis der Tatsachen zu ermöglichen, suche er Information» aus erster H a n d über Deutschlands Ansichien und Absichten zu erhalten
der Übersetzung der Ausführungen ^imon* Führer einen überblick über die europäische Lage g c g e b e n , w le in den deutschen A u g c n d a r st e l l t.
Nach habe der jetzige sie sich
Frankreichs Trumpf: Moskau?
Das Pariser halbamtliche N a cki r t cy 1 e n - b ü r o H a v a s berichtet aus Berlin — der Bericht steht im großen und ganzen in Übereinstimmung mit den Berliner Berichten der französischen Zeitungsbericht- erstatter —: Die einzige Schwierigkeit, die gegenwärtig bei den Berliner Verhandlungen bestehe, sei hmstchtttch de^ Wiedereintritts Deutschlands i n d e n Völkerbund die Beschwerde der französischen Regle- rung, und man frage sich, wie man diese Spitze beseitigen sönne. Hinsichtlich der Rüstungen 311 Lande und in der eülft scheine Deutschland folgenden Standpunkt zu vertreten: Deutschland sei gezwungen, sich einen Sicherte i t s k 0 e f f i z i e n 1 e n zu verschaffen, der der Gefahr entspreche, der Deutschland ausgesetzt sei. — Zu den Verhandlungen selbst schreibt das „I 0 u r n a l", Berlin stelle London Moskau entgegen. Der schlimmste Fehler, den Frankreich machen könnte, wäre, sich den Anschein zu geben als ob es Moskau London entgcgenstellc. — Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß der Deputierte Hennessy in seinem „O u 0 tidicn" an hervorragender Stelle einen scharfen Angriff gegen die Rnßlandp 0 litik der französischen Regierung bringt. Die Furcht vor Deutschland, sagt er, lasse Frankreich den Kopf verlieren. Ost aber führe die Angst vor einem Übel in ein noch schlimmeres hinein. Ganz Frankreich müsse sich gegen eine solche Politik auf- schnen. Im Laufe des letzten Krieges sei Osteuropa schnell bolschewisicrt worden. Später seien Italien und Deutschland beinahe gefolgt, aber Mussolini und Hitler hätten das im letzten Augenblick verhindert. Aber morgen werden L a v a l und in seinem Gefolge F l a n d i n e r n e u t Frankreich der Gefahr der Bol schewisie rung aussetze»
Zusammenhang mit den Pariser Pressemeldungen zu dèn Berliner Besprechungen der englischen Minister ist in Pariser politischen Kreisen die Rundsunkrede des Alinisterpräsidenten Fl and in in Vincennes all gemein aufgefalleu. In der Rede hat Flandin die Solvjet russen gcwisscrmaßeu als Beispiel der Vaterlandsliebe hingestellt Die Ansichten über die Hintergründe dieser Herausstellung sind geteilt. Die einen sehen in den Worten des Ministerpräsidenten den Einfluß des Staatsmlnisters Herriot des wescutlichsten Befürworters einer aktiven Rußlandpolitik, die anderen halten das unerwartete Lob Sowjetrußlands für ein Pflaster auf die Verschiebung der Laval Reise nach Moskau, die in folvietntfmdKH Kreisen enttäuscht habe. Auf alle Fälle wird die R u ß 1 and frag c w jederlei' h a f t besprochen. Herve meint in her R jct 0 ire" Flandin habe ein Wiegenlied im Rundfunk gesungen: „Schlafe, französisches Volk, überlasse e» den Politikern, dein Glück zu machen, schlafe in Frieden, ^fand in und S t n H n w a * en über deinen
wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei zwangsweiser Beitreibung oder Konkurs erlist jeder An» spruch auf Nachlaß. — „DA." II. 35 910. —Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 gültig. — Der antwort!, für den Anzeigenteil Ferdinand Ehrenklau, Lauterbach-H.
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Aufn. Hemr. Honmann. Die Besprechungen in der Reichskanzlei.
Von links nach rechts: Die englischen Minister Eden und Simon, der Führer, der Dolmetscher, und Reichsaußen- minister von Neurath.
Reuter meldet aus Berlin: Das Ergebnis der zweitägigen Besprechungen kann dahin zu'ammengefact werden, daß Sir John Simon und Eden Berlin verlassen, mehr denn je davon überzeugt, daß sie recht hatten, mit ihrem Wunsch, dorthin zu gehen.
Wie Reuter ergänzend aus Berlin berichtet, seien im Verlauf der englisch-deutschen Besprechungen Abweichungen in der Auffassung Ouenbar geworden: doch gerade aus dem Grunde seien, wie man erkläre, direkre Verhandlungen wünschenswert, um solche Abweichungen aufzuklären. Die Besuche Edens in Moskau und Warschau würden unter demselben Gesichtswinkel angesehen, wie der Berliner Besuch, nämlich als Besuche zu Informarions- zwecken. Man sei nicht der Ansicht, daß die Dinge bezüglich der europäischen Lage vor der Konferenz von Srresa feste Form annehmeu könnten. Die amtlichen deutschen Kreise seien von dem Berliner Besuch ebenso befriedigt wie die britischen Kreise.
Im Ministerrat erstattete Außenminister Laval über die internationale Lage unb ben Stand der Berliner deutsch-englischen Aussprache, soweit darüber in Paris Nachrichten vorliegen, eingehend Bericht. Wie aus politischen Kreisen dazu verlautet, ist, im Gegensatz zu den ursprüuglichen Beschlüssen, die Reise Lavals nach Moskau für die zweite Hälfte April, aber ert nach der Tagung des V ö l kc r b u n d s r a t e s , festgesetzt worden.
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Eine Erklärung Lanals
Paris. 27. März.
Der französische Senat ratifizierte am Dinstag einstimmig die römischen Abkommen zwilchen Frankreich und Italien. Dabei gab Außenminister Laval eine Eri.aruna ab: Mussolini Iwt verstanden, daß in einem beunruhigten, verwirrten Europa unsere gemeinsamen Anstrengungen in den Dienst des Friedens gestellt werden müssen. In dem Augettdlick,' wo Deutschland durch seinen Beschluß vam 16. März den Teil V des Versailler Vertrages verlegt und gewillt zu sein scheint, sich den Verpflichtungen zu entzte- hen, die es an die anderen Sraate» binden, ist es crmutt- gend, zu sehen, wie ein großes Land wie Italien, rückdalt- ios seine Mitarbeit an dem Werk der internationalen Solidarität zur Verfügung stellt. Am vergangenen Sonnabend haben wir mit Befriedigung in der amtliches Verlautbarung die volle Solidarität der Regierungen Frankreichs, Englands und Italiens festgestellt. In einigen Tagen, nach der Berliner Reise, werden wir die Be-vre- chungen mit Mu^olini und Sir John Simon in ^tre-a wieder aufnehmen. Nach Stresa werde ich die Rei e nach Moskau vornehmen.
Wir verfolgen die kollektive Organisierung der Sicherheit mit allen Völkern und mit allen Regierungen, und um zu beweisen, daß diese Politik niemanden isolieren will, werden unsere Pakte immer auch denjenigen v'fen bleiben, die ihnen augenblicklich noch nicht beitreten wollen. Diese Erklärung möchte ich abgebeu, oder vrelmehr wicderha.cn. während die englischen Minister noch in Berlin ând. Deutschland muß wissen, daß es sich nicht unaufhörlich ent- ziehen sann. Es handelt sich hier nicht um die Gleichbe- rechtigung, es handelt sich ebenso wenig um die Rückkehr nach Genf unter gewissen Bedingungen. Es handelt sich darum, zu wissen, ob Deutschland bereit ist, sich mit den anderen Regierungen für die Organisierung des Friedens zusammcnzuschlicßen. den alle Völker fordern.
Ich erinnere an die Reife, die wir 1931 mit Aristide Briand nach Berl-n unternommen haben.. Auf dem