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kÄ ßauptschriftleiter Friedrich Ehren- Kulda Königstraße 42. Telefon 2989. -
L^wortlichsiir den Inhalt: Bernd Heim. Fulda.
Redaktion und Geschäftsstelle: Konigstraße 42 ❖ Zernsprech-Hnschluß Nr. 5989
Nachdruck der mir * versehenen firtito nur mit Guellenangade.Zuldaer Mnzeiger'gestottet.
. gl — 12. Jahrgang
Fulda, Mittwoch, 17. April 1935
Anzeigenpreis: 1 mm Höhe in der 46 mm breiten Anzeigenspalte oder deren Raum 4 Pf., im Textteil (90 mm breit) 12 Pf. Bei Wiederholung wird Nachlaß nach Preisliste gewährt, bei zwangsweiser Beitreibung oder Konkurs erlischt jeder Anspruch auf Nachlaß. —„DA." II. SS S1Ü. —Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 gültig. — Verantwort!, für den Anzeigenteil Ferdinand Lhrenkla«, Lauterbachs.
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vor dem Völkerbund
Kichterstotter legen ihre Aemter nieder. — Die Kleine Entente protestierte.
I Achdem am ersten Tage derVölkerbundsrats- an dem eine den Nachrichten aus den Grenz- Abessiniens widersprechende „friedliche" Er- angenommen wurde, der französische Antrag «/des deutschen Wehrgesetzes offiziell nicht behandelt «dm war, traten auch am zweiten Tag e die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mächten Lr Die für den Dienstag vormittag angesetzte ilk'er b u n d s r a t s s i tz u n g wurde aus den Nach- vertagt. Für die Vertagung kam der Umstand M Betracht, daß die für den französischen Antrag vor- Mmen Berichterstatter, der Spanier Madarraga, da dänische Außenminister Munch und der chilenische Vertreter Rivas Vicuna Bedenken bekommen hatten, He Arbeit an der Vorbereitung einer Entschließung fort- chtM. Es war ihnen nämlich ein Entschließungsentwurf Dorgelegt worden, der in Stresa von den Großmächten sicht angenommen, aber doch als Grundlage für die Veredlungen in Genf vorgesehen war. Madariaga, der Wische und der chilenische Delegierte legten den Auftrag p Berichterstattung nieder, weil Frankreich lein Interne dafür zeigte, daß auch Rußland in die Entschtte- mg über Vertragsverletzungen einbezogen werden müsse, tic französische Abordnung will daher auf kund ihrer zahlreichen Vorbesprechungen mit den Vcr- tetern der einzelnen Ratsmächte von sich aus eine Ent- Geßung vorbereiten, die jedoch auf erheblichen Wider- to stoßen dürste.
Die Tätigkeit der Diplomaten in Genf bestand vor- Siijtg in der Hauptsache darin, außerhalb des Völker- dundsrates Besprechungen zu führen, um die gegen- Manderstehenden Ansichten einander anzupassen. In fielen Zusammenkünften zwischen den Außenministern der Großmächte, der Kleinen Entente und den Berichterstatter« des Völkerbundsrates
trat es klar zutage, wie groß die Schwäche des
Völkerbundes in der Tat ist.
rokonnte man in Genf feststellen, daß allein in der dfage, welche Maßnahmen bei einseitiger Verletzung Wehender Verträge ergriffen werden sollen, eine starke Mehrheit dagegen ist. Gegen Sanktionen irgendwelcher sinddienordischenStaaten, die durch Däne- Wrk im Völkerbundsrat vertreten werden, zweitens die ^amerikanischen Staaten, drittens die e n g- usch en D o m i n i o n s , die jede Verwicklung in euro- Mche Angelegenheiten ablehnen, und schließlich Polen, Wen Außenminister Beck dem französischen Außen- Laval energisch die Unmöglichkeit des srauzö- ukhen Vorgehens klargemacht hat. Hinzu kommt, daß Palen, wie aus Aussühruugen der polnischen Presse Mergelst, stark gegen seinen rumänischen Bundesgenossen verstimmt ist,
Besprechungen des rumänischen Außenminister* cu in Genf nicht mit großer Freude aufnimmt, allcstäuscht, wird man in Genf also auf b i e ■ 11 w e Linie der Ena länder eingehen, die
Frankreichs Anklage
Nim.?^ c*tter geheimen Sitzung, die nur einige Sir bauerle, trat der Völkerbundsrat am Üiin bPältOc1^ in öffentlicher Sitzung zur Behand- französischen Antrages gegen den deutschen Be- ^"^hrung der allgemeinen Wehrpflicht zu- teihn,',, v f°ri nach Eröffnung der Sitzung erteilte der tii ? ^ Rates, der türkische Außenminister Rüsch - Mrt „,'. dem französischen Außenminister Laval das kineg kurzen Erklärung, die die Unterbreitung Jö'Wrci* im Namen der drei Mächte
, ngland und Italien begleitete.
ben Indem die französische Regierung gibt sie ; .’ “ gefaßt bat, diese Aussprache herbeizuführen, Es Vertrauen in den Völkerbund Ausdruck. NarteitirM^ Anerkennung der Unabhängigkeit, der Das beiiM CtmUn^ der Autorität der Genfer Institution. Men w Ergehen vom 16. März muß verurteilt
in bcr'"’^ ins Auge gefaßt werden, um ^Äanisnu > den Völkerbnndspakt hinsichtlich der on der kollektiven Sicherheit wirksamer zu
’ , Der x - gestalten. Reiten des Völkerbundes wird seine Verantwort- ; Dir Muhmen.
I ’Mtene'Vv^ kiffen, daß das Vertrauen in die be- I sind in die übernommenen Verpflich-
I moralisches Prinzip ist, sondern das
I Men. Völkerbundes. Ich will hier nicht ^atfaihen sind zu bekannt.
die Rückkehr Deutschlands nach Gens durch eine allgemein gehaltene, maßvolle Formel ermöglichen wollen.
Die Lage in Genf stellt sich daher so dar, daß die französische Politik im Völkerbundsrat allein durch den Außenkommissar der Sowjets, Litwinow, und den tschechischen Außenminister Benesch unterstützt wird. Die Kleine Entente sucht in Genf eine Revision der militärischen Klausel für Österreich, Ungarn und Bulgarien unmöglich zu machen, und ist besonders erbost darüber, daß Frankreich zusammen mit Italien in dieser Frage eine andere Stellung einnimmt.
Durch seine Annäherung an Italien ist also Frankreich in eine unangenehme Zwickmühle gegenüber feinen östlichen Verbündeten geraten.
Die Protestnote des ständigen Rates der Kleinen Entente und der Balkannnion ist ein deutliches Zeichen dafür. Auch Süd sla Wien ist über den italienisch-französischen Schritt bezüglich einer Wiederaufrüstung Österreichs, Ungarns und Bulgariens nicht gerade sehr erfreut. Der österreichische Außenminister Berger-Wal den - e g g ist in Genf von dem englischen Außenminister Simon und dem französischen Außenminister Laval empfangen worden. Seine Unterhaltungen haben sich auf die Frage der Wiederaufrüstung Österreichs erstreckt.
Hinter den Genfer Verhandlungen steht Frankreichs letzter Versuch, seine Gewaltpolitik in Europa zu retten.
Deshalb erstrebt, wie aus den Meldungen aus Genf her- oorgeht, Frankreich ein Militärbündnis mt Sowjetrußland, das am Sonnabend in Moskau unterzeichnet werden soll. Allerdings steht es noch mcht fest ob bis zu diesem Zeitpunkt Laval in der rufst,chen Hauptstadt sein kann. Auch ein Militärbündnis zwischen Sowjetrußland und d e r T, ch e ch e i soll bevorstehen. Ebenso ist die Reise des franzosychen Luftfahrtministers, General D e n a i n , nach Rom zu werten, die dem Abschluß eines französisch - it a l i e- nischen Luftbündnisses dienen soll. Man erhofft in Paris sogar ein Luftbündms mit England. All dies geschieht im Zeichen der Erklärungen des Londoner Protokolls vom 3. Februar mit dem Vorfchlag eines allgemeinen Luftpaktes für den Westen.
ZranzSstsche AttentaWerüchte.
Übrigens ist in Genf von französischer e i t e die Meldung verbreitet worden, daß die sranzo- sische Polizei Mitteilungen über einen angeblichen Anschlag italienischer Anarchisten gegen Mussolini und Laval, der auf der Drelmachte- konferenz in Stresa begangen werden ollte, erhalten habe. Es sei beabsichtigt gewesen Mussolini und Laval zu ermorden. Ferner habe der Plan bestanden, während der Ratstagung in Genf Attentate aus den tschechischen Außenminister Benesch und den rumänischen Außenminister Titulescu zu verüben. Die ganze Angelegenheit ist e i n i g e r m a ß e n u n d u r ch - sicktia und deshalb mit größter Vorsicht aufzunehmen.
Frankreich hat durch seine Taten gezeigt, daß es den
Frieden will.
London haben wir am 3. Februar zusammen mit her britischen Regierung ein Verhandlungsprogramm ins Auge gefaßt, das uns schnell zu einer haltbaren Organisation der Sicherheit in Europa führen sollte. Unsere Vorkehrungen sind durch das deutsche Vorgehen zunichte gemacht worden.
Wer könnte bestreiten, daß die Reichsregierung durch ihre Handlungsweise in der Welt die Enttäuschung und Beunruhigung verursacht hat?
Die Rats in achtem usseneinenEntschluß fassen’ Fch bin sicher, daß sic es verstehen werden, ein Gewisses" Zaudern, falls es bei ihnen bestehen sollte, zu S ^ des internationalen Lebens ockten u helfen. Wir machen keinen Unterschied zwischen S uÄ M- Voller muffen aus demselben “oben der Gleichheit b-dandell werden.
Unsere Politik ist gegen kein Land gerichtet. Die ^ickcrbeit die mir verlangen, wollen wir für alle, beißt daß wir nicht auf unser Fnedeusidcal ver- ttcktet haben und daß wir auch in Zukunft nicht darauf * ’ ' verzichten werden.
ist die Sprache Frankreichs. Man wird in der »test nicht lagen können, daß Frankreich durch den An- den es dem Rat unterbreitet hat, dem notwendigen Werk der Versöhnung zwischen den Völkern geschadet hat. bobe daher die Ehre, bei dem Büro des Rates einen ■ tf»*«l « dittl-rl-mn. »er »ie Schluß
(Scherl-Bildmaterndienst.)
Eine Gedenkmünze an den historischen 16. März 1935.
Die Staatliche Sächsische Münze hat aus Anlatz des historischen Beschlusses der Reichsregierung, die allgemeine Wehrpflicht wiedereinzuführen, nach dem Entwurf des Bildhauers Franz Beyer diese der deutschen Wehrmacht gewidmete Ehrenmedaille „Deutsche Wehr" geprägt. Die Münze, die das historische Datum „16. März 1935" trägt, hat die Größe des alten Fünfmarkstückes und wird sowohl in Feinsilber als auch in Bronze hergestellt.
solgerung aus der jetzigen Debatte darstellen soll. Diese Entschließung wird von den drei Regierungen Frankreichs, Englands und Italiens unterbreitet.
M W$he§w der drei MM
Die dem Rat vorgelegte Entschließung ist sehr stark durch die Notwendigkeit eines Kompromisses beeinflußt. Dem Rat wird in der langen Entschließung zur Entscheidung folgendes vorgelegt:
1. Daß eine Aufhebung eines Vertrages ohne Berücksichtigung der in den internationalen Vereinbarungen enthaltenen Verpflichtungen, wenn es sich um Verpflichtungen handelt, die die Sicherheit der Völker und die Aufrechterhaltung des Friedens in Europa betreffen, künftig von feiten des Völkerbundsrates und im Rahmen des Paktes die Anwendung aller geeigneten Maßnahmen zur Folge haben soll.
2. Daß ein Komitee des Rates eingesetzt werden soll, um zu diesem Zweck Maßnahmen vorzuschlagen, welche den Völkerbundspakt in der Organisation der kollektiven Sicherheit wirksamer machen sollen. Dieses Komitee soll im einzelnen wirtschaftliche und finanzielle Maßnahmen vorschlagen, die in dem Fall angewendet werden könnten gegen einen Staat, mag er Mitglied des Völkerbundes sein oder nicht, der den Frieden in Gefahr bringen wurde, indem er einseitig seine internationalen Verpflichtungen aufhebt.
3. Der dritte Teil der dem Rat vorgelegten Entschließung enthält, was der Versuch eines Nachgebens gegenüber den Mitgliedern des Rats sein soll, die eine Berichterstattung über den französischen Antrag verweigert haben, den Namen Deutschland nicht.
Man hat aber im Zeichen des in Genf üblichen Kompromisses diesem Antrag
eine lange Reihe von sogenannten Erwägungen vorangcstellt.
Darin wird, was ein Entgegenkommen gegenüber den französischen Forderungen in theoretischer Form bedeuten soll, erklärt, daß die unbedingte Ächtung aller internationalen Verpflichtungen eine Grundregel des internationalen Lebens und die erste Bedingung für die Aufrechterhaltung des Friedens ist. Es wird weiter erklärt, daß es ein besonderes Prinzip des Volksrechts sei, daß eine Macht sich nicht von Verpflichtungen aus einem Vertrage befreien könnte, ohne daß die Bedingungen dieses Vertrages im Einvernehmen mit den sonstigen vertragschließenden Mächten abgeänderi würden. In den Erwägungen heißt es dann weiter, daß die Verkündung des Militärgcsetzes vom 16. März 1935 durch die deutsche Regierung im Gegensatz zu diesen Grundsätzen stehe
und daß durch diese einseitige Aktion Deutschland kein neues Reckt habe schaffen können. Es wird in diesem Sinne weiter ausgeführt, daß die deutsche Aktion als eine Bedrohung der europäischen Sicherheit erscheinen müsse. Fn den Erwägungen wird dann weiter an die Londoner Entschließung vom 3. Februar 1935 erinnert und noch einmal, wie schon in der Erklärung von Stresa, behauptet, daß Deutschland mitten in den Verhandlungen eine einseitige Aktion unternommen habe, die mit den Londoner Plänen unvereinbar sei. Der Rat wird im Rahmen dieser Erwägungen zu der Erklärung veranlaßt, daß Deutschland gegen die Pflicht gefehlt hat. die allen Staaten innerhalb