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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 114 12. Jahrgang

Fulda, Freitag, 17. Mai 1935

Einzelverkaufspreis 10 Pfg.

Zusammenarbeit der französischen und sowjettussischen Generalstäbe.

Zwei französische Regimenter sollen in russischen übungslagern untergebracht werden.

Wie aus Pariser diplomatischen und militärischen Reifen verlautet, soll in den nächsten Wochen bereits ein Austausch zwischen General st absoffizèe- ren des französischen Heeres und der Roten Armee be-

diesem Zusammenhänge ist es interessant, daß Pertinax im GeneralstabsblattEcho de Paris" aus Moskau zu berichten weiß, daß im kommenden Sommer zwei französische Regimenter nach Ruß­land transportiert werden und dort in den Übungslagern der Roten Armee unter- gcbracht werden sollen. Diese bisher in Friedenszeiten einzigartige Maßnahme soll dazu dienen, die französische Armee mit den Eigenarten der Ausbildung und des Geistes in der Sowjetmacht vertraut zu machen.

Die Verhandlungen des französischen Außenministers Laval mit den Sowjetgewaltigen sind mit einem amtlichen Bericht beendet worden, in dem das Wichtige zwischen den Zeilen zu suchen ist. In dem Bericht, der durch das iowjètrussische Telegraphenbüro veröffentlicht wird, heißt es u. a.:

Während der Unterredungen hatten Stalin, Molotow Md Litwinow sowie Laval ihrer Genugtuung über den in Paris unterzeichneten Vertrag Ausdruck gegeben, der die B e r p f l i ch t u n g der gegenseitigen Hilfe Mischen der Sowjetunion und Frankreich festlegt und die nötige Erläuterung gegeben hat. Beide Seiten konnten Wellen, daß ihre ständig in allen diplomatischen Unter- Ahmungen zutage getretenen Bemühungen um die Sicherung des Friedens in einer Reihe von Staaten, die der Sache des Friedens zugetan seien, Unter- Wng gefunden hätten. Dies werde durch ihre Bereit- N zur Teilnahme an der Schaffung g e g e ns et - tiget Garantien bewiesen. Gerade im Interesse der Dmswahrnng seien diese Staaten verpflichtet,, die Atel der Landesverteidigung nicht itrab g umindern.

Statin habe sein volles Verständnis für die Be­hebungen jedes Landes ausgesprochen, einen Astungsstand zu erreichen, der die Notwendigkeit seiner Sicherungen entspricht.

Es wurde besonders anerkannt, daß der Abschluß des jenseitigen Beistandspaktes zwischen Sowjetrußland m Frankreich in keiner Weise die Bedeutung schmälert, bt die unaufschiebbare Verwirklichung eines

Abschluß des sowjetrussisch­tschechischen Beistandspaktes.

. . Am Donnerstag wurde im Prager Außenmitti- "'um der tschechoslowakisch-sowjetrussische Hilfe- ^tungspakt unterzeichnet. Für die Tschechoslowakei ^ttzcichnctc der Minister des Äußern Dr. Benesch, du Sowjetunion der Prager sowjetrussische Gesandte b k« n d r o w s k i den Vertrag.

tschechische Blätter melden, wurden auch die Hryandlungen über die Errichtung einer direkten !^uglinie MoskauPrag erfolgreich abge- Me $U Fluglinie soll am 1. August eröffnet

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Ser Inhalt des Abkommens.

<sch-ch°slowak>sch-,'owiclrussisch- Hilf-l-i- . Ulgspakt stimmt mit den ersten drei Artikeln des s i s ch - s o w j e tr u s s i s ch e n Beistandspaktes Omnien überein.

J "ikel 4 des Vertrages besagt u. a.: Ohne Beein- traZs der vorhergehenden Bestimmungen dieses Ver- !w ° Wnd festgesetzt, daß sich, wenn eine der hohen ver- itith Parteien von einem oder mehreren dic ^laaten unter Bedingungen angegriffen würde, Ns ne Grundlage zur Leistung von Hilfe und Unter-

-"och diesem Vertrage bieten, die zweite hohe sliktär nrtei verpflichtet, während der Dauer des Kon- «Nar-N ^r direkt noch indirekt dem Angreifer oder den

Hilfe oder Unterstützung zu gewähren, wobei Ieist»" Parteien erklärt, daß sie durch keinerlei Hilfe- iuiw ndkommen gebunden ist, das mit dieser Verpflich- Widerspruch stünde.

ftng^ ,likel 5 besagt: Die oben angeführten Verpflrch- geii ziehen in Übereinstimmung mit den Verpflichtun- Vertragsparteien als Mitglieder des

.N'"d auch keiner Bestimmung dieses Ver- tot« e Auslegung gegeben werden, die die

Weit . des Völkerbundes beschränken würde, sich um geeignete Maßnahmen zur wirksamen - 2 des Weltfriedens handelt, eher die der Dsv-

Regionalpakts in Osteuropa bietet, der die ur­sprünglich hierfür vorgesehenen Staaten auf der Grund­lage von Verpflichtungen vereinigen würde, die auf den Nichtangriff und die Nichtunterstützung des Angreifers ab­zielen.

Die Sowjets Wrien ihre Luftflotte vor.

Zu Ehren des französischen Außenministers Laval war in dem Programm auch eine Anzahl Flugveranstaltungen vorgesehen, um dem französischen Gast die Stärke und Bedeutung des sowjetrussischen Flug- Wesens praktisch vor Augen zu führen. Über den Militärflugplatz Morosino zogen einige Geschwader Auf­klärungsflugzeuge, gefolgt von Bombenflugzeugen, denen sich als Nachhut wiederum Aufklärungsflugzeuge an­schlossen. Die letzten Flugzeuge, die vor den Augen Lavals vorüberbrausten, warfen als Begrüßung des Gastes einige Dutzend kleine Fallschirme mit Fähnchen in den Farben Frankreichs und Sowjetruß­lands ab. Gleichzeitig sprangen zwei bekannte Fall­schirmspringer von der Militärakademie für Flug­wesen unmittelbar über dem Flugplatz ab. Einer der Piloten überreichte nach seiner Landung der Tochter des französischen Außenministers einen Rosenstrauß, den er bei dem Fallschirmabsprung mit sich geführt hatte. Das Schau­spiel wurde mit Figurenflügen beendet. Ein Flugzeug­geschwader flog dabei die BuchstabenR" undF", die Anfangsbuchstaben von Republique Fran?aise. Schnellflug­zeuge und ein Massenabsprung von 24 Fallschirmpiloten aus einem Bombenflugzeug schlossen die Veranstaltung ab.

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Marschall Main im Berliner Ehrenmal.

Auf der Durchreise nach Warschau, wo er bei den Trauerfeierlichkeiten für Marschall Pilsudski die franzö­sische Regierung vertritt, wurde Marschall P 6 t a i n in Berlin im Auftrage des Führers und Reichskanzlers und des Reichswehrministers vom Chef des Wehrmachts- amtes, Generalmajor v. Reichenau, begrüßt. Gene­ral v. Reichenau zeigte dem Marschall Pstain auf einer kurzen Rundfahrt im Kraftwagen die Hauptsehens­würdigkeiten der Berliner Innenstadt. Marschall Petain verweilte bei dieser Gelegenheit kurze Zeit im Ehren m a l.

Pflichtungen beschränken wurde, die sich für die hohen Ver­tragsparteien aus dem Völkerbundspakt ergeben.

' Im Artikel 6 heißt es, daß der Vertrag nach Aus­tausch der Ratifikationsurkunden

sofort in Kraft tritt und fünf Jahre in Geltung bleibt. Falls er von einer der Vertragsparteien nicht mit einer mindestens einjährigen Kündigung vor Ablauf dieser Frist gekündigt wird, bleibt er auf unbeschränkte Zeit in Gültigkeit.

Auch Punkt I und III des Unterzeichnungsprotokolls sind mit jenen des französisch-sowjetrussischen Protokolls identisch. Im Punkt II stellen die beiden Regierungen fest, daß die Tragweite der in den Artikeln 1, 2 und 3 des Vertrages enthaltenen Verpflichtungen, der in dem Bestreben abgeschlossen wurde, in Osteuropa ein regionales Sicherheitssystem auszubauen, so abgegrenzt ist, wie es im Punkt 4 des unterzeichneten Protokolls »u dem erwähnten Vertrag festgesetzt ist.

KemeMilgliedersperresürSZ.mdSSM.

Die P r e s s e st e l l e der Reichsjugend- f ü h r u n g gibt bekannt: Eine Sperre für die Auf­nahme in die Hitler-Jugend und den Bund Deutscher Mädel ist nicht erlassen und auch nicht beabsichtigt, ^ie vom Rcichsschatzmeister der NSDAP. erlassene Ver­fügung, wonach die zur Zeit für die Partei bestehende Mitgliedersperre bis zur endgültigen Regelung auch auf Angehörige der HJ. und des BDM. ausgedehnt wird, ist teilweise falsch aufgelegt worden. Wie aus der Ver­fügung des Reichsschatzmeisters hervorgeht, ist lediglich die schon bestehende Sperre für d i e Aufnahme in die NSDAP, nunmehr auch ausgedehnt worden auf die Aufnahme von Mitgliedern aus der HI. und dem BDM., die im allgemeinen mit ihrem 18. Lebens­jahr in die Partei übergeführt werden.

Eine Aufnahme von Mitgliedern in die HJ. und den BDM. wie auch in das Deutsche Jungvolk und die Z'MgmädLl in der HJ. ist nach wie vor möglich.

Wahlen in der Tscheche».

Die vierte allgemeine Wahl findet am Sonntag in der Tschechoslowakei statt. 1920 wurde das erste tschechische Parlament gewählt, nachdem der vorher aufgestellte Revolutionsausschuß aufgelöst worden war. 1925 und 1929 folgten die nächsten Parlamentswahlen, die jedesmal mit größter Leidenschaftlichkeit vorbereitet wurden. Nicht anders ist es in diesem Jahre. Der Wahlkampf tobt schon seit Wochen in Formen, wie wir sie von den vergangenen Jahren des Parteienhaders noch in Erinnerung haben. Versprechungen werden gemacht, die später niemals gehalten werden können, jede Partei will den Rahm ab­schöpfen. Bindungen untereinander kommen nur da zu­stande, wo es die Umstände unbedingt erfordern, etwa weil sonst jeder einzelne der Vertragspartner allein zugrunde gehen würde. Eines allerdings haben die tschechoslowakischen Parteien alle gemeinsam: sie nutzen den Wahlkampf zu einer ungehemmten Hetze gegen die deutsche Minderheit aus und benutzen gleichzeitig diese Hetze dazu, sich bei den Volksmassen beliebt zu machen und neue Wähler zu gewinnen.

Betrachtet man die Geschehnisse im einzelnen, so scheiden sich die bestehenden Parteien in zwei große Fronten: die Regierungsparteien und die im jetzigen Parlament stark in die Minderheit gedrängte Opposition. Zu den Regierungsparteien gehören die zahlenmäßig am stärksten vertretenen Agrarier, die Sozialdemokraten, die Nationalsozialisten" und die Katholische Volkspartei. In der Opposition stehen die Nationaldemokraten, die Gewerbepartei und die tschechische Liga. Nach dem Er­gebnis der letzten Wahlen verfügten die Regierungs­parteien über 3,5 Millionen Stimmen, die Opposition da­gegen nur über 750 000. Man erwartet allerdings, daß mit den jetzigen Wahlen eine erhebliche Ver­schiebung eintreten wird, durch die die Regierungs­parteien empfindlich getroffen werden. Jnnerpolitische Ereignisse, aber auch die Außenpolitik des Herrn Benesch sind der Anlaß dazu.

Das ganze tschechische Abgeordnetenhaus zählt ins­gesamt 300 Abgeordnete, von denen 171 auf die tschechischen Parteien, 19 auf die Slowaken, 30 auf die Kommunisten, 67 auf die deutschen Parteien und 13 aus die Splittergruppen entfallen. Diese Zahlen sind insofern beachtenswert, als man sich darüber klar sein muß, daß die Tschechoslowakei ein bunt zusammengewürfelter Nationalitätenstaat ist, wie es vielleicht keinen zweiten gibt. Neben den politischen Zielen der Parteien spielen noch nationale Interessen eine große Rolle im Prager Parlament. Die deutschen Parteien hatten sich unter der Führung von Konrad Henlein zu der Sud eten- deutschen Heimatfront zusammengeschlossen. Nach Verbot dieses Namens wurde die deutsche Gruppe in Sudetendeutsche Partei umbenannt, was aber auf ihre Zusammensetzung keinerlei Einfluß hatte. Die Wahlversammlungen der Sudetendeutschen gestalteten sich immer mehr zu großartigen Maffendemonstrationen, die trotz des Terrors der Tschechen ihren Eindruck nicht verfehlten. .

Wie die anderen Parteien mit allen Mitteln gegen die Deutschen vorgehen, beweisen die Vorgänge, die sich jetzt wieder in Prag abgespielt haben. Im Anschluß an eine Wahlversammlung der Rechtsopposttion zogen mehrere hundert Anhänger der Nationalen Vereinigung vor das Deutsche Haus, in das sie einzudringen ver­suchten. Die Rufe:Deutsche heraus!" wurden immer stärker und nur mit Mühe konnten die Eindringlinge vertrieben werden. Die ganze Front des Deutschen Hauses war mit tschechischen Flugblättern beklebt worden. Schließlich mußte die Polizei etwa tausend Mann auf­bieten, um die Ruhe wiederherzustellen.

Die Rechtsopposition der Nationalen Vereinigung wird aus diesem Wahlkampf mit dem größten Erfolge hervorgehen. Besonders der Außenminister Benesch hat nicht mehr das Vertrauen der Massen. Man steht der innigen FreundschaftmitSowjetrußland sehr skeptisch gegenüber, da man nicht begreifen will, wie diese Freundschaft mit einem Lande von Dauer sein kann, dessen politische Vertreter sich offen als Staatsfeinde be­kennen und den Umsturz fordern. Der Gewinn der Oppo­sition wird voraussichtlich auf Kosten der Kommunisten, der Sozialdemokraten und der sogenanntenNational­sozialisten" erzielt werden. DieNationalsozialisten" sind eine ausgesprochen kleinbürgerliche Partei, die mit unse­rem Nationalsozialismus nicht das geringste zu tun hat und dem Außenminister blind ergeben ist.

So werden die Wahlen vom Sonntag voraussichtlich eine durchgreifende Änderung in dem Aufbau der tschechischen Demokratie mit sich bringen, deren sicht­barstes Zeichen ein gewisser Ruck nach rechts sein wird. Entsprechende Veränderungen in der Regierung werden voraussichtlich die Folge davon sein. Aber Um­besetzungen, sofern sie eintreten, werden das Los der deutschen Minderheit in der tschechoslowakischen Republik kaum verbessern, da man lieber mit links lieb­äugelt, wie die Rnßlandpolitik zeigt, als jemals den Deutschen, die sich stets als gute Staatsbürger erwiesen haben, die ihnen zustehenden Rechte einräumt.

Ausbau der lettländischen Luftwaffe.

Riga. Anläßlich des Nationalfeiertages haben die Verwaltung und der Rat der Bank von Lett­land beschlossen, dem Ministerpräsidenten eine halbe Mil- liou Lat zu« ArrZbaL derldMÄtdrschev. L^ltw^ffe zu überreichen.