Fuldaer /lnZeiger
. t-ven Werttag. Wochenbeilage: Der tzichcint Bezugspreis: monatlich 1,7g ÄM. ^""»lef'erungsbehinderung durch „Höhere Ee- Äßen keine Ansprüche. Verlag Fried- Kren klau, Fulda, Königstratze 42. »innsdruck' Friedrich Ehrenklau, Lauter- 1 öaüptsckriftleiter Friedrich Ehren - Ä königstratze 42. Telefon 2989. - 'l.^nich für den Inhalt: Bernd Heim, Fulda.
106 - 12. Jahrgang
eutschland-Debatte im Oberhaus
Vernichtende Kritik an der Genfer Ratsentschliehung.
London, 8. Mai. oberhaus fanb am Dienstag eine durch einen An- Lord Dickinsons eingeleitete Aussprache über die 'Deutschland gerichtete Entschließung des Völker» -rates vom 16. April statt.
i Antrag lautete: Das Oberhaus bedauert die An- { der dritten Schlußfolgerung der Ratsentschließung, sc geeignet ist, die Meinungsverschiedenheiten zwischen iuropaischen Rationen in einem Augenblick zu unteren, wo alles getan werden sollte, um eine freundste Zusammenarbeit zustande zu bringen. Das Ober- ! ersucht die Regierung, im Benehmen mit den ande- Wchten die Verhandlungen mit Deutschland auf einer i; wieder aufzunehmen, die für das deutsche Volk an- âr ist und einen dauerhaften Frieden in Europa m wird.
orb Dickinson erklärte zur Begründung seines Antra» , die Lage in Europa sei ernst. Wenn auch vielleicht i von einer unmittelbaren Kriegsdrohung gesprochen Äen könne, so kehre Europa doch zu einer Vorkriegs- eMre zurück, die unvermeidlich zum Konflikt führen iie, wenn sich nicht alle Völker der zivilisierten Welt einer Abwehrmaßnahme zusammenschlössen. Eine neue Nation wachse heran, für die der Weltkrieg eine Sache Eeschichte sei. In Deutschland mache die neue Genera» K rapide ihre Rechte geltend. Sie fühle sich für den ir§ nicht verantwortlich und wisse nicht, warum sie bie Handlungen einer Regierung leiden solle, von iie sich seit langem selbst befreit habe. Nach den Er- ngen, die Deutschland im Völkerbund und auf der Mungskonferenz gemacht habe, sei es nicht über» ch daß das deutsche Volk im Völkerbund eine Ein» vg sehe, die sich seinen Wünschen in jeder Beziehung ' . Der Teil V des Vertrages von Versailles urchführung der 14 Punkte Wilsons, auf die hin hen Truppen die Waffen niedergelegt hätten, ein» wden. Es sei vorgesehen worden, daß die n a t i o - Rüstungen vermindert werden sollten, Wsei von beiden Seiten als eine grundlegende Mnsb e d i n g u n g angenommen worden. 16 Jahre Wildem vergangen, und keine allgemeine Verminde» 'f.oder Begrenzung der Rüstungen sei erzielt. 'Die Regierung vertrete die Ansicht, daß die anderen ^âNhr Wort nicht gehalten hätten und daß daher P Seil des Vertrages für Deutschland nicht verbindend sei. Diese Auffassung sei nicht unver-
Untergang des IeutWms im Sudeienland.
Verzweifelte Menschen, die Arbeit suchen. — Massensterben verhungerter Kinder.
-}"1 Berliner Abendblatt veröffentlicht einen cr- , - rrndcn Bericht ihres Sonderberichterstatters, der
^ *m Sudetenland weilte. Er bringt er= nn^A^cn über das furchtbare Elend eines Volkes ' '-'"llivnen Menschen, die um ihr Leben ringen.
I in den Städten und in den Jndustriedörfern Tschechoslowakei ist vollkommen hoff- t den Städten Gablonz und Reichenberg und ^cn hinüber in Tetschcn, Aussig, Leitmeritz, und Eger ist
der Hunger eingekehrt.
einer ruhigen und gesicherten Wohlhabenheit ,sj.,'^^e Not und vollkommene Mnt- feL " getreten. Auf den Straßen wird man «üb bettelnden Kinder n, die den Tief- M ntIr qQ^wahrlosung erreicht haben. Überall zeigt L-âj. "edergang und Verfall. Sogar die amtlichen ?eben die Katastrophe zu.
„ amtlichen Zählung aab es Januar in der ■"^HD 8180<il1 Arbeitslose. Davon entfielen
deutschen Gebiete.
E'.nwohner kommen unter den Deutschen Rrenb ■ 95 Arbeitslose,
Jk 45 ärhou^ tschechischen Gebieten zur gleichen Zeit öintlirf,?~ °!c auf 1000 Einwohner entfielen. Aber “Nn, ^.'aiiftit läßt nur einen Teil des Elends er- U tschechischen, Zeugnis sind es in den sudcten- : iiirhr yebteten
°1'’ 400 üyg Deutsche, die keine Arbeit haben und
. An t rf, C 1""8sam zugrunde gehen.
Abgeordneter, der die sudetendellt- I :ete bereist hatte, gibt in einem Zeitungs- , '"drücke über die Fahrt wieder. Er gibt an, ^'"an Stadt Krayau unter 4639 Ein- i^Wltcii ^/^"Oslosc sind. Die abgemagerten und -ftiginiü '""eiter versuchen alles, um irgendeine Bc- rag' erhalten. In der Stadt starben innerhalb " °^n, es Kinder. Der dortige Schuldirektor ^Mch bcm Einkommen der Arbeiterschaft N kleinen Kindern so viel Arzneien, " und Wohnuno zu beschaffen daß sie
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal >§ulöaer Kreisblatt Redaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ❖ Zernsprech-flnfchlnß Nr. 2989 Nachdruck der mit * nersehenen Artikel nur mit il^ellenangabe,Zuldaer Anzeiger'gestaltet.
Fulda, Mittwoch, 8. Mai 1935
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Die Scheidung Europas in zwei Lager, nämlich Deutschland und den Völkerbund, werde unvermeidlich sein, wenn der Völkerbund ermutigt werde, seine neue Politik weiter zu verfolgen. Es fei jetzt an der Zeit, die Völker auf der Grundlage gegenseitiger Zusammenarbeit miteinander zu versöhnen, und er glaube, daß der gegenwärtige Augenblick hierzu günstig sei. Hitler habe klar und deutlich seinen Wunsch nach Frieden zum Ausdruck gebracht. Die Massen des deutschen Volkes wünschten den Frieden. England habe keinen Grund, sich vor Deutschland zu fürchten. Es müsse gewillt sein, reinen Tisch zu machen, und man dürfe es nicht zugeben, daß persönliche und nationale Vorurteile den Weg zu einer wahren Brüderschaft der Nationen blockierten.
Nach Lord Dickinson sprach der frühere britische Botschafter in Rom, Lord Rennell, der ebenfalls das Vorgehen des Völkerbundes tadelte. Der oppositionelle Liberale Lord M o t t i st o n e schloß sich dem Antrag Dickinsons im Interesse der Wahrheit und Gerechtigkeit an.
„Ein sehr anständiges, freundliches Volk."
Lord Mottistone, der zu den britischen Abgeordneten in Versailles gehörte, schilderte den Vorgang der von Deutschland erzwungenen Unterschrift. Die Geschichte werde zeigen, daß nicht Deutschland, sondern die anderen Mächte ihr im Teil V abgegebenes Versprechen nicht erfüllt hätten. Er selbst sei davon überzeugt, daß es auch nicht einen einzigen Deutschen gebe, der Streitigkeiten mit England wünsche. Während der vielen Wochen, die er kürzlich in Deutschland zugebracht habe, sei er zu dem Schluß gekommen, daß die Mulicyen ein ieyr anständiges, freundliches Volk seien. Die Vorstellung, daß sie Englands natürliche Feinde seien, sei ihnen ebenso fremd wie ihm selbst.
„Während die Pazifisten den Krieg borbereiten, arbeiten die Frontkämpfer für den Frieden!"
Lord Mottistone beklagte hierauf, daß Deutschland immer von Leuten kritisiert werde, die das Land nicht besucht hätten. Der Leiter eines Reisebüros habe ihm erzählt, daß von 2000 Personen, die in Sonderzügen Reisen durch Deutschland machten, ein großer Teil Briefe der Anerkennung geschrieben habe, über die Gastfreundschaft, mit der sie von den Deutschen empfangen worden seien. Andere Schreiben lauteten: „Wie verrückt wir doch sind, die Deutschen und ihre Regierung zur Feindseligkeit zu treiben". — „Während die Pazifisten den Krieg vorbereiten, arbeiten die Ftontkämpfer für den Frieden."
sich vor den Epidemien und von der Erschöpfung erholen können.
Die Almosen der finanziell zusammengebrochenen Jndustriegemeinden können Hunger und Kälte nicht einmal in bescheidenstem Ausmaß beseitigen. In den Prager Ministerien Höri man es nicht gern, wenn von dem Elend der Sudetendeutschen gesprochen wird. Man bezeichnet die Sudetendeutschen als „berufsmäßige Querulanten". Um so wertvoller ist es einmal, ein tschechisches Zeugnis über die wahren Zustände mit solcher Deutlichkeit zu hören, wie es der oben angeführte Abgeordnete gibt.
Ungarns Recht auf Rüftungrgleichheit
Eine „feierliche Erklärung" Italiens noch vor der
Donau-Konferenz?
Budapest, 8. Mai. In Budapester maßgebenden Krei- sen legt man sich in der Beurteilung der Ergebnisse der Vorkonferenz von Venedig eine gewisse Zurückhaltung auf Man betont, daß Außenminister von Kanya die ungarische Bereitschaft zur weiteren Mitarbeit erklärt habe, ohne auch nur im geringsten die ungarischen Forderungen und Grundsätze zu opfern. In der gegenwärtigen Lage hänge alles, wie hier ausdrücklich festgestellt wird, von der Haltung der Kleinen Entente ab.
Sn der Stellungnahme der ungartzchen Presie kommt im allgemeinen zum Ausdruck, daß in Venedig von italienischer Seite auf dem Gebret der mürtarrschen Glerch- berechtiaunq Ungarns weitgehende Zusicherungen gemacht worden seien. Ferner soll sich die italienische Regierung verpflichtet haben, das in diesem Jahr von Un- gaw: zu übernehmende Weizenkontingent erheblich zu er- ^m übrigen berichten die Blätter, daß Italien noch vor der Donau-Konferenz in Rom in einer feierlichen Erklärung" das Recht Ungarns auf Rustungsgleichheit betonen und alles aufbieten werde, um ine übrigen Mächte zum Anschluß an diese Erklärung zu bewegen. Diese Erklärung würde die Grundlage zur Einberufung einer blonderen Konferenz bilben.
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Weltbild.
Das Haus des Deutschen Sports, das auf dem Reichssponfeld für die Olympischen Spiele 1936 entsteht.
Italien mobilisiert drei neue Divisionen.
Weitere Verschärfung der italienisch- abessinischen Spannung.
Wie aus einer amtlichen Mitteilung hervorgeht, hat Mussolini im Hinblick auf die Mobilisierungsmaßnahmen der abessinischen Regierung die Mobilisierung der Division Sabaudia und zweier Schwarzhemden-Tuvisionen ange- ordnet. Die beurlaubten Soldaten des Jahrgangs 1913 sind wieder einberusen worden. Im ganzen stehen jetzt die Jahrgänge 1912, 1913 und 1914 unter Waffen.
Die Spannung in den italienisch-abessinischen Grenzgebieten hat sich weiter verschärft. Nach Blättermeldungen aus Asmara ist ein Eingeborener, der zu einem italienischen Grenzposten gehörte, von Mil- Gliedern einer abessinischen Grenzbaude auf italienischem Gebiet erschossen und seiner Waffen beraubt worden.
Italien muß die Lage klären.
Unter dem Eindruck der weiterhin gegen Abessinien getroffenen Mobilmachungsmaßnahmen nahm die italienische Deputiertenkammer unter größter Spannung eine Erklärung des Kolonial - Unter staats - sekretärs Lessona entgegen. Dieser wandte sich mit scharfen Worten gegen die italienfeindilche Haltung der abessinischen Regierung, die in immer wiederkehrenden blutigen Grenzzwischenfällen zum Ausdruck komme.
Abessinien habe den beiderseitigen Freundschaftsvertrag verletzt, und jetzt sei es notwendig geworden, alle mit Abessinien schwebenden Fragen auf einmal zu lösen.
Nur in einem von drei blutigen Zwischenfällen habe Italien eine Genugtuung erhalten, obwohl es Italien immer wieder gewesen sei, das abessinische Wünsche erfüllt habe. So habe man den Abessiniern eine Freizone in dem eritreischen Hafen Assab und im Handelsverkehr mit Eritrea und Somaliland weitgebende Erleichterungen eingeräumt. Abessinien sei auch kein gefestigter einheitlicher Staat, was zu den nordostafrikanischen Wirrnissen er- beblich beitrage. Italien habe nunmehr die Pflicht, die Lage einer Klärung entgegenzuführen.
Kurze Nachrichten.
Berlin. Der Reichsminister für Volksausklärnng und Propaganda hat den preußischen Staatskommissar Pg. Hans Hinkel zum Geschäftsführer der Reichskulturkammer berufen mit dem besonderen Auftrag der Bearbeitung der Verbandsangelegenheilen in den der Reichskulturkammer eingegliederten Einzelkammern.
Berlin. In diesen Tagen haben in Bukarest Verhandlungen über den Abschluß eines Verrechnungsabkommens zwischen Deutschland und Ru - mänien begonnen. Die Verhandlungen schließen sich an die letzten Handelsvertragsverhandlungen an, die am 23. März 1935 zum Abschluß eines Vertrages führten.
Kiel. Reichswehrminister Generaloberst v o n B l o m- b e r g und der Chef der Marineleitung, Admiral Dr. c. h. Raeder, wohnten anläßlich ihres Besuches in Kiel Schießübungen des Kreuzers „Leipzig" nach dem Zielschiff „Zähringen" in der Kieler Bucht bei. Der Reichs- Wehrminister und der Chef der Marineleitung nahmen ferner an Übungen der 1. Marineartillerieabteilung teil.
Brüffel. Über den Gesundheitszustand der K ö n i - g i n Witwe Elisabeth, der Mutter des belgischen Königs, die seit dem tragischen Tode ihres Gatten erkrankt ist und sich zur Zeit bei ihrer Tochter Prinzessin Marie Josö in Neapel befindet, sind beunruhigende Gerüchte verbreitet. König Leopold hat sich plötzlich zum Besuch seiner Mutter nach Italien begeben.
Stockholm. Da die bisherigen Eingaben der schwedischen Armee und Marinclcitnng ans Erhöhung der Wehrkraft des Landes infolge des Widerstandes der Regierung und ihrer Mehrheit im Reichstag das gewünschte Ergebnis nicht gezeitigt haben, unternahmen jetzt sämtliche Admirale a. D. der schwedischen Kriegsmarine in einer Eingabe an den König einen neuen Vorstoß in dieser Richtung.