M-aer /lnzeiger
^3& SS. R Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg- ——........ —
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^sZ12. Jahrgang
Fulda, Dienstag, 7. Mai 1935
Einzelverkaufspreis 10 Pfg.
Mai 1910 starb Eduard VII. und Georg V. bestieg den englischen Thron.
I Zen: Betrachter englischer Geschichte drängt sich Lr wieder die bewundernswürdige Tatsache der Wimmerlichkeit, der Stetigkeit der englischen Politik I Schmiegsam und anpassungsfähig in den Mitteln, und unbeirrt in der Zielsetzung bietet sie seit Ge- Monen eine ständige Abwandlung des einzigen großen Ws: Englands Herrschaft in der Welt. Wist nicht in einem landläufigen, grobschlächtigen Sinne Imstchen, dazu ist die englische Politik zu realistisch W üusgelockert. Es ist nicht nötig, daß überall die eng- Wc Wgge, der Union Jack, wèht: mit Mandaten und »Herrschaften, mit Olkonzessionen und Wirtschafts- Mgen, mit Flottenstützpunkten und Luftstationen kann h Die Welt eindrucksvoller und unauffälliger beherr- als nur mit Bajonetten. Aus unserer kontinentalen
M der Welt stehen wir Deutsche leicht in der Gefahr, englische Stellung in der Welt und ihre Möglichkeiten
Rimerschätzen und die Politik des Empire nur mit unsere eigenen Augen zu sehen. Die Zielstrebigkeit und WiiMlte der englischen Politik wird in ihrer Stetigkeit Anders deutlich bei der Betrachtung zweier so wesens- Wiedener Monarchen wie es Eduard VII. war unb Btorg V. ist.
I Sm Nevolutionsjahr 1848 geboren, ist Eduard VII. m zwei Menschenalter englischer Thronfolger, Prince I Wales, während der langen Regierungszeit seiner
Miller, der alten Queen. Entscheidend wird die Erzie- R des Vaters, eines deutschen Prinzen, in dem früh- viiig der Keim zu einer heftigen Abneigung gegen alles mische, besser gesagt alles Preußische, gelegt und die p gesteigert wird durch seine Ehe mit Alexandra von MMk, in deren Herzen noch Ressentiments von 1864 »chschwingen, und durch seine Begegnungen mit seinem
Wilhelm II., so daß beider persönliche Abneigung RWngnisvoller Weise auf HM N^lM.trriK bMex wirbt. Schon frühzeitig besitzt der Prinz ein für Politik, aber in dieser Hinsicht behandelt ■Wteter wie einen dummen Jungen. In dem Brief MAn zum 18. Geburtstag wird ihm als Ziel gesteckt,
Gentleman zu werden. Vergnügungen sind der dieses unpolitischen Lebens. Aus einer inneren M^mvandtschaft liebt er Frankreich, er findet hier jene
Gelassenheit und Grazie, die seinem Wesen mehr ent- als das Nüchtern-Romantische, Preußisch-Schroffe Men, DeS deutschen Kaisers. Während dieser auch militärisch erscheint, ist Eduard selbst in Uniform I Unb diese beiden Figuren bestimmen im ersten des neuen Jahrhunderts dessen Gesicht und, nicht immer unmittelbar, dessen Politik. Die K' ^n einer deutsch-englischen Verständigung sind K England tritt aus seiner sogenannten t , Isolation", aus seiner großartigen Verein- heraus und rückt im Gefühl einer Bedrohung I w iasin bie Welt hinausstrebende Deutschland in einbettigere Frontstellung gegen die euro- ^üü- 1902 wird das Bündnis mit Japan ge- ^i Satire später schlägt die ostasiatische Groß- ItrnhA gischen Koloß und drängt ihn dadurch nach zurück, in den Gegensatz zu Österreich und Deutsch- £ â £cm. Balkan. Im selben Jahr, im April 1904, mit Frankreich erzielt; als Mor- l|L„ W® man sich Gebiete, die einem nicht gehören: n M A-arokko — über den Kopf Deutschlands einigt man sich mit Rußland über Persien. Deutschland ist geschlossen, als der Herr von M d Ie, dieser Welt- und Lebemann, ein Künstler Miu ^j'IUschenbehandlung, der bei einer Havanna nach möglichst seine gegen Deutschland gerichtete
I ' machte, am 7. Mai 1910 die Augen schließt, r leb? s^01 Ä mort, vive le roi!" („Der König ist tot, mij» « nig!") Der neue König Georg V., der MNiwn^Engham-Palast seinen Einzug hält, schien Wiisch». Nr^ar .nicht vom Schicksal zum Herrscher des Rrubcr r"^M ausersehen. Aber als sein älterer Ehlich hi? »A^âtzg von Clarence, 1893 starb, erstand Ri dg- ^Möglichkeit, daß der 28jährige Prinz einmal Misch»» ^Mmre herrschen würde. — Man kennt den einen freundlichen, zurückhaltenden, Reigt Menschen. Jeder monarchischen Geste ab-
R " sür sein diskretes Auftreten immer nur
per vornehme Würde eines Gentlemans in raffen I scheint ihm fast lästig, bei feierlichen
Su un,:,-.giften Prunk Alt-Englands auf sich nel)= ^üa ?ber immer unterzieht er sich vornehm
, s dieser Pflicht. Aus dieser Verbindung von Nicwhd ^cntlcmanbaünng ergibt sich nicht zuletzt ^ teilt?^ Königs im englischen Volke. Sicher- weil »7 , Archie stärker und sicherer als die eng- IpMtoen U besten Sinne „modern" ist, fern von kIchen. D Fluren und eigenwilligen Machtan- ist L ®C0‘Q V. politisch wenig hervor "arfür bietet neben der Wesenshaltuno k ki^lg J d Arische Verfassung manche Grenze tmd I Q Ui er alles andere a l s eine Puppe, gcwib '-^"ligur im Spiel des Parlaments.
'^'Ucht die eigenwillige Entschlußkraft, mit hMutunn me der englischen Krone auferlegte ausal^I^^^- Aber durch seine ausgesprochene hat Georg V. mehr für I „Finnin ^.Weltreich geleistet, als man gemein- aus Pi Beginn seiner Regierung hat
I hen Tüä,-"polltischem Gebiet gehandelt, als er • Konservativen, sondern Den Libe-
Der Festtag des britischen Weltreiches
Millionen jubeln dem englischen Königspaar zu seinem Ehrentage zu
Die Feierlichkeiten zu Ehren des silbernen Regierungsjubiläums des englischen Königs Georg V. erreichten am Montag, dem offiziellen Eröffnungstag der festlichen Veranstaltungen, einen seiner glanzvollen Höhepunkte. Ganz England prangte im Schmuck der Landesfarben. Nicht nur die Häuserfassaden und Straßendekorationen, die Verkehrsmittel und die Obst- und Blumenstände strahlten in Blau- Weiß-Rot — auch jeder dieser Millionen Menschen, die durch die Straßen der Weltstadt bummelten, trug irgendein blauweißrotes Abzeichen. Am Montag früh war eine unbeschreiblich dichte Menschenmenge in den Feststraßen zusammengeströmt, durch die
die sieben Jubiläumszüge mit ihren goldenen Karossen zogen. In der Nacht vom Sonntag zum Montag feierte London so etwas wie eine
Venezianische Nacht.
Millionen und aber Millionen von Menschen zogen durch die Helligkeit dieser Nacht, um sich den Schmuck der Stadt anzusehen oder sich in den Parks häuslich niederzulassen. Denn wer nicht zu den auserwählten Hunderttausend gehört, die sich für 100, 200 Mark einen Tribünensitz kaufen konnten, der mußte sich seinen Platz „erstehen".
Um 10 Uhr vormittags. Musik tönte auf. Marschtritte dröhnten. Truppenabordnungen rückten mit klingendem
Spiel vorbei. Die ganzen Straßen, durch die königliche Festzug bewegte, waren mit einem
Spalier der bewaffneten Macht
sich der
die Artviktoria-
gesäumt. Mgrinel, puppen, Infanterie, Artillerie, gehörigen der Luftmacht und Kavallerie in alten Nischen oder gar in Tudoruniformen. Dann endlich war es soweit. Das Clarencetor des Buckinghampalastes öffnete sich. Der erste Festzug rollte auf seinen Weg. In sieben reich mit Gold ausgelegten Kutschen fuhren die regierenden Oberhäupter der Empiregliedstaaten vorüber. Es
folgte der Zug des Lordkanzlers, des Vertreters des Oberhauses. Zu gleicher Zeit hatte der Lordmayor von London in seiner goldenen, reich mit Bildern geschmückten Karosse das Londoner Rathaus verlassen. Vor dem Zug des Königs hatten die Züge der königlichen Prinzen, die dem Thron am nächsten stehen, den Buckinghamvalalt verlassen. Dann kam der Höhepunkt:
das Königspaar, begleitet von 300 Reitern aus Abordnungen sämtlicher englischer berittener Truppenteile, den Mitgliedern des Hofes. Sechs reich mit Gold verzierte Staats- ?"a rossen umfaßte dieser Zug, der seinen besonderen Glanz außerdem durch die indischen Maharadschas erhielt, die ihren Kaiser zu der
Feier im Dom von London
begleiteten. Die Begeisterung der Massen kannte keine Grenzen mehr. Der König, der Die blaugoldene Uniform eines Admirals der Flotte trug, grüßte immer wieder nach allen Seiten lächelnd und war sichtlich ergriffen von der Begeisterung und verehrungsvollen Liebe die sich ihm darboten. Langsam rollte der Zug der goldglänzenden Karossen vorüber. Überall dasselbe Bild und dasselbe überwältigende Erlebnis. Überall dieselbe hemmungslose Begeisterung der britischen Nation, der Millionen eines Weltreiches für ihren König, für das Symbol ihrer Einheit, ihrer Macht und ihrer jahrhundertalten Tradi-
ralen seine Unterstützung gab, und da» zweite Mal, als er 19^4 die erste Labour-Regierung unter dem Führer der Arbeiterpartei, Ramsay MacDonald, berief. Es gibt in England von verschwindenden Minderheiten abgegeben keine Kampfparolen wie „Parlament gegen Krone" oder"'„Arbeiterschaft gegen Monarchie". Dies ist nicht zuletzt der Begabung des Königs für Ausgleich zuzu- khreibcn die sich im Reichszusammenhang am deutlichsten während der großen Reichskonferenz von 1926 zeigte. Der König ist das einzige Bindeglied zwi,chen dem Mutterland und den Dominions, nachdem auf der Reichskonferenz die Rechte Englands über die Dominions auf die Krone übergingen. Das Empire ist heute die Zusammenfassung großer und unabhängiger, nur durch ihren freien Willen am Reich festhaltenden Einzelnationen, verbunden durch die Einrichtung des Königtums. Die Krone in der Idee, in ihrem symbolischen Gehalt, kittet das Empire stärker, als Nichtkenner der englischen Ver- bältntt e ahnen. Daß die Krone diese Stellung im Rav- men des Britischen Weltreiches besitzt, ist nicht zuletzt das Verdienst Georgs V., über den die Biographen und MHnrifer nicht so amüsant und kurzweilig werden be- rÄten können wie über die alte Queen Victoria oder Eduard VII dem die Geschichte aber das Zeugnis aus- stellen wird wie es ein bedeutender englischer Publizist bereits tat: ,Die Geschichte wird ihn als einen idealen konstitutionellen Monarchen rühmen.
tion. überall erklang die feierliche Weise der Nationalhymne.
Gefolgt vom Londoner Oberbürgermeister, betrat dann das Königspaar die S t. - P a u l s - K a t h e d r a l e, wo sich die glänzendste Festgemeinde versammelt hatte, die dieser ehrwürdige Dom wohl jemals gesehen. 4000 geladene Teilnehmer waren dort erschienen, die Ritter der höchsten englischen Orden, die Angehörigen der Hofgesellschaft, die Vertreter der verschiedenen Waffen, die Abordnungen der Dominions, die indischen Fürsten, das Diplomatische Korps, die Vertreter von Kunst und Wissenschaft und der Weltpresse. Der Erzbischof von Canterbury zelebriert einen kurzen Dankgottesdienst, der in den Segen für das königliche Haus und in den Vortrag altenglischer Psalmen ausklang.
Eine Stunde nur dauerte dieser Gottesdienst, der auf die halbe Welt durch Rundfunk übertragen wurde und die religiöse Dankesfeier des ganzen britischen Empire darstellte.
Dann fuhr der König mit seinem Gefolge durch eine Reihe anderer Siraßenzüge wieder nach dem Palast zurück, und der erste Akt des großen Festspiels war vorüber.
*
König Seers an lein BoN
London, 7. Mal.
Am Abend des Jubiläumstages richtete König Georg V. über den Rundfunk an seine Untertanen im ganzen englischen Weltreich eine Botschaft.
Der König sagte u. a. mit tiefbewegter Stimme: „Worte können meine Gedanken und Gefühle nicht aussprechen. Ich kann dir, mein geliebtes Volk, nur sagen, daß die Königin und ich aus der Tiefe unserer Herzen für alle Ergebenheit und Liebe danken, mit der ihr uns am heutigen Tage und immer umgeben habt. Ich weihe mich von neuem eurem Dienst für die Jahre, die mir noch gegeben sein mögen. Mitten in den Freuden dieses Tages denke ich mit Trauer an die Zahl meiner Untertanen, die immer noch arbeitslos sind. Ich hoffe, daß alle, die es können, während dieses Jubiläumsjahres ihr äußerstes tun werden, um ihnen Arbeit zu verschaffen und Hoffnung zu bringen. Andere Besorgnisse mögen bevorstehen. Aber ich bin überzeugt, daß sie mit Gottes Hilfe alle überstanden werden mögen, wenn wir ihnen mit Vertrauen, Mut und Einigkeit entgegen» treten. So sehe ich der Zukunft mit Glauben und Hoffnung entgegen. Den Jungen gehört die Zukunft. Ich vertraue darauf, daß durch den von meinem Sohn, dem Prinzen von Wales, eingeweihten Jubiläumsfonds vielen von ihnen an Körper, Seele und Charakter geholfen werden möge, damit sie nützliche Staatsbürger werden.
Eine besondere Botschaft möchte ich an die Kinder richten. Ich bitte euch, daran zu denken, daß ihr in den kommenden Tagen die Bürger eines großen Weltreiches sein werdet. Haltet stets diesen Gedanken vor euch, während ihr heranwachst. Und wenn die Zeit kommt, seid bereit und stolz, eurem Vaterland den Dienst eurer Arbeit, eures Geistes und eures Herzens zu widmen. Ich bin sehr gerührt durch alle Grüße, die mich heute aus meinen Dominien und Kolonien, aus Indien und aus dem Heimatland erreicht haben. Mein Herz geht hinaus zu allen, die mir jetzt zuhören mögen — hier in der Heimat, in Stadt oder Dorf, oder in einer entfernten Ecke des Imperiums, oder-vielleicht auf hoher See. Ich danke meinem geliebten Volk von Herzen. Gott möge es segnen!"
Konferenz der baltischen Außenminister.
Im Zuge des Baltischen Annäherungsabkommens vom 12. August 1934 findet in Kowno z. Zt. die zweite Konferenz der baltischen Außenminister statt. Die est- ländische Abordnung besteht aus vier Personen, Lettland und Litauen haben je fünf Vertreter entsandt.
Über das Programm Der Konferenz wird nichts bckanntgegebcn. Aus der Eröffnungsrede des litauischen Außenministers geht aber hervor, daß den wichtigsten Gegenstand der Beratungen dieser Konferenz die Sicherheitsfrage der baltischen Staaten im Rahmen der Entwicklung der osteuropäischen Paktpläne bildet. Außerdem wird sich die Konferenz mit »inet Reihe baltischer Fragen wirtschaftlicher und kultureller Art befassen.
Gleichzeitig finden in Kowno Beratungen der Gesandten und Konsuln Litauens statt. Diese Besprechungen erstrecken sich auf alle außenpolitischen Fragen Litauens, besonders auf die polnisch-litauischen Beziehungen. Bemerkenswert ist, daß der persönliche Adjutant des Marschalls Pilsudski in Kowno weilt.
Der Führer besichtigte die deutsche Alvenslraße.
Der Führer und Reichskanzler besichtigte am Montag die deutsche A l p e n st r a ß e auf der Baustrecke Inzell—Mauthäusl—Berchtesgaden. In seiner Begleitung befanden sich u. a. Reichspressechef Dr. Dietrich, Obergruppenführer Brückner, Brigadeführer Schaub.