Fuldaer Anzeiger
_ leben Werktag. Wochenbeilage: „Der Ä Bezugspreis: monatlich 1,70 NM. Z Lüferungsbehinder^ „Höhere Ee- bestehen keine Ansprüche. Verlag Fried- Ä Ehrenklau, Fulda Königstratze 42. Notationsdruck: Friedrich Ehrenklau, Lauter- Hauptfchristleitcr Friedrich Ehren- Fulda, Königstratze 42, Telefon 2989. - "antwortlich für den Inhalt: Bernd Heim, Fulda.
Nr. 75 — 12. Jahrgang______________
Litauen hat ein schlechtes Gewissen
Die memelländische Polizei in Alarmbereitschaft. Wozu die Wagenbestellungen in Frankreich?
Die litauischen Behörden des Memelgebiets haben W Anordnungen getroffen, die mit aller Deutlichkeit iilmen lassen, daß man bei den zuständigen Stellen an- Mend ein äusserst schlechtes Gewissen dem Wclgebiet gegenüber hat und mit Unruhen rechnet.
So hat der Kriegskommandant in Memel alle Ver- âgerungen der Polizeistnndc zurückgezogen. Die memel- wischc Landespolizei und die litauische Grenzpolizei sind in A l a r m b e r c i t s ch a ft. Gleichzeitig hot das litauische Direktorium Bruwelaitis die memel- löndischcn Polizeibeamten auf die litauische Verfassung vereidigt, während das Memelstatut nur Vereidigung aus sie mittelländische Verfassung zulüßt.
Aus unterrichteten Kreisen in Paris verlautet, daß
sie litauische Regierung fortgesetzt Kriegsmateria inFrankreich bestellt. Nachdem vic
erzehn Jagdflugzeuge bereits geliefert wurden, sind neuerlich
zwölf Bombenflugzeuge bestellt worden. Außer-
cn-
hem hat Litauen fünfzehn Tanks und eine Anzahl Arlillerieschlepper in Auftrag gegeben. Die französische Regierung ist der litauischen Regierung dadurch entgeg ^kommen, daß sie das Einfuhrkontingent für litauische
Produkte erhöhte. Dadurch kann Litauen seine eigenen Exporteure in Lit bezahlen, während die anfallenden Francs für die Bezahlung des Kriegsmaterials verwendet werden.
Orgien her litauischen Rachsucht.
In der K o w u o e r Universität kam es während einer Abendvorlesring zu Ausschreitungen gegen Professor Stankevicius, der im Memelprozeß -t- Neumann und einige andere Angeklagte verteidigte. Man beschimpfte ihn wegen der Verteidigung der Memel- länder und erklärte ihn für ehrlos. Professor Stankevicius Ersuchte vergeblich, sich mit den Studenten auseinander- iusetzen. Die Studenten.beschlossen, nachdem er den Saal "erlassen hatte, unter Führung der Tautininkaikorpora- >wn, ihn auch fernerhin zu boykottieren.
Das litauische Memeldirektorium Bruwelaitis »al beschlossen, den memelländischen Beamten, die vom "negsgericht verurteilt worden sind, sofort das Gehalt iu sperren.
Das Reich hält zum Memelland.
„ .^ 'Een Teilen des Reiches finden weiter neue «schwölle Protestkundgebungen gegen das Bluturteil des Mronoer Kriegsgerichts statt. So versammelte sich die
*c r Bevölkerung, vor der der Gau- »wpagandaleiter unter jubelnder Zustimmung ein Er-
Bon Berlin über Stresa nach London?
Was wird Eden in Moskau erreichen? — Frankreich befürchtet Sturz des Kabinetts Flandin.
Nach dem Berliner Besuch der englischen Mtmster Moartet die Welt mit weiterem Interesse erstens, was ° e M l n i st e r b e s p r c ch u n g e n in London für » Ergebnis haben werden, und zweitens, was Die »°?'Eonsreise des Lordsiegclbcwahrers Eden nach L . “u und Warschau bringen wird. In Moskau hat MUH die erste Aussprache zwischen dem sowjetrussischen «mmlffar Litwinow und Eden stattgesunden. Die ^'prechungen werden bis zum 31. März fortgesetzt. Am dieses Tages reist Eden dann nach Warschau ab. London hat indessen der englische Außenminister , m o n dem Premierminister MacDonald Bericht Berliner Reise erstattet. MacDonald hat sich kna Buckingham-Palast zum Vortrag beim WiibJf ” König begeben. Der englische Außen- ferner dem englischen Kabinett einen mund- soll n,erstattet. Nach englischen Blättermeldungen englischen Kabinett beschlossen worden sein, reinKonferenz von Stresa eine weitere Konse-
A London einzuberufen, zu der auch Deutsch- Ak c ^"d ringelnden werden soll.
meinen1 cn Zeitungen beurteilen im allge- hin Hz.,° ," Berliner Besuch nicht unfreundlich. Jmmer- ^idie« UA doch derartige Unterschiede zwischen der dnmöali^ deutschen Auffassung ergeben, daß es in ein ghu» ne' Deutschland wenigstens gegenwärtig ii' der <cr .'Kollektivsicherheit" einzubeziehen. Nur Paktes ivar ^- °er Rüstungsbegrenzungen und des Luft- '-"berichten die englischen Blätter, Überein- weiter d» - worden. Die englischen Blätter geben ?nd un»-ung Ausdruck, daß es für Deutsch- il8nu,mni^ sei, mit den „Champions" des !'$ ^ufammenjuarbeiten. Dies ist eine An- den französisch-russischen Ostpakt. , Das ^nit w den Beratungen der englischen Regierung w Mu. daß
Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg Zulös- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt
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Nachüruck der mit * versehenen Artikel nur mit Quellenangabe .Zulâaer Anzeiger'gestaSet.
Fulda, Freitag, 29. März 1935
gevenhettsielegramm an den Führer verlas. In A a ch e n entboten Tausende allen Deutschen im Mcmelgebiet die treuen Grüße der Westmark. In Frankfurt a. M. fanden riesige Kundgebungen auf dem Römerberg statt, bei denen Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger sprach. In Stuttgart hatten sich auf dem Marktplatz Tausende versammelt, um gegen das Schreckensregiment in Memel zu protestieren. In M ü n ch e n fand eine eindrucksvolle Kundgebung der studierenden Jugend statt. Die Bevölkerung von Hannover versammelte sich zu Tausenden. In Braunschweig hatte sich auf dem Schloßplatz eine gewaltige Menschenmenge eingefunden, die feierlich Protest einlegte gegen die Vergewaltigung des Deutschtums im Memelgebiet. Die Geschlossenheit aller Bevölkerungskreise Kiels zeigte sich u. a. dadurch, daß Punkt 18 Uhr alle Läden schlossen, um allen Volksgenossen zu ermöglichen, an einer großen Protestkundgebung teilzunebmen. Die Weimarer Bevölkerung war auf dem Fürstenplatz zusammengeströmt. An die Reichsregierung wurde eine Drahtung gesandt: „Weimars Bevölkerung protestiert in einer gewaltigen Massenkundgebung gegen das Schandurteil von Kowno." In Halle fanden sich etwa 40 000 Volksgenossen zur Protestkundgebung zusammen. In Magdeburg, machte die Protestkundgebung eine Abriegelung des Verkehrs notwendig. Auch in allen Städten Schlesiens fanden sich viele Tausende zum einmütigen Protest gegen Kowno zusammen.
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Auszeichnungen, die ihren Sinn verloren
Generalmajor a. D. Schroeder aus Dresden, der im Frühjahr 1919 als deutscher Generalstabsosfizier am Aufbau des litauischen Heeres im litauischen Verteidi- gungsminifterium mitgearbeitet, an den anschließenden Kämpfen gegen die Rote Armee im Führerstab des litauischen Oberkommandos teilgenommen hat, bis das litauische Staatsgebiet befreit war und in Anerkennung dieser Tätigkeit den litauischen Orden Vitvskrcuz II. Klasse mit Eichenlaub und Schwertern und die Kriegsfreiwilligendenkmünze erhielt, hat diese Auszeichnungen mit einem Begleitbrief an den litauischen Gesandten zurückgesandt. In dem Brief heißt cs u. a.:
„Wenn ich nach dem Schandurteil von Kowno diese Auszeichnungen weitertragen würde, müßte ich kein Ehrgefühl im Leibe haben. Ich sende daher Euer Erzellenz diese Auszeichnungen zurück mit der Bitte um Weiterleitung an die zuständigen Stellen."
vor der Rückkehr EdenS nach London keinerlei enb gültige Entscheidungen
getroffen werden. Hervorzuheben ist noch, daß Simon sich im englischen Kabinett in Worten ehrlicher Anerkennung und warmer Herzlichkeit über Hitler geäußert haben soll, und damit nach den Londoner Presseberichten bei seinen Ministerkollegen einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen habe.
Während die italienische Preise gewillt zu fein scheint, bis zur Konferenz von Stresa eine abwartende Haltung einzunehmen, behandelt die Pariser Presse die Berliner Besprechungen weiterhin in einem stark ablehnenden Tone. Seltsamerweise nehmen die außenpolitischen Erörterungen jedoch nicht mehr allzu großen Raum ein, da sich
in Frankreich die inncupolitische Lage erheblich zugespitzt
hat. Der französische Ministerpräsident Flandin will sofortige Ferien der französischen Kammer, damit es nicht zu einer Ministerkrise kommen kann. Er hält eine solche am Vorabend der Reise Lavals nach Stresa und Moskau und der Ratstagung des Völkerbundes für eine nicht tragbare Belastung der französischen Außenpolitik. In den parlamentarischen Kreisen sind aber starke Widerstände gegen den Wunsch des Ministerpräsidenten zu verzeichnen.
Neichsanßenminister Freiherr von Neurath hat den sowjetrussischen Botschafter in Berlin, Jakob Suritz,»empfangen und eine längere Aussprache mit ihm über die sowjetrussisch deutschen Beziehungen gehabt.
Uhle Srunnenhergiftuno.
Es hat immer Kreise gegeben, tue, an Intrigen und Querschlägen Interesse haben, um das Einvernehmen der
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Einzelverkaufspreis 10 Psg.
^vtier zu stören. Brunuenvergistung nennt man ihr dunkles Intrigenspiel.
So hat jetzt der „Daily Telegraph" behauptet, Hitler habe bei den Berliner Besprechungen Rückgabe des Korridors beansprucht. Daß das böswillige Verleumdung ist, bedarf wohl keines Hinweises. — Ebenso unsinnig ist die Behauptung in der italienischen Presse, daß Deutschland Abessinien Jnstruk- tionsoffiziere und Kriegsmaterial angeboren habe. Dagegen verschweigt man in Italien, daß Frankreich und die Tschechei sich um Kriegslieferungen an Abessinien bewerben.
Außenminister Simon über den Berliner Besuch.
Der englische Außenminister Sir John Simon gab im Unterhaus eine kurze Erklärung über seinen B e r- l i n e r Besuch ab. „Das Unterhaus weiß, daß der Besuch in Berlin einer von mehreren Erkundungs- und Anfragebesuchen ist, die zur Zeit im Auftrag der englischen Regierung in verschiedenen ausländischen Hauptstädten abgestattet werden. Sobald diese Besuche abgeschlossen sind, wird eine Zusammenkunft in Stresa in Norditalien folgen, wo ich Mussolini und Laval zu treffen hoffe. Unter diesen Umständen ist es nicht wünschenswert, eine erschöpfende Erklärung über die Lage abzugeben, die zur Zeit noch geprüft wird. Unautorisierte Mutmaßungen, die in einigen Kreisen laut geworden sind, brauchen nicht ernst genommen zu werden. Ich möchte indessen sagen, daß
im Lause der zweitägigen Unterhaltungen mit Herrn Hitler das europäische Problem in bezug aus
Deutschland durchgcsprochcn wurde, und daß alle Fragen behandelt wurden, die in dem Londoner Kommunique vom 3. Februar erwähnt sind. Ein beträchtliches Abweichen der Meinungen zwischen den beiden Regierungen trat bei den Besprechungen zutage. Aber das Ergebnis der Zusammenkunft war insofern zweifellos wertvoll, als beide Seiten in der Lage waren, ihre diesbezüglichen Standpunkte klar zu verstehen, ein Prozeß, der für jeden weiteren Fortschritt unerläßlich ist." Der radikale Arbeiterabgeordnete Marton erkundigte sich hierauf nach der Zusammensetzung der Konferenz von Stresa, worauf Sir John Simon erwiderte, daß diese Zusammenkunft zwischen den drei Mächten vereinbart worden sei.
Friedenrlon'erenz in London?
Nach Stresa Einladung an Deutschland? Entscheidung nach Edens Rückkehr.
London, 29. März. Die kurze, aber nicht uninteressante Erklärung des Außenministers über seinen Berliner Besuch wurde am Donnerstag nachmittag in den Wandel- gängen des Unterhauses lebhaft erörtert. Der allgemeine Tenor der Ausführungen Simons wird bei aller Zurückhaltung, die der Minister im Hinblick auf die weiteren. Entwicklungsmöglichkeiten übte, zumindest nicht negativ gewertet, eine Beurteilung, die eine Stütze in dem Hinweis Simons finde, daß das Wissen um den gegenseitigen Standpunkt für jeden weiteren Fortschritt unerläßlich sei.
Besondere Aufmerksamkeit fand bie Aeußerung Simons, daß unautorisierte AgenturmUdungen, die in einigen Kreisen laut geworden seien, nicht ernst genommen zu werden brauchen.
Sil unterrichteten Kreisen wird es als keinem Zweifel unterliegend bezeichnet, daß mit dieser Bemerkung der am Mittwoch früh erschienene Berliner Bericht des „Daily Telegraph" gemeint ist, in dem unter anderen Unwahrscheinlichkeiten die völlig abwegige Behauptung aufgestellt worden ist, daß der Führer in seinen Besprech mgen mit Simon die Rückgewinnung des Korridors, die Angliederung der deutschsprachigen Gebiete der Tschechoslowakei usw? verlangt habe. Diese Lesart wird unmittelbar auch von dem Abendblatt „Star" bestätigt. Das Blatt gibt die Aeußerung eines englischen Regierungssprechers wieder, der entschieden in Abrede stellte, daß Hitler jemals derartige Vorschläge gegenüber Simon gemacht habe.
Auch die in einem Londoner Blatt enthaltene Anregung, daß nach den Besprechungen von Stresa eine Konferenz der europäischen Mächte nach L o n d o n einberufen werden möge, war in politischen Kreisen Londons Gegenstand allgemeiner Betrachtungen. Indessen wird mit einer entscheidenden Entwicklung in dieser oder in einer anderen Richtung kaum vor der Rückkehr des Lordsiegelbe- wahrcrs Eden vom Festland gerechnet.
Im übrigen ist der Außenminister zur Zeit mit der Ausarbeitung seines ausführlichen Berichtes^ über, die Berliner Besprechungen beschäftigt. In diplomatischen Kreisen, so schreibt die Preß Association, ist man der Ansicht, daß die Dreierkonferenz in Stresa durch die Dar- legungen Hitlers über die deutsche Außenpolitik an Bedeutung gewinne. Es versteht sich von selbst, daß, falls der Vorschlag einer Friedenskonferenz in London unter Einschluß Deutschlands feste Gestalt annehme, die Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens in ^trcja vteje Frage gemeinsam prüfen müssen.
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Moskau, 29. März. Außenkommissar Litwinoff ,andte dem französischen Außenminister Laval ein Telegramm. in dem Litwinoff die Hoffnung ausdrückt, daß Lavals bevorstehender Moskauer Besuch ein weiterer Auftakt für eine freundschaftliche Zusammenarbeit der beiden Völker sein werde. Laval antwortete, daß er nach Schluß der Völkcrb'undsratssitzuna in Moskau eintreffen werde.