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Nr. 76 — 12. Jahrgang
Fulda, Samstag, 30. März 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Nun auch Belgien.
Währungsabwertung um 25 Prozent. — Aber Festhalten am Goldstandart.
«UN hat auch den Belga sein Schicksal ereilt, das -Msal so mancher Währungen in den letzten Jahren, «âem das englische Pfund vom Goldstandard gelöst otU jst und durch seine Entwertung im Ausfuhrgeschäft nur besonders große Aufträge, sondern auch große utaneioinne hereinholen konnte, ist, vor allem in den linier der englischen Konkurrenz leidenden Industrie ftaattn, der Wunsch nach Abwertung der eigenen Währung immer wieder ausgetaucht. In dem durch seine hochentwickelten Industrien aus Ausfuhr angewiesenen Belgien ehrten sich seit Monaten die Meinungen für eine grotz- »niqeWährungsabwertung. Am Freitag Haldas belgische Einest schließlich die Abwertung des Belga beschl offen.
Ministerpräsident Zeeland verlas eine Regierungs- Miung, in der es heißt, daß die neue Regierung völlig abweichende Grundsätze für die Wirtschaft zum Leitgedanken habe als ihre Vorgängerin. In erster Linie müsse Die Regierung die Währung ins Auge fassen. Da in der Tai in den letzten 14 Tagen der Belga auf den ausländischen Märkten unter seinen bisherigen Wert gesunken sei. ziehe die Regierung die Folgen daraus und verlasse
Nervosität in Frankreich.
Stürmische Nachtsitzung der Parlamente. - Regierung scheut Vertrauensfrage.
Frankreich ist nervös. Weshalb? Scheinbar liegt den Franzosen die Reise Simons und Edens in den Knochen. Das Kabinett schwebt zwischen Sein und Nichtsein. Die ganze Stimmung in Frankreich offenbart sich darin, daß die französische Regierung die Absicht, die Kammer und den Senat auf etwa zwei Monate in die Serien zu schicken, aufgegeben hat. Nach einer außen- Mitif^cn Hetzrede des Abgeordneten Franklin- Bouillon hat die Kammer den Antrag auf Vertagung bis zum 28. Mai zunächst mit 382 :238 Stimmen ab- üclchnt. Ein zweiter Antrag, Kammer und Senat wenig- stcns bis zum 21. Mai zu vertagen, wurde mit 300 :266 Stimmen abgelchnt. Die Regierung, die die Vertagung wünschte, hat nicht gewagt, die Vertrauensfrage zu stellen Die Sache hätte sonst leicht schief gehen können.
. In einer Nachtsitzung erledigten Kammer und Senat «ne große Reihe von Gesetzen, darunter wieder eine
erhebliche Erweiterung deS Flottenbauprogramms,
den Bau von 85 ttON-Tonnen-Linicnschiffcn vorsieht. Mischen 1 und 3 Uhr nachts entwickelte sich noch eine große Geichäftsordnnngsaussprache. in der der Abgeordnete manklin-Bouillon die lächerliche Behauptung aufstettte, «uWanb habe Europa den Krieg erklärt. Wegen der «unpolitischen Schwierigkeiten Dürfe das Parlament vertagt werden. Die Kammer könne auch nicht in die gehen, da sie wisse. in welchem schlechten Zustand ^e Landesverteidigung befinde. Es bestehe die- - - ^ ,^ e g s g e f a h r iv i e l 9 I 4 l? ?). Er forderte loforttfle Beratung der für die Verstärkung der ", J 1 m? ^1 notwendigen Kredite. Daraufhin traten berboT verschiedene andere Abgeordnete mit Verlange»
Schließlich griff Ministerpräsident Fl and in ein die Ausübung der Politik sei die Aufgabe der ltn » unb nicht des Parlaments, das zu kontrollieren .-»Gesetze zu erlassen habe. Die außenpolitischen Verhält- ton« "»erten keineswegs, daß die Kammer ständig tage, bewahren, selbst wenn man gewisse io ^^ ^"^^re. Wenn die Lage sich verschärfen sollte, dem«, ^^ erst die Aufforderung des Kammerpräsi- Db ^°^""EN, um das Parlament zusammenzuberufem toitfeit U terten ^^ten lieber in ihrer Heimat beruhigend
Außenminister Titulescu ist in Er hatte mehrere Besprechungen, mit Ehx^ jf^ er Laval. Ein Galafrühstück findet zu seinen
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Besprechungen nach Moskau ge dem roten Diktator Stalin seine
So Eben bei dem SVwIsidikiaior.
13 nn Vi ^ urde verhandelt? - Litwinow o Iben wechselten Trinksprüche.
schlus, in ^^^ Lordsiegelbcwahrcr E d e n , der im An-
erste Beâ"° mH l— ‘v^vu ^..«^ ........... Unterbau,.. Mug. Über Inhalt oder gar Ergebnis der Ein " 8 verlautet nichts.
Moskau ^.^Ngllsche Korrespondenten, die Eden nach Wenkunn.Ä^iet haben, wollen wissen, daß die Zusam- über all» ar-v Eden und Stalin zu einer Besprechung Schritt tu latischen Fragen führen und so ein Seien w-»^vem englisch-russischen Einvernehmen in Asien
Der bisherige Verlauf der Be- Äußeresyi^üche« @beu und dem Sowjetkommissar für man n^vviv, gibt aber dafür kaum Anhaltspunkte, dem. diesen Unterhaltungen im wesentlichen tßb>aifQen Problem beschäftigt hat.
die bisherige Parität. Dagegen werde die Regierung a m Goldstandard grundsätzlich fest halten. Sie werde versuchen, zum Abschluß eines internationalen Abkommens zu gelangen, dem alle Staaten beitreten müßten. Inzwischen werde die Nationalbank die Stabilität des Belga auf der neuen Basis verteidigen.
Aus keinen Fall werde die Abwertung mehr als 30 Prozent betragen.
Durch die Nationalbank soll ein A u s g l e i ch s f o n d s geschaffen werden, der die Aufgabe hat, den Kurs des Belga im Auslande zu halten, und zwar auf ungefähr 75 Prozent des bisherigen Kurses. Weiterhin beschäftigte sich die Regierungserklärung mit der wirtschaftlichen Ausdehnung, zu der u a auch die Anerkennung Sowjetrußland gehöre, und zwar im Hinblick auf die Möglichkeit, den russischen Markt zu gewinnen.
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Der luxemburgische Ministerpräsident ist in Begleitung seines Finanzministers in Brüssel ein- getroffen und hat bei der belgischen Regierung geaen die Belgaabwertung Einspruch erhoben.
Außenkommiffar Litwinow gab èin Essen zu Ehren Edens, an dem zahlreiche Mitglieder der Sowjetregierung, der britische Botschafter in Moskau und viele politische Persönlichkeiten der Sowjetunion teilnahmen. Außenkommissar Litwinow erklärte in seiner Begrüßungsrede, daß die Ankunft des Lordsiegelbewahrers Eden unzweifelhaft ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte der Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Großbritannien darstelle. Litwinow betonte, daß die Entwicklung der wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen beiden Ländern eine äußerst befriedigende Entwicklung nehme und daß auf politischem Gebiet die Beziehungen sich mehr und mehr verbesserten. Es gelte jetzt bereits als Leitsatz, daß die Gefahr eines Krieges nur verhindert oder verkleinert werden könne durch kollektive Bemühungen aller Staaten, insbesondere der Großmächte. Litwinow schloß mit einem Trinkspruch auf den englischen König. Lordsiegelbewahrer Eden erklärte in seiner Antwortrede, er hoffe, daß die gegenwärtigen Besprechungen einen Markstein für die Beziehungen zwischen beiden Ländern darstellen werden. Die Aufgabe der Staatsmänner bestehe darin, einenAus - weg aus den Schwierigkeiten zu suchen, vor denen jetzt Europa stehe, einen Ausweg, der für alle Länder gerecht und ehrenvoll sein und den Grundsätzen einer kollektiven Sicherheit entsprechen müsse. Den Trinkspruch Litwinows beantwortete Eden mit einem Trink spruch aus das russische Volk.
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„SoWjetrutzlan-s grobe Wandrung"
Paris, 30. März.
Die Pariser Presse verfolgt aufmerksam die Moskauer Besprechungen, die nach Ansicht der Pariser Blätter einen gewissen Optimismus erlaubten und vor allem die Hoffnung'zuließen, daß England mehr denn je von der Not- Wendigkeit überzeugt werde, Sowjetrußland in ein europäisches Sicherheitssystem einzuschließen. Daneben stellen die Blätter aber auch die große Wandlung fest, die Sow- jetrußland in der letzten Zeit durchgemacht habe. Es sei kaum einige Wochen her, als die Sowjetpresse England antibolschewistischer Machenschaften anklagte, heute habe Litwinoff einen Trinkspruch auf den englischen Kömg ausgebracht. „Temps" schreibt, wenn man Zusehen müsse, tote ein englischer Minister in Moskau vertraulich mit Vertretern der Sowjetregierung verhandele, wenn man ferner feststellen müsse, daß die Sowjetpresse sich stark mit der Ansicht Chamberlains befasse, der noch vor kurzem in Form einer Strohpuppe in Moskau verbrannt worden sei so sei man gezwungen, anzuerkennen, daß sich in Europa etwas geändert habe und daß England gegenüber Sow- jetrußlând eine vollkommen neue Politik versolge.
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Die lranzölisch-rumänWe Fützsungnahme
Paris, 30. März.
5m Anschluß an die erste Unterredung, die der rumänische Außenminister Titulescu am Freitag mit Außenminister Laval hatte, empfingen die beiden Minister die Vertreter der Presse, um eine kurze Erklärung abzugeben. Titulescu wies darauf hin, daß das. was er sagen werde, unter den gegenwärtigen Umständen aber eine sehr aroße politische Bedeutung habe: Außenminister OaMl und er seien sich nämkich in allen Punkten einig Der ersten Fühlungnahme Mischen ihnen würden weitere Unterredungen folgen.
< Scherl.)
Der Führer bei der Festaufführung des Reichsparteitag, silms „Triumph des Willens".
Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler überreicht nach der Aufführung des Films Leni Niesenstahl, der Gestalterin des gewalligen Werks, einen Strauß weißen Flieders mit dem Hakenkreuzband der Partei.
Das grosse Erlebnis.
Zur Uraufführung des Reichsparteitagfilms der NSDAP. „Triumph des Willens".
Von Dr. R. Michaelis.
Berlin, 29. März 1935.
Stunden sind vergangen, seit das große Erlebnis an meinen Augen vorüberzog, das Filmcrlebnis von jener unvergeßlichen Septemberwoche des Vorjahres, jener triumphale Glanz, jener heroische Rhythmus, jenes große Bekenntnis der Nation zu ihrem Führer.
Was soll ich aus dem Film berichten? Soll ich von den herrlichen Bildern Alt-Nürnbergs erzählen, die da vor den Augen hinzogen? Oder von den frischen, fröhlichen Menschen, die nach Nürnberg gezogen waren zum Appell der Nation? Oder von den gewaltigen Aufmärschen auf der Zeppelin-Wiese oder in der Luitpold- Arena? Stückwerk wäre es, wenn Worte das beschreiben wollten, was das Auge sah. Das kann das Auge nur sehen und das Herz in sich aufnedmen als Erlebnis f ü r ' s L e b e n , als ein großes, überwältigendes Dokument einer heroischen Zeit.
Vor meinen Augen, unsichtbar und doch klar und schars sichtbar, steht der Führer, wie ihn die Hunderttausende sahen, die das Geschehen in Nürnberg selbst erlebten und schauten. Ein glänzendes Auge, das da von der Leinewand auf mich herabblickt, ein Auge voller Güte, voller Kraft und Energie, ein Auge, das befiehlt, das bezwingt, wenn es den Menschen anschant. Das ist die verkörperte Lebensenergie, das ist heißer Wille und unerschütterlicher Glaube.
Dann sehen wir die Menschen in Nürnberg. Zu Tausenden säumen sie die Straßen, um den Führer zu sehen. Alte, Junge, Männer, Frauen. Etwas wie Verklärung liegt ans ihren Gesichtern, wenn sie Den Führer grüßen, etwas Strahlendes, das das ganz große Erlebnis in ihrem Innern widerspiegelt. Da steht das alte Mütterchen am Straßenrand hinter der Absperrkette, sie erlebt den Höhepunkt ihres Lebens, sie weiß, nie wieder wird sie das schauen, was der Augenblick ihr gab, sie weiß, hier in ihrer Stadt offenbart sich das große Einigungswerk, das ein Volk zufammenschloß, das eine Nation erstehen ließ, stark, znkunstsfroh. siegesgewiß. Und neben ihr ein Junge von knapp zwölf Jahren, er fiebert, weiß nicht, wohin mit seinen Fingern, er steckt sie in den Mund und weiß es nicht: feine Angen sind starr auf den Führer gerichtet, seine Gedanken sind bei dem, was sein Auge sieht und was sein Hirn noch nicht ganz fassen, höchstens ahnen kann.
Da steht die Menge vor dem H o t e l, in dem der Führer wohnt. Ein Sprechchor hat sich gebildet: „Wir wollen unseren Führer sehen?" Sie rufen es unentwegt, sie weichen nicht, bis der Führer am Fenster erscheint. Da bricht ein Brausen los, ein Jubel, wie ihn nur ein freies, starkes, zuversichtliches und siegessichercs Volk heraus- bringt. Das ist der Jubel, dcr'den Führer begleitet, wo immer er sich zeigt, das ist die Freude, die Ausdruck tiefster Dankbarkeit und ewiger Treue bis zum Letzten ist.
Jedes dieser Einzelbilder ist schon ein Dokument unserer großen Zeit. Tief gräbt es sich ein in das Herz des Beschauers, vor dem alle diese Bilder im Film jetzt abrollen. .
Dann schnell ein Blick in das Lager oer Hundert- tausende, die draußen vor den Toren der alten Stadt in Heften wohnen. Da ersteht vor uns lebendige Volksgemeinschaft, ob das bei den Hitlerjungen, ver SA. oder dem Arbeitsdienst ist. Das ist ein Leben zwischen den Selten! Kein Mucker hat da Blatz. Das